BEWIRTSCHAFTUNG

EPIGENETIK IM FISCHBESATZMANAGEMENT

Hier eine schöne Regenbogenforelle aus der Ischler Traun (Foto: GH)

Hier eine schöne Regenbogenforelle aus der Oberen Traun. Solche Exemplare bleiben heute im Gewässer um als „Zuchtfische“ für einen natürlichen Nachwuchs zu sorgen! (Foto: © Gerfried Hofer)

Eines der Themen welches mich zur Zeit in der Gewässerbewirtschaftung beschäftigt ist „Epigenetik“ bei Fischen. Daher seien hier ein paar Gedanken zusammengefasst, um auf neue Erfahrungen und Erkenntisse in unseren Fischbesatzmanagement zu reflektieren. Forscher haben herausgefunden, dass das Epigenom für die Entwicklung eines gesunden Organismus ebenso wichtig ist wie die DNS selbst. Es kann durch äußere Einflüsse weit leichter verändert werden als die Gene. Die eigentliche Sensation dieser Entdeckung aber ist, dass epigenetische Signale von den Eltern an die Kinder und Kindeskinder weitergegeben werden. Daraus ergeben sich ja schon sehr interessante Ableitungen ….. 

Solche Fische sollen im Gewässer bleiben …. Foto: © by Harald Eidinger

Unter dem Einfluss der Vorfahren

Nicht nur das Erbgut selbst, auch die Erfahrungen werden über Generationen weitergegeben. Die Lebensumstände der Großeltern haben Auswirkungen auf die Gesundheit ihrer Enkel. Weltweit suchen Forscher inzwischen nach weiteren Hinweisen auf solche epigenetischen Zusammenhänge. Auch fischereilich gibt es dazu schon recht brauchbare Erkenntnisse. Wobei es interessant wäre, dass bei uns im Alpenvorraum wissenschaftlich bei Salmoniden genauer zu untersuchen.  

An solchen Laichgruben ist zu erkennen, dass hier größer Fische um den Nachwuchs kümmern.

Hier ein schöner Regenbogen Milchner an der Laichgrube.

Hier auch eine ca. 60 cm lange Regenbogenforelle in der Laichgrube.

These fuer das Fischbesatzmanagement: Mehr Schutz für große Fische

Es zeigen auch unsere Erfahrung in den letzten Jahren eindeutig, dass größenselektive Fischerei große Vorteile bringt. Auf der einen Seite, haben wir einen sehr geringen Befischungsdruck durch unsere Vereinsstatuten geregelt, mit einer kleinen Überschaubaren Anzahl an Mitgliedern  und Lizenznehmern. Tageskarten werden gar keine vergeben. Damit ist auch schon ein starker Befischungsdruck von vorneherein nicht gegeben. Auf der anderen Seite bewitschaften wir ein relativ großes Revier. Damit haben wir eine gute Verteilung und man muss sich anstrengen, wenn man über eine Saison gesehen, alle Winkel zu befischen. Diese Situation und Regelung kommt den Fischen „zu Hilfe“ und damit können sich auch sehr schön große Fische entwickeln. Was ursprünglich, vom Gedanken her, eine Entwicklung Richtung „Trophäenfischen“ angedacht, so zeigt sich jetzt eine durchaus positive Entwicklung, dass dir Reproduktion des Nachwuchses, sprich „Eigenaufkommen“ massiv und erfreulicher Weise gestiegen ist. 

„Bewirtschafter können die fischereiliche Evolution verhindern oder zumindest reduzieren, indem Fischer und Angler nachhaltig und nicht zu intensiv fischen.“

Darüber hinaus lohnt sich der Schutz der großen, kapitalen Tiere. Wir haben in unseren Fischereibedingungen seit Jahren die Regelung, statt der gängigen Mindestmaße sogenannte Entnahmefenster als Fangbestimmung eingesetzt. Durch die Vorgabe von Mindest- und Maximalmaßen, die zusammengenommen das Entnahmefenster bilden, werden sowohl die kleinen, unreifen als auch die stattlichen, großen Laichtiere geschont. Das hilft, die Auswirkungen des Selektionsdrucks auf Wachstum, Geschlechtsreifung und Scheu zu mildern und hilft somit ergänzenden Besatz zu reduzieren bzw. komplett darauf zu verzichten. 

Quellen:

Fischen der Großen hat genetische Konsequenzen

Altered trait variability in response to size-selective mortality

Epigenetik in Wikipedia

Das Gedächtnis der Gene

You Can Change Your DNA

Genetischen Veränderungen in der Fischfauna und mögliche Folgen aus Besatzmaßnahmen

„Hege nach dem Prinzip: Versuch macht klug“

Für das Fischbesatzmanagement empfiehlt sich das Grundprinzip der lernfähigen Hege.
Dabei wird der Erfolg jeder Maßnahme in verschiedenen Schritten überprüft.
Dazu gehört, das natürliche Aufkommen der Zielfischarten regelmäßig zu erfassen und daraus auf die Besatznotwendigkeit zu schließen.

Zitat aus dem Buch Nachhaltiges Management von Angelgewässern von Robert Arlinghaus