KULTURFLÜCHTER ALS BESATZFISCHE

Während die Speisefischzucht auf maximalen Masterfolg selektiert, zielt unsere Besatzfischzucht auf das Gegenteil: Die Bewahrung ursprünglicher Verhaltensweisen und einer robusten Konstitution, die ein Überleben in unseren freien, regionalen Gewässern erst ermöglicht. Im nachfolgenden Artikel ein paar Gedanken und Hintergrundinformationen dazu:

Kulturfolger sind Tiere oder Pflanzen, die aufgrund anthropogener Landschaft verändernder Maßnahmen Vorteile erlangen und deshalb dem Menschen in seine Kulturlandschaft (Forst, Äcker, Wiesen, Behausungen, Zuchtanlagen) folgen. Das Gegenteil der Kulturfolger sind Kulturflüchter. Wir betreiben mit unseren „FischLab-Mühlbach und Bruthaus-Miesenbachmühle (MBM) = FischLab“ (1) eine „Antidomestikations-Zucht“ (2). Während der Speisefischzüchter den Fisch an den Menschen anpasst, versuchen wir die Zuchtbedingungen so weit wie möglich an die Wildnis anzupassen. Wir produzieren keine „Haustiere“, sondern „Wildtiere auf Zeit“, die so schnell wie möglich wieder in ihre angestammte Rolle als Kulturflüchter zurückkehren sollen.

Der „Kulturfolger-Effekt“

Genetische Auswirkungen der Zucht in Gefangenschaft verursachen eine schnelle, kumulative Rückgang der Fitness in freier Wildbahn. Untersuchungen zeigen, dass die Domestizierungsselektion in Gefangenschaft, selbst innerhalb einer einzigen Generation, den Fortpflanzungserfolg in natürlichen Umgebungen um etwa 40 % pro in Gefangenschaft aufgezogener Generation verringert, was auf eine schnelle Anpassung an die Gefangenschaft Umgebung zurückzuführen ist.

Das ist der „Sündenfall“ der klassischen Fischereibewirtschaftung. Den damit hat man nur kurzfristigen Erfolg auf Kosten der langfristigen ökologischen Zerstörung. Besatz mit gemästeten Speisefischen ist „Put-and-Take“-Management. Für ein Gewässersystem wie die Traun und seine Zubringerbäche hat dieser Weg verheerende Folgen.

Reproduktionserfolge

Das ist ein zentrales Thema, das den Kern Ihrer Arbeit im FischLab von der konventionellen „Fischproduktion“ unterscheidet. Die Domestizierung ist schleichend und oft der Grund, warum teure Besatzmaßnahmen in der freien Natur verpuffen. Wenn wir über Reproduktionserfolge sprechen, dürfen wir nicht nur die Schlupfrate im Bruthaus zählen, sondern müssen den „Erfolg im Fluss“ als Maßstab nehmen. Domestizierung beginnt bereits in der ersten Generation. In einer klassischen Zucht werden unbewusst Fische selektiert, die:

  • Keine Scheu zeigen: Wer zuerst am Futterautomaten ist, wächst schneller, ist aber in der Traun die erste Beute für den Kormoran.
  • Hohe Dichten tolerieren: Stressresistenz im engen Becken ist das Gegenteil von Revierverhalten, das eine Bachforelle im Wildbach zum Überleben braucht.
  • Gleichmäßiges Wachstum haben: In der Natur überleben oft die „Individualisten“, die unterschiedliche Nischen besetzen.

Strategien gegen Domestizierung im FischLab

Um den Reproduktionserfolg nachhaltig zu sichern, steuern wir aktiv gegen diese Effekte:

MaßnahmeBiologischer HintergrundZiel
Kurze StandzeitAbgabe im Augenpunktstadium / Cocooning.Fische lernen nie, dass „Futter von oben“ kommt.
Thermische IdentitätNutzung von Traun-Wasser-Daten.Der Stoffwechsel bleibt auf den lokalen Natur-Rhythmus getaktet.
Wildfang-ElternJedes Jahr neue DNA-geprüfte Elterntiere aus dem Fluss.Verhindert den Aufbau eines „Zuchtstammes“ (Inzuchtvermeidung).
Wissenschaftler wie Araki et al. (2008) konnten nachweisen, dass der Fortpflanzungserfolg (Fitness) im Wildwasser pro Generation in der Zucht um ca. 40 % sinkt. (4)

Es ist beeindruckend – und erschreckend zugleich –, wie schnell die Evolution in einem Zuchtbecken die Instinkte ausschaltet, die über Jahrtausende das Überleben gesichert haben. Ein Besatzfisch, der keine Scheu hat, ist in den klaren Gewässern des Salzkammerguts eine „leichte Mahlzeit“. Er schützt nicht den Bestand, sondern füttert lediglich die Prädatoren. Nachfolgend eine detaillierte Analyse, warum das passiert und warum wir im Bewirtschaftungs-Management unserer Gewässer einen anderen Weg gehen müssen:

Wichtigste Erkenntnisse zu genetischen Effekten

Einer der wichtigsten Aufgaben in der Bewirtschaftung unserer Gewässer ist, dass wir lokal angepasste oder noch besser möglichst lokale Fischbestände für die Aufzucht und den Besatz nutzen. Lokale Anpassung bedeutet, dass zwischen einzelnen Populationen, aber auch innerhalb dieser Populationen genetisch bedingte Unterschiede in Körperstruktur, Verhalten oder Stoffwechsel auftreten, die mit spezifischen Umweltbedingungen in einzelnen Gewässerbereichen zusammenhängen. 

