FRAUENWEISSENBACH UND ZUBRINGER

Dass wir überhaupt noch Bachforellen fangen ist keine Selbstverständlichkeit mehr – hier steht die Liebe zum Tier an erster Stelle aus unserer Sicht! Die „Baby“ Bachforellen, die sogenannten „Brütlinge“ werden in unseren Revier-Bruthaus in Ebensee aufgezogen. Ein Erlebnis, welches sehr Naturverbunden und spannend ist. Diese Basis Arbeit wollen wir nicht mehr missen und daher helfen wir in vielen Stunden durch Mitgliedern vom Fischereirevier Oberes Salzkammergut (FROSKG), unsere lokalen Bachforellenbestände, bzw. wie in diesen Projekt, diese wieder anzusiedeln und einen lokalen, selbstreproduzierenden Bestand zu entwickeln. Details zur Bachforellen Aufzucht unter:

FMSKG – Nature Fish Development Services

Natur Fisch Entwicklungs Services

Durch unseren, speziell für die Erhaltung unserer lokalen Wildfischbestände gegründeten Verein „Fischereimanagement Salzkammergut“ (FMSKG) unterstützen wir unsere Wildfische um diese in ihren Vorkommen zu unterstützen. Leider sind in den letzten Jahrzehnten einheimische Fische in der Region zurückgegangen. Heute sind viele Salzkammergut Wildfischpopulationen vor der vom Aussterben bedroht. Unser Ziel ist der Erhaltung, der Schutz und die Wiederherstellung der Wildfische und der Ökosysteme, von denen ihr Überleben abhängig ist.

FMSKG – Nature Fish Development Services

Frauenweißenbach

Der Frauenweißenbach selbst, in dem sich der Offenseebach, Schwarzenbach und der Gimbach vereinigen, ist ein rechtsufriger Zubringer der Traun, in welche er nahe der Ortschaft Lahnstein einmündet. Das Einzugsgebiet des Frauenweißenbachs, mit einer Gesamtfläche von 86,05 km², liegt im Gebiet der Marktgemeinde Ebensee.

Frauenweißenbach Mündung in die Ebenseer Traun. An den Schotterbänken sieht man, dass hier auch ohne große Hochwässer einiges an Geschiebe transportiert wird.

Ausgehend von der Traun teilt er sich nach einem knapp 3 km langen Unterlauf in den rechtsufrig mündenden Offenseebach und den linksufrigen Schwarzenbach. Ersterer teilt sich wieder bei hm 55.00 in den Offenseebach und den Grieseneckbach. Der Grieseneckbach entsteht aus der Vereinigung des Höll Grabens, des Steinbachs und des Grubenbachs. Der Schwarzenbach ist in seinem Oberlauf ebenfalls aufgefächert: in den eigentlichen Schwarzenbach, den Kesselbach und den Gimbach. Alle gehört zum Verwaltungsbereich der Wildbach- und Lawinenverbauung.

Quelle: Masterarbeit „Optimierung der Geschiebebewirtschaftung am Gimbach“ von Kevin Guggenberger (Oktober 2020)

Offenseebach – Offensee

Der Frauenweißenbach teilt sich nach einem knapp 3 km langen Unterlauf in den rechtsufrigen Offenseebach bzw. den linksufrigen Schwarzenbach mit Gimbach. Der Offenseebach selbst hat eine Einzugsgebietsgröße von ~52 km². Die Quelle des Offenseebaches bildet der Offensee, bei ~hm 54 mündet rechtsufrig der Grieseneckbach in den Offenseebach.

Der Offensee

Der Offensee selbst, dürfte eine späteiszeitliche Bildung sein, dessen früheres Ausmaß an den Felsumrandungen bzw. den Randmoränenresten oberhalb der Offenseesäge erkennbar ist und welcher vornehmlich von den Ablagerungen des Grieseneckbaches verfüllt wurde.

