BEWIRTSCHAFTUNG

NAHRUNGSAUFKOMMEN OBERE TRAUN

Nahrungsaufkommen regelt den Fischbestand

Hier ein paar Gedanken und Erfahrungen zur Nahrungssituation unserer Fische, in der Oberen Traun. Wir haben an der Oberen Traun, dort gute Fischbestände, wo auch das Nahrungsangebot passt. Diese Situation ist von verschiedenen Komponenten und Einflüssen abhängig.

Fische unternehmen regelmäßig Wanderungen in Gebiete mit guter Nahrungsbasis. Häufig liegen die Nahrungsgründe nicht in denselben Gewässerteilen wie z. B. die Laichplätze, weshalb einerseits Adultfische nach dem Laichen in Nahrungshabitate wandern, andererseits z. B. bereits frühe Larven bald nach dem Schlüpfen durch Drift geeignete Nahrungsgründe in flussabwärts gelegenen Flussabschnitten aufsuchen.

Für Forellen und Äsche wurden in noch offenen Flusssystem flussaufwärtsgerichtete Nahrungswanderungen von rund 120 km festgestellt. Wanderungen zwischen Nahrungs- und Schutzhabitaten werden sowohl von Juvenilen als auch Adulten Salmoniden zum Teil täglich vollzogen.

Viel Strukur = viel Lebensraum = viel Nahrungsangebot

Nahrungssitaution in der Oberen Traun

Vor 50 Jahren, da war der Nährstoffgehalt in der Traun zig Mal so hoch wie heute. Äschen, Bachforellen Seeforellen, Aalruten und Kleinfische – diese trauntypischen Fische sind damals noch in ganzen Schwärmen im Fluss unterwegs gewesen, Futter war reichlich vorhanden. Es gab noch Schlupfperioden von Eintags,- Stein, -und Köcherfliegen. Mit jedem Hochwasser wurden Laub, Gehölz, Käfer,  Erdreich in den Fluss gespült. Das sind natürliche Nährstoffe: „Davon lebt ein Fluss“. Auch viele Hauskanäle wurden zu dieser Zeit noch eingeleitet und brachten viel Nahrung ein. Wobei wir froh sind, dass der Zustand mit der Hauswassereinleitung nicht mehr gegeben ist.

Hier kann es sein, dass früher, durch die starken Nährstoffeinbringung auch das Insektenaufkommen und auch die Insektenarten profitierten. Hier muss sich ein Gewässer und die Insekten auch erst mit der Zeit, auf die bessere Wasserqualität umstellen.   

Klaeranlage zu klar?

Die Frage ist jedoch auch, ob nicht auch heute noch, durch die Einleitungen von Kläranlagen das Nutzwasser mittlerweile zwar auf augenscheiliche Trinkqualität gesäubert, doch noch Stoffe einleitet, die Insekten und andere Wassertier in der Entwicklung stören.

Oder wird zu stark „geklärt“?

Damit Lebewesen in einem Gewässer existieren können, brauchen sie ein Minimum an Nährstoffen. Eine bestimmte Menge an Phosphor und anderen Nährstoffen ist für ein funktionierendes Gewässerökosystem also unabdingbar. Wie gross diese Menge ist, ist von Gewässer zu Gewässer verschieden und hängt zum Beispiel vom Einzugsgebiet ab. In dieser allgemeinen Abwasseremissionsverordnung wird geregelt in welcher Konzentration die Einleitungen von Abwässern erfolgen können. Wir gehen davon aus, dass diese Grenzwerte auch eingehalten werden. Vielleicht müssten jedoch auch diese Verordnungen nachjustiert werden?

Drei Viertel der Insekten sind verschwunden

Nicht nur Autofahrer, auch Gewässerbewirtschafter, Fischer und Naturliebhaber haben es schon beobachtet: 

„Jedes Jahr scheint es weniger Insekten zu geben“!

Tatsächlich warnen Forscher, dass es gerade zu Massensterben kommt, welche jedoch kaum Beachtung findet. Ähnlich wie bei der Bachforelle, werden auch viele Insektenarten still und heimlich verschwieden und es wir kaum jemanden auffallen. 

Fest steht jedoch, dass damit auch unsere Fische immer weniger Eintags,- Stein,- und Köcherfliegen als Nahrung zur Verfügung haben. dazu kommt, dass diese Insekten zumeist auch Ihr Entwicklung im Wasser bzw. im Schotterbett unserer Gewässer haben und dadurch sowohl die Nymphen, Puppen als auch die fertig geschlüpften Insekten als Nahrung fehlen.

