BOMBENSTIMMUNG AN DER GOISERER TRAUN

Heimo bei der Arbeit
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Munitionsbergung & Laichplatzrestrukturierung

Nach dem 2. Weltkrieg wurden bei der Seeklause in Bad Goisern einige Kriegsrelikte von der Brücke aus, in der Traun entsorgt. Mit digitalen Magnetometer und elektromagnetischen Aufzeichnungsgeräten wurden bei der Seeklause in Bad Goisern Wassersondierungen durchgeführt und es wurde auch einiges an Kriegsmaterial geortet. Nachdem in den folgenden Jahren eine Restaurierung der Seeklause ansteht, bei denen mit Spundwänden im Trockenbau die Klauswehrfelder erneuert werden, ist eine vorherige Bergung der Kriegsrelikte sinnvoll.

Wenn man bedenkt, auf welchen “Mienenfeldern” ich hier die letzten Jahrzente herumgewatet bin. Wie ernst ist die Gefahr durch Kriegsrelikte in unseren Gewässern? Die Untersuchung durch eine Spezialfirma haben einiges an Waffen und Munition geortet. Am gefährlichsten könnte sich phosphorhaltige Munition erweisen, die schon bei Luftkontakt explodiert. Wobei die Experten von einen geringen Risiko für das Umfeld ausgehen.

Wasserrechtsverhandlung

Geschäftszeichen: BHGMWA-2020-241633/16-AE

Wasserrechtliche Bewilligung lt. Verhandlung vom 14. Oktober 2020 in Bad Goisern. Die Bundeswasserbauverwaltung plant in Zukunft eine größere Instandhaltungsmaßnahme an der Seeklause in Steeg. Bei diesen Maßnahmen wird es notwendig sein, Spundwände zu schlagen.
Im Zuge der Planungen wurde durch eine Spezialfirma eine Kampfmittelsondierung durchgeführt.

Um eine solche Freigabe zu erlangen, ist es nötig, im gesamten zu untersuchenden Gebiet auf einer Fläche von 6.920 m² mittels GPS Bagger und Sieblöffel bis in eine Tiefe von 1,5 m das Substrat der Traun auf Munition und andere explosive Kriegsmaterialien zu durchsuchen. Die ausgesiebten Metallteile werden anschließend fachgerecht entsorgt.

Geschäftszeichen: BHGMWA-2020-241633/16-AE

Die von den Vertretern der Fischerei vorgeschlagene Maßnahme zur Restrukturierung von Laichplätzen für Äschen und andere kieslaichende Fischarten abwärts des Projektbereiches stellt zwar ebenfalls einen lokales Eingriff in das ökologische Wirkungsgefüge dar, kann aus fachlicher Sicht aber jedenfalls begrüßt werden. Durch diese Maßnahme ist zu erwarten, dass es zu einer deutlichen Verbesserung der Laichsubstratverhältnisse und damit zu einem besseren Aufkommen von Jungfischen kommen wird.

Bagger mit Sieblöffel

Mittels GPS Bagger mit einen”Sieblöffel” wird im Bereich der Seeklause in Steeg, direkt beim Seeausrinn auf einer Fläche von ca. 7.000 m² und bis zu einer Tiefe von 1,5 der Untergrund in der Traun untersucht.

SAEEP – Arbeitspakt IV

In unsereren Projekt SAEEP – “Salzkammergut Aeschen Erhaltung- und Entwicklungs Projekt” sind auch im Arbeitspaket IV – Lebensraum Verbesserungsmaßnahmen enthalten. Da kommen uns solche Maßnahmen, wie die Kriegsreliktbergung im Revierabschnitt Goiserer Traun sehr entgegen, da diese unmittelbar zu Verbesserung der fischökologischen Gesamtsituation dienen und zu erwarten ist, dass mit den gesetzten Maßnahmen für die Äsche und auch andere Fischarten und Wassertiere, wie Eintagsfliegen, Köcherfliegen und andere Insekten, und Krebse profitieren werden. Da es sich hier um bewilligungspflichtige Maßnahmen handelt, ist es für uns als Bewirtschafter und auch für das FROSKG nicht so einfach hier als Interessenwerber, solcher Baumaßnahmen zu realisieren. Daher nutzen wir hier gerne die Möglichkeit als “Trittbrettfahrer” solche Maßnahmen in einer Kommunikation mit dem Fischereirechtsbesitzer, den ÖBF und der zuständigen Behörde zu beeinflussen und zu unterstützen.

