RHV-WIESE 2. TEIL: WIRKUNG

Die Kombination aus klassischen Wasserbausteinen und dem Einsatz von Holz – oft als Raubäume oder Wurzelstöcke bezeichnet – ist ein moderner Ansatz im Wasserbau, der sowohl den Hochwasserschutz als auch die Ökologie berücksichtigt. Der Pegel von 230 cm am Maxquell (Mittelwasser) ist der ideale Zeitpunkt für eine erste Bestandsaufnahme. In dieser Phase zeigt sich, wie die Strömung auf die neuen Hindernisse reagiert. Am Donnerstag, 26. Februar 2026 gab es einen Lokalaugenschein.

Fotos aus derselben Perspektive bei Niederwasser mit 160 cm vs. 230 cm (Mittelwasser) und später nach der Schneeschmelze sind Gold wert, um die morphologischen Veränderungen (Abtrag und Anlandung) direkt vergleichen zu können.

Warum die Kombination aus Stein und Holz?

Während Steine primär der Ufersicherung und der physikalischen Stabilität dienen, bringt Holz eine völlig neue Dynamik in den Flusslauf der Oberen Traun:

  • Strömungsdiversität: Holz sorgt für kleinräumige Verwirbelungen. Es entstehen Zonen mit hoher Fließgeschwindigkeit direkt neben strömungsberuhigten Bereichen.
  • Lebensraum: Die feinen Strukturen von Wurzeln und Ästen bieten Jungfischen Schutz vor Räubern und dienen als Laichsubstrat.
  • Sohlendynamik: Durch die gezielte Lenkung der Strömung können sich Kiesbänke neu umlagern, was für die Selbstreinigungskraft des Flusses essenziell ist.
Die Holz-Einbauten bei einem Pegel von 160 cm.

Was es bei steigenden Pegeln zu beobachten gilt

Die Obere Traun kann sehr dynamisch reagieren. Spannend wird es, wenn der Pegel über das Mittelwasser hinausgeht:

  1. Kolkbildung: Entstehen hinter den Holzelementen die gewünschten tiefen Rinnen (Kolke)? Diese sind wichtige Rückzugsorte für Forellen und Äschen bei Hitze oder Niedrigwasser.
  2. Stabilität: Hält die Verankerung der Holzelemente bei erhöhtem Reibungswiderstand und Treibgutdruck stand?
  3. Sedimentation: Lagert sich in den strömungsberuhigten Bereichen feineres Material ab, das wiederum neuen Lebensraum für Kleinlebewesen (Makrozoobenthos) bietet?
  4. Ufervegetation: Wenn die Ufervegetation und die Beschattung noch in der „Anlaufphase“ sind, hat das direkten Einfluss auf das gesamte Ökosystem des Gewässers. Es ist ein bisschen wie bei einem frisch angelegten Garten: Im ersten Jahr schläft er, im zweiten kriecht er und im dritten rennt er. Sobald die Beschattung greift, pendelt sich die Biologie meist von ganz alleine ein.

Initialgerinne-Gestaltung

Den Fluss als dynamisches System zu begreifen, das sich durch die gesetzten Impulse selbst gestaltet. Die Schneeschmelze wirkt hier wie ein natürlicher „Baumeister“, der die Feinarbeit übernimmt, die kein Bagger so präzise ausführen könnte. Ein Pegel-Stand von 230 cm bietet zwar ein ruhiges Bild, aber die wahre Belastungsprobe für die „Strukturgeber“ erfolgt erst bei den ersten Frühjahrshochwassern durch die Schneeschmelze. Besonders an der Oberen Traun, die durch ihr Gefälle und das alpine Einzugsgebiet eine hohe Schleppkraft besitzt, ist diese Initialgerinne-Gestaltung hochspannend.

Um den Erfolg der Holz-Stein-Kombinationen zu bewerten, sind folgende Indikatoren bei sinkendem Pegel nach der Schneeschmelze besonders aufschlussreich:

MerkmalBeobachtungspunktÖkologischer Nutzen
Kolk-TiefeUnmittelbar hinter/unter den Holzelementen.Überwinterungsplätze und kühle Tiefenzonen im Sommer.
Sortierung des SubstratsLiegt im Strömungsschatten lockerer, sauberer Kies?Ideale Laichplätze für kieslaichende Fische wie die Äsche.
Totholz-BesiedlungBilden sich Algenfilme oder hängen Insektenlarven am Holz?Nahrungsgrundlage für die gesamte Nahrungskette.
StrömungskantenWo bricht sich die Wellenbildung an der Oberfläche?Unterstand für Bachforellen, die dort auf vorbeitreibende Nahrung warten.
UfervegetationAuch die Ufervegetation und Beschattung muss noch anwachsen.Wenn dieser Bestand erst einmal angewachsen ist, sinkt der Pflegeaufwand für das Gewässer meist drastisch, weil sich das System selbst reguliert.

