BACHFORELLE

BACHFORELLEN SCHREIEN NICHT

Bachforellenaufkommen aus den Aufzuchtbächen

Ziel ist, die Wiederansiedelung  der Bachforellen in der  Ischler Traun, wie hier, eine der wenigen Exemplare, unterhalb der Kaltenbachmündung (ist jedoch auch im August schwarz geworden und gestorben!)

Generell schreien Fische ja leider nicht! Sonst würde es ab und zu ja ordentlich laut zugehen, an unseren Flüssen und Bächen und es würde viele Beschwerden über Lärmbelästigung geben. Fische mag Frau und Herr Österreich ab und zu, zum Essen. Wobei in Österreich ja nur 7,3 Kg Fisch pro Kopf gegessen werden. In Deutschland sind es immerhin 15,3 kg/Kopf, die hier im Jahr verzehrt werden. Ansonst hat man ja diese glitschigen, zappelnden Wesen nicht so gern. Wenn sie Tot am Ufer liegen, stinken sie ja auch noch fürchterlich. Streicheln kann man sie auch nicht. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn in den Gewässern vor unserer Haustür, so still und heimlich so manche Fischart einfach verschwindet ohne das es jemand bemerkt.

Wobei es auch für mich durchaus verständlich ist. Der „Normale Fischer“ nimmt nicht all zu viel Notiz davon. Regenbogenforellen sind ja genug da! Dh. der Fangerfolg ist gegeben. Habe auch versucht nach „Schwarzer Forelle“ zu googeln. Da findet man nicht viel darüber und es kommen Meldungen, wie:

Meldung 1:
Hatte dieses Jahr auch mit ner schwarzen Forelle zu tun. Entdeckt hatte ich sie im seichten Wasser hinter einem Stein.
Ich konnte seltsam nahe an sie ran. Natürlich hab ich sie angeworfen, aber null Reaktion. Also noch näher ran, kaum Nervosität erkennbar,…. und so packte ich sie per Schwanz-Griff. Dabei fiel mir auf, dass sie blind war….aber trotzdem ziemlich fit.
Sie schwimmt bis heute noch am alten Platz, nur scheint sie magerer zu werden.

Antwort:
du hast tatsächlich die frei schwimmende Forelle im Wasser am Schwanz packen können ??? Die muss ja nicht nur blind gewesen sein :lol:

Daraus sieht man, dass hier kaum Notiz davon genommen wird, wie es um die Bachforelle steht in unseren Flüssen des Alpenvorlandes, vor unserer Haustüre. Speziell zur Situation mit der „Schwarzen Bachforelle„. Es ist bis auf einigen Personen, die sich etwas „tiefgründiger“ mit der Fischerei und der Bewirtschaftung von Gewässern beschäftigen auch nicht wirklich bekannt, dass hier einheimische Fischarten, aus vermeintlichen „Top Fliegenfischer-Gewässern“ still und heimlich verschwinden. Speziell wenn man sich mit Fischbesatz beschäftigt, muss man sich jedoch heute auch intensiv mit diesen Thema auseinandersetzen. Es ist ein Entwicklungsprozess, der auch nicht so einfach festzustellen ist. Fließgewässer in der Größenordnung der Ischler Traun sind hier nicht mehr so leicht zu überblicken. Nur mit einer visuellen Sichtung, ist da je nach Wasserstand nicht so leicht festzustellen wie es meinen „geschuppten“ Freunden geht. Dazu muss man ein Gewässer über mehrer Jahre kennen und zu allen Jahreszeiten und Witterungssituationen beobachten. Da ich nun schon seit Jahrzehnten an der Oberen Traun Fische und auch aktiv mit der Bewirtschaftung involviert und betraut bin, sind hier die letzten Jahre sehr starke Veränderungen in der Fischpopulation zu bemerken. Wir haben auch bis 2010 noch Bachforellen eingesetzt und waren entsetzt, wenn diese im August mit dem Bauch nach oben die Traun hinunter getrieben sind. Von der Situation zur Seeforelle in der Oberen Traun wissen wir noch weniger. Diese gab es Früher auch in einer größeren Dichte. Sie zogen zum Laichen aus dem Traunsee herauf oder kamen vom Hallstättersee herunter. Ob der Rückgang der Elritzen (Pfrille) auch damit zusammenhängt, ist auch nicht bekannt. Die Flussmuschel, die als „Wirtfisch“ die Bachforelle und Elritze zur Fortpflanzung braucht, ist auch nur noch im Kaltenbach zu finden. Im Sulzbach habe ich selbst noch keine Flussmuscheln gefunden.  In der Ischler Traun, ist es fraglich, ob es noch welche gibt. Tatsache ist auch, dass außer kleiner Beständen im Mündungsbereich des Sulzbaches kaum noch Elritzen (Pfrille) in der Ischler Traun vorkommen.

