GOISERER TRAUN – VERBESSERUNG DER LAICHPLÄTZE UNTERHALB DER SEEKLAUSE

Das vorliegende Projekt soll eine wasserrechtlichen und naturschutzrechtlichen Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen in der Oberen Goiserer Traun beschreiben. Die Kolmation des Substrates stellt insbesondere in der Traun ein Problem für die Laichplätze der kieslaichenden Fischarten dar. Dadurch, so das Ziel des Projektes, sollen Schotterbänke geschaffen werden, die die Laichsituation für Kieslaicher, etwa den Äsche (Thymallus thymallus) und der Koppe ( Cottus gobio) verbessern.

Die Umsetzung soll in den Wintermonaten erfolgen, da in dieser Zeit aufgrund der geringeren Wasserführung die Bauarbeiten Großteils im Trockenen umgesetzt werden können und somit die
Gewässerbeeinflussung geringgehalten wird.

Projekt Übersicht

Im Rahmen eines auf selbstreproduzierende Fischbestände aufgebauten Projektes zur Erhaltung der autochthonen Äschen in der Oberen Traun (SÄEPP „Salzkammergut Äschen Erhaltungs- und Entwicklungs-Projekt“) soll an den besagten Standorten durch Einbringung von Kies 16/32 die Bandbreite der Kornverteilung der Gewässersohle und damit die Laichplätze wesentlich verbessert werde.

Standortauswahl

Die Auswahl der Standorte erfolgte zum einen aufgrund morphologischer Bedingungen, zum Zeitpunkt der Äschen Laichzeit und darüber hinaus überströmte flache Bereiche und zum anderen aufgrund ihrer Erreichbarkeit für den Bagger im Flusssystem, womit Schäden geringgehalten werden sollen. Die Stellen befinden sich im Detailwasserkörper Nr. 401220017 Traun_Ausrinn_Hallstättersee im Bereich von Flusskilometer 118,140 bis 118.220 und der Bereich oberhalb vom Nadelwehr bei Flusskilometer 118,270.

DATENBLATT 2021 – Wasserkörpernummer 401220017

Der Detailwasserkörper weist laut WISA einen unbefriedigenden hydromorphologischen Zustand auf, der biologische Zustand hinsichtlich stofflicher Belastungen ist gut. Gesamt ergib
dass einen unbefriedigenden ökologischen Zustand.

Veranlassung und Zweck des Projekts

Die Laichplatzsituation in diesen Bereich konnte zwar durch Auflockerungen, die im Jänner 2021 durchgeführt wurden, bereits verbessert werden. Es zeigte sich jedoch, dass im Seeausrinn-Bereich zu keiner Schotterzuführung und keiner Umlagerung kommt und der bestehende Substrat stark verkrustet ist.

Dadurch, so das Ziel des Projektes, sollen Schotterbänke geschaffen werden, die die Laichsituation für Kieslaicher, wie der Äsche (Thymallus thymallus) und der Koppe (Cottus gobio) in der Oberen Traun wesentlich verbessern. Die Umsetzung soll in den Wintermonaten erfolgen, da in dieser Zeit aufgrund der geringeren Wasserführung die Bauarbeiten Großteils im Trockenen umgesetzt werden können und somit die Gewässerbeeinflussung geringgehalten wird. Weiters ist der Steeg Wirt Fluder im Zeitraum 1. Jänner bis 23. März eines Jahres, durch die Seeabsenkung lt. Klaus Wehr Verordnung sowieso trockengelegt und daher können die Arbeiten in diesen im trockenen erfolgen. Siehe „Klaus Wehr-Verordnung“:

Bewilligungswerber

Hurch FlyFishing Oberwimmer GmbH
Kugelhofstraße 18, A- 5020 Salzburg
Telefon: +43-662-83 44 27
E-Mail: office@hurch.eu

Projekt Abschnitt 1: Steeg Wirt Fluder

Dieser Teil vom Steeg Wirt-Mühlbach soll als Laichplatz revitalisiert werden.