Dabei sind folgende Aspekte zu Beachten:

  • Rasanter Fitnessverlust: Die Zucht in Gefangenschaft führt nach der Auswilderung zu einem raschen, genetisch bedingten Rückgang des Fortpflanzungserfolgs.
  • Kumulativer Effekt: Diese negativen Auswirkungen verstärken sich mit jeder nachfolgenden Generation, die in Gefangenschaft verbringt.
  • Domestikationsselektion: Der primäre Mechanismus ist die Domestikationsselektion – die Anpassung an die künstliche Umgebung in Gefangenschaft – und nicht etwa Inzucht.
  • Nachhaltigkeit: Selbst wenn in Gefangenschaft gezüchtete Tiere sich in der Natur erfolgreich paaren, bleibt ihre Fitness auch in der nächsten, bereits wildgeborenen Generation reduziert (Carry-over-Effekt).
  • Auswirkungen auf Wildpopulationen: Studien an Regenbogenforellen zeigen, dass in Gefangenschaft gezüchtete Fische einen geringeren Fortpflanzungserfolg in freier Wildbahn haben, was wiederum die Fitness von Wildpopulationen beeinträchtigen kann.

Zusammenfassung der messbaren Veränderungen

MerkmalVeränderung nach mehreren Generationen in der FischzuchtAuswirkung im Wildwasser
AggressivitätSteigt massiv an (Konkurrenz um Futter)Hoher Energieverbrauch, Verletzungsgefahr
Scheu (Tameness)Sinkt (Gewöhnung an Schatten/Mensch)Extrem hohe Verluste durch Prädation
WachstumsdrangMaximiert (Selektion auf Futterverwertung)Verhungern in nährstoffarmen Bächen
RisikobereitschaftHöher (Suche nach Pellets im Freiwasser)Schnellerer Fang durch Angler oder Räuber

Maßnahmen zur Risikominderung: Eine Erhöhung des Anteils wilder Gene (z. B. durch Kreuzung mit wilden Individuen) kann dazu beitragen, das Überleben von in Gefangenschaft gezüchteten Nachkommen in freier Wildbahn zu verbessern. 

Vergleich Wildforelle vs. Zuchtforelle -die biologische Kluft

Der Unterschied zwischen einer Wildforelle und einer klassischen Zuchtforelle ist weit mehr als nur die Herkunft; es ist das Ergebnis zweier völlig gegensätzlicher Selektionsprozesse. Während die Zuchtforelle als Kulturfolger auf maximale Effizienz in einer geschützten, anthropogenen Umgebung optimiert wird, ist die Wildforelle als Kulturflüchter das Produkt einer jahrtausendelangen Anpassung an ein gnadenloses Ökosystem.

Bachforelle

In der modernen Fischereiökologie, insbesondere im dynamischen Einzugsgebiet der Traun, entscheiden diese Unterschiede über den Erfolg oder das Scheitern von Wiederansiedlungsmaßnahmen. Wenn wir von der „Rettung der Wildgene“ sprechen, meinen wir den Erhalt jener instinktiven und physiologischen Merkmale, die es dem Fisch ermöglichen, ohne menschliche Hilfe zu überleben und sich fortzupflanzen.

Nachfolgend werden die kritischen Differenzpunkte aufgeführt, die verdeutlichen, warum die Domestikation bereits nach wenigen Generationen die Überlebensfähigkeit in freier Wildbahn massiv untergräbt:

MerkmalWildforelleZuchtforelle (Domestiziert)
Genetische LinienDonaustamm-Forelle
(Danubian lineage)
Atlantik-Forelle
(Atlantic lineage)
Genetische VariabilitätHoch (stark an den spezifischen Bach angepasst)Gering (Inzucht-Effekte durch begrenzte Stammeltern)
WachstumsrateModerat, saisonabhängigMaximiert durch konstante Fütterung
Morphologie & PhysisStromlinienförmig, kräftige Flossen für die Arbeit in der Strömung (z. B. Traun).Oft gedrungener Körperbau; verkümmerte Flossen. In der Natur: geringere Ausdauer bei Starkwasserereignissen.
StoffwechselEnergiesparendes Revierverhalten; wartet auf natürliche Nahrungsdrift.Hoher Grundumsatz; aktives Umherschwimmen in Erwartung von Pellets (Pellet-Watching).
Zuchtfische sind auf schnelles Wachstum bei hohem Futterangebot selektiert. In einem nährstoffarmen Gebirgsbach verhungern sie oft, weil ihr Grundumsatz zu hoch ist.
AggressionsverhaltenEnergiesparend, revierbezogenHoch (Konkurrenz am Futterautomaten)
FortpflanzungserfolgOptimiert für die natürliche Laichumgebung in ihren StammgewässerOft reduziert in freier Wildbahn („Fitness-Verlust“), oft auch triploisert oder nur weibliche
GenetikDie Kombination aus Domestikation und technischer Manipulation (Triploidie/Monosex) führt dazu, dass der Fisch im Bach nur noch ein kurzlebiges Sportobjekt für Angler ist, aber seine Rolle als Teil des Ökosystems verliert.
Verhaltensbiologie
(Scheu vs. Zahmheit)
Ausgeprägter Fluchtinstinkt bei Schattenwurf oder Erschütterung.Assoziation von Bewegung am Ufer mit Fütterung (Kulturfolger).
BesatzDer Erhalt der autochthonen (bodenständigen) Wildgene ist deshalb so wichtig, weil diese Gene das „Gedächtnis“ der Evolution für genau dieses Gewässersystem darstellen.Es werden leider nach wie vor wahllos Speisefische besetzt, obwohl eine Forelle aus einer dänischen Großzucht genetisch nichts mit einer Forelle aus einem Voralpenbach gemeinsam hat.
KlimaresistenzWildfische durch ihre höhere genetische Variabilität besser mit der Klimaerwärmung klarkommen. Als „verweichlichten“ Zuchtfische unbekannter genetischer Herkunft.

Warum „Kulturflüchter“ die besseren Besatzfische sind

Daher arbeiten wir aktiv gegen die typische Domestikationsfalle der klassischen Fischzucht an. Kulturflüchter bei Fischen sind Arten, die empfindlich auf anthropogene Veränderungen ihrer Umwelt, wie Gewässerverbauung, Verschmutzung oder Störungen, reagieren. Sie benötigen intakte, strukturierte und störungsarme Lebensräume und meiden die Nähe menschlicher Zivilisation.