Situation

Soweit zur Einstimmung, auf eine Situation die wir seit mehreren Jahren an der Ischler Traun haben. Diese ist:

Es gibt keine Bachforellen mehr in der Ischler Traun!

Daher: Projekt zur Wiedereinbuergerung der Bachforelle

1-sömmrige Bachforelle aus dem Sulzbach

1-sömmrige Bachforelle aus dem Sulzbach

Der theoretische Plan waere dazu gewesen…

In unseren Revieren der Ischler Traun werden Kaltenbach und Sulzbach als Aufzuchtbäche herangezogen. Hier haben wir hervorragende Potentiale, in denen sich im Oberlauf der beiden, in sehr unwegsamen Klammen enden. Diese könnte daher auch noch anteilige Gene der „Ur“-Ischler Traun Bachforelle haben. Diese sind den Erzählungen von älteren Einheimischen nach, in großer Zahl aus der Traun bis in deren Oberlauf zum Laichen gezogen. Mit diesen Genotypen dieser heimischen Reliktpopulationen, hätten wir noch genetisch integres Material für unsere geplanten Besatzmaßnahmen zur Verfügung. Findet in einem ursprünglichen Bachforellengewässer wie der Ischler Traun, keine entsprechende natürliche Reproduktion statt oder liegen generell Defizite im Bestand vor, muss eben an einen angepassten Besatz gedacht werden.

Daher wollten wir im Herbst 2012 diese Projekt starten, in dem wir in einem mehrjährigen Rhythmus unsere Aufzuchtsbäche mit Hilfe eines E-Gerätes abfischen. Dazu möchten wir laichfähige Bachforellen aus dem Unterlauf des Kaltenbach und Sulzbach entnehmen. Diese werden in der  Brutaufzuchtanlage Kreuzstein, Oberburgau 28, A-4866 Unterach abgestreift und dort zu Setzlingen mit einer Größe von 3-5 cm aufgezogen. Die abgestreiften Bachforellen werden wieder in den Kaltenbach und Sulzbach zurückgesetzt.

Ein erstes Ziel für die Bachforellen-Laichsaison 2012/2013 wäre gewesen, dass wir ca. 30-40 Bachforellenweibchen abfischen. Mit diesen sollten wir um die 15.000 bis 20.000 Eier bekommen (ist eine Schätzung!). Diese lassen wir in der Brutzuchtanalge Kreuzstein bis ins Frühjahr 2013 aufziehen und werden dann wieder zu 50% in den Oberlauf von Kaltenbach und Sulzbach eingesetzt. Mit den anderen 50% wäre der Plan gewesen, die Bachforellen, die noch Ur-Forellen Gene der Ischler-Traun-Bachforelle haben und wie wir hoffen auch resistenter gegen Umwelteinflüsse ist, wieder in der Ischler Traun anzusiedeln.

Bachforellen Laichfisch aus dem Sulzbach

Bachforellen Laichfisch aus dem Sulzbach

Als Bewirtschafter erhofften wir uns eine Qualitätssteigerung des Besatzes und des Bestandes in der Ischler Traun und den Nebenbächen. Nach 3-4 Jahren sollten sich die Auswirkungt bei der Fischerei in der Ischler Traun zeigen. Der Aufwand dafür, mit der Laichfischabfischung ist überschaubar und mit einigen Manntagen zu realisieren. Nachfolge Projekte, ev. mit   alternativer Gewässerbewirtschaftung mit „cocooning“, einer sehr naturnahen Methode zur Anlage von künstlichen Laichplätzen, ist vom Erfolg der ersten Phase abhängig . Soweit zum theoretischen Plan!

Feldversuch mit Bachforellensetzlingen aus dem Sulzbach

Doch davor wollte ich die theoretische Umsetzung unseres Plans auch noch praktisch erproben, wollte ich noch einen Test durchführen. Wie gesagt theoretisch habe ich mit verschiedenen Experten und Kollegen gesprochen und diskutiert, die den Plan, mit „Wildbesatz“ abstammenden Besatz aus den Nebenbächen der Ischler Traun und mit den „Brüttlingen“ und nicht mit Besatzfischen aus einer Fischzucht, wurde dies „theoretisch“ als durchaus auf realistische Erfolgsaussichten eingestuft.