In der Winterperiode 2021/2022 konnte im oberen Steeg Wirt Fluder bereits durch eine Schottereinbringung die Maßnahmen kleinräumig getestet werden um zu prüfen, ob die Anreicherung mit Substrat „16/32 Kalkstein gewaschen und rund“, von den Äschen auch angenommen wird. Der „Steeg-Wirt Fluder“ ist in seiner Form als „Mühlbach“ erhalten geblieben und wird von den Äschen als Laichhabitat aktiv genutzt. Um auch den Unterlauf von der Brücke nach dem Steeg Wirt Wirtshaus bis in die Mündung in die Traun besser als Laichplatz nutzbar zu machen, soll auch in diesen Bereich entsprechender 16/32 Kies eingebracht werden.

Abschnitt 1: Bedarf an runden, gewaschenen 16/32 Kies (ca.):

Länge 78 Meter x Breite 4 Meter x einer Schütthöhe von 10 cm = 32 m3

Da der untere Teil des Steeg Wirt-Fluder durch Hochwässer in Mitleidenschaft gezogen wurde, soll auch hier die Uferbefestigungen, so wie diese noch teilweise noch vorhanden ist, werden mit Holzpiloten und abwechselnden Langhölzer zur Wiese als Stützwerk für Pflanzen und für eine dauerhafte Stabilisierung der Mühlbach-Ufer gerichtet werden. Langhölzer entlang des „Mühlbach“ werden so gesetzt, dass sie Fischunterstände bilden.

Als Material werden Rundhölzer aus der Region, mit einen Durchmesser von 15-30 cm verwendet.

Projekt Abschnitt 2: Äschen Laichplatz rechter Auslauf

Punktueller Eintrag von Kies

Es wir Kies, RK 16/32, gewaschen in den aufgelockerten Bereich eingebracht. Damit sollen die Bedingungen für die kieslaichenden Arten verbessert werden. Das Material wird entweder direkt flächenhaft mit einer Stärke von ca. 10cm eingebracht oder am aufstromigen Rand der Laichfläche als Depot angelegt. Die Verteilung des Kieses in die Laichfläche erfolgt im Hochwasserfall über die fließende Welle.

Jedenfalls ist durch die Einbringung des Kieses aus hydraulischer Sicht keine Verschlechterung zu erwarten, da

  1. durch die Umlagerung des Überkorns die Sohle lokal abgesenkt wird
  2. der Kies im Hochwasserfall mit der Welle transportiert und umgelagert wird.

Abschnitt 2: Bedarf an runden, gewaschenen 16/32 Kies (ca.):

Länge 80 Meter x Breite 15 Meter x einer Schütthöhe von 15 cm = 180 m3

Projekt Abschnitt 3: Äschen Laichplatz beim Nadelwehr

Punktueller Eintrag von Kies – im rechten Bereich oberhalb vom Nadelwehr, ist von den Arbeiten der Munitionsbergung noch eine starke Ablagerung von Feinsedimenten, die kein Laichen zulassen. Um diesen zur Laichzeit stark frequentierten Bereich als Laichplatz herzurichten, soll hier Schotter eingebracht werden, der manuell mit Handrechen flächig verteilt wird.

Abschnitt 3: Bedarf an runden, gewaschenen 16/32 Kies (ca.):

Länge 20 Meter x Breite 4 Meter x einer Schütthöhe von 20 cm = 16 m3

Strahlwirkung auf die Obere Traun

Die Verbesserung dieses Abschnittes ist insofern von essentieller Bedeutung, da die Goiserer Traun eine der wenigen Gewässerabschnitte an der Oberen Traun ist, wo sich noch ein nennenswerter Äschen Bestand erhalten hat und damit auch „den wichtigsten Genpool“ für den Äschen Nachwuchs an der Oberen Traun darstellt.