Gimbach – Schwarzenbach

Der Ebenseer Gimbach ist der Oberlauf des Frauenweißenbach und sollte nicht mit dem Gimbach im Mitterweißenbach verwechselt werden. Der Gimbach gehört zum Gewässersystem:

Das Einzugsgebiet des Gimbaches befindet sich im südlichen Oberösterreich im Gemeindegebiet
Ebensee. Der Gimbach ist ein stark geschiebeführender, in seinen Seitengräben bzw. in den
Oberläufen mur fähiger, Wildbach. Die Flussläufe des Hauptgerinnes und der Seitengräben sind
mit Konsolidierungssperren, Dosiersperren, Rampen und Sohlstufen verbaut. Zahlreiche
Niederschlagsereignisse sowie Lawinenabgänge, vorrangig vom Übelgraben kommend, führten
jedoch zu erheblichen Schäden an den Bauwerken.

Der Gimbach erstreckt sich über eine Länge von knapp 2,4 km und umfasst ein Einzugsgebiet von 6,07 km². Er gilt als der wesentlichste Geschiebelieferant des Frauenweißenbachs.

Die Begrenzung des Einzugsgebiets des Gimbaches bildet im Norden der Petergupf (1646 m.ü.A.) bzw. der auslaufende Rücken des Bromberges (Hohes Schneeloch), im Osten das Glatzeck (1523 m.ü.A.), im Süden die Langwand (1685 m.ü.A.) und der Speikkogel (1707 m.ü.A.) und im Westen einerseits der Mittagkogel (1790 m.ü.A.) und andererseits der Bergwerkkogel (1669 m.ü.A.). Aus dieser Umgrenzung ergibt sich ein Südwest-Nordostverlauf des Einzugsgebietes, welchem diverse Almflächen (Vordere Gimbachalm, Hintere Gimbachalm und Dielaualm) angehören. Der höchst gelegene Punkt im Einzugsgebiet befindet sich auf 1790 m.ü.A. (Mittagkogel), der tiefst gelegene liegt nahe dem Schwarzenbach Stüberl auf 532 m.ü.A. (WLS Report 92, 2003).

Belegbare Hinweise für die Wildbachtätigkeit des Frauenweißenbachs gehen bis ins Jahr 1825 zurück. In den damaligen Katasteraufzeichnungen („Katasterkarte“) werden bereits Rutschflächen (damals als „Erdlawinen“ eingetragen) im Bereich des Gimbaches ausgewiesen.

Die großflächigen Erosionen und der Geschiebeeintrag resultierten in große Geschiebeumlagerungen, Verlandungen der bestehenden Sperren und Bachverlegungen des Hauptgerinnes. Zusätzlich zu den bereits vorhandenen Schäden wurden einige große Sperren umspült bzw. unterspült. Aus diesen periodisch wiederkehrenden Hochwasserereignissen ergibt sich auch eine recht schwierige Situation in der fischereilichen Bewirtschaftung.

Das Einzugsgebiet des Frauenweißenbaches ist hinsichtlich der Niederschlagsverhältnisse durch den Nordstau der Alpen beeinflusst. Großklimatisch dominiert der ozeanische Einfluss und die Beckenlagen weisen winterliche Temperaturinversionen auf. Am Gimbach fällt der um 1899 in Bad Ischl aufgezeichnete Extremniederschlag von 217 mm in die Zeit der größten Hochwässer.
Einzugsgebietskennwerte Gimbach (Quelle: Dokumentation und Grundlagenerhebung zur Aufarbeitung der Hochwasserereignisse vom August 2002 im Bereich der WLV-Gebietsbauleitung Salzkammergut, Boku und WLV Dezember 2003)
Ein Projekt, gemeinsam mit den ÖBF-Forstbetrieb Traun-Innviertel, Ebensee. Danke für die gute Zusammenarbeit mit dem ÖBF Geschäftsfeld Fischerei und dem Revierleiter.