Früher waren die Windschutzscheiben im Sommer voller toter Insekten, heute kaum noch. Als ich noch klein war hatten wir im Sommer immer meterhohe „Insektentürme“ über den Felder schweben. Ein so ein Insektenaufkommen ist heute nicht mehr zu beobachten. 

Die Hauptursache für das Verschwinden der Insekten liegen verschiedene Veränderungen zugrunde, wie:

  • in der Intensivierung der Landwirtschaft
  • Die heutige Landwirtschaft macht den Insekten das Überleben schwer – es werden große Mengen von Pestiziden eingesetzt
  • es gibt zu wenig Blühstreifen und Hecken
  • Abholzung unserer Ufergehölze und Uferstreifen
  • Laufend Baustellen im Gewässer die zu Fracht an Feinsedimenten führen
  • und das „hyporheische Interstitial“ gehörig verstopfen und für Insekten unbesiedelbar machen!
  • Damit fallen große, produktive Fläche des ganzen Schotterkörpers weg
  • Die Baustellen der letzten Jahre, wie Kraftwerk Bad Goisern
  • und auch die vielen andere Bauprojekte haben viele Tonnen Fracht an Feinsedimenten eingebracht
  • der Gewässerboden war teilweise mit diesen Feinsedimenten versiegelt.
  • etc.

Die Folgen sind ein Insektenrückgang bis zu 80%. Mit den Insekten schwindet auch die Nahrungsgrundlage für Vögel, Fledermäuse und auch für die Fische.

Salmoniden leiden doppelt 

Die Fische betrifft es zweifach – einmal wird ihnen durch den Insektenrückgang die Nahrungsgrundlage genommen und zum Zweiten – werden durch die Feinsedimente für Kieslaicher auch die Laichhabitate massiv geschädigt. Dadurch können mehrere Jahrgänge an Naturaufkommen ausfallen und eine große Lücke bilden, die sich erst wieder über viele Jahre ausgleicht.  Je nach Zustand eines
Gewässers muss es allein unter fischereifachlichen Gesichtspunkten geradezu geboten sein, eine naturnahe Alterspyramide zu haben um einen Fischbestand als gesund einschätzen zu können. 

Gerade Äschen leiden stark…. (© by Harald Eidinger)

Zum Nahrungsaufkommen fuer Fische

In unseren natürlichen Bächen und Flüssen sind Schotterbänke mit lückigem, grobem Substrat und normalerweise bis über einen Meter Tiefe, mit Insektenlarven besiedelt. Bei Untersuchungen des Zoobenthos werden bis zu einen Meter noch Eintagsfliegenlarven gefunden! Diese ständige Fracht an Feinsedimenten durch Baggerungen kann dieses „hyporheische Interstitial“ gehörig verstopfen und unbesiedelbar machen! Damit fallen große produktive Fläche des Schotterkörpers und damit Lebensraum weg! 

Das hyporheische Interstitial bildet, ähnlich wie Quellregionen, eine ökologische Übergangs- und Austauschzone zwischen einem Oberflächenwasser und seinem Grundwasser aus, wobei spezifische Umweltbedingungen für die Organismen herrschen.

Das hyporheische Interstitial bietet für viele Organismen eines Fließgewässers wichtige Lebensräume. Neben vielen Arten, die den Gewässerboden (Benthos) oder das Grundwasser bewohnen und gewisse Lebensphasen hier verbringen, gibt es auch Arten, die ausschließlich oder bevorzugt im hyporheischen Interstitial leben. 

Es gibt immer was zu baggern…. (© by Harald Eidinger)

Besiedlung und Stroemungsbedingungen

Die Besiedlung durch geeignete kleine Organismen (z. B. Rädertierchen, Süßwassermilben, Junglarven von Wasserinsekten) kann in der Tiefenausdehnung bis 70 cm unter die Gewässersohle und seitlich bis über die Uferböschung hinaus reichen. Die Fließgeschwindigkeit im hyporheischen Interstitial beträgt in Fließrichtung des Gewässers etwa 1-2 Prozent der oberirdischen Fließgeschwindigkeit.