Die Fortpflanzung der Äschen findet vor allem in den Monaten April bis Mai statt. Während dieser Jahreszeit wandern die Äschen zumeist über kurze Strecken zu ihren Laichplätzen. Diese befinden sich im schnell strömenden seichten Wasser über Kiesbetten. Am Ausrinn des Hallstätter See kommen die See-Äschen in die Goiserer Traun hereingezogen, um dort abzulaichen.

Ein signifikanter Vorteil ist die Tatsache, dass das Laichen der Äschen im Vergleich zu anderen Laichplätzen, besonders gut beobachten werden kann. In diesem „Naturaquarium“ kann nicht nur ein eindrucksvolles und seltenes Naturschauspiel beobachtet werden, sondern die Sichtverhältnisse lassen ein effizientes Monitoring der Äschen bzw. des Laichverhalten der Äschen zu.

Umsetzungszeitraum und Dauer

Die geplante Maßnahme soll im Zeitraum zwischen Jänner 2024 und Ende Februar 2024 umgesetzt werden. In diesem Zeitfenster soll eine Niederwasserphase abgewartet werden, um den Großteil der Arbeiten im Trockenen durchführen zu können. Die Umsetzung der Maßnahmen während dieser beiden Monate liegt sowohl außerhalb der Schonzeiten der Schonzeit der Äsche, die in dieser Region unter anderem Leitfischart ist.

Zusätzlich hat dieser Umsetzungszeitraum kurz vor der Laichzeit der Äsche den Vorteil, dass sich die Auflockerungen und der Eintrag von Kies zumindest auf die Laichzeit im Frühjahr 2024 positiv auswirken, da die Hochwasserwahrscheinlichkeit und die daraus folgende Kolmation sowie die Gefahr eines Kies-Abtrages gering ist.

Fischökologische und fischereiliche Auswirkungen

Fischökologische Auswirkungen

Eine Bauzeit im Winter steht zwar einerseits in einem gewissen Widerspruch zur Bachforellen-Laichzeit, da diese jedoch an der Oberen Traun als langfristig nicht überlebensfähig gilt (PKD/PDS), könnten nur die winterlaichenden Regenbogenforellen in ihrem Laichgeschäft gestört werden. Da sich jedoch an der Oberen Traun ein frühjahrslaichender Stamm etabliert hat, finden in diesen Zeitraum so gut wie keine Laichaktivitäten statt. Andererseits ist der Zeitpunkt sehr gut für die Reproduktion für die Äschen gewählt, da diese unmittelbar ab April eines Jahres, bei einer Wassertemperatur von 9 Grad C mit dem Laichgeschäft beginnen, welches bis zur Schneeschmelze in den Mai andauert. Gegen ein Baggern im Sommer sprechen aber die erhöhte Wasserführung in den Sommermonaten beginnend mit der Schneeschmelze, sowie eine Störung der zu diesem Zeitpunkt geschlüpften Jungfische.

Eine Bauzeit im Winter erscheint daher die fischökologisch optimale Variante und wird angestrebt. Sie fördert das Frühjahrslaichgeschäft und schont die Sommerbrut!

Im direkten Bereich der Baggerarbeiten werden vorhandene Fische, die nicht über die Wasserwelle fliehen können wie z.B. Koppen, zum Teil geschädigt. Ebenso werden vorhandene Fischnährtiere geschädigt. Die entstehenden Trübungen und die Kolmation werden für unmittelbar flussabwärts gelegene (Jung)Fische Auswirkungen haben, sodass mit geringen Ausfällen zu rechnen ist.

Gesamt betrachtet werden die Maßnahmen aber für alle genannten Wassertiere eine derartige Verbesserung mit sich bringen, dass die zu erwartenden Schäden um ein Vielfaches geringer sind als der ökologische Nutzen für das Gesamte Ökosystem.

Auswirkungen durch die Baumaßnahmen auf die Fischerei

Generell werden um diese Jahrezeit die Auswirkungen auf die Fischerei sehr gering beurteilt. Es werden während des Eingriffs Fahrten und Arbeiten im benetzten Flussbett so gering wie möglich gehalten. Weiter wird gewaschener Kies eingebracht, der nur geringe Trübungen bei der Einbringung verursacht und auch wenig Trübung bei Benetzung verursachen wird.

