EINSATZ EINER HYDROAKUSTISCHEN KAMERA

Als Speisefisch ist die Reinanken aus den Salzkammergutseen eine Spezialität unter den Seebewohnern, die sich auf den Verzehr von feinem Plankton (schwebende Kleinstlebewesen der Seen) spezialisiert haben. Das kleine Maul und ein speziell entwickelter Filtermechanismus ermöglichen diesen Fischen eine Nutzung dieser speziellen Nahrung. Die zur Familie der Coregonen zählenden Renken weisen verschiedene Lokalformen auf, die Großteils nur von Spezialisten unterschieden werden können.

Laichzug der Reinanken beobachten

Reinanken im Scheinwerferkegel, beim Laichzug an der Koppen Traun.

Wenn Reinanken in der Gastronomie angeboten werden und man möglichst einen Fisch essen will, der nicht aus einer Fischzucht und Massentierhaltung stammt, ist man mit der Reinanke am besten beraten. In vielen Fischlokalen im Salzkammergut kann man sich dieser lokalen Delikatesse bestellen und in Seen, wie im Hallstätter See sind die Bestände und die Eigenreproduktion noch in Ordnung.

In der Laichzeit zeigen die Bauchflossen einen goldbraunen Schimmer und die Milchner (Männchen) bekommen einen Laichausschlag in Längsreihen entlang der Flanken. Reinanken ziehen zum Ablaichen nur in seltenen Fällen in einmündende Bäche oder Flüsse – diese Besonderheit gibt es nur bei uns im Salzkammergut und soll daher wissenschaftlich begleitet und untersucht werden.

Rundherum hört man es im Dunkeln der Nacht plätschern und dascheln. Ein Schauspiel welches man sich einmal angesehen haben sollte, wenn hier hunderte von Reinanken in die Koppen Traun hereinziehen.

Forschungsprojekt vom Research Department for Limnology

Reinanken (Renken) stellen ein eiszeitliches Relikt dar, die einerseits durch den Verlust geeigneter Laichplätze aber auch durch eine Überfischung bedroht sind. Um sich die Reinanken Bestände am Hallstätter See anzusehen, gibt es hier ein Forschungsprojekt vom Research Department for Limnology in Mondsee, University of Innsbruck.

Die Koppen Traun kommt von Bad Aussee über den Koppen Pass herunter und mündet in den Hallstätter See.

Echolot nimmt den Laichzug auf

Ein Echolot bildet eine exzellente technische Grundlage, um Fische in einem Gewässer zu finden. Für viele Angler ist das Echolot, speziell in der Seenfischerei ein Ausrüstungsgegenstand für das Hobby-Angeln. Dh. auf der einen Seite hilft ein Echolot, die richtigen Angelplätze punktgenau zu finden. Doch was mich weit mehr interessiert, ist es auch geeignet, um Fische zu zählen und ich war erstaunt, wie diese Technologie von der Forschung heute genutzt wird.

Beim ARIS (=Adaptive Resolution Imaging Sonar) Explorer 1800 Sonar handelt es sich um ein bildgebendes Sonargerät für den Unterwassereinsatz. Das Gerät wird auch als „hydroakustische Kamera“ bezeichnet und liefert Unterwasserbilder auch in trüben Gewässern oder Nachts. Mit den hohen Frequenzen (1800 kHz bzw. 1200 kHz) werden auch relative kleine Strukturen detailreich in Form von Videoaufzeichnungen abgebildet, wobei die Reichweite mit ca. 15 m (bei 1800 kHz) bzw. 30 m (bei 1200 kHz) begrenzt ist. Einsatzgebiete an der Universität Innsbruck sind Unterwasserarchäologie, Wasserbau und Fischbiologie (Limnologie). Quelle: Forschungsinstitut für Limnologie, Mondsee 

