COCOONING IM TRAUNKIRCHNER MÜHLBACH 2026

„Versuch macht klug“ ist in der Fischereiwirtschaft oft der einzige Weg, um wirklich gewässerspezifische Erkenntnisse zu gewinnen, da jedes Ökosystem seine eigenen physikalischen und chemischen Gesetze schreibt. Die Brücke zwischen Labor und Natur: In der Fischzuchtanlage herrscht oft ein kontrolliertes, steriles Milieu. Im Mühlbach hingegen müssen sich die Bachforellen-Eier in den Vibert-Boxen mit natürlichen Faktoren wie schwankenden Sauerstoffwerten, Schwebstoffen (Sedimentation) und der natürlichen Mikroflora des Wassers auseinandersetzen.

Vom „Salzkammergut Fischereimanagement“, mit Obmann DI Karl Fehrer wurde der Traunkirchner Mühlbach gepachtet und wird fischereilich, naturnahe nach neuesten Erkenntnis eines Fischbestandaufbaues bewirtschaftet. Da dieser aufgrund von Verbauung und eines staken Prädatoren Druck, in einen sehr schlechtem Zustand befindet, wird mit verschiedenen Methoden versucht die Bachforelle zu unterstützen, um wieder einen sich selbst reproduzierenden Fischbestand aufzubauen.

Obmann Karl Fehrer beim Ausbringen – Das Vibert-Boxen-System ist ein Klassiker, der durch die Kombination mit Schotter-Boxen (oft auch als Brutboxen im Kiesbett-Design bezeichnet) massiv aufgewertet wird. Diese Methode ist im Grunde eine sehr gute Besatz-Variante für kleiner Bäche und für naturnahen Besatz mit „Homing-Effekt“.

Bachforellen-Cocooning mittels Vibert-Boxen

Um den Rückgang der Bachforellenbestände im Traunkirchner Mühlbach aktiv zu stoppen, setzen wir auf modernste Techniken der naturnahen Bestandsstützung. Da das Gewässer durch die geologische Beschaffenheit der Flyschzone und zahlreiche unüberwindbare Querbauwerke stark belastet ist, reicht natürliches Ablaichen oft nicht mehr aus.

Unter den verschiedenen Methoden zur kontrollierten Aussiedlung – wie dem Cocooning oder dem Anlegen von Artificial Nests – hat sich das „Vibert-Boxen-System“ als besonders effektiv erwiesen. Diese Methode ermöglicht es uns, unseren wertvollen „Prime-Stamm“ (eine lokalstämmige genetische Bank) punktgenau und geschützt im Gewässer auszubringen. Die Larven erfahren so von der ersten Sekunde an die chemische Prägung ihres Heimatbachs, während sie in den Boxen vor Versandung und Feinsedimenten geschützt sind.

Der folgende Bericht dokumentiert den strategischen Einsatz dieser Boxen, die GPS-gestützte Positionierung in kritischen Bachabschnitten und unseren Beitrag zum Erhalt der regionalen Fischbiodiversität im Naturpark Attersee-Traunsee.

Naturpark Attersee-Traunsee

Der Naturpark Attersee-Traunsee (OÖ) schützt als Landschaftsschutzgebiet den Erhalt der Natur- und Kulturlandschaft zwischen den Seen. Hauptinhalte sind der Erhalt der Grünlandbewirtschaftung, nachhaltige Waldentwicklung, Schutz naturnaher Gewässer und die Pflege typischer Landschaftselemente sowie die Besucherlenkung. Als Gemeindegrenz-Gewässer liegen wir teils mit einer Uferseite oder dem gesamte Bachlauf innerhalb der im Anhang der Verordnung definierten Polygone und hier gelten die entsprechenden Ge- und Verbote eines Naturparks.

Traunkirchner Mühlbach

Der Traunkirchner Mühlbach bildet den „Grenzbereich“ zwischen Altmünster und Traunkirchen und ist in einigen Abschnitten im oberen Bereich, ab der Brücke im Bereich der Abzweigung „Güterweges Hessenberg“ im Naturpark Attersee-Traunsee enthalten. Die Verbindung von Naturnähe und Bestandserhaltung ist unser Hebel, den es braucht, um die Biodiversität in einer sensiblen Region wie dem Naturpark Attersee-Traunsee und die Bachforellen-Population langfristig zu sichern.

Bachforellen-Entwicklung- und Erhaltung

Mit unsere fischereilichen Maßnahme soll eine Bestandserhaltung für die Bachforelle sichern und es geht nicht nur darum, um „Nachzubesetzen“, sondern die Förderung der natürlichen Reproduktion durch Lebensraumschutz herzustellen.