Naturschutzrechtliche Auswirkungen

Die geplanten Standorte befinden sich weder in einem Natur- noch in einem Landschaftsschutzgebiet.

Dennoch besteht gemäß §10 Oö NSchG 2001 Natur- und Landschaftsschutz im Bereich von übrigen Gewässern. Durch die geplanten Maßnahmen sollen jedoch die Auswirkungen auf das Gewässer und den angebundenen terrestrischen Lebensraum minimiert werden und es soll langfristig eine Verbesserung erreicht werden, die der Erhaltung auch von gefährdeten Arten und der Biodiversität dienen. Durch die Maßnahmen werden nicht nur Fischarten des Anhang V (gefährdete Tier- und Pflanzenarten), sondern auch Fischarten des Anhang II, geschützte Tier- und Pflanzenarten gem. FFH-Richtlinie betroffen:

Thymallus thymallus                                              Äsche                                           Anhang V

Cottus gobio                                                           Koppe                                         Anhang II

Durch die geplanten Maßnahmen sollen speziell für die Äsche (Kieslaicher) die bevorzugten Laichplätze repariert und verbessert werden, um deren natürliche Reproduktion zu fördern. Die Koppe, insbesondere die juvenilen Individuen dieser sohlgebundene Kleinfischart, profitieren über den gesamten Lebenszyklus von den verbesserten Substratbedingungen an den Maßnahmenstandorten.

Durch die geplanten Maßnahmen werden gemäß FFH-Richtlinie gefährdete oder geschützte Tierarten in ihrer Fortpflanzung unterstützt und es wird ein wesentlicher Beitrag zur Erhaltung der Arten geleistet.

Für das Makrozoobenthos und dessen Biomasse bedeuten die Maßnahmen eine wesentliche Verbesserung, weil in den neu geschaffenen Bereichen der Kieslückenraum deutlich erhöht wird und den Tieren eine verbesserte Lebensgrundlage bietet.

Die geringfügigen Schäden an der Ufervegetation werden rasch durch natürlichen Austrieb kompensiert werden, sodass nach wenigen Monaten kaum noch sichtbare Auswirkungen zu erkennen sein werden. Geschützte Pflanzen werden durch die Maßnahmen nicht betroffen.

Hydraulische Auswirkungen

Es kann davon ausgegangen werden, dass sowohl die Auflockerungen der Sohle als auch der Eintrag von Kies keinen Einfluss auf die Hydraulik des Gerinnes haben, da die bewegten / eingebrachten Mengen zu gering sind und der Abflussquerschnitt im Hochwasserfall nicht verändert wird.

Durch die Umlagerung des Überkorns wird die Sohle lokal abgesenkt und im Anschluss wieder mit Kies aufgefüllt, der im Hochwasserfall mit der Welle transportiert und umgelagert wird. Im Vergleich zum natürlichen Geschiebetrieb sind diese Mengen zu vernachlässigen.

Insgesamt wird durch die im Projekt geplanten Maßnahmen die Zusammensetzung des Sohlsubstrates verbessert, was positive Auswirkungen auf die Sedimentsituation in der Traun erwarten lässt.

Durch die geplanten Maßnahmen wird kein Sohlsubstrat aus der Traun entnommen, das Sediment/Überkorn wird mit dem natürlichen Geschiebetrieb weitertransportiert.

Betroffene Grundstückseigentümer

Zufahrt und Eigentum vom Steeg Wirt Fluder:

Fischereirecht: ÖBF, gepachtet vom Antragsteller: Hurch FlyFishing Oberwimmer GmbH

Weitere Informationen

Heimo bei der Arbeit
Artikel ist in Arbeit

„Unsere Herausforderung ist, denn Fischen ihren Lebensraum zu retten!“

 

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