Wassererlebnistag Bad Ischl 2026

2.000 junge Forellen, viele Kinderhände und ein Bach, der Kaltenbach heißt. Am Wassererlebnistag im Kurpark Bad Ischl haben wir gezeigt, was Fischerei heute ist. Nicht Fische fangen. Fische großziehen und ihnen ein Zuhause geben.

Der Tag im Sisipark

Eigentlich ist Leopold die Bachforelle unweit der Mündung in der Traun zu Hause. Doch wenn die Wassertemperaturen dort im Juni die kritische Marke überschreiten, nutzt er seinen Instinkt: Dank der im Zuge der Landesgartenschau 2015 geschaffenen Barrierefreiheit steht ihm der Kaltenbach offen. Die Zubringerbäche sind von überlebenswichtige Bedeutung als Laichplatz und als Jungfisch-Kindergarten, bietet der Kaltenbach das, was Leopold jetzt zum Atmen braucht: Schatten, Struktur und erfrischend kühles Wasser. Eine Momentaufnahme, die zeigt, dass Naturschutz und Rückbau im Salzkammergut ganz konkret Leben retten.

LR Kaineder zu Besuch beim Fischbesatz

Der Wassererlebnistag stand unter dem Motto Unser Wasserschatz. Im Kurpark zeigte die Direktion Umwelt und Wasserwirtschaft des Landes Oberösterreich an vielen Stationen, was Wasser kann und was es braucht. Hochwasserschutz, Wasserkreislauf, Lebensraum Wasser. Wir vom Fischereirevier Oberes Salzkammergut hatten unsere Außenstelle direkt am Kaltenbach im Sisipark. Ab 8:30 Uhr kam im Stundentakt eine Schulklasse nach der anderen.

Landesrat Stefan Kaineder und Bürgermeisterin Ines Schiller setzten gemeinsam mit Kindern Jungforellen im Kaltenbach aus. (Fotograf: Land OÖ; Bildrechte: Land OÖ)

2.000 Forellen, im Winter geboren

Vom schützenden Bruthaus Ebensee direkt in die Wildnis: Tausende sorgsam großgezogene Jungforellen finden im kühlen, barrierefreien Kaltenbach den idealen Platz, um heranzuwachsen und sich an die Natur anzupassen.

Die Forellen, die wir ausgesetzt haben, sind Brütlinge aus unserem eigenen Jahrgang. Geschlüpft im letzten Winter im Bruthaus, danach aufgezogen in den Becken im FischLab. 6 bis 8 Zentimeter klein, rund 2.000 Stück. Jeder dieser Fische hat bei uns im Becken angefangen und schwimmt jetzt in der Freiheit. Die Kinder durften selbst ran. Ein Küberl in die Hand, vorsichtig zum Wasser, Fisch hinein. Für manche war es der erste Fisch, den sie je in der Hand gehalten haben.

Hier einen Blick auf das Becken im „FischLab-Mühlbach“ in Altmünster, wo die Forellen großgezogen wurden.

Warum gerade der Kaltenbach

Der Kaltenbach ist unser Fischkindergarten. Klein, kühl, beschattet. Genau das, was junge Forellen brauchen. Hier wachsen sie auf, bevor sie später in die größeren Gewässer ziehen. Ein kalter Bach ist heute kein Selbstverständnis mehr. Er ist ein Schatz.

Von Michael Schiffer von der WLV wurde die Renaturierung des Kaltenbach vorgestellt.

Der Kaltenbach zeigt als ökologisches Referenzprojekt der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV), wie moderner Hochwasserschutz im Oberlauf und erfolgreiche Renaturierung im Unterlauf Hand in Hand gehen können.

Durch dieses Paradebeispiel der Landesgartenschau 2015 wurde ein Lebensraum geschaffen, der heute – im heißen Juni 2026 – als barrierefreie Klimaoase das Überleben der frisch ausgesetzten Jungforellen aus Ebensee überhaupt erst sichert.