SAEEP – “Salzkammergut Aeschen Erhaltung- und Entwicklungs Projekt” sind auch im Arbeitspaket IV – Lebensraum Verbesserungsmaßnahmen

Kolamtierung in Salmodiengewässern

Die Bedeutung der Kolmation für die Reproduktion kieslaichender Fischarten wie der Äsche ist uns seit vielen Jahren bekannt und im Zuge des SAEEP Projektes haben wir auch Laichplatz Analysen dabei um ggf. Schwachstellen und Defizite in einer Untersuchung zu erheben. Allgemein ist die Kolmation eine „Selbstabdichtung“, eine “Versiegelung” der Gewässersohle, die eine starke Beeinträchtigung
im vertikalen Austauschprozesse zwischen Oberflächen-, Interstitial,- und Grundwasser resultiert.

Da es keine einheitliche, wissenschaftliche Definition der Kolmation gibt ist diese in ihrer Komplexität schwierig zu erfassen und zu messen. In der fachspezifischen Literatur wird zwischen äußerer und innerer Kolmation aber auch zwischen mechanischer, physikalischer oder chemischer Kolmation unterschieden.

Aus morphologischer Sicht wird häufig nur die sedimentologische Kolmation im Sinne einer
„Verstopfung des Kieslückensystem“ berücksichtigt. Bei hydrogeologischen und mikrobiologischen
Betrachtungen werden vorwiegend mikrobielle Prozesse (z.B. Aufwuchs von Biofilmen), die zusätzlich den Porenraum verschließen, unter dem Begriff der Kolmation aufgeführt. Zusammenführend kann die Kolmation als sedimentologischer und biogeochemikalischer Prozess verstanden
werden, der sich durch eine Vielzahl von interaktiven Teilprozessen kennzeichnet.

Auswirkungen der Kolmation auf Äschen

Die Auswirkungen der Kolmation auf die einzelnen Entwicklungsstadien während der Reproduktion kieslaichender Fischarten können folgendermaßen zusammengefasst werden:

Laichhabitat

Kolmationsprozesse führen neben einer Feinsedimentanreicherung der Gewässersohle auch zu einer
erhöhten Stabilität der Gewässersohle. Die Verfestigung erschwert bzw. verhindert das Schlagen
von Laichgruben und reduziert somit die zur Verfügung stehenden Laichhabitate.

Inkubationshabitat


Die Infiltration von Feinsedimenten in das Korngerüst der Gewässersohle reduziert die Porosität
und somit die Permeabilität der Gewässersohle. In Folge vermindert sich der Transport von sauerstoffreichem Oberflächenwasser im Interstitial und gefährdet die Sauerstoffversorgung während der
embryonalen und larvalen Entwicklungsphase von Kieslaichern. Weiterhin wird durch die Anreicherung von Feinsedimenten im Kieslückensystem die mikrobielle Aufwuchsfläche vergrößert,
wodurch verstärkt biogeochemikalische Prozesse auftreten, die zusätzlich Sauerstoff zehren. Dieser
Sauerstoffbedarf konkurriert direkt mit dem Sauerstoffbedarf der Eier und Larven kieslaichender
Fischarten während der Inkubationsphase.

Emergenzhabitat


Die Entwicklung einer Kolmationsschicht während der Reproduktionsperiode kann eine erfolgreiche Emergenz verhindern. Dies ist der Fall, wenn die Porenräume derart reduziert werden, dass die
geschlüpften Larven nicht mehr aus dem Interstitial in die Freiwasserzone aufsteigen können. Im Rahmen dieses Beitrages wird ein multivariater fuzzy-logischer Modellansatz vorgestellt, der die Auswirkungen der Kolmation in Form einer räumlich und zeitlich variierenden Interstitialhabitatqualität ausdrückt. Der Ansatz berücksichtigt vorwiegend das Inkubationshabitat und beinhaltet die Verknüpfung von Schlüsselfaktoren zur Beschreibung der Auswirkungen von Kolmationsprozessen auf die Qualität des Inkubationshabitats kieslaichender Fischarten.