Fischereiliche Bewirtschaftung

Grundsätzlich ist der Frauenweißenbach sowie seine Zubringer sehr stark verbaut – eine aufwärtsgerichtete Fischwanderung ist nicht möglich. Bereits wenige Meter aufwärts der Mündung in die Traun findet sich die erste nicht passierbare Sperre – im Weiteren kommen dutzende zum Teil sehr hohe Sperren hinzu. Der Abwärtstrend der Bachforellen im Salzkammergut ist eine unglückliche Realität der letzten Jahrzehnte. Eine Situation die wir vom Fischereirevier Oberes Salzkammergut in Zusammenarbeit mit den ÖBF entgegenwirken wollen.

Bereits wenige Meter aufwärts der Mündung in die Traun findet sich die erste nicht passierbare Sperre.

Fischereiliche Situation

Der Frauenweißenbach mit dem Gimbach war über viele Jahre hinweg ein begehrtes Fischereirevier, welches durch Pachtversteigerungen recht respektable Pachtpreise erzielen ließ. Durch einige Hochwässer wurde jedoch die Struktur des Gewässer stark beeinträchtigt und eine kanalisierte, trapezförmig gebaggerte Bachführung war auch nicht fischfreunlich geeignet, dass sich ein Fischbestand erholen konnte. Auch eine für dieses Umfeld ungeeignete fischereiliche Bewirtschaftung dieses hochalpinen Wildbaches führten dazu, dass sich ein selbstreproduzierender Bachforellen Bestand entwickeln konnte.

In der Zwischenzeit haben die Schneeschmelze und kleinere Hochwasser wieder eine recht schöne Struktur in den Gimbach und in den Frauenweißenbach geschaffen. Die Analyse der historischen Fangaufzeichnungen zeigte, dass die wilden Bachforellen Bestände im Gimbach bei +/- 40 Kg/ha lagen und durch die Hochwasserereignisse mit einem sehr hohen Geschiebe- und Feinsedimenteanteil zu 100% vernichtet wurden und im Frauenweißenbach, mit einen Bestand von 70-80 Kg/ha um mehr als die Hälfte zurückgegangen sind. Schön, dass wir jetzt einen Bestandsaufbau starten konnten.

Wassertemperatur Frauenweißenbach

Forellen bevorzugen saubere, kalte und sauerstoffreiche Gewässer. Sie sind kaltstenotherm, das heißt sie können nur in kalten und kühlen Gewässer überleben. Die optimale Wassertemperatur liegt zwischen 8 und 18 Grad Celsius. Je kälter das Wasser ist, desto langsamer wachsen die Forellen und desto fester und edler wird ihr Fleisch. Daraus ergibt sich auch eine Erwartungshaltung, die man bei der Bewirtschaftung solcher hochalpinen Bäche, wie dem Gimbach haben sollte. Fische mit 30 cm sind durchaus als kapital zu bezeichnen. In der einen oder anderen Gumpe, wird sich eventuell mal eine etwas größere einstellen. Bachforellen in diesen Bereich mit +40 cm sollte man als Jahrzehnte Fang werten. Im größer werdenden Unterlauf des Frauenweißenbach, wo sich auch das Nahrungsaufkommen erhöht, ist auch mit durchaus größeren Fischen zu rechen. Wir werden die Bestandsentwicklung beobachten und berichten.

Die Forellenregion befindet sich in der Regel am Oberlauf eines Fließgewässers. Es herrscht eine sehr starke Strömung, dadurch wird das Wasser über Kies und größere Steine umgewälzt und mit Sauerstoff angereichert. Die Wassertemperatur steigt selten über 10 °C. Der Grund besteht aus Felsgestein, Geröll und Grob Kies.

Bestandssichtung am 16. Februar 2022

In drei Kolke wurden mittels Elektrobefischung geprüft, ob sich im Oberlauf des Gimbach noch Fische gehalten haben könnten. Durch die Geschiebefracht von vielen tausend Kubikmeter Schotte wurde jedoch der Fischbestand auch hier, wie an anderen Hochgebirgsbächen, durch ein starkes Hochwasser im Jahr 2013 total vernichtet.
Im Oberlauf in den Gumpen und Kolke wollen wir wieder einen Bachforellen Bestand ansiedeln.

