BEWIRTSCHAFTUNG

KLIMAWANDEL – WASSERMANGEL

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Das Wissen, dass ein gewisses Ausmaß an Klimaänderung nicht mehr verhindert werden kann, macht es notwendig, sich Gedanken über Anpassungsmaßnahmen an die lokale und sektorale Ausprägung des Klimawandels zu machen. Alle globalen Klimamodelle zeigen für Mitteleuropa und speziell für den Alpenraum einen deutlich stärkeren Temperaturanstieg als im globalen Mittel. Generell muss man mit einem 1,5 bis 2 mal so starken Anstieg der Temperatur bei uns im Salzkammergut rechnen. Bereits bis in die Mitte des 21. Jahrhunderts ist mit einem weiteren Temperaturanstieg von etwa 2 Grad zu rechnen.

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Für uns Gewässer-Bewirtschafter ist der Kliamawandel schon lange bekannt und sichtbar. Von der Verschiebung der Fischregionen, der Situation mit der „Schwarzen Bachforelle“, Austrocknungen, Eintiefungen und Bergrutschungen mit tausenden Tonnen Schotter und Geröll in unseren Forellenbächen müssen wir uns auf diese Situationen einstellen.

Der Grundwasserstand in Oberösterreich ist so niedrig wie noch nie. Grund: der wenige Regen. Brunnen trocknen aus, Quellen versiegen, Teiche und Altarme verlanden. Die Wasserführung in unseren Flüssen geht zurück. Weiters haben die letzten Hochwässer auch die Sohlen unser Gewässer im mehr einegtieft. Wir haben hier durch Profilvermessungen in unseren Fischereirevier über 80 cm gemessen. Siehe dazu den Bericht über die Profilvermessungen. Das Wissen, dass ein gewisses Ausmaß an Klimaänderung nicht mehr verhindert werden kann, macht es notwendig, sich Gedanken über Anpassungsmaßnahmen an die lokale und sektorale Ausprägung des Klimawandels zu machen. Alle globalen Klimamodelle zeigen für Mitteleuropa und speziell für den Alpenraum einen deutlich stärkeren Temperaturanstieg als im globalen Mittel. Generell muss man mit einem 1,5 bis 2 mal so starken Anstieg der Temperatur bei uns im Alpenraum rechnen. Bereits bis in die Mitte des 21. Jahrhunderts ist mit einem weiteren Temperaturanstieg von etwa 2 Grad zu rechnen. Was zur Folge hat, dass die angebunden Altarme bei Niederwasser austrocknen und mit jeder Trockenperiode werden tausende Fische sterben.

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Viele male ist der Engleithen Altarm schon trockengefallen. Es wurde in der Planung nur auf Hochwasserschutz geachtet. Auf die Niederwassersituationen wurde und wird keine Rücksicht genommen!

Äsche im Gletscherwasser

Äsche im Gletscherwasser

Das Trocken fallen des Engleithen Altarm, oberhalb von Bad Ischl rückt periodisch ins Blickfeld – wird jedoch leider von den Verantwortlichen noch zu wenig beachtet. Unabhängig von der notwendigen Aufhöhung von zeitlich wie räumlich unnatürlich ausgedehnten Niedrigwasserführungen sind trocken fallende Gewässerstrecken durchaus bedeutsam: Hier können, so lange Wasser fließt, Jungfische und andere Kleintiere ungestört von größeren Gewässerorganismen heran wachsen. Diese Strecken sind dadurch mit die produktivsten und von großer Bedeutung für das abwärts liegende Gewässersystem. Besonders wichtig ist deshalb, für eine dauerhafte Durchgängigkeit zu sorgen:

  • Bei Hochwasser wandern die Laichfische ein und legen ihre Eier in den Kiesgrund, anschließend verlassen sie diese Strecken wieder.
  • Können sie ihre Laichräume nicht erreichen, fehlt ein wesentlicher Anteil des Nachwuchses für unterliegende Strecken.
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Bis zu 50 Äschen haben wir im Engleithen Altarm beim Laichgeschäft gezählt. Wird die Brut überleben oder wird der Altarm wieder austrocknen?

Die Elemente des Wasserhaushalts sind in Schieflage geraten

Den Gewässerorganismen ist es letztlich egal: Versiegeln und Dränieren bewirken beide verbunden mit direktem Ableiten bei Niederschlägen zunächst einen krassen, hohen Anstieg des Wasserspiegels und ein entsprechend schnelles Absinken. Dieses Volumen fehlt in der Grundwasserspende in regenarmen Zeiten, verlängerte Niedrigwasserzeiten und –strecken sind die unerfreuliche Folgen.

