FLIEGENFISCHEN

KALTENBACHTEICH SOMMER 2018

Wir hatten einen genialen Sommer mit viel Sonne, Spaß, Urlaubsfeeling, Anglerglück und vielen Eindrücken in der Natur und in unserer Umwelt. Trotzdem freue ich mich auf den „Winter“ und eine etwas ruhigere Zeit. Die Tage sind kürzer, die Abende werden länger und geben Zeit für einen Rückblick und zum Sichten vieler Fotos die ich im ganzen Trubel des Sommer geschossen habe. Daher komme ich erst jetzt dazu diese vielen Gedanken zu sammeln und die Erlebnisse Revue passieren zu lassen, aufzuarbeiten und zu dokumentieren….

Kaltenbach – Kaltenbachteich – Kaltenbachau

Der Kaltenbach ist ein vom Ischler Hausberg, der Katrin, kommender Bach, der wie der Name schon sagt, kaltes Wasser führt und in seinem Oberlauf in natürlichen Windungen fließt, aber in seinem Unterlauf längs der Esplanade im Zuge der Landesgartenschau von einem kanalartigen Gerinne, zu einem strukturierten Bach rückgebaut wurde. Er mündet beim Hasnerdenkmal an der Esplanade in die Traun. Dieser Bach hat einem ganzen Ortsteil von Bad Ischl den Namen Kaltenbach gegeben. Es gibt dort alte Villen, neuere Einfamilienhäuser, Hochhäuser, eine große Bundeslehranstalt, eine Fremdenverkehrsschule und die Talstation der Katrin-Seilbahn. Das tieferliegende Gebiet zwischen dem rechten Ufer des Kaltenbaches und der Traun heißt die Kaltenbachau. Sie erstreckt sich mehrere Kilometer nach Süden bis zur Engleiten, der Engstelle zwischen den Ausläufern des Katergebirges und der Traun, dort, wo auch das Jagdstandbild des Kaisers Franz-Joseph errichtet wurde. Dieses ganze Gebiet war noch bis Ende des vorigen Jahrhunderts von Auwald bedeckt, da es zur Zeit der Schneeschmelze und nach andauernden Sommerregen ständig von Überschwemmungen bedroht war. Es konnte daher auch nicht besiedelt werden. Den ersten Eingriff brachte die Errichtung einer Rennbahn für Trabrennen im nördlichen, an die Esplanade grenzenden Teil der Kaltenbachau. Im Jahre 1890 wurde die Salzkammergut-Lokalbahn eröffnet, und der aufgeschüttete Bahndamm durchschnitt die Au.

Die alte Lokalbahnbrücke in Bad Ischl (wurde 2007 erneuert)
Die alte Lokalbahnbrücke in Bad Ischl (wurde 2007 erneuert)

Die Traun querende Brücke – die „Lokahlbahnbrücke“ erinnert noch an diese Eisenbahnzeit. Langsam verschwanden Tümpel und Sträucher und schließlich wurde der ganze Teil der Kaltenbachau bis zu dem freundlichen, von Eschen, Ahorn und Kastanien gesäumten Fußweg von der Lauffner Straße zur Seilbahnstation zu einem Sportzentrum umgewandelt und ausgedehnten verbaut. Am Südrand dieses Sportzentrums, auf der anderen Seite des genannten Fußweges liegt der Kaltenbachteich, das letzte Kleingewässer der Au.

Skizze: Kaltenbachteich
Quelle: Dir. Otto Zach, Kleinkrebse im Kaltenbachteich

Der Kaltenbachteich

Der Kaltenbachteich ist 225 m lang und 6 bis 10 m breit. Die Größe beträgt ca. 3450 m2 mit Tiefen zwischen ca. 50 cm am Ufer und bis zu 150 cm. Er hat seit 2018 einen neuen, regelbaren Zufluß der über eine Rohrleitung von Kaltenbach aus Wasser zuführt, es gibt jedoch keinen Abfluß. Der Wasserstand ist entsprechend der Jahreszeit und dem Niederschlag stark wechselnd. Das Nord- und das Südende des Teiches sind mit Bäumen und Gebüsch besetzt. Man findet Ahorn. Eschen. Weiden, Haselsträucher, Roten Hartriegel, Vogelbeersträucher und Pfaffenhütchen. Die südliche Uferbewachsung geht in die Aulandschaft über.

Kaltenbach Abfischung 2013

Im Kaltenbachteich wurde 2013 auf ein Minimum abgesenkt und danach elektrisch abgefischt. Im Anschluss blieb der Kaltenbachteich vorerst über den Winter unbefüllt, um ein Durchfrieren des Bodens zu erreichen – eine naturschutzfachliche Maßnahme die sicherstellt, dass im kommenden Frühjahr keine Fische mehr vorhanden sind, um die zahlreichen Kaulquappen bedrohter Amphibienarten zu schützen.

