Der Dachstein Gletscher Schwund

Die Internationale Akademie bietet mehrmals im Jahr spannende Vorträge hochkarätiger Wissenschaftler im Klostersaal Traunkirchen an. Am Freitag, 26. Juni 2026, hat Frau Priv.-Doz.in Andrea Fischer, ÖAW/ Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung über den Stand der Gletscherkunde in Zeiten des Klimawandels berichtet.

Von der „Internationalen Akademie Traunkirchen“ wurde zum Vortrag von Priv.-Doz.in Andrea Fischer eingeladen. Foto: Dr. Wolfgang Ladin

Die Messung der ungeahnt raschen Veränderungen erfordert neue Messtechniken – die Eisverluste des Jahres 2022 waren deutlich außerhalb des denkbaren. Umgelegt auf die Verteilung der Körpergröße von Volksschülern wäre ein 3 m großes Kind in der Klasse gestanden – wie bereitet man sich auf solche Ereignisse vor? Erstaunlich viel in unserem Alltag, von der Schneeräumung bis zum Bebauungsplan, ist auf das bisher bekannte Klimaregime abgestimmt. Kulturelle Techniken, Raumordnung und Landnutzung sind aus der Wechselwirkung zwischen der Natur und den Menschen seit Jahrtausenden entstanden. Nun gute Entscheidungen für eine nachhaltige Zukunft zu treffen, ist wichtig, und trotz oder gerade wegen der vielen Unsicherheiten ist es die Wissenschaft, die den Boden bereitet für gesellschaftliche Entscheidungen, die unsere Werte und Prioritäten widerspiegeln.

Alpinen Glaziologie und Hydrologie

Wasserhaushalt: Der Rückzug der Gletscher verändert den saisonalen Abfluss. Kurzfristig steigt im Sommer oft die Wassermenge (mehr Schmelze), langfristig fällt sie, wenn die Eisreserven schrumpfen. Das beeinflusst Pegelstände, Trockenperioden und die Planung von Speicher- und Stauseen.

Das wenige Schmelzwasser macht es auch schwieriger, die Speicherseen zu füllen. Wie trocken es vielfach war, zeigt sich am Hallstätter Gletscher, der in durchschnittlichen Wintern über sieben Meter Schnee verzeichnet. Heuer sind es weniger als vier Meter. Von Seiten der Fischerei und als Gewässerbewirtschafter beobachten wir diese Situation mit großer Sorge, wenn unseren Gewässern, dass Wasser ausgeht.
  • Kraftwerke: Viele alpine Wasserkraftwerke hängen an Schmelzwasser. Änderungen im Timing (frühere Schneeschmelze, geringere Sommerabflüsse) wirken sich direkt auf die Stromproduktion aus. Betreiber müssen Modelle anpassen, Speicherstrategien verändern und stärker auf Extremjahre reagieren.
  • Fische und Ökosysteme: Wärmeres Wasser und niedrigere Abflüsse im Spätsommer erhöhen Stress für kälteadaptierte Arten wie die Bachforelle. Zusätzlich verändern Geschiebeführung, Sedimente und plötzlich einsetzende Schmelzwasserschübe die Lebensräume. Forschung dazu läuft eng mit Gewässerökologie und Naturschutz zusammen.
  • Der Schneemangel heuer wirkt sich neben den früher freiliegenden Gletschern und Gletscherresten auch auf die Pegelstände von Seen, Bächen und Flüssen aus, die den ganzen Winter bis in den Frühling auf sehr niedrigem Wasserstands Niveau dahindümpeln.

Der Trend in der alpinen Forschung geht klar dahin, Gletscherentwicklung, Hydrologie, Ökologie und Nutzungssysteme (Energie, Landwirtschaft, Tourismus) gemeinsam zu betrachten.

Vorstellung der Referentin

Priv.-Doz.in Andrea Fischer, ÖAW/ Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung

Andrea Fischer ist Geophysikerin und Glaziologin sowie Vizedirektorin des Instituts für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften an der Universität Innsbruck. Ihre Arbeitsgebiete sind Glaziologie, Klimatologie und Gebirgsforschung, hauptsächlich im Alpenraum, aber auch in Asien, Afrika und Südamerika. Die breit gefächerten Forschungsprojekte von Andrea Fischer beschäftigen sich nicht nur mit rein wissenschaftlichen Themenstellungen (beispielsweise dem Langzeitmonitoring verschiedener österreichischer Gletscher und Blockgletscher), sondern auch mit Praxisaspekten wie etwa den Auswirkungen von Snowfarming und Sommer-Abdeckungen in Gletscherschigebieten oder den Möglichkeiten und Folgen der Kunstschneeproduktion.

