BEWIRTSCHAFTUNG

STRICHER-LISTE VS. METHODIK

Ökologische Datenpunkte, Metadaten und Datenbanken, mit Vergleichswerten über Jahrzehnten zu haben ist eine wichtige jedoch keine einfache Aufgabe. Wo all diese Daten wichtige Auswirkungen auf die Zukunft der Bewirtschaftung und Erhaltung unserer Gewässer haben, gibt es seit einigen Jahren auch Standardpraktiken für die Datenermittlung mit anderen Wissenschaftlern oder der Öffentlichkeit. Gemeinsame Daten könnten die Tür für neue Forschungsmöglichkeiten öffnen und dazu verwendet werden, fundiertere politische Entscheidungen und Erhaltungsentscheidungen zu treffen. Es werden jedoch verschiedene Anstrengungen unternommen, um den Austausch von Gewässerdaten zu vereinfachen und zu fördern, den Zugang zu wichtigen Informationen zu ermöglichen und die Transparenz zu verbessern.

Befischungsdaten, Entnahmedaten, Bestandsdaten, Laichplatzkartierungen, Jungfischbeobachtungen, etc …..

In der Bewirtschaftung von Gewässern, ist ein wesentliches Thema, die Fischbestandskontrolle. Auf der einen Seite verwendet man für Bäche und kleiner Flüsse die Elektrobefischung. Die biologische Vielfalt oder Biodiversität wird in unseren, durch menschliche Aktivitäten stark veränderten Gewässern zu einem wichtigen Thema. Die Dokumentation der Artenvielfalt und des Zustandes der Fischpopulationen ist eine unabdingbare Voraussetzung für richtiges Management und Schutz der gefährdeten Arten. Die Ökologie und mit ihr die Fischbiologie haben sich in den letzten Jahrzehnten methodisch stark entwickelt. Wir sind heute
durchaus in der Lage, in kleinen und mittelgrossen Fliessgewässern exakte Angaben über Fischdichten und Fischbiomassen zu machen.

Elektrobefischung – hier bei einer Notabfischung.

Stromfischen

Der Elektrofischerei kommt dabei eine wichtige Bedeutung zu. In
Fliessgewässern ist sie heute die wichtigste Fangmethode. Besonders durchwatbare Fliessgewässer eignen sich hervorragend für den Einsatz der Elektrofischerei. Schwieriger wird es in grösseren Gewässern mit zunehmender Tiefe. In tiefen Stellen (ab zirka 2 – 2.5m Wassertiefe) ist die
Elektrofischerei nicht mehr effizient. Grosse Flüsse können daher mit dem aus einem Boot betriebenen Elektrofanggerät nur noch an gewissen Stellen punktweise befischt werden.

Elektrobefischung vom Boot aus.

DOKUMENTATION mit Stricherlliste

Beispiel, einer “Stricherlliste” einer Notabfischung, wo es schnell gehen muss, um die Fische zu retten. Gegenüber einer Bestandsaufnahme, bei der die exakte Erhebung der Fische gefordert ist.

Eine Identifikation der Fische (Art, Länge oder Grössenklasse) geschieht entweder direkt im Fangkescher oder in einem Behälter. Kleinfische werden in der Regel in zwei Grössenklassen unterteilt, für grosse Arten reichen drei Grössenklassen: 0+, Fische bis 20 cm, Fische grösser als 20 cm (oder 0+, juvenil, adult). Der Protokollführer erstellt bei der Abfischung für jede Art und Grössenklasse eine Strichliste.

Wenn es schnell gehen muss, wie bei Notabfischungen, reicht eine Stricherlliste. Bei einer
Fischbestanderhebung nach GZÜV müssen die Fischdaten exakt vermessen und dokumentiert werden.
Bestandsaufnahme Auswertung E-Fischen, 19. August 2012
Bestandsaufnahme Auswertung E-Fischen, 19. August 2012. Update der “Sricherlliste” in eine Excel-Tabelle um eine Übersicht über die Notabfischungen zu haben.