Initialbesatz am 25. Februar 2022

Die letzten Katastrophenhochwässer in den Jahren 2002 und 2013 haben den Fischbestand im Oberlauf Gimbach gänzlich ausgelöscht – im Februar 2022 wurde daher beschlossen an 3 Stellen mit einem Standardelektroaggregat eine Elektrobefischung durchzuführen um gegebenenfalls einen Bestand zu ermitteln. Es konnte jedoch, wie schon visuelle Prüfungen ergeben haben, auch mittels Elektrobefischung kein einziger Fisch nachgewiesen werden.

Fischereirevier Obmann Heimo Huber beim Bachforellen Initial Besatz am 25. Februar 2022.

Ziel „Gimbach Projekt“

Auf den guten Erfahrungen, die wir an anderen, durch Hochwasser ähnlich gestressten Bächen, wie den Grabenbach oder Höllbach (etc.) mit Initialbesatz gemacht haben, wollen wir auch im Gimbach einen selbstreproduzierenden Bachforellen Bestand aufbauen. Daher ist das Ziel dieses Projektes, die Bachforelle (Salmo trutta) im Gimbach wieder anzusiedeln und so zumindest einen Zuzug (Drift) von oben in den Frauenweißenbach zu ermöglichen. Aufgrund der aktuellen Situation (fischleer) ist ein Besatz gefahrenlos und gefährdet keine autochthone Population.

7.000 Bachforellen Brütlinge kommen als Initialbesatz in den Oberlauf des Gimbach.
Wir setzen so früh wie möglich, damit sich die Brütlinge rasch an ihren Lebensraum gewöhnen.
Der Dottersack ist fast verbaraucht und die Umstellung auf Naturnahrung müssen sie selbst lerenen. Wir wollen unseren Besatz absichtlich nicht mit Kunstfutter anfüttern und daran gewöhnen. Naturfische müssen sich in der Natur behaupten.
Im Gimbach, bei der Schwarzenbach Mündung.

Damokles Schwert vs. HQ 100

Vom Gesetzgeber her, hat man als Bewirtschafter“ die Pflicht, einen gewässertypspezifischen Wassertierbestand zu erhalten (Hegepflicht) und – soweit dies zumutbar ist – dafür zu sorgen, dass die Lebensgrundlage der Wassertiere nicht beeinträchtigt wird. Für den Fall, dass die Lebensgrundlage der Wassertiere durch unvermeidbare anthropogene Eingriffe oder natürliche Ereignisse beeinträchtigt wird, ist die bzw. der Fischereiberechtigte verpflichtet, – soweit dies zumutbar ist – geeignete Maßnahmen zum Erhalt des Wassertierbestands zu ergreifen.“

Das Damokles Schwert als eine Metapher der bestehenden Gefahren in unseren Bemühungen den Fischbestand aufzubauen schwebt über uns und kann uns die mühevolle, langwierige Arbeit mit einen Schlag zunichtemachen.

Es kann über Jahre und Jahrzehnte gut gehen, wie man an der Ereignischronik sieht und es kann in den nächsten Tagen eine Starkregen, gemeinsam mit der Schneeschmelze ein Hochwasser verursachen und unsere „Forellen Babys“ vernichten.

Heimo bei der Arbeit
Artikel ist in Arbeit
https://www.worldfishmigrationday.com/
 
Happy Fish© ist ein Symbol für Menschen, Organisationen und Projekte, die darauf abzielen, wieder frei fließende Flüsse für Fischpopulationen zu schaffen. 

„Hege nach dem Prinzip: Versuch macht klug“

Für das Fischbesatzmanagement empfiehlt sich das Grundprinzip der lernfähigen Hege. Dabei wird der Erfolg jeder Maßnahme in verschiedenen Schritten überprüft. Dazu gehört, das natürliche Aufkommen der Zielfischarten regelmäßig zu erfassen und daraus auf die Besatznotwendigkeit zu schließen.

Zitat: von Robert Arlinghaus

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