2.000 junge Forellen, viele Kinderhände und ein Bach, der Kaltenbach heißt. Am Wassererlebnistag im Kurpark Bad Ischl haben wir gezeigt, was Fischerei heute ist. Nicht Fische fangen. Fische großziehen und ihnen ein Zuhause geben.
Der Tag im Sisipark

LR Kaineder zu Besuch beim Fischbesatz
Der Wassererlebnistag stand unter dem Motto Unser Wasserschatz. Im Kurpark zeigte die Direktion Umwelt und Wasserwirtschaft des Landes Oberösterreich an vielen Stationen, was Wasser kann und was es braucht. Hochwasserschutz, Wasserkreislauf, Lebensraum Wasser. Wir vom Fischereirevier Oberes Salzkammergut hatten unsere Außenstelle direkt am Kaltenbach im Sisipark. Ab 8:30 Uhr kam im Stundentakt eine Schulklasse nach der anderen.

2.000 Forellen, im Winter geboren
Vom schützenden Bruthaus Ebensee direkt in die Wildnis: Tausende sorgsam großgezogene Jungforellen finden im kühlen, barrierefreien Kaltenbach den idealen Platz, um heranzuwachsen und sich an die Natur anzupassen.

Die Forellen, die wir ausgesetzt haben, sind Brütlinge aus unserem eigenen Jahrgang. Geschlüpft im letzten Winter im Bruthaus, danach aufgezogen in den Becken im FischLab. 6 bis 8 Zentimeter klein, rund 2.000 Stück. Jeder dieser Fische hat bei uns im Becken angefangen und schwimmt jetzt in der Freiheit. Die Kinder durften selbst ran. Ein Küberl in die Hand, vorsichtig zum Wasser, Fisch hinein. Für manche war es der erste Fisch, den sie je in der Hand gehalten haben.
Warum gerade der Kaltenbach
Der Kaltenbach ist unser Fischkindergarten. Klein, kühl, beschattet. Genau das, was junge Forellen brauchen. Hier wachsen sie auf, bevor sie später in die größeren Gewässer ziehen. Ein kalter Bach ist heute kein Selbstverständnis mehr. Er ist ein Schatz.

Der Kaltenbach zeigt als ökologisches Referenzprojekt der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV), wie moderner Hochwasserschutz im Oberlauf und erfolgreiche Renaturierung im Unterlauf Hand in Hand gehen können.
Durch dieses Paradebeispiel der Landesgartenschau 2015 wurde ein Lebensraum geschaffen, der heute – im heißen Juni 2026 – als barrierefreie Klimaoase das Überleben der frisch ausgesetzten Jungforellen aus Ebensee überhaupt erst sichert.
Das Wasser wird weniger und wärmer
Genau darum ging es an diesem Tag. Unser Wasser wird weniger und es wird wärmer. Das ist keine Stimmung, das sind Zahlen. In Österreich liegt die Lufttemperatur heute rund 3,1 Grad höher als um 1900. Die Verdunstung nimmt zu, Starkregen kommt um etwa zehn Prozent öfter als in den 1980er Jahren. Das steht in der Studie Wasser im Klimawandel, die das Bundesministerium bis zum Jahr 2100 rechnet.

Die Landesstudie zu Oberösterreichs Fließgewässern, im Februar 2026 von Umweltlandesrat Stefan Kaineder vorgestellt, hat 61 Pegelstellen über 40 Jahre ausgewertet. Im Schnitt sind unsere Gewässer um 1,9 Grad wärmer geworden. Bis 2050 kommen noch einmal rund 1,2 Grad dazu.
Die Fischregionen wandern bergauf
0,8 Grad mehr Wasser entsprechen etwa 100 Höhenmetern. Die Fischregionen wandern also wörtlich bergauf. Forelle und Äsche werden flussaufwärts gedrückt, von unten rückt die Barbe nach. Die Gmundner Traun hat diesen Weg fast hinter sich. Aus einer Äschenregion ist über die Jahrzehnte eine Barbenregion geworden.

