LOKALER FISCHBESATZ

Angler spielen bei Erhalt, Bewirtschaftung und Schutz der Süßwasserfischbestände eine unterschätzte, jedoch zentrale Rolle (Arlinghaus et al. 2017). Sie sind über ihre Vereine und Verbände nicht nur zur Nutzung von Süßwasserfischen berechtigt, sondern als Eigentümer oder Pächter von Fischereirechten auch zu deren Hege und Pflege gesetzlich verpflichtet. Mit viel Einsatz wird im Salzkammergut durch den Verein „Fischereimanagement Salzkammergut(FMSKG) und dem „Fischereirevier Oberes Salzkammergut(FROSKG) diese Hege und Pflege unserer heimischen Gewässer weitgehend im Ehrenamt erbracht. Würden sich die Angler nicht ehrenamtlich um die Gewässer kümmern, so müsste die öffentliche Hand nicht unerhebliche Steuergelder dafür aufwenden. Mit den Verein „Fischereimanagement Salzkammergut“ wurde ein Verein von Fischereibewirtschaftern aus dem FROSKG gegründet, um die Entwicklung von autochthonen und auch allochthonen Fischarten lt. adaptierten Fischartenleitbild an der Oberen Traun zu erhalten und zu entwickeln.

Die Basis unserer Bemühungen ist, lokale Naturfischbestände zu unterstützen und deren Aufkommen zu fördern, bis diese sich ohne deren Eingriffe selbst reproduzieren. Dazu sind einige zeitintensive Maßnahmen erforderlich. Wir haben in den Bereichen begonnen zu helfen, die wir direkt beeinflussen und entwickeln können, um unsere Fischbestände und deren Lebensraum bestmöglich zu schützen und zu erhalten.
© CC BY-NC-SA 4.0 FMSKG

Bachforelle

Unser Sorgenkind an der „Oberen Traun“ ist die Bachforelle. Leider nur noch in den Zubringerbächen und in der Koppen Traun vorhanden.
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Regenbogenforelle

Auch allochthone, Traun stämmige Regenbogenforellen werden als Wildfische gefangen, abgestreift und deren Nachkommen bis zum Brütling entwickelt und zum frühestmöglichen Zeitpunkt wieder ausgebracht. Hier am Foto, ein strammer Traun-RBF-Milchner, der nach getaner Arbeit wieder in sein Element, der Oberen Traun entlassen wurde.
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Hier ein Frühjahrslaicher – Regenbogenforellen Milchner bei der Befruchtung der RBF-Eier, Anfang März 2021
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Äsche

Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt in der Erhaltung der autochthonen Äschen-Bestände. Solange wir hier noch eingreifen müssen um die Defizite bei den Laichplätzen und den Jungfischhabitaten auszugleichen, helfen wir hier im Rahmen unserer lokalen Möglichkeiten mit. Ziel ist es jedoch, dass Umfeld so zu richten, dass wir selbst reproduzierende Äschen-Bestände entwickeln, die sich ohne Eingriffe wieder natürlich fortpflanzen.
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Ein Wunder der Natur – vom Ei zum Fisch(lein)….

Stunde Null beginnt mit dem Ei und der erfolgreichen befruchtung mit den Milchner.
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Hier die befruchteten Eier …. Wichtig sind uns in unseren Bewirtschaftungsmanagement, dass wir mit lokalen Wildfischpopulationen arbeiten und kurze Wege haben, von der Befischung Stelle bis ins Bruthaus und auch die Elterntiere werden unverzüglich nach dem Abstreifen, ohne lange Zwischenhälterung wieder in die Freiheit entlassen.
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Nach 5 Tagen kann man schon die Entwicklung sehen und auch unterscheiden ob es ein befruchtetes Ei ist oder nicht.
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Die Entwicklung in der Eizelle hat begonnen ….
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Temperaturgesteuert, wie ein Uhrwerk ist die Entwicklung auf Basis von „Tagesgraden“ zu beobachten.
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Noch kann man kaum einen Umriss erkennen.
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Am Tag 40 kann man schon schemenhaft den Umriss eine Embryo erkennen.
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Ein Wunder der Natur ….. Am Tag 55 kann man schon die beiden Augen erkennen….
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Es wird schön langsam Eng im Ei.
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Tag 78
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Am 78igsten Tag beginnen die ersten zu schlüpfen und befreien sich aus der Eihülle ….
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Immer mehr befreien sich und entwickeln sich zu Larven mit angehängten Dottersack.
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Nach dem der Dottersack verbraucht ist, müssen die Larven auf Futter umgestellt werden. Ein sehr wichtige Phase im Leben der kleinen Salmoniden. Am besten lassen sich die Regenbogenforellen umstellen. Die Bachforellen sind hier schon wesentlich sensibler und die Königsdisziplin der Salmoniden-Brütling Zucht ist die Äsche und es sind einige wichtige Punkte zu beachten.
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Was Fritz uns lehrt, ist Goldes wert …

Viel an Erfahrung ist hier erforderlich. Ein wichtiger Punkt im Leben der Larven ist, wenn sie sich vom Dottersack auf feste Naturnahrung umstellen müssen. Auch die Nahrungsaufnahme in den unterschiedlichen Wassertiefen, zwischen Grundnahrung, Drift und Oberflächennahrung sind wichtige Erfahrungen, die unsere Babys sammeln müssen, bevor es in die freie, aber raue Natur hinaus geht. Dazu werden verschiedene Arten von „Krebserl“ und Pulver hergestellt um eine Vorbereitung auf Naturnahrung hin zu bekommen. Diese Teile der Jungfischentwicklung bis zur Freigabe, dass sie als Brütlinge in die Natur entlassen werden können, beinhaltet auch noch sehr viele Skills und auch viel Arbeit und viele Stunden.