Strategien zur Rettung der Traun stämmigen-Wildgene

Um den Kulturfolger-Effekt (die Gewöhnung an den Menschen und die Umgebung) zu vermeiden, nutzen wir in unseren „FischLab“ und bei unseren Besatz-Strategien Techniken, die weit über die Standard-Speise-Fischzucht hinausausgehen, nachfolgend unser Projekte und Zielfischarten:

Bachforellen Projekt Leopold

Unsere Bachforellen haben eine eigene Evolution durchlaufen und durchlaufen diese, sich immer kurzfristiger verändernden Umweltbedingungen, wie steigende Wassertemperaturen, veränderte Abflussregime durch Gletscherschmelze, Starkregen-Ereignisse, neue Parasiten etc. schneller als je zuvor. Hier wäre ein starrer Blick auf die „Ur-Gene“ unter Umständen sogar kontraproduktiv. Daher haben wir im „FischLab“ folgende Prioritäten bei der Bachforelle:

  1. Aufbau von Gen-Datenbanken: Identifikation von „Spenderbächen“, die noch reinerbige Wildfische führen.
  2. Spezialisierte Wildfischzucht: Anstatt Zuchtfische zu kaufen, betreiben wir im „Fischereimanagement Salzkammergut“ zwei eigene Anlagen, in denen ausschließlich die Nachkommen lokaler Wildfische aufgezogen werden.
  3. Die 160-jährige Tradition der Fischzucht im Salzkammergut bedeutet, dass sich über Generationen hinweg ein eigener Schlag entwickelt hat.
  4. Daher züchten wir keine „Labor-Urforelle“, sondern die „Salzkammergut-Forelle“: Einen Fisch, der sich über anderthalb Jahrhunderte an die spezifischen Bedingungen (kalkreiches, kaltes Wasser, Seeausläufe, spezifisches Insektenvorkommen) angepasst hat.
  5. Wenn Forellen sich über 160 Jahre in einem System wie dem Salzkammergut (Traun, Ischler-Ache, Zubringerbäche) leben und sich dort selbstständig fortpflanzen, hat eine lokale Adaptation stattgefunden. Wenn die Vorfahren in den letzten 100 Jahren aus den unterschiedlichen Linien kamen, hat die Natur im Salzkammergut längst selektiert.
  6. Unser Fokus liegt auf dem Ökotypus „WildKultur-Fisch“ aus dem „Trauns-System“, in unterschiedlichen Ausprägungen. Das bedeutet: Der Fisch passt perfekt in die ökologische Nische „Salzkammergut“. Ein „genetisch reiner“ Fisch aus einem isolierten Bergbach in den Karpaten würde in der Traun vielleicht kläglich scheitern, während unser etablierter Stamm floriert, mit dem Ziel sich selbst zu Reproduzieren.
  7. Viele Bäch im Salzkammergut haben ein eigenes Mikroklima, eine eigene Geologie und ein eigenes Nahrungsangebot. Daher versuchen wir in diesen, wie z.B.: den Rettenbach, Radaubach, Sulzbach, Traunkirchner Mühlbach ein autarkie-basierte Gewässermanagement. In diesen wollen wir eine Vermischung von verschiedenen Spenderbächen vermeiden und schützen diese „Lokalen Ausprägungen„.
Philipp Schubert-Zsilavecz, Obmann Stv. FROSKG, mit einen Bachforellen Milcher.

Der „Bach-bezogene“ Workflow

Diese Spenderbäche mit reinerbigen Beständen sind unsere Sicherheitskopien der Natur. In unserer Praxis bedeutet das einen enormen logistischen Aufwand, der zukünftig, ökologisch aber höchst wertvoll ist:

SchrittMaßnahme für maximale Bach-Treue
FangAusschließlich Elektrofischerei lokaler Elterntiere im spezifischen Zielbach.
ZuchtGetrennte Erbrütung in markierten Chargen (kein Zusammenschütten der Eier!).
AufzuchtIdealerweise Nutzung von Wasser aus dem Heimatsystem, um die chemische Prägung (Odorat) zu erhalten.
RückbesatzPunktgenaues Ausbringen als Brütling (Kulturflüchter), damit die natürliche Selektion im Bach sofort beginnt.

Dieser Weg ist mühsam, aber er ist der einzige, der die Forelle als echtes „Wildtier“ im Salzkammergut erhält.

SÄEEP – „Salzkammergut-Äschen-Entwicklungs-und Erhaltungs-Projekt“

Die Äsche (Thymallus thymallus) ist genetisch wesentlich „instabiler“ und sensibler als die Bachforelle. Während die Bachforelle über verschiedene Linien hinweg eine gewisse Robustheit besitzt, reagiert die Äsche auf die Vermischung von Stämmen oft mit einem totalen Zusammenbruch der Population. Daher setzen wir bei der Traun stämmigen Äsche auf absolute Reinheit und sehen darin auch die einzige Überlebenschance für diese Art im Salzkammergut zu erhalten.

Karl Fehrer, Obmann FMSKG mit einer Traun-Äschen-Milchner.

Warum die Äsche keine „Mischung“ verträgt

Im Gegensatz zur Forelle zeigt die Äsche eine extrem starke regionale Spezialisierung. Eine Äsche aus dem Inn-System oder der Vöckla unterscheidet sich genetisch fundamental von der Traun-Äsche.