Naturdenkmal „Kaltenbach-Teich“

Als weiterer Schritt wird 2018 die desolate Wehranlage entfernt und durch eine neue Zuleitung ersetzt. Im Zuge von Hochwasserschutzmaßnahmen wurde dazu im betroffenen Teil des Kaltenbachs von der WLV eine neue fixe Zuleitung gebaut. Dabei werden „zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen“, da die Entfernung des Wehrs bedeutet, dass Fische und Wasserorganismen wieder uneingeschränkt zu Laich- und Fressplätzen im Kaltenbach wandern können und die Wasserzufuhr zum Teich in Zukunft regelbar sein wird.

Kaltenbachteich und Kaltenbachau Naturjuwele

Durch die neue Zuleitung ist eine gute Lösung gefunden worden und es wird der Kaltenbachteich weiterhin als ein bei den IschlerInnen beliebtes Naherholungsziel und Naturjuwel erhalten bleiben! „Biotope diese Art sind eine absolute Seltenheit in der Region – sie stellen aber die wesentliche Überlebensgrundlage für die heimischen Amphibien dar, da die ursprünglich zahlreichen Augewässer in Nebenarmen oder Feuchtwiesen praktisch alle trocken gelegt wurden“.

Wassertruebungen im Kaltenbachteich

Bei meinen Reviergängen, entlang des Kaltenbaches viel mir schon des öfteren auf, dass der Kaltenbachteich eine starke Wassertrübung hat. Dieser wollte ich auf den Grund gehen und machte an einen herrlichen, sommerlichen Sonntag Morgen, eine Runde um den Teich. Bewaffnet mit meiner Spiegelreflexkamera mit Polfilter wollte ich mir ein „Bild“ machen. Vermutet hatte ich es, was sich bei diesen Rundgang bestätigt bekam….

Die Karpfen sind noch da!

Wenn ein Teich eine so starke Wassertrübung hat, sind zumeist Karpfen im Spiel. Das interessante daran ist jedoch, dass 2014 mit schweren elektrischen Fischfang-Aggregaten der Kaltenbachteich abgefischt wurde und bei dieser Abfischung zwar viele Fische gefangen wurden, es jedoch kein einziger Karpfen dabei war, die jedoch vorhanden waren. Zusätzlich wurde der Teich damals auch noch abgesenkt und über den Winter hinweg ohne Wasserseinspeisung aus dem Kaltenbach „ausgetrocknet“.

Ueberlebenskuenstler Karpfen

Ich bin jetzt nicht der „Karpfen-Spezialist“ und Karpfen sind jetzt keine sehr verbreitet Fischart im Fischereirevier Oberes Salzkammergut. Wir haben nachweislich welchen im Langbathsee und im Offensee habe ich auch schon Karpfen gesichtet. Vermutlich wird es auch im Wolfgangsee und im Schwarzensee welche geben. Jedoch in der Oberen Traun und ihren Nebenbächen, sind Karpfen keine verbreitete Spezies.

Jedenfalls haben Karpfen einen Überlebenstrick der bei niedrigen Wassertemperaturen funktioniert. Ab zehn Grad wird nicht mehr nach Nahrung gesucht. Sinkt das Thermometer noch weiter, setzt eine Art Winterstarre ein. Dann ruhen die Karpfen unter versunkenen Bäumen oder eingewühlt im Sediment. Selbst wenn Tümpel oder Teiche bis zum Grund durchfrieren – im Schlammbunker bleibt der Fisch vom Gefriertod verschont. Diese Eigenschaft dürfte den Karpfen 2014 auch das Leben gerettet haben.

Resumee

Viele unterschiedliche Tierarten haben im Kaltenbachteich ihren Lebensraum. Es wurden 28 Kleinkrebsarten festgestellt. Dazu kommen noch die übrigen Klassen, wie die Protozoen, Hydren. Schwämme, Schnecken, Würmer, Insekten und Wirbeltiere und die Flora: höhere Pflanzen, Algen. Pilze, Insekten, Vögel etc. Auch das Vorkommen von Fischen wurde wieder beobachtet. Einen Lebensraum, wie den Kaltenbach kann man nicht für spezielle Tierarten isolieren, wie sich zeigt. Jedenfalls ist ein Kleingewässer wie der Kaltenbachteich nicht nur unentbehrlich im Haushalt der Natur, sondern auch eine unerschöpfliche Quelle für die Forschung und ein Ruhepool für Spaziergänger und Naturliebhaber, der inkl. der Kaltenbachau geschützt gehört.

Weitere Informationen

„Wenn wir die Natur auf das reduzieren, was wir verstanden haben, sind wir nicht überlebensfähig.“

Zitat: Hans-Peter Dürr

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