Das ist ein hochaktuelles und leider sehr trauriges Beispiel für das, was passiert, wenn die empfindliche Balance eines Flusssystems durch technokratische Eingriffe oder mangelndes Sedimentmanagement gestört wird. Gerald Mandlbauer spricht in den Oberösterreichischen Nachrichten (Ausgabe vom 20. Februar 2026) einen Schmerzpunkt an, der zeigt, dass Totholz und Ufervegetation allein nicht reichen, wenn das „Blut des Flusses“ – das Geschiebe und das Sediment – falsch verwaltet wird.
Bericht von Gerald Mandlbauer in den OÖN vom 20. Februar 2026

Der Konflikt an der Ischler Ache und der Traun
An der Ischler Ache und der Traun prallen Welten aufeinander:
- Illegal errichtete Geschiebesperren werden durch die WLV (Wildbach- und Lawinenverbauung) über die Welle entleert und vernichten großräumig den Fischbestand.
- Unterhalb liegende Kraftwerksbetreiber müssen durch die Entleerung gefüllten Stauräume von Schlamm und Geschiebe befreien, um die Effizienz zu erhalten und den Hochwasserschutz (Verklausungsgefahr) zu gewährleisten.
- Fischer und Ökologen beklagen diese Sperren-Entleerungen und dadurch verursachten „Stauraumspülungen“. Dabei wird das abgelagerte Feinmaterial schlagartig abgelassen.
Das Ergebnis ist oft fatal: Ein „Schlamm-Tsunami“ wälzt sich flussabwärts. Dieser Schlamm setzt sich in die feinen Zwischenräume des Kieses (ein Vorgang, den man Kolmatierung nennt). In Bezug auf unsere Flüsse haben wir es mit einer „Überdosierung“ von menschlichem Eingriff zu tun. Die Natur kennt „Spülungen“ (Hochwasserereignisse), aber sie haben einen völlig anderen Rhythmus und eine andere Konzentration als das, was man in einem Stauraum anstaut und dann konzentriert ablässt.
Warum das den Fischbestand „vernichtet“
Fische wie die Forelle oder die Äsche brauchen lockeren Kies. Wenn dieser durch Stauraumspülungen „zubetoniert“ wird, hat das kaskadenartige Folgen:
- Erstickung des Laichs: Die Eier in den Kieslücken bekommen keinen Sauerstoff mehr und sterben ab.
- Verlust der Nahrungsgrundlage: Das Makrozoobenthos (Kleinstlebewesen wie Eintagsfliegenlarven), die Hauptnahrung der Fische, verliert ihren Lebensraum im Lückensystem des Bodens.
- Kiemenschäden: Hohe Schwebstoffkonzentrationen schmirgeln die Kiemen der Fische regelrecht auf.

Die Ironie der „Öko-Oasen“
Es ist bitter: Man kann am Ufer noch so schöne „Öko-Oasen“ mit Totholz und Beschattung schaffen – wenn die Sohle des Flusses durch Sedimentmanagement zerstört wird, bricht das Fundament des Ökosystems weg. Der von Mandlbauer beschriebene Fall zeigt, dass eine Renaturierung nur dann nachhaltig ist, wenn auch das Durchgängigkeits- und Sedimentkonzept stimmt. Wahre Ökologie am Fluss bedeutet eben auch, dass das Geschiebe (Kies und Steine) wandern darf, anstatt sich hinter Wehren zu stauen und dann schlagartig als „Todesfracht“ abgelassen zu werden.
Dieser Bericht unterstreicht, wie wichtig der Ansatz ist, das „Gesamtbild“ zu sehen. Es braucht die Bäume, es braucht das Totholz, aber es braucht vor allem einen ehrlichen Dialog zwischen Behörde, BOKU, Energiewirtschaft, Naturschutz und der Fischerei.
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„Es ist schwer unsere Gewässer ehrenamtlich zu retten,
wenn andere sie hauptberuflich zerstören.“
Abgeändertes Zitat von Dr. Eckart von Hirschhause