Bedrohung durch Feinsedimente

Die letzten Jahre hatten wir laufend Baumaßnahmen in der Oberen Traun. Brücken wurden neu gebaut, Flussbereich wie bei der Sulzbachmündung wurden neu gestaltet, der Kaltenbach wurde Renaturiewrt, Fischaufstiege, Hochwasserschutzmaßnahmen, dass Kraftwerk in Bad Goisern und auch aus der Ischl und in den anderen Nebenbächen gab es laufend Baustellen, die viel Treck in die Traun transportieren. Eine Beruhigung dieser Situation wäre  im Sinne der „Insekten“ wünschenswert. Damit würden sich auch die Nahrungssituation für unsere Fische wieder verbessern.

Schlammablagerungen von der Kraftwerk Baustelle (© by Harald Eidinger)

Diese hyporheische Interstitial bedroht durch die zunehmende Feinsedimentfracht unsere Gewässer, die vor allem durch Erosion infolge wasserbaulicher Maßnahmen eingetragen wird. Diese Sedimentfracht kann sich in begradigten Fließgewässern nicht mehr in Still- oder Kehrwasserzonen oder bei Hochwasser im Flussauenbereich absetzen. Durch Sedimentation und Ablagerungen von Sand oder Schlamm am Gewässergrund kommt es dann zu einer Verstopfung der Lücken des Hyporheischen Interstitials, die als Kolmation bezeichnet wird. Wegen seiner wichtigen Bedeutung als Lebensraum von Kleintieren und „Kinderstube“ für viele Flussfische kann dies starke Auswirkungen auf die Gewässerökologie insgesamt und insbesondere den Erfolg der Wiederansiedelung und natürliche Entwicklung von Wanderfischen wie Äschen und Forelle haben.

Bachflohkrebse

Der Bachflohkrebs (Gammarus fossarum) ist ein Flohkrebs aus der Familie der Gammaridae und wie sein Name schon sagt, ein typischer Bachbewohner. Diese Art wird bis zu 14 mm (Weibchen) bzw. 21 mm (Männchen) lang. Bäche fließen meist durch Auen und Wälder, die vor der kalten Jahreszeit ihr Laub verlieren. Verschiedene Wasserorganismen wie der Bachflohkrebs haben sich auf die Aufnahme dieser Nahrungsquelle spezialisiert. Aber: Nicht alle Blätter schmecken ihm gleich gut.

Er bevorzugt weiche Blätter wie Eschen- und Erlenblätter, die er mit seinen Mundwerkzeugen zerkleinert. Außerdem haben die weichen Blätter einen höheren Stickstoffgehalt. Bäume, die direkt am Bachufer stehen, werden gut mit Wasser versorgt und benötigen wenig Verdunstungsschutz. Ihre Blätter sind weich. Wenn diese Blätter in den Bach fallen, dauert es nicht lange bis sie gefressen werden. Vom Wasser entferntere Bäume haben härtere Blätter, um das Wasser besser speichern zu können. Wind und Regen befördern diese Blätter in den Bach und stellen zu einem späteren Zeitpunkt gutes Futter dar. Auch außerhalb der Herbstzeit steht den Bachflohkrebsen genügend Laub zur Verfügung.

Hieraus ist zu ersehen, wie wichtig es ist unsere Ufervegetation zu erhalten und nicht laufend abzuholzen!

Wesentlichen Anteil am Nahrungsaufkommen eines Gewässer ist die die Ausstattung das „ZuHause“: besonders wichtig ist „das Dach über dem Kopf“ – überhängende Ufer, flutende Erlenwurzeln, Pflanzenpolster, Totholz, Ufergehölze und ein Blätterdach.

UFERSAUM IST LEBENSRAUM

Bruetlinge von Regenbogenforellen und Aeschen

Regenbogenforelle

Die Regenbogenforelle hat ja aus verschiednen Gründen die Bachforelle in der Oberen Traun ziemlich abgelöst. Erfreulich ist, dass sie die Ober Traun als Laichhabitat angenommen haben. So haben wir heute Winterlaicher und Frühjahrslaicher in der Oberen Traun mit einer Laichzeit November bis Mitte März. Sofern sich die Regenbogenforelle in freier Natur vermehrt, was nicht selbstverständlich ist, legt sie, wie die meisten Salmoniden, in einer von Männchen geschaffenen Laichgrube auf kiesigem Grund ihre Eier ab. Nach etwa 390 Tagesgradzahlen, was je nach Temperatur um 100- 150 Tagen entspricht, schlüpfen die Jungfische. Wir sind an der Oberen Traun in der glücklichen Situation, dass von der Regenbogenforelle eine natürliche Fortpflanzung, in grösseren Ausmaß erfolgt und sich in der Zwischenzeit der größte Teil der vorhandenen Beständen aus Eigenaufkommen entwickelt.