Sonar Monitoring

Um das Verhalten von zum Laichen Aufsteigenden Reinanken in die Koppen Traun zu untersuchen, habe ich mir mit Univ. Doz. Dr. Josef Wanzenböck vom Forschungsinstitut für Limnologie von der Universität Innsbruck den Einsatz von Sonar Monitoring in der Praxis angesehen. Dies ermöglicht eine Auswertung von durch hochauflösende Schallwellen erzeugendes bildgebendes Verfahren und ähnelt in der technischen Funktionsweise medizinischen einem Ultraschallgeräten, als wenn man sich seine Leber oder Niere beim Urologen betrachtet. An der Koppen Traun wurde ein Gerät der Firma Sound Metrics verwendet. Bei der verwendeten hohen Auflösungsrate von 1,8 MHz ist eine Erkennung und Vermessung von Fischen bis unter 10 cm möglich. Dabei können grundsätzlich Fische die ins „Sichtfeld“ des ARIS Explorer 1800 kommen, durch Auswertung der Echos der nebeneinander angeordneten Schallwellen erkannt und gezählt werden. Sogar Bewegungen von Rainanken im Laichvorgang sind deutlich erkennbar und man sieht sogar Pärchen beim Laich Akt und eine Fahne an Fischeiern und Spermien driften. Der Aufnahmebereich reicht je nach verwendeter Auflösung zwischen wenigen Metern bis etwa 15 Meter und ist für Flüsse in der Größe der Koppen Traun ein ideales Werkzeug um sich über den Fisch Bestand ein Bild zu machen. Wobei mein interesse hier nicht nur den Reinanken Laich Zug galt, sondern ich wollte mir diese Technologie ansehen um deren Verwendung bei Verhaltensuntersuchungen, z.B. Laichzüge von Äschen etc. und auch anderen Projekten beurteilen zu können.

Auf einem Stativ ist der ARIS Explorer 1800 montiert und wir vom Ufer aus über eine Batterie mit Strom versorgt.

Das Sonar Gerät wird jetzt Ende November und Anfang Dezember knapp Oberhalb der Mündung der Koppen Traun in den Hallstätter See installiert, um den Laich Zug der Reinanken zu zählen. Ein harter Job, der bei winterlicher Witterung, Schneeregen, Schneetreiben und +/- 0 Grad Celsius einen Einsatz an der Koppen Traun verlangt. Der Reinanken Laich Zug startet beim Dunkelwerden und geht bis Mitternacht, bevor sich die Fische wieder in den Hallstätter See zurückfallen lassen. Das recht teure Equipment muss im Wasser auf- und abgebaut werden. Das ist wissenschaftliche Feldarbeit zum Wohle unserer Fische.

Der Explorer 1800 ist per Kabel mit einem wasserdichten Koffer mit Batterie und Notebook verbunden.
Die Aufzeichnung der durchziehenden Reinanken erfolgt über ein Notebook und wird in weiterer Folge im Büro ausgewertet. Die Ergebnisse werden zu einem späteren Zeitpunkt und auch über einen Beobachtungszeitraum von mehreren Jahren publiziert werden.
Die Koppen Traun im Sommer.

Forschungsinstitut für Limnologie, Mondsee

Das Forschungsinstitut für Limnologie, Mondsee der Universität Innsbruck betreibt evolutionsökologische Forschung an Binnengewässern. Das übergeordnete Forschungsziel ist es, die evolutionären Anpassungen aquatischer Organismen und die Konsequenzen auf Ökosystemebene unter dem Einfluss des Klimawandels und zunehmender menschlicher Nutzung zu verstehen. Dabei reicht der Fokus von Bakterien bis zu Fischen um Muster und Prozesse ökologischer und evolutionsbiologischer Relevanz zu untersuchen.

Standort in Mondsee

Außenstelle der Universität Innsbruck
Mondseestrasse 9, A-5310 Mondsee
Tel.: +43 512507 50201
WEB: https://www.uibk.ac.at/limno/

Weitere Informationen

siehe http://www.soundmetrics.com

LFV HYDROAKUSTIK – private Unternehmen in Deutschland die sich auf Sonar- und Echolotuntersuchungen spezialisiert hat: https://www.lfv-hydroakustik.de/index.php

 

„Wenn ich drei Zauberwünsche frei hätte, so würde ich mir als Drittes jedenfalls wünschen,

in jedem Gewässer alle Fische sehen zu können.“

Zitat von: Dr. Günter Jens

 

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