Weitere Informationen zur Wissenschaftlerin, die am Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften tätig ist sind hier zu finden, oder auf ihrer WEB-Seite: https://www.andreafischer.at/

Wer sich in der Gesellschaft von Gletschern aufhält,
fühlt sich mit der Zeit erträglich unbedeutend .“
Mark Twain

Auswirkungen vom Gletscher-Schwund

„Was die Glaziologen am Gletscher feststellen, beobachten wir Fischer an unseren Gewässern“ beschreibt die direkte, spürbare Verbindung zweier Welten, die dasselbe Phänomen aus unterschiedlichen Blickwinkeln erleben. Diese Beobachtung lässt sich wunderbar in zwei logische Ebenen unterteilen:

Das „Frühwarnsystem“ der Natur

Unten im Tal (Fischerei): Wir Fischer sind die Ersten, die die unmittelbaren Konsequenzen im Alltag spüren. Die Pionierarbeit von Dr. Wolfgang Ladin von 1993 zeigt eindrucksvoll, dass engagierte Laien und Praktiker (Citizen Science) oft schon Daten und Veränderungen dokumentieren, bevor sie im großen Stil wissenschaftlich oder politisch debattiert werden.

Oben auf dem Berg (Glaziologie): Dr. Andrea Fischer misst das sichtbare, dramatische Schwinden des Eises. Die Gletscher fungieren hier als das globale „Gedächtnis“ und unübersehbare Fieberthermometer unseres Klimas.

Von Frau Dr. Fischer wurde auch auf die Wasser-Temperaturstatistik hingewiesen, mit der die Temperaturzunahme der des Traunsee über Jahrzehnte gemessen und beobachtet wird und deren Zunahme durchaus mit dem Gletscher-Schwund einhergehen dürfte. Siehe dazu auch die Temperatur Entwicklung an der Gmundner Traun: https://huberpower.com/wordpress/?p=45077 Foto: Dr. Wolfgang Ladin

Die direkte physikalische Verbindung

Der Zusammenhang ist kein Zufall, sondern eine Kettenreaktion: Wenn die Gletscher im Hochgebirge (wie am nahen Dachstein) verschwinden, fehlt den alpinen Flüssen wie der Traun in den heißen Sommermonaten das kühlende Schmelzwasser. Die Flüsse führen weniger Wasser, das sich durch die intensivere Sonneneinstrahlung viel schneller aufheizt.

Was als Gletscherschwund in den Bergen beginnt, kommt direkt als existenzieller Hitzestress und Sauerstoffmangel bei den Bachforellen und Äschen in der Traun an und es zeigt, dass Fischer eben nicht nur Naturnutzer sind, sondern die wichtigsten Chronisten und Hüter der Gewässergesundheit vor Ort.

Das Foto von Wolfgang Ladin fängt diese fundamentale Abhängigkeit perfekt ein. Es ist ein Landschaftsbild, das ohne ein einziges Wort ein ganzes Ökosystem erklärt. Foto: Dr. Wolfgang Ladin

Durch die verschiedenen Blaustufen der Bergsilhouetten wirkt der glänzende Gletscher im Hintergrund fast so, als würde er direkt in den See hineinfließen. Es zeigt genau das, was wir Fischer täglich spürt: Die Natur kennt keine Trennung zwischen Berg und Tal.

Internationale Akademie Traunkirchen

Der Klostersaal in Traunkirchen bot eine wunderschöne, fast schon meditative Kulisse für so ein ernstes und spannendes Thema.

Die Internationale Akademie bietet mehrmals im Jahr spannende Vorträge hochkarätiger Wissenschaftler im Klostersaal Traunkirchen an. Diese öffentlichen Vorträge können Sie ab sofort (sofern die Vortragenden zustimmen) auch als Podcast erleben.
Siehe: https://www.akademietraunkirchen.com/

Ist der Gletscher weg, ist auch sein Wasser weg!

„Ist dieser Schwund so leise, dass ihn Politik und Energiewirtschaft noch nicht gehört haben? Dabei ist das Drama am Dachstein längst unübersehbar. Wer hinaufschaut, sieht, was auf unsere Gewässer zukommt.“

Das Ende einer 3.500-jährigen Ära

Was über drei Jahrtausende Bestand hatte, geht nun unwiederbringlich zu Ende. Der Dachsteingletscher, geprägt durch seine drei großen Ströme Hallstätter, Schladminger und Gosauer Gletscher verliert sein Gesicht. Laut der Glaziologin Andrea Fischer waren der Schladminger und der Hallstätter Gletscher seit rund 3.500 Jahren fest miteinander verbunden. Dass sie nun auseinanderdriften, übertrifft alle Prognosen. Der Klimawandel überholt uns links: Das Eis schwindet in einem so extremen Ausmaß, dass herkömmliche Rechenmodelle an ihre Grenzen stoßen, weil uns schlicht die Erfahrungswerte für ein solches Rekord Tempo fehlen.