  • Es gibt spezifische Studien aus dem Alpenraum, die zeigen, dass die genetische Distanz zwischen Äschen Stämmen oft größer ist als gedacht. In Gewässern, in denen „Fremdäschen“ besetzt wurden, verschwand die Äsche oft zeitversetzt komplett, weil die Hybriden nicht mehr mit den lokalen Umweltbedingungen klarkamen.
  • Dieser Fehler wurde auch bei uns in der Vergangenheit begangen, wobei wir DNA-Analysen zeigen, dass dieser „Fremdäschen-Anteil“ ziemlich verschwunden ist und nur noch kleine Restbestände im unteren Traun-Bereich vorkommen.
  • Laichfenster-Präzision: Die Äsche laicht im Frühjahr bei steigenden Temperaturen. Die Traun-Äsche ist perfekt darauf programmiert, genau das Zeitfenster abzupassen, in dem die Schneeschmelze aus dem Toten Gebirge oder dem Dachstein das Wasser nicht zu sehr abkühlt, aber genug Sauerstoff liefert. Äschen aus anderen Systemen laichen zu früh oder zu spät und die Brut geht verloren.
  • Reinheits-Zertifikat: Wir können in der Zwischenzeit durch viele DNA-Proben und deren Auswertungen nachweisen, dass wir im „FischLab“ und den zu besetzten Strecken keine „Fremd-Äschen“ (z.B. aus der Drau oder dem Rhein-System) mehr vorhanden sind.
  • Nachweis der Laichaktivität: Wir haben die Laichzeit der Traun-Äsche in den letzten 20 Jahren genau verfolgt und kenen auch viele der aktiven Laichplätze.
  • Kein Zukauf von Fremdeiern: Viele Zuchten bieten Äschen Eier an – diese stammen aber oft aus osteuropäischen oder norddeutschen Linien. Für die Traun wäre das ein „genetisches Todesurteil“.
Ausbringen der Äschen-Eier im Augenpunktstadium in einen Zubringer-Bach der Ischler Traun. Hier haben wir eine ideale Kinderstube nach dem Schlupf und durch diese Methode den Vorteil, dass wir je M+S Box über 5.000 Augenpunkt-Eier ausbringen können und den „Homing-Effekt“ nutzen.
  • Kulturflüchter-Aufzucht: Äschenbrütlinge müssen extrem früh (schon kurz nach dem Dottersackstadium) lernen, in der Strömung zu stehen. Jede Woche länger im runden Kunststoffbecken schwächt ihre Fähigkeit, in der Traun zu bestehen. Daher arbeite wir beim Aussetzen vorzugsweise mit dem M+S-Brutboxensystem, welches wir in den Zubringer Bächen installieren, um der geschlüpften Äschen Brut eine Kinderstube zu geben.
Beim prüfen der M+S Box sieht man, dass ein teil der Äschen-Eier schon geschlüpft sind und ein teil noch ein paar Tage Zeit brauchen.

Projekt Carl: Regenbogenforellen

Nach dem Rückgang der heimischen Bachforelle (oft verursacht durch das Proliferative Darkening Syndrom – PDS/PKD) hat sich die Regenbogenforelle als „Ersatz“ etabliert und ist nun ein wesentlicher Bestandteil des Fischbestands. Die Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss) hat sich in der Oberen Traun im Salzkammergut (Oberösterreich) erfolgreich etabliert und bildet dort selbst reproduzierende Populationen. Die an der Oberen Traun vorkommenden Regenbogenforellen sind „Frühjahrslaicher“, wobei die Hauptlaichaktivität von Ende Februar bis in den März/April hinein reicht. Sie nutzen spezifische kiesige Habitate für die Laichgruben, ähnlich der Äsche.

Im Salzkammergut steht der Name „Carl“ für weit mehr als nur eine fiktive Fischgeschichte. Inspiriert durch das Buch CARL. Eine Fischgeschichte rund um Fischgerichte aus dem Salzkammergut“ der Fischlokale im Salzkammergut, haben wir unser Regenbogenforellen-Projekt nach dieser Hauptfigur benannt. Doch hinter dem charmanten Namen steckt knallharte Wissenschaft: Die Antidomestikations-Zucht (1).
Auch mit unseren lokalstämmigen Regenbogenforellen – Wild-Milchner (Männchen) haben wir Erfahrungen gesammelt und können bei Bedarf auch hier mit Traun stämmigen Frühjahrslaicher den Bestand mit Nachwuchs beeinflussen.

Das Paradoxon der Forelle: Eine philosophische Grenzgängerei

Die Diskussion um die Regenbogenforelle ist oft mehr von Ideologie als von Ökologie geprägt. Betrachten wir es global, stoßen wir auf ein faszinierendes Paradoxon: Begeisterte Fliegenfischer aus Europa reisen um die halbe Welt nach Neuseeland, Patagonien oder in die USA, um dort auf die „Brown Trout“ (unsere heimische Bachforelle) zu fischen. Dort ist sie eine vor über 140 Jahren eingeführte, streng genommen invasive Art – und dennoch das Rückgrat des lokalen Fischereitourismus und ein hochgeschätzter Wildfisch.

Vize versa erleben wir an der Traun das gleiche Phänomen: Die Regenbogenforelle kam einst als Einwanderin zu uns. Doch nach über einem Jahrhundert hat sie sich zu einer selbst reproduzierenden Population entwickelt, die an der Oberen Traun längst „Heimatrecht“ erworben hat. In Oberösterreich ist dieser Realität bereits Rechnung getragen worden: Die Regenbogenforelle ist hier mit gesetzlichen Schonzeiten und Mindestmaßen geschützt – eine Anerkennung ihrer Rolle im Ökosystem.

Vom „Eindringling“ zum Hoffnungsträger

Man muss es nüchtern betrachten: In einer sich wandelnden Umwelt, in der viele Gewässer unter Stress stehen, müssen wir in der Gewässerbewirtschaftung froh sein, eine so resiliente und anpassungsfähige Art zu haben. Die Regenbogenforelle ist kein Ersatz für die Bachforelle, sondern eine Ergänzung, die dort besteht, wo andere weichen müssen.

In unserem Projekt CARL begegnen wir dieser Fischart daher nicht als „Besatzobjekt“, sondern mit dem Respekt, den ein wilder Traun-Stamm verdient. Wir schützen keine invasive Art, sondern ein lebendiges Kulturgut unserer Gewässer.

