Als die Fische eine Stimme bekamen

Fische machen keinen Lärm. Sie verschwinden leise. Genau deshalb war ich froh, dass ich am 3. Juli im Salzkammertalk über sie reden durfte. Eine halbe Stunde Radio für ein Thema, das sonst untergeht.

Der Mann, der mir diese halbe Stunde gegeben hat, gehört zuerst genannt: Moritz Reisenberger. Moritz moderiert den Salzkammertalk im Freien Radio Salzkammergut, jeden ersten Freitag im Monat um 17:05 Uhr. Seine Leidenschaft fürs Radio ist keine Laune von gestern. Schon als Schüler am ORG der Franziskanerinnen in Vöcklabruck hat er 2019 mit einem Mitschüler ein eigenes Schulradio gegründet, das Radio Franziskusschulen, mit täglicher Morning-Show und eigenem Studio. Für ihr Charity-Projekt haben die beiden später sogar einen Bildungspreis bekommen. Aus dem Buben mit dem Mikrofon ist ein Moderator geworden, der seine Sache ernst nimmt.

Das habe ich gemerkt, bevor die Sendung überhaupt lief. Moritz hat sich vorbereitet, und zwar gründlich. Er kannte die Themen, er kannte die Situation, er hat dort nachgefragt, wo andere weitergeblättert hätten und hat mich gründlich auf das Interview eingestimmt und mit Fragen abgeholt. So einer holt aus einem Gast wie mich, das Beste heraus. Man spürt, dass er in seiner Aufgabe aufgeht.

vlnr: Maritz Reisenberger und Heimo Huber bei der Überreichung der Revier Chronik „100 Jahre Fischereirevier Oberes Salzkammergut“ an Moritz, als kleines Dankeschön für die Einladung. Foto: Radio Freies Salzkammergut

In der 41. Ausgabe ging es um zwei Dinge, die zusammenhängen: den Rückgang der Fische im Salzkammergut und die Ausbreitung der Quagga-Muschel.

Hier die Kurzversion, der ganze Beitrag der 41. Ausgabe unter: www.cba.media/783606; Vorspann von Moritz Reisenberger

Wir haben darüber geredet, was die Fischerei heute noch bedeutet. Früher war sie Versorgung, der See und der Bach haben den Tisch gedeckt. Heute geht es um etwas anderes. Es geht darum, ob unsere Wildfische überhaupt noch eine Zukunft haben. Ich habe erzählt, wie sich das in den letzten Jahrzehnten gedreht hat, und warum die Bachforelle an der Oberen Traun heute fast verschwunden ist.

Dann zu unserer Arbeit im Revier. Mein Leitsatz ist einfach: Wildkultur statt Besatz. Wir setzen keine fremden Zuchtfische ein, wir arbeiten mit lokalen Stämmen aus dem eigenen Gewässer. Dafür haben wir alte Bruthäuser wieder in Betrieb genommen und mit dem FischLab-Mühlbach ein neues aufgebaut. Das Ziel sind Bestände, die sich selbst erhalten.

Und dann die Quagga-Muschel. Sie ist klein, aber sie baut einen ganzen See um. Sie filtert das Wasser klar. Das klingt schön, ist aber das Gegenteil. Denn was sie herausfiltert, ist das Plankton, die Nahrung ganz unten in der Kette. Der Traunsee gilt inzwischen als besiedelt. An manchen Steinen sitzt sie dicht an dicht. Was das für das Gleichgewicht eines Sees und für die heimischen Tiere bedeutet, darüber habe ich offen gesprochen.

Am Ende durfte ich mir ein Lied wünschen. Es wurde „Gone Fishing“ von Chris Rea. Der Titel passt zu mir, und wer den Text kennt, weiß, dass es um mehr geht als ums Angeln.

Im Studio von „Freies Radio Salzkammergut“ in Bad Ischl bei der Aufnahme des 41. Salzkammerguttalk mit Moritz Reisenberger.
Foto: Radio Freies Salzkammergut

Danke, Moritz. Danke dem Freien Radio Salzkammergut, das solchen Themen Platz gibt, werbefrei und mitten in der Region.

Wer reinhören will: Die Sendung „41. Ausgabe“ gibt es zum Nachhören unter: www.cba.media/783606

Petri Dank für die Einladung.

Weitere Informationen

Das Eigentliche passiert unter der Oberfläche. Am Gewässer wie beim Naturschutz. Auf www.huberpower.com geht es genau dorthin: zur Arbeit am Wasser, zur Forschung dahinter und zu den Projekten, an denen wir gerade arbeiten.

https://cba.media/783606
Für alle die es nicht kennen und reinhören wollen in „Gone Fishing“. Der britische Musiker Chris Rea (74), bekannt für den Weihnachtsklassiker „Driving Home for Christmas“, ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Auch mit „Done Fishing“ ist ihm ein wunderbarer Song gelungen, der tatsächlich wie kaum ein zweiter das Lebensgefühl am Wasser einfängt. Es ist faszinierend, wie Chris Rea in „Gone Fishing„ diese Mischung aus Ruhe, Melancholie und dem Bedürfnis nach Rückzug eingefangen hat.
Einer der wichtigsten Aufgaben in der Bewirtschaftung unserer Gewässer ist, dass wir lokal angepasste oder noch besser möglichst lokale Fischbestände für die Aufzucht und den Besatz nutzen. Lokale Anpassung bedeutet, dass zwischen einzelnen Populationen, aber auch innerhalb dieser Populationen genetisch bedingte Unterschiede in Körperstruktur, Verhalten oder Stoffwechsel auftreten, die mit spezifischen Umweltbedingungen in einzelnen Gewässerbereichen zusammenhängen. Dabei handelt es sich um über sehr lange Zeiträume gebildete, erblich festgelegte Unterschiede. Neben lokalen Anpassungen, die eine genetische Vielfalt widerspiegeln, zeigen viele Fischarten auch die Fähigkeit, sich bis zu einem gewissen Grad sehr rasch und ohne notwendige genetische Veränderungen auf neue Umweltbedingungen einzustellen. Wobei sich dies durchaus je nach Fischart stark unterscheiden kann, soweit dies unsere Erfahrungen auch bestätigen.

„Wer den Fischen eine Stimme gibt, gibt unseren Gewässern eine Zukunft.“

Zitat von: Heimo Huber, Obmann FROSKG