Solange oben im Dachstein noch Schnee und Gletscher kaltes Wasser liefern, gibt es einen Rückzugsraum. Genau dieses kalte Wasser haben wir am Kaltenbach in der Hand gehalten. Deshalb zählt jeder Besatz, jeder beschattete Uferstreifen, jeder Bach, der wieder durchgängig wird.
Besuch vom Landesfischermeister
Am Nachmittag besuchte uns Landesfischermeister Gerhard Sandmayr und der Geschäftsführer vom OÖ. Landesfischereiverband Hr. DI Klaus Berg.

Wie ernst die aktuelle Hitzeperiode genommen wird, zeigte der Besuch von Landesfischermeister Gerhard Sandmayr. Er nahm die beschwerliche, heiße Reise von Linz nach Bad Ischl auf sich, um sich vor Ort über unsere Ausrüstung für akute Notabfischungen zu informieren.

Als positives Signal für die Zukunft nutzten wir die Gelegenheit, um gemeinsam vitale Jungforellen in ihrem neuen Revier auszusetzen. Foto: OÖLFV

Wer dabei war
Für das Fischereirevier Oberes Salzkammergut waren vor Ort: Harald Eidinger (Geschäftsführer), unsere Fischereischutzorgane Rudolf Gams, Ernst Etlinger und Hubert Aitenbichler, und ich, Heimo Huber, als Obmann.


Danke an alle Kinder, Lehrerinnen und Lehrer, die mitgemacht haben. Und danke an das Land Oberösterreich für die Einladung.
2.000 Forellen sind ein Anfang. Was aus ihnen wird, hängt davon ab, ob wir ihren Bach kühl halten.

Quellen und Daten
Studie Wasser im Klimawandel, Bundesministerium / wasseraktiv.at, Prognosen bis 2100. Lufttemperatur plus 3,1 Grad seit 1900, Starkregen plus rund zehn Prozent.
Land Oberösterreich, Studie zur Erwärmung der Fließgewässer, vorgestellt Februar 2026, 61 Pegelstellen, 1984 bis 2023, im Schnitt plus 1,9 Grad, bis 2050 weitere rund 1,2 Grad.
Bundesministerium (BMLUK), Anpassungsstrategien an den Klimawandel. Rund 0,8 Grad mehr Wassertemperatur entsprechen etwa 100 Höhenmetern.
Eigene Auswertung, Fischereirevier Oberes Salzkammergut. Fischregionen rund um die Obere Traun, Referenzzeitraum 1984 bis 1994 und aktueller Zeitraum 2013 bis 2023.
Weitere Informationen
Das Eigentliche passiert unter der Oberfläche. Am Gewässer wie beim Naturschutz. Auf www.huberpower.com geht es genau dorthin: zur Arbeit am Wasser, zur Forschung dahinter und zu den Projekten, an denen wir gerade arbeiten.
- Die Fischregionen wandern bergauf
- Save the Date: Wassererlebnistag Bad Ischl, 25. Juni 2026
- Einfluss der Wassertemperatur auf den Fischbestand (Dr. Wolfgang Ladin, 1993)
Die Frage, ob die wilden, selbst reproduzierenden Bachforellen-Stämme in den Zubringerbächen der Oberen Traun erhalten bleiben, ist angesichts des Klimawandels und anderer anthropogener Einflüsse tatsächlich kritisch.
Die Zukunft der wilden Bachforellen in den Zubringerbächen der Oberen Traun ist ungewiss und steht unter erheblichem Druck durch Umweltveränderungen und historische Eingriffe. Ihr Erhalt hängt maßgeblich von den kontinuierlichen und intensiven Schutz-, Entwicklungs- und Renaturierungsmaßnahmen der Fischereibewirtschafter und Unterstützer ab. Die Zubringerbäche gelten als Biotope der Zukunft für die Bachforelle (Salmo trutta), aber ihr Schutz vor Austrocknung, Erwärmung und Verbauung ist essenziell. Um ihren Bestand bestmöglich zu erhalten, haben wir das „Projekt Leopold“ aufgesetzt.
Besatzmaterial soll nur aus unserem Gewässersystem abstammen.
Die praktische Durchführung unser Wildkultur-Fisch-Entwicklung erfordert eine klare Definition der Begriffe: “autochthon, heimisch und bodenständig”.
„Dort wo das Wasser fließt, sollten wir „Wildkultur-Fischen“
den Lebensraum erhalten und ihren Bestand fördern.“
Zitat, von Lucius Seneca, um 1-65 n.Chr. adaptierter Form