Fazit

„Genau hier schließt sich der Kreis zu den Warnungen der Glaziologie und den Statistiken von Dr. Wolfgang Ladin: Wenn die Winter zu schneearm werden und die Gletscher als verlässliche Sommer-Gewährleistung wegschmelzen, verliert die Wasserkraft im Tal sprichwörtlich ihren Treibstoff. Der „Traun-Stress“ ist somit längst zu einem massiven Wirtschafts- und Energiestress geworden – und zu einer dramatischen ökologischen Belastungsprobe für unsere Gewässer und deren Bewohner.“

Weitere Informationen

Das Eigentliche passiert unter der Oberfläche. Am Gewässer wie beim Naturschutz. Auf www.huberpower.com geht es genau dorthin: zur Arbeit am Wasser, zur Forschung dahinter und zu den Projekten, an denen wir gerade arbeiten.

  • Priv.-Doz.in Andrea Fischer, https://www.andreafischer.at/
  • Internationale Akademie Traunkirchen, https://www.akademietraunkirchen.com/
  • Land OÖ, Pressemeldung LR Stefan Kaineder, 5. Juni 2026; Messdaten BlueSky Wetteranalysen, Klaus Reingruber.
  • ORF Oberösterreich, „Gletscher droht weiterer Rekordschwund“, 5. Juni 2026.
  • Verbund, Quartalsbericht Q1 2026; i-Magazin, „Wenn das Wasser nicht mehr reicht“, 13. Mai 2026.
  • GeoSphere Austria, Niederschlagsbilanz April 2026.

Dachstein Gletscher Schwund
Unsere Gewässer im Klimawandel
Die Fischregionen wandern bergauf

Nichts wirkt für sich allein. Alles, – der Wasserstand, die Insekten, Vögel und die Fische, Renaturierung- und Gewässerverbauung, die Witterung, das Geschiebe, welches durch die Traun und ihre Nebenbäche transportiert wird, bis hin zur Entwicklung des Dachstein Gletscher. Dies alles hat auch ihren Einfluss auf ein Gewässer und denn darin lebenden Fische, Insekten und Wasserpflanzen und deren Vorkommen und Wohlbefinden.
Dr. Wolfgang Ladins Artikel „Der Einfluss der Wassertemperatur auf den Fischbestand der Gmundner Traun“ aus dem Jahr 1993 ist ein Paradebeispiel für das, was man heute als „Citizen Science“ oder ökologische Früherkennung bezeichnen würde. Während die breite Öffentlichkeit das Thema Klimaerwärmung damals noch als abstraktes Zukunftsszenario abtat, erkannten die Fischer der Gmundner Traun bereits die Veränderungen in der Natur.
Wasser ist zur Zeit in aller Munde. Das Wasser in unseren Gewässern im Salzkammergut wird seit Jahren immer wärmer. Die heißen Lufttemperaturen allein reichen als Erklärung nicht. Wobei das Jahr 2024 für die Bergflüsse ein gutes war: Es gab in kurzen Abständen immer wieder Regen, und weil es im April in den Bergen noch ausgiebig geschneit hatte, floss auch viel kühles Schmelzwasser in die Gewässer.
Die Bevölkerung der Erde wird lt. Prognosen in den nächsten 20-30 Jahren, um fast ein Drittel wachsen. Das hat Auswirkungen auf den Wasserverbrauch. Denn in der Folge Steigt die Nachfrage nach Nahrungsmitteln, Energie sowie nach Konsumgütern und Dienst- Leistungen aller Art. Dies bedeutet letztlich eine Mehrnachfrage nach Wasser, die auf ein begrenztes Angebot dieser lebensnotwendigen Ressource trifft. Nach den Erdölressourcen werden auch die Wasserressourcen in den meisten Teilen der Welt knapp; es wird erwartet, dass weltweit die Nachfrage nach Wasser das Angebot überschreiten wird. Ein besonderer Verbrauchs-Schwerpunkt werden dabei die stark wachsenden urbanen Zenten sein. Hier konzentrieren sich die künftigen Probleme der Wasserversorgung und Abwasserbehandlung.
 

„Unsere Fische sind in Not: ihr Lebensraum wird bedroht,

Prädatoren nehmen überhand und der Klimawandel setzt ihnen zu.“

Fischereimanagement Salzkammergut

 

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