Die Antwort auf die Frage des Titels „. . . Klimawandel-Wassermangel?!“ ist in unseren Breiten meist klar: Es fehlt natürlich im Mittel kein Wasser, aber die Elemente des Wasserhaushalts sind in Schieflage geraten. Eigentümer überschwemmter tiefliegender Bauten klagen, länger trocken fallende Strecken an Fließgewässern stören Flora und Fauna und ein überhitztes Stadt-Kleinklima stört das Wohlbefinde der Menschen.

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Die Unwetter der letzten Jahre haben in den Oberläufen unserer Bäche mit Hangrutschungen zu großen Schäden bis hin zur kpl. Ausrottung der Fischbestände geführt.

Der Alpenraum kann als Klimafrühwarnsystem, in dem die Folgen des Klimawandels verstärkt auftreten, angesehen werden. Ein geändertes Abflussverhalten der Gletscher hat nicht nur massive Auswirkungen auf die alpinen Kraftwerke. So könnte es beispielsweise bei raschen Speicherpegelabsenkungen zu Hangrutschungen und zu Zerstörungen kommen. Die Folgen einer Gletscherschmelze beschränken sich nicht nur auf den Alpenraum, sondern wirken sich bis in das Flachland hinein aus, das die alpine Wasserspende für landwirtschaftliche, touristische und energetische Zwecke nutzt. Eine zweite Gefahr für die Infrastruktur geht vom Auftauen des Permafrostes aus. Mit zunehmendem Schwund des Dauerfrostbodens findet eine Destabilisierung des Untergrundes statt. Das verstärkte Auftreten von Massenbewegungen, insbesondere Steinschlag- Felssturzprozesse in steilen Felsflanken und eine zunehmende Gefährdung von Straßen, Wanderwege, Klettertouren, Schipisten und vor allem auch unserer Wildbäche können die Folgen sein. Aufgrund der höheren Temperaturen ist ein Ansteigen der Baumgrenze absehbar. Eine Verschiebung der Fischregionen ist heute schon zu beobacht und hat in den letzten Jahren schon schleichend stattgefunden. Dies hat Auswirkungen auf die landwirtschaftliche- und forstwirtschaftliche Produktion in den Alpen und stellt auch uns Bewirtschafter von Fischereigewässer vor neue Herausforderungen.

Hundert Jahre alte Klauswehrverordnungen geben den Fischen den Rest

Die zwar adaptierte, jedoch über hundert Jahre alte „Klauswehrverodnung“ mit der man den Abfluss der Traun und den Pegel des Hallstättersees regelt wird zur FISCHFALLE und speziell in Niederwasserperioden durch ihre abrupten Absenkunden führt dies zu katastrophalen Folgen bei den Fischbeständen. Damit werden uns periodisch die Jungfische vernichtet. Auch hier wäre dringend eine Anpassung an die akuellen Klimabedingungen erforderlich. Jedoch auch hier keine Reaktion auf unsere Anfragen bei den zuständigen Stellen.

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Gletscher auch ausgelutscht

Das Fehlen der „Gletscherspende“ ist heute schon unter extrem trockenen Bedingungen von Bedeutung für den Wasserhaushalt. In Hitze und Trockensommer sind diese dafür Hauptverantwortlich, dass überhaupt noch Wasser in unseren Bächen und Flüssen vorhanden ist. Selbst an der Traun schätzt man, dass rund 40 % des Abflusses von der Gletscherschmelze stammt. Würden wir jetzt in Folge Sommer wie 2003 oder 2015 bekommen, wäre der Beitrag der Gletscher schon um einiges geringer, da sich die Abnahme der alpinen Gletscherfläche seit Jahren sukzessive fortgesetzt hat. Die Auswirkungen auf die Energieproduktion wird enorm und ein großräumiger Zusammenbruch der Stromversorgung nicht auszuschließen. In der fischereilichen Bewirtschaftung spüren wir die Auswirckungen massivst.

Der Alpenraum reagiert sehr sensibel auf Klimaänderungen und kann daher als Klimafrühwarnsystem angesehen werden, in dem auch die Folgen des Klimawandels verstärkt auftreten. Daher muss auch bei der künftigen Planung von Renaturierungsmaßnahmen in Verbindung mit dem Hochwasserschutz auf diese Gegegenbenheiten Rücksicht genommen werden.

Weitere Informationen:

Fischer mit Profil

Traun Profil

1000 Tonnen Schotter

Klauswehrverordnung gibt den Fischen den Rest

Klimainitiative österreichischer WissenschafterInnen

Anpassung an den Klimawandel in Österreich – Themenfeld Wasser

Thermischer Stress der Bachforelle an der Oberen Traun während des Sommers

Wie und wo verändern sich die österreichischen Flüsse durch den Klimawandel? Interdisziplinäre Analyse im Hinblick auf Fischfauna und Nährstoffe

 

 

„Ein ingenieurbiologisches Vorhaben wird dann am besten gelingen,

wenn wir die Ursachen des Problems und seine Entwicklung verstehen und von da nach Lösungen suchen“

Zitat: (FRÖHLICH)

 

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