Das Wasser wird weniger und wärmer

Genau darum ging es an diesem Tag. Unser Wasser wird weniger und es wird wärmer. Das ist keine Stimmung, das sind Zahlen. In Österreich liegt die Lufttemperatur heute rund 3,1 Grad höher als um 1900. Die Verdunstung nimmt zu, Starkregen kommt um etwa zehn Prozent öfter als in den 1980er Jahren. Das steht in der Studie Wasser im Klimawandel, die das Bundesministerium bis zum Jahr 2100 rechnet.

Die Landesstudie zu Oberösterreichs Fließgewässern, im Februar 2026 von Umweltlandesrat Stefan Kaineder vorgestellt, hat 61 Pegelstellen über 40 Jahre ausgewertet. Im Schnitt sind unsere Gewässer um 1,9 Grad wärmer geworden. Bis 2050 kommen noch einmal rund 1,2 Grad dazu.

Die Fischregionen wandern bergauf

0,8 Grad mehr Wasser entsprechen etwa 100 Höhenmetern. Die Fischregionen wandern also wörtlich bergauf. Forelle und Äsche werden flussaufwärts gedrückt, von unten rückt die Barbe nach. Die Gmundner Traun hat diesen Weg fast hinter sich. Aus einer Äschenregion ist über die Jahrzehnte eine Barbenregion geworden.

Solange oben im Dachstein noch Schnee und Gletscher kaltes Wasser liefern, gibt es einen Rückzugsraum. Genau dieses kalte Wasser haben wir am Kaltenbach in der Hand gehalten. Deshalb zählt jeder Besatz, jeder beschattete Uferstreifen, jeder Bach, der wieder durchgängig wird.

Besuch vom Landesfischermeister

Am Nachmittag besuchte uns Landesfischermeister Gerhard Sandmayr und der Geschäftsführer vom OÖ. Landesfischereiverband Hr. DI Klaus Berg.

vlnr: DI Klaus Berg und LFM Gerhard Sandmayr

Wie ernst die aktuelle Hitzeperiode genommen wird, zeigte der Besuch von Landesfischermeister Gerhard Sandmayr. Er nahm die beschwerliche, heiße Reise von Linz nach Bad Ischl auf sich, um sich vor Ort über unsere Ausrüstung für akute Notabfischungen zu informieren.

Als positives Signal für die Zukunft nutzten wir die Gelegenheit, um gemeinsam vitale Jungforellen in ihrem neuen Revier auszusetzen. Foto: OÖLFV

Wenn man ein Netz voll junger Forellen spürt, spürt man eine immense Kraft und Lebensfreude. Dieses Gefühl konnten wir am Wassererlebnistag den Landesfischermeister und vielen Kindern vermitteln. Foto: OÖLFV

Wer dabei war

Für das Fischereirevier Oberes Salzkammergut waren vor Ort: Harald Eidinger (Geschäftsführer), unsere Fischereischutzorgane Rudolf Gams, Ernst Etlinger und Hubert Aitenbichler, und ich, Heimo Huber, als Obmann.

Danke an das Team, für die Unterstützung bei der Aktion im Sisipark, vlnr: Ernst Etlinger, Harald Eidinger, Heimo Huber, Jörg Werner, Rudolf Gams und Hubert Aitenbichler.
vlnr: Harald Eidinger (GF FROSKG), LFM Gerhard Sandmayr, FSO Rudi Gams, Heimo Huber, Obmann FROSKG und Revierschutzorgan Hubert Aitenbichler. Foto: OÖLFV

Danke an alle Kinder, Lehrerinnen und Lehrer, die mitgemacht haben. Und danke an das Land Oberösterreich für die Einladung.

2.000 Forellen sind ein Anfang. Was aus ihnen wird, hängt davon ab, ob wir ihren Bach kühl halten.

Vom FROSKG sind wir gut gerüstet um in Notfällen unsere Fische zu retten.

Quellen und Daten

Studie Wasser im Klimawandel, Bundesministerium / wasseraktiv.at, Prognosen bis 2100. Lufttemperatur plus 3,1 Grad seit 1900, Starkregen plus rund zehn Prozent.