METHODIK

Fischbestanderhebung nach GZUEV

Im IGF – Institut für Gewässerökologie und Fischereiwirtschaft in Scharfling am Mondsee wird ein “Methodikkurs” angebotern, in diesen Kurs wird die standardisierter Erhebungsmethode für die Bestimmung des ökologischen Zustands von Fließgewässern entsprechend GZÜV (Gewässerzustandsüberwachungsverordnung) vermittelt. Dazu werden die nötigen Instrumente wie die

  • Erfassungssoftware,
  • Berichtsgewässernetz,
  • wichtige Infomationen über die Elektrobefischung
  • und der zeitlicher Ablauf für Elektrobefischungen

vorgestellt. Weiters werden den KursteilnehmerInnen Grundlagen, wie Herleitung der Fischartenbestimmung näher gebracht.

Qualitative Befischung

In einem kleinen Fliessgewässer wird das ganze Gewässer oder aber mehrere repräsentative Abschnitte befischt. Die Befischung wird mit einem oder mit zwei mobilen, tragbaren Elektrofanggerät durchgeführt. Dazu braucht es 5-6 Personen. Eine Absperrung von Gewässerabschnitten ist erforderlich. Die Fliessgewässerabschnitte werden mit gleicher Intensität befischt, alle Habitatstypen werden berücksichtigt. Die Identifikation der Fische (Art, Länge oder Grössenklasse) erfolgt über einen Sammelbehälter, aus dem dies vermessen werden.

Hier eine Bestandsaufnahme mit zwei Aggregaten und einer Netzabsperrung.

Wenn wir die Fischdichte in einem bestimmten Areal so exakt wie möglich abschätzen wollen, benützen wir quantitative Abfischungsmethoden. Die befischten Strecken sind in der Regel 100-300 m lang und immer durchwatbar. Für die quantitativen Bestandeserhebungen sollen nur Methoden zum Einsatz kommen, welche für die zu untersuchende Fischart erprobt sind.

Fischdatenbank (FDA)

Seit Beginn der EU-Wasserrahmenrichtlinie im Jahr 2000 wurde am IGF Scharfling eine Fischdatenbank aufgebaut, die enthaltenen Befischungsdaten gehen bis in die 1980er Jahre zurück. Alle im Rahmen des in der EU-WRRL vorgeschriebenen Monitorings erhobenen Fischdaten werden in dieser Datenbank verwaltet, ausgewertet und bewertet.

Sämtliche im Rahmen der GZÜV Fische an Fließgewässern (Gewässerzustandsüberwachungs-verordnung, Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie) in Österreich erhoben Daten  werden in der FDA  gespeichert und ausgewertet. Mit Stand Oktober 2017 sind insgesamt (Projekte und GZÜV-Daten) 6755 Erhebungen an über 5000 Stellen an Fließgewässern im gesamten Bundesgebiet enthalten.

Die FDA basiert auf Einzelfischdaten, die Dateneingabe erfolgt mittels der auch am IGF entwickelten FDA-Datenerfassungs-Software, die Benutzeroberfläche der Datenbank ist eine Webanwendung. Im FDA-Framework integriert sind standardisierte Berechnungsmethoden, fischbiologische Auswertungen, die Berechnung statistischer Kennwerte, die Bewertung nach dem Fisch Index Austria (FIA) sowie die Erstellung von Diagrammen und  pdf-Berichten. 