Der entscheidender Punkt für die genetische Reinheit und den Erfolg des „Projekt Carl“. Es geht nicht nur darum, irgendwelche Regenbogenforellen zu züchten, sondern die spezifische Anpassung an das Ökosystem der Traun zu schützen. In der Fachsprache nennen wir das die Erhaltung der Lokaladaptation.

Fokus auf die Lokaladaptation

Hinter dem charmanten Namen „CARL“ steckt konsequente Antidomestikations-Zucht. Unser Ziel ist dabei klar definiert: Wir forcieren die Nachzucht unserer eigenen, selbst reproduzierenden Frühlingslaicher. Dabei vermeiden wir bewusst die „Aufmischung“ mit fremden Regenbogenforellen-Genen. Viele herkömmliche Zuchtstämme weisen ein völlig anderes Laichverhalten oder veränderte Laichzeiten auf, die nicht zu den spezifischen Bedingungen der Oberen Traun passen würden. Indem wir uns auf den bewährten Traun-Stamm konzentrieren, stellen wir sicher, dass die genetische Identität und die biologischen Rhythmen erhalten bleiben, die „Carl“ über Jahrzehnte so erfolgreich gemacht haben.

Regenbogenforelle

Die Regenbogenforelle: „Gekommen, um zu bleiben“

Ein besonderes Augenmerk gilt an der Oberen Traun der Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss). Aus den zuvor genannten Gründen – ihrer Robustheit und der Fähigkeit, den Maternal Effekt (5) zur schnellen Anpassung zu nutzen – hat sie die Bachforelle in weiten Teilen der Fließstrecken abgelöst. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Regenbogenforelle hier als dauerhafter Bestandteil des Ökosystems betrachtet wird. Sie stellt eine der seltenen, erfolgreichen Einbürgerungen selbst reproduzierender Populationen dar. Unser Ziel im „FischLab“ ist es, genau diese selbst reproduzierende Kraft zu unterstützen, indem wir keine „verweichlichten“ Zuchtfische, sondern wenn Bedarf an einer Entwicklung des Bestandes bestehen würde, nur vitale Wildtypen mit hoher genetischer Varianz aus den lokalen Gewässern zu verwenden.

Wir müssen in der modernen Gewässerbewirtschaftung schlichtweg froh sein, eine so resiliente Art in unseren Flüssen zu wissen. Die Regenbogenforelle hat sich ihr „Heimatrecht“ durch Anpassung und Ausdauer verdient. Mit unserem Projekt CARL begegnen wir ihr daher nicht als künstlichem Besatzobjekt, sondern als echtem Wildfisch-Stamm. Wir schützen keine „invasive Art“ – wir bewahren einen wertvollen, lebendigen Bestandteil unseres Ökosystems, der gekommen ist, um zu bleiben.

Projekt FELIX – zur Erhaltung unserer Seeforelle

Auch auf die lokalstämmige Seeforelle haben wir ein Auge und wollen sich um ihren Bestand annehmen. Der lateinische Name der Seeforelle lautet Salmo trutta lacustris. Sie ist eine großwüchsige Form der Forelle (Salmo trutta) und gehört zur Familie der Lachsfische (Salmonidae), wobei sie oft als Seeform der Bachforelle gilt. Da der Traunsee historisch Lacus Felix („Der glückliche See“) genannt wird, ist für unser Seeforellenprojekt als Projektname: „FELIX“ der naheliegendste und stärkste Name, der zur „Königin unserer Salzkammergut-Seen“ am besten passt.

Es gibt sie noch – jene silbernen Giganten, die im November dem Ruf der Natur folgen. Die Seeforelle (Salmo trutta lacustris) ist die heimliche Regentin der Salzkammergut-Seen. Nach Jahren im tiefen Blau des „Lacus Felix“ kehrt sie dorthin zurück, wo ihre eigene Reise einst begann: in den Kies der Traun.

Erhalt des Traunsee-Hallstättersee Stammes: Wir arbeiten ausschließlich mit den Genen dieser echten Rückkehrer.

  • Schutz der Naturverlaichung: Durch die Unterstützung im „FischLab“ sichern wir den Nachwuchs, während wir die natürlichen Laichplätze in der Traun vor Störungen bewahren.
  • Das Erbe von Felix: Wir wollen sicherstellen, dass auch in hundert Jahren noch Seeforellen im November aus dem tiefsten See der Kette aufsteigen, um ihre Gene weiterzugeben.

Die Königin zwischen den Welten

Der Kreis schließt sich Punktgenau im Spätherbst steigen die Seeforellen in die Traun auf, um an genau jenen Orten zu laichen, an denen sie vor Jahren selbst als Ei im schützenden Kies lagen. Dieser Instinkt, die „Homing-Fähigkeit“, ist ein biologisches Wunder, das wir mit dem „Projekt FELIX“ schützen wollen. Mit dem „Projekt FELIX“ verfolgen wir denselben konsequenten Weg der Antidomestikations-Zucht wie bei LEOPOLD, SÄEEP und CARL. Doch bei der Seeforelle (Salmo trutta lacustris) stehen wir noch am Anfang und sind auf eine enge Zusammenarbeit mit den Seenberufsfischern angewiesen.

Ein faszinierender Lebenszyklus Die Seeforelle ist ein Grenzgänger. Sie kommt lediglich im November zum Laichen in die Traun, wo sie ihre ersten „Kinderjahre“ als Bachforellen-ähnlicher Jungfisch verbringt. Erst mit dem Erreichen einer gewissen Größe wandert sie ab:

  • Der Aufstieg: Ein Teil der Fische zieht flussaufwärts in den Hallstättersee.
  • Das Fallenlassen: Der andere Teil lässt sich flussabwärts in den Traunsee treiben.

In der Tiefe dieser Seen wächst sie als „Grundforelle“ zu jener stattlichen Größe heran, für die sie berühmt ist. In der Traun selbst wird sie erst wieder als erwachsener Fisch sichtbar, wenn sie für einen kurzen Zeitraum zur Laichzeit an ihren Ursprungsort ihrer Kindheit zurückkehrt.