Feldversuch am 19. August 2012

Dazu haben wir aus dem Sulzbach 90 Stück Bachforellensetzlinge und 70 Regenbogenforellensetzlinge abgefischt. Beide aus dem selben Bereich, aus dem Unterlauf des Sulzbaches. Wie das Foto zeigt, sind hier keine (kaum) Unterstände und Beschattung für die Fische. D.h. die stehen ziemlich ungeschütz in der prallen Sonne. Leider hatte ich kein Thermometer dabei und daher auch keine Wasser-Temperaturwerte des Sulzbaches. Die dürften jedoch auf alle fälle Höher liegen, als wie die Wassertemperatur in der Traun.

Sulzbach Kaskaden

Sulzbach Kaskaden – hier haben wir die BF und RBF Brüttlinge abgefischt

Am Sonntag, 19. August 2012, von 6:30 bis 9:30, haben wir diese elektrisch abgefischt und haben diese gegen 10:00 Uhr in die Ischler Traun eingesetzt. Besatzstelle war oberhalb von Bad Ischl, Höhe „Fischbrathütte“ – siehe Roter Punkt. Der Wasserstand war auf 180 cm, bei einer Wassertemperatur von 15,6 Grad.

FELDVERSUCH LAGEPLAN BF und RBF-BRUETLINGE BESATZ 19.8.2012 in die Traun

FELDVERSUCH LAGEPLAN BF und RBF-BRUETLINGE BESATZ 19.8.2012 in die Traun (Roter Punkt) – Fundort der toten BF am 22.8. (Grüner Punkt)

PEGEL ISCHLER TRAUN 22.8. BIS 26.8.2012

PEGEL ISCHLER TRAUN 22.8. BIS 26.8.2012

Am 22.8.2012 machte ich Frühmorgens um 6:30 Uhr eine Begehung, im Bereich der Besatzstelle. Beim Einsteigen in die Traun zum Fischen an dieser Stelle, sah ich schon eine kleine „Schwarze Forelle“. Dabei dachte ich mir jedoch noch nichts. Fischte stromauf, ca. 200 oberhalb der Stelle an der wir von 3 Tagen, die 90 Stück Bachforellensetzlinge und 70 Regenbogenforellensetzlinge eingesetzt hatten. Hier fand ich jedoch im Uferbereich unter größeren Steinen 4 Stück tote Bachforellensetzling. Da läuteten bei mir die Alarmglocken. Ans Fischen war da nicht mehr zu denken. Machte noch ca. 100 m Flussaufwärts eine Sichtung. Hier fand ich jedoch keine weiteren Bachforellensetzlinge mehr. Ging dann bis zur Besatzstelle (Roter Punkt) von Sonntag, 19.8. das Ufer ab. Tote Bachforellensetzlinge konnte ich keine mehr finden. Jedoch im Besatzbereich fand ich noch 4 Stück Schwarze Bachforellensetzlinge, die alle apathisch im Uferbereich standen. Mehrerer Enten suchten oberhalb das Ufer ab. Dh. sollten hier noch weitere tote Bachforellen gelegen sein, so wurden diese schon einer weiteren Nahrungskette zugeführt. Von den 70 Regenbogenforellensetzlinge konnte ich keine toten oder schwarze entecken. Äschenbrütlinge waren einige zu sehen. Dh. das Wasser der Ischler Traun ist nach wie vor nicht für Bachforellen geeignet. Vermutlich sind alle 90 Stück Bachforellensetzlinge zugrunde gegangen. Da am 23.8.2012 in Gosau und am Pötschen schwere Niederschläge waren, stieg auch der Traunpegel wieder auf  270 cm und damit waren auch keine weiteren Beobachtungen mehr möglich. Da sieht man auch, wie kurzfristig die Bachforellen reagiert und wie schwer die Situation durch Wasserstandsveränderungen zu beobachten ist. Um auszuschließen, dass es mit der E-Aggregat Abfischung Unverträglichkeiten gegeben hätte, machte ich auch noch eine Begehung des Sulzbachbereiches in dem wir abgefischt hatten um zu prüfen ob hier ev. tote Bachforellen zu finden sind. Da auch keine Regenbogenforellensetzlinge zu finden waren, muss festgehalten werden, dass nur die Bachforelle nicht mehr für das Ischler Traun Wasser geeignet ist. An der Sonneneinstrahlung kann es auch nicht liegen, da im Sulzbach diese noch wesentlich intensiver ist.