Nebeneffekt Dekolmatierung

Im Seeausrinn des Hallstättersee als Übergang in die Gosierer Traun, gibt es ein defizite in der Nachlieferung von Geschiebe. Durch den Hallstättersee wird der Geschiebetransport aufgrund der Absenkung der Schleppkraft unterbrochen.

Nahezu alle Fließgewässerfische im Salzkammergut laichen auf Kiessubstrat. Die große Mehrheit dieser Kieslaicher gilt als gefährdet. Vielerorts gehen die Bestände weiter zurück. Zu den vielfältigen Gründen für diese Entwicklung zählt eine verminderte Reproduktion aufgrund degradierter Kieslaichplätze. Die Degradierung äußert sich vor allem durch Verschlammungs- und Verfestigungserscheinungen der Kiesbänke.

Die Maßnahmen sind zwischen dem
Nadelwehr und Fluss-km 118,14 geplant. Diese Maßnahme soll als Bestandteil eines
fischereiwissenschaftlichen Projektes zur Verbesserung der Laichsituation für Äschen und
andere kieslaichende Fischarten umgesetzt werden.

Daher haben wir in diesen Bereich des Seeausrinn, eine starke Verkrustung des Flussbettes, eine so genannte Kolmation. Schwebstoffe lagern sich im Kieslückensystem und auf den Kiesbänken ab und verstopfen so den Wasserdurchfluss im Interstitial (Kolmation). Die Kiesbänke werden als Laichplatz für Salmoniden untauglich, weil sie Fischeiern keine ausreichenden Umweltbedingungen mehr haben. Ohne Frischwasserzufuhr ist die Sauerstoffversorgung für inkubierte Fischeier und der Abtransport von Stoffwechselprodukten nicht ausreichend. Auch andere Tierarten sind von übermäßigen Schwebstoffeinträgen betroffen, wie viele Insektenarten, Köcherfliegen und Eintagsfliegen.

Die Laichplatzrestrukturierung hat überwiegend in durchströmten Bereichen mit einer
Wassertiefe von bis zu 0,75 m so zu erfolgen, dass zumindest eine Mächtigkeit von 0,4 m des
Substrates aufgelockert bzw. umgelagert wird.

Im Zuge der Munitionsbergung, bekommen wir, wenn schon ein Bagger mit Sieblöffel in der Traun steht ein Laichplatzverbesserung im Bereich des rechten Traunarmes unterhalb des Nadelwehr entlang beim Steegwirt.

Durch Umlagerung von vorhandenem Sediment welches in diesen Bereich lediglich verfestigt oder kolmatiert sind, wird das Substrat mit einem Bagger mit einen Sieblöffel bis zu einer Tiefe von 40-50 cm aufgelockert. Dazu wird das Sediment im Wasser umgegraben. Der Bagger hebt dazu das Sediment aus dem Wasser und lässt es wieder hineinfallen. Feinpartikel werden durch die Strömung fortgeschwemmt, der gesäuberte, lockere Kies bleibt aufgelockert und wellig zurück. Die Strömung wird sich das Kiesbett wieder herrichten.

In der Schweiz wurden mehrere Versuche unternommen, Äschenlaichplätze künstlich zu schaffen und es konnte das Laichen von Äschen und eine Erhöhung der Jungäschenanzahl nach Kieszugaben und Kiesumlagerungen am Auslauf des Thuner Sees festgestellt werden. Jedoch ist die Messung solcher Maßnahmen sicherlich schwierig. Wir werden hier Beobachtungen machen und versuchen mit Kameras ev. sogar mit Unterwasseraufnahmen die Wirkung der Maßnahmen beobachten.

Eine Messung des Erfolges ist auf Grund, dass in freien Gewässern zu viele andere Einflüsse neben der Laichplatzqualität auch der Nahrungszugang, Krankheiten, Prädation, der Fischfang u. a. auf die Fischpopulationen auswirken, wird eine Aussage über die Verbesserung der Funktionsfähigkeit der Laichplätze schwierig. Bin gespannt, ob man mit visuellen Beobachten zur Laichzeit etwas feststellen kann.

„Fischereimanagement ist wie das Leben – eine Kunst, keine Wissenschaft“

Zitat: von Robert Arlinghaus

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