Zusammenarbeit als Schlüssel Da sich die Seeforellen den Großteil ihres Lebens unserem direkten Zugriff in der Traun entziehen, ist die Kooperation mit den Fischern an den Seen essenziell. Nur gemeinsam können wir den authentischen Traunsee-Stamm erhalten und sicherstellen, dass diese „silbernen Rückkehrer“ auch in Zukunft ihren Weg in die Laichkiese der Traun finden.

Unterstützende Zucht (Supportive Breeding)

In der Forschung wird diese Strategie, wenn man Wild-Männchen × Zucht-Weibchen kreuzt, die Überlebenschancen der Nachkommen im Vergleich zu reinen Zuchtpaaren deutlich verbessert. Diese Methode wird als „Supportive Breeding – unterstützende Zucht“ (2) bezeichnet.

Generell ist die Überlebensrate von Wildtieren in freier Wildbahn höher als die von in Gefangenschaft gezüchteten Tieren (Frankham, 2002). Darüber hinaus weisen Nachkommen eines Wildtier- und eines in Gefangenschaft gezüchteten Elternteils einen höheren Fortpflanzungserfolg und eine höhere Überlebensrate in freier Wildbahn auf als Nachkommen zweier in Gefangenschaft gezüchteter Elternteile (Ford, 2016, Yamashita, 2020). Siehe: Studie an japanischen Salmoniden (3)

Studien belegen eine Verbesserung gegenüber reiner Zuchtfisch-Paarung, mit den Vorteilen:

  • Höhere Überlebensrate: Eine Studie an japanischen Salmoniden (3) zeigte, dass ein höherer Anteil an „wilden Genen“ in der Elterngeneration die Überlebensrate der Jungfische in der freien Natur direkt steigert.
  • Abmilderung der Domestikation: Durch die Wild-Kreuzung wird die schnelle genetische Anpassung an die geschützte Umgebung der Fischzucht (Domestikationsselektion) verlangsamt. 

Reduzierter Fortpflanzungserfolg – Fitness-Gap  

Trotz der Verbesserung durch wilde Gene erreichen diese Kreuzungsprodukte in der Regel nicht die volle Fitness rein wildgeborener Fische. 

  • Reduzierter Fortpflanzungserfolg: In der Hood River-Studie von Araki et al (4) hatten Nachkommen aus der Kreuzung (Wild × Zucht) nur etwa 55 % des Fortpflanzungserfolgs von Fischen, deren beide Eltern Wildfische waren (selbst wenn beide Paare in der gleichen Zuchtanstalt aufgezogen wurden).
  • Geschlechtsspezifische Unterschiede: Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass der Fitnessverlust bei männlichen Nachkommen aus solchen Kreuzungen oft stärker ausgeprägt ist als bei weiblichen. 

Zusammenfassung der Effekte

Paarungstyp Fitness/Überleben in der Wildnis
Wild × WildMaximum (100 %)
Wild-Milchner × Zucht-RognerMittel (deutlich besser als rein Zucht, aber ca. 15–45 % Verlust gegenüber Wild)
Zucht × ZuchtNiedrig (bis zu 40 % Verlust pro Generation in Gefangenschaft)

Wild-Integrierte Zucht: Zucht x Wild

Diese Strategie mit Wild-Milchner × Zucht-Rogner wird daher vom „Fischereimanagement Salzkammergut“ als Backup genutzt, um die genetischen Auswirkungen der künstlichen Vermehrung von unseren Zielfischarten Äsche, Bachforelle, Regenbogenforelle und der Seeforelle mit einer nachhaltigen Produktion und dem Ziel eines langfristigen Erhalt unserer Ressourcen zur Bewahrung der genetischen Basis sicher zu stellen.

Genetische Brückenfunktion

Indem wir Wild-Milchner (Männchen) nutzt, bringt wir jede Saison frisches Erbgut direkt aus dem Ökosystem ein. Das wirkt dem „Genetic Drift“ (Gendrift) entgegen, der in geschlossenen Zuchten zwangsläufig auftritt. Da Männchen oft eine höhere Varianz im Fortpflanzungserfolg haben, sorgt ihr durch den Fang verschiedener Wild-Milchner für eine breitere effektive Populationsgröße.

Diese Methode ist wesentlich fischschonender, da wir die Rogner nicht im aktiven, natürlichen Laichgeschäft stören. Zudem können Milchner über einen längeren Zeitraum und frequenter mittels Elektrobefischung erreicht werden. Durch diesen Ansatz schützen wir bestmöglich die natürliche Verlaichung im Gewässer und sichern gleichzeitig den Nachwuchs im „FischLab“.

Epigenetik und „Maternal Effects“

Dass wir eine Anzahl an Rogner (Weibchen) im „FischLab“ hältert, hat einen weiteren Vorteil: Die Eiqualität.

  • Stabile Bedingungen: Stressfreie Hälterung führt oft zu einer gleichmäßigeren Eientwicklung.
  • Aber: Beachtet die sogenannten „Maternalen Effekte“ (5). Die Umgebung des Rogners (Futter, Temperatur) beeinflusst die Nährstoffzusammensetzung im Dottersack. Studien zeigen, dass wildlebende Rogner oft spezifische Fettsäuren einlagern, die im Standardfutter fehlen können. Daher haben wir eine sehr hochwertige, naturnahe Fütterung im „FischLab“ die essenziell ist für die Fitness der Larven und der Eiproduktion. Hierzu verwenden wir nur sehr hochwertiges Laichfischfutter und machen zur Zeit erste Versuche mit Fischfutter aus Larven der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens) die eine nachhaltige, eiweißreiche Alternative zu herkömmlichem Fischmehl in der Aquakultur.