WINTERLAICHER

Aesche

Auch bei der Äsche bemühen wir uns seit über 20 Jahre …

PROJEKT RETTET DIE AESCHE 2016

Auch aus dieser Situation, dass eine Menge an Fischbrut erzeugt wird, ergibt sich ein natuerliches Nahrungsangebot fuer unsere Salmoniden. Hier bewaehren sich unsere Bewirtschaftungs- und Fischereibedingungen, die wir laufend anpassen und ueberwachen.

Hier verfolgen wir seit Jahren den Leitsatz: „Lebensraumverbesserungen vor Fischbesatz“ 

Die Aufwertungen der Lebensräume sind zur Erhöhung der Fischbestände langfristig erfolgversprechender als Fischbesatz. Denn Fischbesatz bekämpft in der Regel nur die Symptome der Fischbestandsrückgänge, nicht die Ursachen.
(Zitat aus dem Buch Nachhaltiges Management von Angelgewässern von Robert Arlinghaus)

Laichwanderung der Weissfischen

Auch hier haben wir eine „lokale Situation“ die nüchtern betrachtet als Nahrungsquelle hilft Salmonidenbestände im Revier zu entwickeln. Im Zeitraum zwischen Mai und Juni kommt es zur Laichwanderung der Perlfische aus dem Wolfgangsee und Traunsee bis zur Ischlmündung. In der Ischl kommen auch Aitel und Barben vor. Auch hier kommt es, speziell unterhalb der Ischlmündung in den Sommermonaten zu einen starken Aufkommen von Weißfischbrütlingen, die das natürliche Nahrungsaufkommen für Salmoniden sehr stark beeinflussen.  Diese Situation ist ab Frühsommer gut zu beobachten. Hier sieht man tausende Brütlinge, in den Uferzonen und in den Lücken der Uferbefestigung.

STACHLER – PERLFISCH

Elritzen (Pfrille) an der Sulzbachmündung

Elritzen (Pfrille) an der Sulzbachmündung

Koppe (Muehlkoppe) – Elritze (Pfrille)

Seit Jahren bemühen wir uns um die Bestände von Koppe und Elritze. Bei der Koppe haben wir aus den Nebenbächen wie Kaltenbach und vor allem dem Sulzbach, große Vorkommen und ein sehr gutes Eigenaufkommen. Auch der Engleithen Altarm hat sich als „Brutstätte“ für Koppen bewährt, wie wir leider beim Trockenfallen gesehen haben. Konnten wir hier hunderte von Koppen einsammeln. Dh. bei der Koppe haben wir aus der Situation mit den Zubringerbächen und mit dem Altarm gute Voraussetzungen. 

Koppe aus dem Sulzbach

Koppe aus dem Sulzbach

Bei den Elritzebeständen mussten wir etwas nachhelfen. So konnten wir durch einen Initialbesatz 2012 wieder Bestände aufbauen. Wie sich ebenfalls bei der Trockenphasen im Engleithen Altarm im Dezember 2016 zeigt. Waren auch schon viele Elritzen vorhanden. Speziell Altarme mit viel Totholz, sind für die Elritze wichtig. Je besser dieses Umfeld passt, um so besser können sich Elritzenbetsände entwickeln.   

Da sie sehr empfindlich gegenüber Verunreinigungen sind, können sie als Bioindikator für den ökologischen Zustand eines Gewässers angesehen werden. Intakte Koppen, -und Elritzenpopulationen zeigen strukturreiche, natürliche bzw. naturnahe Fließgewässer der Forellenregion mit hoher Wasserqualität an.

Für die Salmoniden sind sie eine wichtige Nahrungsquelle. Je mehr man sich um die Bestände von Koppe & Elritze kümmert, umso mehr Nahrungsgrundlage wird auch für Salmonide geschaffen.

 

Weitere Informationen und Quellen:

Wie Nährstoff Gewässer verändern

Dieser Artikel ist gerade im Aufbau!

 

Wenn wir die Natur auf das reduzieren, was wir verstanden haben,
sind wir nicht überlebensfähig.
Zitat: Hans-Peter Dürr