Land Oberösterreich, Studie zur Erwärmung der Fließgewässer, vorgestellt Februar 2026, 61 Pegelstellen, 1984 bis 2023, im Schnitt plus 1,9 Grad, bis 2050 weitere rund 1,2 Grad.

Bundesministerium (BMLUK), Anpassungsstrategien an den Klimawandel. Rund 0,8 Grad mehr Wassertemperatur entsprechen etwa 100 Höhenmetern.

Eigene Auswertung, Fischereirevier Oberes Salzkammergut. Fischregionen rund um die Obere Traun, Referenzzeitraum 1984 bis 1994 und aktueller Zeitraum 2013 bis 2023.

Weitere Informationen

Das Eigentliche passiert unter der Oberfläche. Am Gewässer wie beim Naturschutz. Auf www.huberpower.com geht es genau dorthin: zur Arbeit am Wasser, zur Forschung dahinter und zu den Projekten, an denen wir gerade arbeiten.

Dreißig Jahre Messdaten zeigen, was wir am Wasser längst spüren. Die Grenzen zwischen Forellen, Äschen und Barben verschieben sich. Der Treiber ist die Wassertemperatur, und die hängt an der Seehöhe. Aber nicht überall gleich stark. Wir reden hier nicht über ein Gefühl. Wir reden über eine messbare Verschiebung der Fischregionsgrenzen. Sie ist über drei Jahrzehnte schleichend gekommen, Jahr für Jahr ein kleines Stück. Heute lässt sie sich in Zahlen fassen.
Das schließt den Kreis der Prominenz und Expertise im Fischereirevier Oberes Salzkammergut (FROSKG) auf beeindruckende Weise. Dass Peter Schröcksnadel als eine Persönlichkeit, die für Präzision, Erfolg und Handschlagqualität steht – das ehemalige „Platzer Revier“ an der Ischler Traun bewirtschaftet, verleiht der Region und Ihren Bestrebungen zusätzliches Gewicht.
Die Bachforellen ist „der kleine Lachs der Bergquellbäche“. Vielleicht mehr als jeder andere Fisch im Salzkammergut verkörpern heimische wilde Bachforellen das Leitbild eines gesunden Baches. Die Frage bleibt, ob wilde selbst reproduzierende Bachforellen-Stämme in Zukunft in den Zubringerbächen der Oberen Traun erhalten bleiben, oder ob ihnen das Wasser ausgeht oder zu warm wird?
Die Frage, ob die wilden, selbst reproduzierenden Bachforellen-Stämme in den Zubringerbächen der Oberen Traun erhalten bleiben, ist angesichts des Klimawandels und anderer anthropogener Einflüsse tatsächlich kritisch.
Die Zukunft der wilden Bachforellen in den Zubringerbächen der Oberen Traun ist ungewiss und steht unter erheblichem Druck durch Umweltveränderungen und historische Eingriffe. Ihr Erhalt hängt maßgeblich von den kontinuierlichen und intensiven Schutz-, Entwicklungs- und Renaturierungsmaßnahmen der Fischereibewirtschafter und Unterstützer ab. Die Zubringerbäche gelten als Biotope der Zukunft für die Bachforelle (Salmo trutta), aber ihr Schutz vor Austrocknung, Erwärmung und Verbauung ist essenziell. Um ihren Bestand bestmöglich zu erhalten, haben wir das „Projekt Leopold“ aufgesetzt.
Besatzmaterial soll nur aus unserem Gewässersystem abstammen.
Die praktische Durchführung unser Wildkultur-Fisch-Entwicklung erfordert eine klare Definition der Begriffe: “autochthon, heimisch und bodenständig”.

„Dort wo das Wasser fließt, sollten wir „Wildkultur-Fischen“

den Lebensraum erhalten und ihren Bestand fördern.“

Zitat, von Lucius Seneca, um 1-65 n.Chr. adaptierter Form