  • Naturnahe Bewirtschaftung: Besatz mit autochthonen Eiern gilt als positives Gebot. Wir helft aktiv mit, die Artenvielfalt und die genetische Integrität der Bachforelle zu bewahren – ein Kernziel jedes Naturparks.
  • Genehmigungspflicht: Wir bewegen nur ein paar Steine zur Sicherung der Boxen und keine dauerhaften Betonbauwerke, deren es zu genüge gibt, fällt dies unter die „übliche fischereiliche Bewirtschaftung“.
  • Es werden auch keine Steine entnommen und manuelle herumschubsen von Steinen, zur Sicherung der Boxen fällt unter den Gemeingebrauch nach Wasserrechtsgesetz.
  • Forschung und Bildung: Da der Naturpark auch der Forschung dient, haben wir gleich neben dem Mühlbach unser Fisch-Labor (FischLab-Mühlbach) sowie unseren „Labor-Bach“, den wir als ein Vorzeigeprojekt einer naturnahen Bestandsentwicklung bewirtschaften.

Projekt-Leopold

Unser Bachforellenprojekt zur Entwicklung und Förderung der Bestände umfasst verschiedene Aspekte, von der Lebensraumverbesserung, dem Betrieb einer Brutanstalt, zu Besatzmaßnahmen bis hin zur Aufklärung und Zusammenarbeit mit der lokalen Gemeinschaft. 

Die Geschichte von Leopold hat ihren Ursprung im Salzkammergut und er lebe in einem der schönsten Gewässer, das man sich vorstellen kann. Der Rettenbach bei Bad Ischl, dieser ist ein kleiner, 10 Kilometer langer, teils recht wilder Bergbach mit glasklarem Wasser, großartigen Unterständen und ausreichend Nahrung für alle. Damit dies so bleibt und alle anderen Bäche im schönen Salzkammergut auch von Bachforellen bewohnt werden, ist einiges zu tun und daher wurde das Projekt zur „Erhaltung der Bachforellen“ mit dem Codenamen „LEOPOLD“ benannt, dessen Maskottchen und Namenspate er ist.

Cocooning-Verfahrens mit Vibert-Boxen

Die Wahl des Cocooning-Verfahrens mit Vibert-Boxen am 31. Jänner ist strategisch klug, da die Bachforellen-Eier im Augenpunktstadium bereits eine gewisse Robustheit aufweisen, aber dennoch die entscheidende Prägung auf das Gewässerwasser direkt im Bach durchlaufen.

In der Brutrinne fehlt oft die Strömungsvielfalt. Durch das rechtzeitige Ausbringen in die Vibert-Boxen lernen die Larven sofort, sich gegen die Strömung zu behaupten, sobald sie „aufschwimmen“.

Traunkirchner Mühlbach unser „Feld-Labor-Bach“

Vom „Salzkammergut Fischereimanagement“, mit Obmann DI Karl Fehrer wurde der Traunkirchner Mühlbach gepachtet und fischereilich bewirtschaftet. Da dieser aufgrund von Verbauung und eines staken Prädatoren Druck, in einen fischereilich sehr schlechtem Zustand befindet, wird mit verschiedenen Methoden versucht die Bachforelle zu unterstützen, um wieder einen sich selbst reproduzierenden Fischbestand aufzubauen.

  • Kontrollierbare Umgebung: Aufgrund der überschaubaren Größe des Mühlbaches lassen sich Umwelteinflüsse besser überwachen als in großen Fließgewässern.
  • Direkte Erfolgskontrolle: Die Nähe zur Fischzuchtanlage ermöglicht es euch, die Schlupfrate und das spätere Aufkommen der Brütlinge präzise zu dokumentieren (z. B. durch Elektrobefischung im Herbst).
  • Autochthone Qualität: Durch die Erbrütung im Zielgewässer entfällt der Stress des Umsetzens von Jungfischen; die Fische entwickeln von Tag eins an eine natürliche Standorttreue und Widerstandsfähigkeit.

Was ist eine Vibert-Box?

Die Box (benannt nach dem französischen Fischerei-Experten Richard Vibert) ist ein kleiner, meist aus robustem Kunststoff gefertigter Behälter mit zahlreichen schmalen Schlitzen an allen Seiten. Diese Schlitze sind so dimensioniert, dass Wasser und Sauerstoff ungehindert zirkulieren können, die Eier jedoch sicher im Inneren gehalten werden.

Das Vibert-Boxen-System ist in der Tat ein Klassiker, der durch die Kombination mit Schotter-Boxen (oft auch als Brutboxen im Kiesbett-Design bezeichnet) massiv aufgewertet wird. Diese Methode ist im Grunde eine der einfachsten „modernen“ Besatz-Variante“ eines naturnahen Besatzes.

