ISCHL RESTWASSER WEINBACH – GZÜV BEFISCHUNG 2008 vs. 2019

Seit Beginn der EU-Wasserrahmenrichtlinie im Jahr 2000 wurde im BAW Scharfling eine Fischdatenbank aufgebaut, die enthaltenen Befischungsdaten gehen bis in die 1980er Jahre zurück. Die ursprüngliche Datenbank ATFI-BASE wurde den veränderten Anforderungen angepasst und zur Fischdatenbank Austria (FDA) weiterentwickelt. Hinter der Bezeichnung Fischdatenbank Austria verbergen sich inzwischen mehrere spezialisierte wissenschaftliche Datenbanken sowie ein umfassendes Software-Framework. Ergebnisse daraus sind in weiterer Folge im Wasserinformationssystem Austria (WISA) zugänglich und fließen in den Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan (NGP) ein.

Sämtliche im Rahmen der GZÜV Fische an Fließgewässern (Gewässerzustandsüberwachungs-Verordnung, Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie) in Österreich erhoben Daten  werden in der Fischdatenbank Austria  gespeichert und ausgewertet. Mit Stand Oktober 2017 sind insgesamt (Projekte und GZÜV-Daten) 6755 Erhebungen an über 5000 Stellen an Fließgewässern im gesamten Bundesgebiet enthalten.

Ich habe auch mit dieser Auswertung, dasa Privileg der Rückschau bekommen, was die Bestandsaufnahmen der Ischler Ache betrifft. Mit der Analyse der “alten” Befischungsdaten haben wir gemeinsam mit den Bewirtschaftern der Ischl die Möglichkeit, einen Entwicklungsplan für die Zukunft zu überlegen. Speziell der gute Bestand an Bachforellen gehört mit den anderen Befischungsdaten verglichen und aufbauend auf diese Daten ein Bewirtschaftungskonzept erarbeitet.

Gegenüber 2008, wurden hier in der Zwischenzeit ein Fischaufstieg beim Schlauchwehr (im Hintergrund) und Pendelrampen gebaut.

Kurzbeschreibung der Messstelle

Im untersuchten Abschnitt weist die Ischl einen gestreckten Verlauf auf. Am oberen Ende der Untersuchungsstrecke befindet sich eine Sohlrampe aus Blockwurf mit einer Ufermauer. Das Gewässer ist entlang des Ufers mit Blockwurf verbaut, der bereits überwachsen ist. Während die linke Uferböschung mit einem ein- bis mehrreihigen Gehölzstreifen gesäumt wird, wird die rechte Uferböschung von einem einreihigen Gehölzstreifen bestanden. Breiten- und Tiefenvarianz sind mäßig bzw. groß. Die Sohle ist bis auf die Sohlrampe unverbaut und besteht hauptsächlich aus Makro- und Mikrolithal.

Im Bereich der Ausleitungsstrecke des KW Weinbach liegt gerade noch ein guter Zustand (2,47) vor, mit deutlicher Tendenz zum mäßigen Z. Beide Leitarten (Aitel, Barbe) sind vorhanden und zeigen einen annähernd natürlichen Populationsaufbau. Es sind aber leichte Unterrepräsentanzen bei den Jungfischen und geringe Individuenzahlen bei den größeren Adulten festzustellen. Von den fünf typischen Begleitarten wurden Äsche und Rotauge nachgewiesen. Als seltene Begleitarten treten Bachforelle und Koppe auf. Die Biomasse liegt mit 105,3 kg/ha deutlich über dem Grenzwert und fließt nicht in die Bewertung ein.

Biomasse beträgt 2008: 105,3 kg/ha

Biomasse beträgt 2019: 37,7 kg/ha

Der stark gefährdete Perlfisch zieht zum Laichen aus dem Wolfgangsee in die Ischl. Jungfische mit einer mittleren Länge von 4,9 cm wurden in der Ausleitungsstrecke des KW Weinbach häufig angetroffen. Die Art, die in dieser Befischungsstrecke immerhin etwa 1/3 der Ichthyozönose stellt (Abundanzverteilung), ist nicht im Leitbild enthalten und demzufolge auch in der FIA-Bewertung nicht berücksichtigt. Dies sollte korrigiert werden, wobei aber bei jeder Bewertung der Befischungstermin zu berücksichtigen ist.

Schon 2008 gab es eine geringe Jungfischdichte der Leitarten. Ein Mangel an Rückzugsräumen und Jungfischunterständen.