Der „Zeitfenster-Vorteil“ und Selektion

Die Erfahrung zeigt, dass das Timing bei Rognern ein kritischer Erfolgsfaktor ist. Die kontrollierte Hälterung im „FischLab“ ermöglicht es uns, den exakten Reifegrad der Eier abzuwarten. Im Gegensatz dazu ist die Elektrobefischung am Naturgewässer oft ein Glücksspiel: Man fängt häufig „grüne“ (unreife) oder bereits überreife Fische, was für die Tiere vor dem Ablaichen unnötigen Stress bedeutet. Ein weiterer entscheidender Vorteil im FischLab ist die gezielte Selektion: Fokus auf 3+ und 4+ Rogner: Wir arbeiten primär mit erfahrenen Laichfischen, die nicht nur eine wesentlich höhere Eizahl, sondern auch eine signifikant bessere Eiqualität liefern. Ausschluss von Erstlaichern: Wir können bewusst auf Fische verzichten, deren Eiqualität noch nicht optimal ist.

Bei den Milchner achtet wir darauf, dass wir nicht nur die größten Wild-Milchner nehmen. Sondern um die genetische Diversität zu wahren, verwenden wir auch junge, spritzige Milchner-Gene, um das natürliche Spektrum des Baches im „FischLab“ abzubilden.

Während der Laichzeit stellen die Männchen (Milchner) eine besondere Herausforderung in der Fischzucht dar. Als „hormongeladene Kraftpakete“ neigen sie in den Hälterungsbecken zu extremer Unruhe:

  • Verletzungsgefahr: Durch Springen oder heftiges Anschlagen an Beckenwänden entstehen mechanische Verletzungen.
  • Sekundärinfektionen: Solche Wunden sind oft die Eintrittspforte für Verpilzungen (Saprolegnia) und führen zu hohen Ausfällen.

Dies erklärt auch die Praxis in der industriellen Speisefischproduktion: Dort wird fast ausschließlich mit rein weiblichen Beständen oder triploiden (sterilen) Fischen (Triploidisierung/All-Female) gearbeitet. Diese setzen das Futter effizienter in Gewicht um, anstatt Energie in die Gonaden Entwicklung und aggressives Verhalten zu investieren, und minimieren so das Verlustrisiko.

Bei der Äsche stoßen wir auf eine zusätzliche biologische Hürde: In den natürlichen Laichhabitaten fangen wir meist eine große Überzahl an Milchnern, während laichreife Rogner nur sehr vereinzelt vorkommen. Dieses Missverhältnis liegt oft am unterschiedlichen Verhalten der Geschlechter: Die Milchner besetzen die Laichplätze über einen längeren Zeitraum, während die Rogner oft nur für den eigentlichen Akt der Eiablage kurzzeitig dazu stoßen. Ohne die kontrollierte Hälterung im FischLab wäre eine effiziente Befruchtung kaum möglich, da das Zeitfenster am Gewässer schlicht zu klein ist.

Der logische Kreisschluss für unsere Wildfisch-Bestände

Im modernen Fischereimanagement stehen wir oft vor einem Dilemma: Wie sichern wir den Nachwuchs in unseren Gewässern, ohne die natürliche Wildheit und Robustheit der Bestände zu verlieren? Hier schließt sich für uns der Kreis: Um die genetische Integrität unserer Wildfisch-Populationen zu bewahren, kombinieren wir das Beste aus beiden Welten. Während wir einen Teil der Rogner kontrolliert in der Fischzucht halten – um Stress zu minimieren und den optimalen Reifegrad abzupassen –, arbeiten wir bei der Befruchtung vorzugsweise mit wilden Milchnern.

Diese werden mittels Elektrobefischung direkt aus unseren Gewässern gewonnen. So stellen wir sicher, dass die „wilden Gene“ und die natürliche Fitness der lokalen Stämme unmittelbar in die nächste Generation einfließen, ohne die Risiken einer reinen Beckenhälterung von Männchen in Kauf nehmen zu müssen.


Weitere Informationen

Neugierig auf mehr? Wissen endet nicht mit dem letzten Punkt. Hinter jedem gesunden Fisch im Salzkammergut steht eine Menge Know-how, Arbeit und Forschung. Es gibt ergänzende Artikel und vertiefende Infos zu unserer Revierarbeit und zu unseren modernen Besatzmethoden. Tauchen Sie tiefer ein in die Welt unseres Fischereimanagement Salzkammergut. Wissen endet nicht mit dem letzten Punkt. Um einen noch umfassenderen Überblick zu geben, haben ich hier weiterführende Ressourcen, Studien und ergänzende Artikel zusammengestellt, die das Thema dieses Beitrags vertiefen.

Fußnoten

Anmerkungen lt. Text, die um den Lesefluss nicht zu stören hier noch angeführt werden und dienen primär dem Zitat- und Quellennachweis. Es sind oft weiterführende Literaturangaben.

(1) „FischLab-Mühlbach und Bruthaus-Miesenbachmühle (MBM) = FischLab“; Unter dem Sammelbegriff „FischLab“ betreibt das Fischereimanagement Salzkammergut aktuell zwei spezialisierte Zuchtstandorte, die durch ihre spezifischen Quellwassertemperaturen ideale Bedingungen für unterschiedliche Arten bieten:

  • Standort Ebensee (MBM): Dieses Bruthaus nutzt konstantes Quellwasser zwischen 5,5 und 6,5 °C. Diese kühlen Bedingungen haben sich hervorragend für die sensible Erbrütung und Aufzucht von Forellen-Eiern bewährt.
  • Standort Mühlbach Traunkirchen/Altmünster: Mit einer durchschnittlichen Quellwassertemperatur von 10,5 °C bietet der Standort „FischLab-Mühlbach“ die optimalen thermischen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Äschen-Aufzucht.
  • Durch diese Standort-Differenzierung können wir jede Fischart in ihrer kritischen Entwicklungsphase exakt nach ihren biologischen Ansprüchen fördern.