Dort, wo das starre Element (Stein) auf das elastische, strukturreiche Element (Holz) trifft, entstehen Scherzonen. Diese Turbulenzen verhindern, dass der Kies „verbackt“ (Kolmatierung). Die Lückensysteme im Boden bleiben offen und durchströmt, was für die Sauerstoffversorgung der Fischeier im Sediment überlebenswichtig ist.

Bei Mittelwasserführung machen die Holz-Strukturen ein schönes Bild. Jetzt gilt es noch zu beobachten, was die Fische von ihren neuen Lebensraum halten.

Ein Blick in die Zukunft

Wenn sich dieses Pilotprojekt zwischen Hallstättersee und Traunsee bewährt, könnte es als Blaupause für viele begradigte Abschnitte der Traun dienen. Holz ist nicht nur kosteneffizient, sondern im Gegensatz zu Stein ein Element, das sich über Jahrzehnte langsam zersetzt und dabei den Nährstoffkreislauf des Flusses stützt.

Es bleibt abzuwarten, wie die erste „große Welle“ die Strukturen festigt oder ob die Natur noch Korrekturen vornimmt.

Weitere Informationen

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Renaturierung einer Fläche von rund 1 ha neben der Traun: Gemeinsam mit dem Gewässerbezirk Gmunden wird ein Grundstück des RHV zwischen der ÖBB-Bahntrasse und der Traun nach ökologischen Gesichtspunkten als Rückzugsgebiet für Fische, Amphibien und Lurche gestaltet. Die alte bestehende, künstliche Ufersicherung wird geöffnet und der Traun mehr Freiraum gelassen. (Quelle: Journal der Marktgemeinde Bad Goisern, Ausgabe 3/2021). Nachfolgend ein paar Fotos über die Wasserbau-Phase, im November-Dezember 2025.
Renaturierung einer Fläche von rund 1 ha neben der Traun: Gemeinsam mit dem Gewässerbezirk Gmunden wird ein Grundstück des RHV zwischen der ÖBB-Bahntrasse und der Traun nach ökologischen Gesichtspunkten als Rückzugsgebiet für Fische, Amphibien und Lurche gestaltet. Die alte bestehende, künstliche Ufersicherung wird geöffnet und der Traun mehr Freiraum gelassen. (Quelle: Journal der Marktgemeinde Bad Goisern, Ausgabe 3/2021)
Der „Biogärtner der Nation“ hat absolut recht, und Ihre Übertragung auf das Ökosystem Fluss trifft den Kern der modernen Fließgewässerökologie. Was im Garten der Igelbau oder das Wildbienenhotel im Altholz ist, ist im Fluss der Unterstand für die Koppe oder die Kinderstube für die Äsche. Totholz ist – so paradox es klingt – einer der lebendigsten Baustoffe, die wir in die Traun einbringen können. Die Parallelen: Garten-Oase vs. Gewässer-Oase: – Sowohl im Garten als auch im Wasser fungiert Holz als Katalysator für Biodiversität – als Nahrungsnetz: Im Garten zersetzen Pilze und Käfer das Holz; im Fluss bilden sich Biofilme (Periphyton) aus Algen und Bakterien. Diese sind die „Weideflächen“ für Eintagsfliegen- und Köcherfliegenlarven – das Hauptfutter unserer Forellen. Schutzraum: Während im Garten die Erdkröte im Holzstapel überwintert, finden im Fluss Fische im verzweigten Astwerk Schutz vor der starken Strömung bei Hochwasser oder vor Fressfeinden wie dem Gänsesäger. Struktur statt Monotonie: Ein aufgeräumter Garten ist oft ökologisch tot. Ein „aufgeräumter“, kanalisierter Fluss ebenso. Das Holz bricht die Monotonie und schafft Nischen.

„Wer verweilt nicht lieber bei der geistreichen Unordnung einer natürlichen Flusslandschaft,

als bei der geistlosen Regelmäßigkeit eines begradigten Gerinnes?“

Zitat von Friedrich von Schiller, 1793