Weitere Informationen:

FDA – Datenerfassung

Software-Update und eingebundenes Handbuch V4.5 zur Datenerfassung der ökologischen Fischuntersuchungen im Rahmen des nationalen Monitorings nach Gewässerzustandsüberwachungsverordnung (GZÜV).

https://www.bmnt.gv.at/wasser/wisa/xmlschnittstelle/qualitaet/fda-datenerfassung.html

Bewertung Fisch Index Austria, Fischleitbilder

Fische dienen als maßgebliche Bioindikatoren für den ökologischen Zustand von Fließgewässern gemäß Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) in Hinblick auf hydromorphologische und hydrologische Belastungen (HAUNSCHMID et al. 2006). Fischbestände werden im Zuge eines bundesweiten, umfangreichen Messprogramms gemonitort, deren Ergebnisse als wichtige Grundlage für die wasserwirtschaftliche Planung dienen. Grundsätzlich wird zwar empfohlen, Erhebungen zur Bewertung des fischökologischen Zustands vorzugsweise zwischen August und Mitte Dezember (bzw. Beginn der lokalen Forellenlaichzeit) durchzuführen. Beim Vorliegen geeigneter Rahmenbedingungen mit einer Temperatur zwischen 5 und 20°C im Rhithral und einer geringe Trübe etc. können Erhebungen aber auch im Frühjahr Richtlinien-konform durchgeführt werden. Ein abgesichertes Ergebnis ist daher aus fachlicher Sicht zwar v.a. für die ggst. Befischungen zum Herbsttermin zu erwarten, formal „gültige“ Ergebnisse in Hinblick auf die Bewertung nach WRRL sind aber auch den Ergebnissen der Frühjahrsbefischungen zu attestieren. Die österreichische Methode zur Bewertung des fischökologischen Zustandes, der Fisch Index Austria (FIA), stellt ein Maß der Abweichung der aktuellen Fischartengemeinschaft von einer definierten Referenzzönose dar, die den ursprünglichen, anthropogen unbeeinflussten Bedingungen im Gewässer entspricht. Dazu wurden für die einzelnen österreichischen Bioregionen (geologische Großräume bzw. Flusseinzugsgebiete) und Fischregionen (bezüglich Gefälle und Wasserführung ähnliche Fließgewässerabschnitte) fischökologische Leitbilder definiert. Insgesamt ist Österreich von den „Vergletscherten Zentralalpen“ bis zu den „Östlichen Flach- und Hügelländer und Grazer Feld“ in neun Bioregionen unterteilt. Bezüglich der Fischregionen (biozönotischen Region) werden zehn unterschiedliche Typen vom

  • Epirhithral (Obere Forellenregion) bis zum
  • Metapotamal (Brachsenregion) unterschieden,
    wobei die Regionen
  • Hyporhithral (Äschenregion) und
  • Epipotamal (Barbenregion) nach der Gewässergröße in weitere Unterregionen unterteilt werden und mit
  • Schmerlen- bzw.
  • Gründlingsbach
    zwei Sondertypen definiert sind. Besonders für die größeren Gewässer wurden außerdem adaptierte Leitbilder festgelegt.

Die Entwicklung der Leitbilder erfolgte einerseits aus historischen Fischfangdaten, anhand aktueller Befischungsergebnisse von anthropogen kaum beeinflussten Referenzstrecken und anhand von Experteneinschätzungen. Ein fischökologisches Leitbild listet die potentiell vorkommenden Arten auf, wobei sie nach ihrer Häufigkeit und Stetigkeit (unter natürlichen Bedingungen) in Leit-, typische und seltene Begleitarten eingestuft sind. Bei den Leitarten handelt es sich um „Fischarten, die auf jeden Fall in der betrachteten Bioregion und biozönotischen Region und meist mit hoher relativer Häufigkeit vorkommen müssen.“ Typische Begleitarten sind „Fischarten, die in der betrachteten Bioregion und biozönotischen Region und meist mit mittlerer relativer Häufigkeit vorkommen müssten.“ Seltene Begleitarten sind Arten, „die in der betrachteten Bioregion und biozönotischen Region und meist mit geringer relativer Häufigkeit vorkommen könnten.“ (HAUNSCHMID et al. 2006)

 

„Fischereimanagement ist wie das Leben – eine Kunst, keine Wissenschaft“

Zitat von Robert Arlinghaus

 
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