(2) „Unter „Antidomestikations-Zucht“ versteht man Bestrebungen, domestizierungsbedingte Merkmale (z. B. verminderte Fluchtreaktion, Zahmheit oder morphologische Veränderungen) rückgängig zu machen. Ziel ist es, ausschließlich Fische mit ‚wildtypischen‘, robusten Genen auszubringen, die ihre natürliche Widerstandsfähigkeit in freien Gewässern bewahrt haben.“

(3) Genki Sahashi, Kentaro Morita; Wild genes boost the survival of captive-bred individuals in the wild.
published: 11 January 2022

(4) Hitoshi Araki, Barry A Berejikian, Michael J Ford, Michael S Blouin; Fitness of hatchery-reared salmonids in the wild.
published: May 2008

(5) „Maternal Effekts“: Der Startrucksack der Natur: Warum ist das Alter der Mutter so entscheidend? Hier kommt der Maternal Effekt (mütterlicher Einfluss) ins Spiel. Ältere Rogner produzieren meist größere Eier mit einem höheren Dotteranteil. Dieser Effekt wirkt als Puffer gegen Umweltstress und beeinflusst die Evolutionsgeschwindigkeit: Die Nachkommen sind kräftiger und können sich schneller an Umweltveränderungen anpassen.

Deep Dive

Ein Thema, viele Facetten. In diesem Bereich tauchen wir noch tiefer unter die Oberfläche. Hier findest du detaillierte Analysen, weiterführende Quellen und Fachwissen, das über die Grundlagen hinausgeht – perfekt, um dein Verständnis zu vervollständigen. Wahre Erkenntnis entsteht an der Schnittstelle der Zeit: In die Zukunft blicken, in der Gegenwart leben und aus der Vergangenheit lernen. In diesem Deep Dive haben ich Ressourcen zusammengestellt, die helfen, die Ursprünge dieses Themas zu verstehen, das Hier und Jetzt zu meistern und aus den Erkenntnissen, die Weichen für das Morgen zu stellen.

Einer der wichtigsten Aufgaben in der Bewirtschaftung unserer Gewässer ist, dass wir lokal angepasste oder noch besser möglichst lokale Fischbestände für die Aufzucht und den Besatz nutzen. Lokale Anpassung bedeutet, dass zwischen einzelnen Populationen, aber auch innerhalb dieser Populationen genetisch bedingte Unterschiede in Körperstruktur, Verhalten oder Stoffwechsel auftreten, die mit spezifischen Umweltbedingungen in einzelnen Gewässerbereichen zusammenhängen. Dabei handelt es sich um über sehr lange Zeiträume gebildete, erblich festgelegte Unterschiede. Neben lokalen Anpassungen, die eine genetische Vielfalt widerspiegeln, zeigen viele Fischarten auch die Fähigkeit, sich bis zu einem gewissen Grad sehr rasch und ohne notwendige genetische Veränderungen auf neue Umweltbedingungen einzustellen. Wobei sich dies durchaus je nach Fischart stark unterscheiden kann, soweit dies unsere Erfahrungen auch bestätigen.
Nachfolgend möchte ich ein paar Gedanken zur Tripolidie weitergeben, die wir im Zuge eines privaten Speisefisch-Projektes gemacht haben. Auch in der Fischzucht ist eine gentechnische Manipulation an Fischen nicht spurlos vorbeigegangen. Prinzipiell wollen wir keine Genetisch veränderten Fische in unseren Gewässern im Salzkammergut haben. Es ist jedoch trotzdem eine interessante Erfahrung, die wir hier mit 200 Kg Regenbogenforellen in einen abgeschlossenen Fischteich sammeln konnten.
Abschied vom Wellness-Becken in unseren Bruthaus werden in den nächsten Tagen ein Großteil der Bachforellen-Eier nehmen und in die Wildnis ausgesetzt werden. Es ist so weit: Die dunklen Punkte starren uns erwartungsvoll entgegen. Was ein bisschen so aussieht, als hätten die Bachforelleneier zu viel Espresso getrunken, ist in Wahrheit das Startsignal für ein großes Abenteuer. Das Augenpunktstadium ist erreicht!
Eine eindeutige Unterscheidung zwischen jungen Bachforellen und Seeforellen ist oft nicht möglich (Salmo trutta). Die Bachforelle (Salmo trutta fario), die Seeforelle (Salmo trutta lacustris) und die Meerforelle sind wissenschaftlich betrachtet Standortformen derselben Art (Salmo trutta), die sich an ihren jeweiligen Lebensraum (Bach/Fluss, See oder Meer) angepasst haben.
Seit vielen Jahren arbeiten wir an einem Artenschutzprogramm zum Erhalt und Wiederaufbau der Äschen Bestände im Salzkammergut. Unsere Strategie sieht vor, dass zur Laichzeit ein kleiner Teil der Elterntiere im Bereich der Laichplätze mittels der Elektrofischerei gefangen und bis zur passende Reife der Eier, in einem geeigneten Bereich schonend gehältert und entwickelt werden. Damit versuchen wir unseren Äschen Besatz aus Wildfängen selbst zu produzieren und damit den Laicherfolg bzw. die Verteilung der Äschen Bestände über 32,5 Kilometer an der Oberen Traun zwischen Hallstätter See und Traunsee, plus einigen Kilometer Koppen Traun und auch an der Ischler Ache verteilen und damit die Verbreitung über das gesamte Revier fördern.

Hashtag

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Heimo bei der Arbeit
Artikel ist in Arbeit
 

„Satzfische sollten möglichst aus dem gleichen Einzugsgebiet stammen. Satzfische sollten dem Gewässer ökologisch und genetisch nahe stehen und idealerweise aus diesem gewonnen werden. Ansonsten kann es durch die Vermischung von an unterschiedliche Gewässer angepassten Populationen regional zum Verlust genetischer Vielfalt und sogar zur Abnahme der Produktivität des besatzgestützten Bestands kommen.“

 

Zitat aus dem Buch Nachhaltiges Management von Angelgewässern von Robert Arlinghaus