Die hauptursächlichen Belastungen sind die durch Mauern über weite Strecken hart verbauten Ufer, die geringe Abflussmenge (Restwasser), sowie mehrere, nur eingeschränkt passierbare Querbauwerke (Rampen). Oberhalb liegt das unpassierbare Wehr des KW Weinbach. Innerhalb eines Linksbogens sind im Bereich einer Tiefenrinne alte Sohlsicherungen aus Holz, die v.a größeren Fischen als Unterstände dienen. Ansonsten sind kaum fischrelevante Unterstände vorhanden. Die geringen Jungfischdichten der Leitarten dürften auf den Mangel an Rückzugsräumen zurückzuführen sein. Während bei geringen Abflüssen noch Flachwasserbereiche vorhanden sind, liegen bei Hochwasserereignissen aufgrund der verbauten Ufer nur mehr wenige strömungsgeschützte Bereiche vor. Zudem kommt es oberhalb der Rampen (Rückstau) abschnittsweise zur Ablagerung von Feinmaterial, wodurch das Laichsubstrat v.a. unmittelbar oberhalb der Rampen für lithophile Arten ungünstig ist.

Schon leichte Veränderungen in der Fischbiozönose hätten eine Verschlechterung des Zustandes zur Folge, weshalb trotz der derzeitigen Bewertung Maßnahmen erforderlich sind. Natürliche Substrat- und Strömungsverhältnisse könnten durch ein Auflösen der künstlichen Rampen erzielt werden. Erhöhungen der Restwasserabgabe haben in Kombination mit einer ausreichenden Strukturierung des Gewässerbettes einen positiven Effekt auf die Fischfauna. Einen limitierenden Faktor, nicht nur für potamodrome Wanderer wie die Nase, sondern auch für den aus dem Wolfgangsee einwandernden und in der Ischl laichenden Perlfisch, stellen die zahlreichen nicht- bzw. nur schwerpassierbaren Querbauwerke dar. Langfristig ist daher eine Durchgängigkeit der gesamten Ischl anzustreben. Ein erster Schritt in diese Richtung ist die bereits in Planung befindliche Fischwanderhilfe des KW Weinbach.

In der Zwischenzeit wurde an der Ischl durch Pendelrampen und Fischaufstiegshilfen, ein Durchgängigkeit geschaffen.

Resümee und Vergleich 2008 vs. 2019

In dieser als Epipotamal mittel eingestuften Messstelle konnten zwar die beiden Leitarten Aitel und Barbe nachgewiesen werden, allerdings fehlten alle 5 typischen Begleitarten. Auch von den seltenen Begleitarten konnten von 12 im Leitbild vorhandenen Arten, nur 4 nachgewiesen werden. Die Leitart Aitel zeigt noch einen guten Populationsaufbau, während die Leitart Barbe nur mehr eine mäßige Altersstruktur zeigte, da große Individuen durchwegs fehlten. Erfreulich war der Nachweis von juvenilen Perlfischen die die Ischl in diesem Bereich als Jungfischhabitat nutzen.
Auf Grund der zu geringen Biomasse von nur 37,7kg wurde das KO Kriterium Biomasse aktiv und die Berechnung des FIA ergab damit nur einen unbefriedigenden Zustand. Auch ohne aktivem KO Kriterium Biomasse ergibt die Berechnung des FIA, auf Grund der fehlenden Arten des Leitbildes und der großteils mäßigen bzw. unbefriedigenden Altresstruktur der gefangenen Arten, nur einen mäßigen Zustand.
Bereits 2008 wurde der gute Zustand nur knapp erreicht (FIA = 2,47),

Seit 2008 wurden die Wanderhindernisse entschärft (Rampen) bzw. wurden Fischaufstiegshilfen eingebaut, daher würde man eigentlich eine Verbesserung des fischökologischen Zustandes erwarten. Die Verschlechterung weist darauf hin, dass alleine die Herstellung der Durchgängigkeit als Maßnahme nicht ausreichend ist. Beispielsweise entspricht die Restwasservorschreibung des Kraftwerkes Weinbach nicht der QZV Ökologie § 13, weshalb der Abfluss sehr gering ist.

Ein Blick auf die Restwasserstrecke, von der Brücke aus, in Weinbach.

Weitere Informationen zur Ischl:

GZÜV Methodikkurs in Scharfling

Jeden Fischereigewässer-Bewirtschafter sei zur Kenntnisübermittlung der standardisierter Erhebungsmethoden für die Bestimmung des ökologischen Zustands von Fließgewässern entsprechend GZÜV (Gewässerzustandsüberwachungsverordnung) dieser Kurs in BAW in Scharfling empfohlen. Es werden in diesen Kurs die nötigen Instrumente wie Eingabesoftware, Berichtsgewässernetz und zeitlicher Ablauf vorgestellt. Weiters werden den KursteilnehmerInnen ausgewählte Grundlagen wie Herleitung des FIA oder Fischartenbestimmung nähergebracht.

Kurse in BAW Scharfling

Quelle

Aus der GZÜV Datenbank vom BAW Scharfling

 

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen. Wer die Gegenwart nicht versteht, kann die Zukunft nicht gestalten..“

 
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