Um für Gewässerbeschreibungen eine einheitliche Bezeichnung zu verwenden, möchte ich mich an die hierarchischen Habitat Klassifizierung, wie diese in Österreich maßgeblich von Günther Unfer und Stefan Schmutz (BOKU Wien) für die österreichischen Fließgewässer adaptiert wurde, halten. Mit dieser Skalierung lässt sich der ökologischen Zustand eines Flusses über seine physische Struktur bewerten. Als Ergänzung habe ich die englische Bezeichnungen nach Rosgen oder Frissell (*) ergänzt. Diese differenzieren noch etwas feiner und es gibt im Deutschen oft keine so prägnanten Begriffe wie im englischen.
Habitat Klassifizierung in Österreich
Bereiche, die keinem der nachfolgend genannten Lebensraumtypen zugeordnet werden können,
werden, als „sonstige-spezielle“ Habitat-Typen eingestuft.
Pool-Riffle-System-Tabelle
Nachfolgenden die klassischen „Pool-Riffle-System-Bezeichnungen“ mit den ökologischen Funktionen:
| Deutsch | Englisch | Beschreibung | Potenzielle Funktion |
| Furt | Riffle | Seichte, schnell fließende Bereiche mit turbulenter Oberfläche und grobem Substrat. | Laichplatz (hoher Gasaustausch), Lebensraum für rheophile (strömungsliebende) Jungfische. |
| Kolk / Gumpen | Pool | Tiefe Bereiche mit geringer Fließgeschwindigkeit, oft an Prallufern oder hinter Hindernissen. | Unterstand für Adulte, Winterlager, Ruhezone bei Hochwasser. |
| Furtkopf | Riffle-Head | Ein bevorzugter Laichplatz am Beginn einer Furt (Riffle) mit lockerem, sauberem Kies. | Ökologisch gesehen ist dies der wichtigste Teil des Pool-Riffle-Systems, da hier die physikalischen Bedingungen für die Ei-Entwicklung optimal zusammenlaufen. |
| Pool-Auslauf | Tail-out | Der Übergang vom Ende eines Pools (Kolk) zur nächsten Furt. Dies ist oft der ideale Laichplatz, da hier Wasser aktiv in das Kieslückensystem eingepresst wird. | Der Tail-out ist der hintere, flacher werdende Bereich eines Kolks (Pools), direkt bevor das Wasser über die nächste Furt (Riffle) abfließt. |
| Laichgrube | Redd | Ein Redd ist das „Nest“, Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Englischen, wird heute in der Fischereibiologie verwendet, um zu beschreiben, wenn ein Weibchen die Laichgrube in den Schotter schlägt. | Ein Redd (deutsch: Laichgrube) ist das „Nest“, das kieslaichende Fische wie Forellen, Lachse oder Äschen im Gewässerbett anlegen. |
| Rinner / Schnelle Adulthabitat (Futtergasse) | Runs | Gleichmäßig fließend, tiefer als die Furt, Wasseroberfläche ruhig bis leicht gewellt. Erwachsene Äschen stehen bevorzugt in diesen tieferen Rinnen (Runs) oder am Rand von Kolken (Pools). | Ist der Lebensraum, der perfekt auf das Fressverhalten von Äschen und RBF abgestimmt ist. Durch die Strömung kommt eine Menge an Driftnahrung direkt herangetragen. |
| Kaskade | Cascade | Sehr steile, turbulente Abschnitte über großen Blöcken. | Ist in steilen Gebirgsbächen (Wildbächen) zu finden. |
| Stufen-Becken-Struktur | Step-Pool | In Gebirgsbächen finden sich treppenartige Abfolgen von Abstürzen (Steps) und nachfolgenden tiefen Becken (Pools). | Beschreibt eine natürliche Sohlenform in steilen Gebirgsbächen (Wildbächen). |
| Strömungsschatten | Pocket Water | Schnelle Abschnitte, in denen große Steine kleine „Taschen“ mit Strömungsschatten bilden (wichtig als Forellen-Unterstand). | Unter Pocket Water versteht man in der Gewässerökologie und im Fliegenfischen einen speziellen Habitat Typ in schnell fließenden, meist steilen Flussabschnitten. |
| Kiesbank (Gleituferbank) | Point Bar | Die flachen Gleituferbereiche, die oft als wichtige Refugien für Larven dienen. | Eine überströmte Kiesbank bildet das Gegenstück zum steilen Prallufer und ist das Herzstück der „Kinderstube“ eines Flusses. entsteht an der Innenseite von Flusskrümmungen. Da dort die Fließgeschwindigkeit geringer ist als am gegenüberliegenden Prallufer, verliert der Fluss seine Transportkraft und lagert Material ab. |