Roter Punkt = Besatzstelle vom 19.8. und Fundstelle 22.8. von 4 Stk. Schwarzen BF, Roter Punkt = Fundstelle von 4 toten BF Setzlingen am 22.8.2012

Roter Punkt = Besatzstelle vom 19.8. und Fundstelle 22.8. von 4 Stk. Schwarzen BF, grüner Punkt = Fundstelle von 4 toten BF Setzlingen am 22.8.2012

Beim grünen Punkt, fand ich die 4 toten Bachforellensetzlinge am 22.8.2012, um ca. 8:30 Uhr

Beim grünen Punkt, fand ich die 4 toten Bachforellensetzlinge am 22.8.2012, um ca. 8:30 Uhr

Bachforellensetzling nach 3 Tagen in der Ischler Traun?

Bachforellensetzling nach 3 Tagen in der Ischler Traun?

Apathischer Bachforellestzling im Uferbereich - man kan diese mit der Hand fangen!

Apathischer Bachforellestzling im Uferbereich – man kan diese mit der Hand fangen!

 

Aus ethischen und tierschuetzerischen Gruenden, werden wir auf weiteren Bachforellenbesatz und Versuche mit Bachforellen in der Ischler Traun verzichten

Aus ethischen und tierschuetzerischen Gruenden werden wir auf weiteren Bachforellenbesatz und Versuche mit Bachforellen in der Ischler Traun verzichten

Resuemee

Durch die Ergebnisse und Erkenntnisse dieses Feldversuches, Bachforellen wieder in die Ischler Traun anzusiedeln, wie oben beschrieben, haben wir hiermit abgebrochen und wird nicht weiter verfolgen werden. Leider sind diese Bemühungen vorläufig als gescheitert zu betrachten. Hier noch die Ergebnisse der Bestandsaufnahmen, die belegen, dass bis 1994, 1995 die Bachforelle der Leitfisch in der Ischler Traun war. Wir übernahmen zu dieser Zeit das „Kreuzsteinrevier“ und viele meiner Fischerfreunde können sich an eine herrliche Bachforellenfischerei in diesen Bereich erinnern und Bachforellen bis zu 4 Kg waren keine Seltenheit. Vermutlich hängt die große Erweiterung des Reinhaltungsverbandes Bad Goisern von Mai 2001 bis Mai 2003 damit zusammen, dass danach eine starke Verschlechterung der Bachforellen einhergeht. In dieser Zeit wurde die Kapazität der Kläranlage von 16.000 Einwohnerwerten auf 22.000 EW erweitert. Auch kann eine gute Fremdenverkehrssaison im Sommer, die Kläranlage in den Grenzbereich bringen? Die Einleitungen aus der Kläranlage in die Traun, sind zwar optisch klar, jedoch Antibiotika, Rückstände von Wasch- und Putzmitteln, oder endokrin aktive Substanzen werden ja seitdem in noch stärkerer Konzentration in die Traun eingeleitet und werden bei Niederwasser, im Sommer und eventuell auch in Kombination  mit der Sonneneinstrahlung zu Wasserwerten führen, die für die Regenbogenforelle und Äsche kein sichtliches Problem darstellen, jedoch für die Bachforellen tödlich sind und dazu beitragen, dass wir keine Seeforellen und Elritzen mehr in der Ischler Traun haben.

Wie man sieht, war noch 1995 die Bachforelle der Leitfisch in der Ischler Traun

Wie man sieht, war noch 1995 die Bachforelle der Leitfisch in der Ischler Traun

Naechste Schritte

Einbindung von Sachverständigen, Biologen, Universitäten zur weiteren Klärung und Untersuchung der Ursachen. Ich werde über weitere Erkenntnisse und Projekte berichten!

„Generelle Ansichten erhöhen den Begriff von der Würde und
der Größe der Natur. (…) Generelle Ansichten gewöhnen uns,
jeden Organismus als Teil des Ganzen zu betrachten, in der
Pflanze und im Tier minder das Individuum oder die
abgeschlossene Art, als die mit der Gesamtheit der Bildungen
verkettete Naturform zu erkennen“

Alexander von Humboldt

 

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