Die spinnen im Salzkammergut?

Die Spinnen im Salzkammergut, wird so mancher sagen, wenn es um diese wichtige letzte Phase der Fischlarven zum Brütling geht. Dies müssen so wie in der freien Natur auch auf die Jagd auf „Lebendfutter“ vorbereitet werden. Was ist das Beste, das den „Jungfischen“ passieren kann? Die regelmäßige Zugabe von Lebendfutter stellt für unsere „Insekten“ fressende Fische eine sehr gute und naturnahe Ernährung dar und sie wirkt auch als eine Beschäftigungstherapie und sorgt dafür, dass sie ein großes Spektrum ihrer natürlichen Verhaltensweisen auch in der Brutrinne lernen.
Tag 130, es ist soweit. Ein aufregender Teil ist noch der Transport der Brütlinge zur geplanten Besatzstelle. Auch hier ist einiges zu beachten um die wertvolle Fracht in ihren neuen Lebensraum zu überstellen. Siehe hier unter: „Brütligne Transport„.
Harald trennt sich hier von seinen Babys ….. Er kennt jeden einzelnen beim Namen. Aber er freut sich auch, dass sie in unseren schönen Gewässern im Salzkammergut zu strammen Fischen heranwachsen und der eine oder andere sich in den nächsten Jahren mit seiner „rosaroten Cosy“ überlisten lässt. (Vermerk zu, was ist die „rosaroten Cosy“ = Harald Geheimwaffe)
Dann haben sie es geschafft und müssen sich in der Koppen Traun, in der Oberen Traun, zwischen Hallstätter See und Traunsee und an der Ischl behaupten. Ihre lokalen Gene werden ihnen helfen sich hier wohl zu fühlen, zu wachsen und sich zu stattlichen Salmoniden entwickeln. Der eine oder andere wird in der Bratpfanne landen. Wir hoffen jedoch auch, dass sich viele fortpflanzen und weitere Nachkommen zeugen…..

Auf sind wir Spezialisiert?

Unser Bruthaus ist auf die Aufzucht von:

  • Äschen
  • Bachforellen
  • Regenbogenforellen
  • und Seeforellen

spezialisiert.

Verfügbarkeit

Bitte beachten Sie, dass der Fischbesatz der mit lokalen Fischen entwickelt und gezogen wird, im Unterschied zu „Speisefischen“ aus Aquakulturbetrieben, nur in begrenzter Anzahl zur Verfügung steht. Die Abgabe erfolgt nur an Mitglieder des Fischereimanagement Salzkammergut (FMSKG) und Fischereibewirtschafter aus dem Fischereirevier Oberes Salzkammergut (FROSKG) nach abgestimmten Bewirtschaftungsplänen und soweit der Vorrat reicht. Sollten bestimmte Fischarten, trotz sorgfältiger Planung, aufgrund einer unerwartet hoher Nachfrage oder durch zu wenig zur Verfügung stehende Elternfische ausverkauft sein, bitten wir um Verständnis. Beim Arbeiten mit Naturfischen aus demselben Flusseinzugssystem sind eine ökologische und ökonomische Grundvoraussetzung. Nur wenige befassen sich mit dem Thema der konsequenten, lokalen Lohnaufzucht. Mit der Gründung von Fischereimanagement Salzkammergut (FMSKG) haben wir den Grundstein für eine naturnahen Aufbau- und Erhaltung unserer Fischbestände gelegt.

Der Laichfischfang ist ein harte Knochenarbeit. Zumeist bei schlechten Wetter und zur kalten Jahreszeit. Die gesetzlichen Genehmigungen dazu, sind einzuholen. Ein Bewirtschaftungskonzept gehört mit den Fischereiberechtigten abgestimmt und die Abnahmen der Augenpunkt-Eier und Brütlinge gehört vereinbart. Auch ist einiges an Equipment zur Elektrobefischung, zum Transport und zur Aufzucht erforderlich. Wir sind jedoch der Meinung, es zahlt sich aus und kleine Erfolge bestätigen, dass wir uns am richtigen Weg befinden.

Ein Fischereirecht ist auch eine Pflicht

Wer Fischereirechte besitzt, hat nicht nur das Recht die Fischbestände des Gewässers zu nutzen, sondern auch eine große Verpflichtung, wenn es um das Management der Bestände geht. Es gibt dazu eine Vielzahl von Werkzeugen und somit viele Wege, um auf die Bestände und Artenzusammensetzung einzuwirken und die Bestände effektiv zu hegen. Einige dieser Wege werden traditionell eingesetzt, wie Besatz oder Mindestmaße, andere sind neuer und moderner, wie Lebensraummanagement oder Entnahmefenster. Wie auch in der Medizin, kann man über die Hege die Symptome sowie die Ursachen von Fischrückgängen bekämpfen, wobei die Symptombekämpfung meist schnell und kurzzeitig wirkt, die Ursachenbekämpfung aber längere Zeit benötigt und nachhaltiger ist.

Weitere Informationen:

Brütlinge Transport

REGENBOGENFORELLEN AKZENTE ISCHL

BACHFORELLEN HOTSPOTs 2020

80.000 BACHFORELLEN EIER IN DEN SAND GESETZT

21.000 BACHFORELLEN

RBF SUPPORT 2021

Cocooning

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