| Flachwasser / Ufer (Ufer-Flachwasserzone) | Shallow Water / Backwater | Sehr seichte Randbereiche, oft mit feinerem Substrat oder Kehrwassern. Nach dem Schlüpfen ziehen die Äschen-Larven sofort in die Flachwasserzonen an den Rand. | Das ist die kritischste Zone im Lebenszyklus von Kieslaichern wie Äsche und Forelle. Sobald die Larven ihren Dottersack aufgezehrt haben und aus dem Kieslückensystem aufsteigen, findet ein massiver Habitat Wechsel statt. |
| Einstelldomizil für Adulte | Holding Water Resting Pool Cover Habitat Velocity Refuge Overwintering Site | Ruhezone; Winterlager; Rückzug bei Hochwasser. | Unter dem Jahr nutzen adulte Fische diese Zonen, um außerhalb der Fressphasen Energie zu sparen. Charakteristik: Geringe Fließgeschwindigkeit und große Tiefe. Struktur: Oft sind dies Bereiche mit Deckungselementen. Das können unterspülte Ufer (Wurzelstöcke), große Steinblöcke oder Totholz sein. |
Flachwasser
Diese Habitat Klasse umfasst alle Bereiche, die vergleichsweise flach erscheinen, mit einer Wassertiefe von etwa 0,05 bis 0,6 m. Dies ist im Allgemeinen durch eine etwas hellere Farbe des Untergrundes zu erkennen, was auf eine geringere Wassertiefe hindeutet. Auch die Fließgeschwindigkeit ist gering, was entweder durch eine glatte Wasseroberfläche oder feinere Substratgrößen erkenntlich ist. Außerdem wird bei der Kartierung auch die Lage des Habitats berücksichtigt, z. B. haben geschützte Bereiche wie Buchten oder Gleithänge eine geringere Fließgeschwindigkeit als ihre Umgebung.
Furt
Diese Habitat Klasse umfasst typische Furt Abschnitte, die durch eher geringe Wassertiefen von etwa 0,1 bis 1,0 m und schnelle Fließgeschwindigkeiten von etwa 0,3 m/s bis 0,7 m/s gekennzeichnet sind (Hawkins et al., 1993). In den Luftbildern sind Furten an einer geriffelten Wasseroberfläche zu erkennen, was jedoch nicht immer der Fall ist, und an einer helleren Farbe des Kieses. Letzteres deutet auf eine schnelle Strömung hin, die das Algenwachstum verhindert, und/oder auf lockeres Substrat.
Rinner
Im Allgemeinen werden Rinner als Bereiche mit mittleren Wassertiefen und mittelschnellen Fließgeschwindigkeiten definiert (Hawkins et al., 1993). Wie im Abschnitt 3.1.1 erwähnt, sind Rinner ein typischer Lebensraum für (sub-)adulte Äschen. Im Luftbild erscheinen Rinner dunkler als z. B. nahe gelegene Furt Abschnitte, da das Wasser tiefer ist. Die Wasseroberfläche ist häufig gewellt, manchmal auch glatt.
Kolk
Kolke sind durch eine große Wassertiefe und eine langsame Fließgeschwindigkeit (Hawkins et al., 1993) gekennzeichnet und werden als primärer Lebensraum von adulten Huchen, aber auch Äschen genutzt. Kolke sind aufgrund ihrer vergleichsweise dunklen Erscheinung wegen der großen Tiefe leicht zu erkennen, die Wasseroberfläche erscheint wegen der langsamen Fließgeschwindigkeiten meist ruhig.
Bezeichnungen nach Rosgen oder Frissell (*)
„Rosgen oder Frissell“ bezieht sich auf zwei unterschiedliche Ansätze zur Flussmorphologie und – Klassifikation – die Rosgen-Methode, bekannt für die Klassifizierung von Gewässertypen basierend auf Form und Prozess, und die Frissell-Methodik, die oft den Fokus auf geomorphologische Konzepte wie das „River Styles Framework“ legt, um die Beziehung zwischen Fluss und Landschaft zu beschreiben; beide sind Werkzeuge zur Bewertung und zum Management natürlicher Flüsse.
Rosgen-Methode
- Fokus: Sehr detaillierte Klassifikation von Gewässern in spezifische Typen (A bis G) basierend auf Merkmalen wie Gefälle, Uferstabilität, Breite-Tiefe-Verhältnis und Form.
- Anwendung: Häufig genutzt für natürliches Flussdesign und Renaturierung, um stabile Gewässerprofile zu entwerfen.
- Kritik: Kann subjektiv sein und erfordert konsistente Feldmessungen, was zu unterschiedlichen Ergebnissen führen kann.
Frissell-Methodik (River Styles Framework)
- Fokus: Beschreibt Flüsse als Teil eines größeren geomorphologischen Systems, basierend auf regionalen Mustern und Prozessen (z.B. Alluvial-Flüsse, Fels-Flüsse).
- Anwendung: Hilft, die zugrunde liegenden geomorphologischen Prozesse zu verstehen, die ein Gewässer formen, und ist nützlich für großflächigere Planungen.
Weitere Informationen
„Revitalisieren ist ein Puzzlespiel. Welchen Teil man immer einsetzt – es ist immer mit dem Gesamtbild verbunden“. Zitat von: Roland Herrigel