Funktionsweise & Anwendung

  1. Bestückung: Die Box wird mit Bachforellen-Eiern im Augenpunktstadium befüllt. In diesem Stadium sind die Eier bereits unempfindlicher gegenüber Erschütterungen.
  2. Platzierung (Cocooning): Die Boxen werden im Gewässersubstrat (Kies) vergraben oder, wie in eurem Fall im Mühlbach, in spezielle Schotter-Boxen eingesetzt.
  3. Schlupf: Nach dem Schlupf verbleiben die Larven zunächst in der Box, bis sie den Dottersack aufgezehrt haben.
  4. Abwanderung: Sobald die Brütlinge schwimmfähig und auf Nahrungssuche sind, verlassen sie die Box durch die Schlitze aktiv in das umliegende Kieslückensystem (Interstitial).
Homing: Da die Fische im Wasser des Mühlbachs schlüpfen, werden sie chemisch auf dieses Wasser geprägt. Für ein nachhaltiges Management ist das Gold wert, da diese Fische eine sehr hohe Standorttreue zeigen. Vibert-Boxen (oft als Whitlock-Vibert-Boxen) sind kleine, durchlöcherte Kunststoffbehälter, die zur naturnahen Erbrütung von Salmoniden Eiern (z.B. Bachforelle) im Gewässerkies eingesetzt werden. Im Rahmen von „Cocooning“-Projekten schützen sie befruchtete Eier vor Fressfeinden und Frühjahrshochwasser, während Larven nach dem Schlüpfen selbstständig in den Bach ausschwärmen können.

Die Vorteile des Systems

  • Optimale Prägung (Homing): Die Larven sind vom ersten Moment an dem spezifischen Chemismus (Geruch/Geschmack) des Heimatgewässers ausgesetzt. Dies erhöht die Rückkehrrate und Standorttreue massiv.
  • Schutz vor Fressfeinden: Während der kritischen Phase der Embryonalentwicklung sind die Eier vor Koppen, Insektenlarven oder Vögeln geschützt.
  • Natürliche Selektion: Nur die vitalsten Larven schaffen den Weg aus der Box in den Bach. Dies fördert einen robusten Bestand.
  • Kein „Umsetz-Schock“: Da die Fische im Bach geboren werden, entfällt der Stress des Transports und der Temperaturumstellung, der bei herkömmlichem Besatz oft zu hohen Verlusten führt.

Technische Eckpunkte

MerkmalDetail
MaterialMeist Polypropylen (witterungsbeständig & lebensmittelecht)
KapazitätJe nach Größe ca. 500 bis 1.000 Eier pro Box
SchlitzbreiteCa. 2 mm (breit genug für Larven, eng genug für Eier)
ErfolgskontrolleSehr einfach: Nach dem Schlupf zählt man die verbliebenen, nicht entwickelten Eier (Toteneier) in der Box.

Das Vibert-Boxen-System ist in der Tat ein Klassiker, der durch die Kombination mit Schotter-Boxen (oft auch als Brutboxen im Kiesbett-Design bezeichnet) massiv aufgewertet wird. Diese Methode ist im Grunde die „High-End-Variante“ des naturnahen Besatzes.

Kombination Vibert-Box mit Schotter-Box

In der klassischen Anwendung werden Vibert-Boxen oft „nackt“ im Kies vergraben. Die Nutzung spezieller Schotter-Boxen im Traunkirchner Mühlbach bietet jedoch entscheidende Vorteile:

  • Schutz vor Kolmation: Der größte Feind der Eier ist der Feinsediment-Eintrag. Die Box bietet einen geschützten Raum, der den Wasseraustausch (Sauerstoffzufuhr) sicherstellt, während der Schotter als mechanischer Puffer fungiert.
  • Naturnahes Schlüpfen: Sobald die Larven schlüpfen und den Dottersack aufgezehrt haben, können sie durch die Schlitze der Vibert-Box in die Zwischenräume des Schotters wandern. Das entspricht exakt dem natürlichen Verhalten, sich im Lückensystem (Interstitial) zu verstecken.
  • Vermeidung von Verpilzung: Im Gegensatz zu flächig ausgebrachten Eiern verhindert die räumliche Trennung in der Box, dass eine lokale Verpilzung sofort auf das gesamte Gelege übergreift.

Der „Labor-Vorteil“ im Mühlbach

Da wir den Mühlbach als Labor nutzt, könnt wir bei diesem Test eine kritische Variable prüfen, die in freien Gewässern oft im Dunkeln bleibt: Die Schlupf-Effizienz.

Durch diese Parallelführung schafft wir eine sogenannte Kontrollgruppe. Das erlaubt euch, die natürlichen Umweltfaktoren im Mühlbach präzise zu isolieren und deren Einfluss auf die Schlupfrate zu bewerten.

Anzahl ausgebrachter Eier

Dieses Projekt vom FischLab Mühlbach hat für uns eine ganz zentrale Dimension: Wir betreiben hier keine reine Bestandsstützung, sondern aktives Gen-Ressourcen-Management. Der Begriff „Prime-Stamm“ verdeutlicht, dass es sich um das biologische Erbe des Traunkirchner Mühlbachs handelt – eine genetische Versicherungspolice gegen das Aussterben einer lokalen Unterart der Bachforelle.

ParameterFischlabor (Kontrolle)Mühlbach (Vibert-Box)
Bachforellen Stamm Prime StammPrime Stamm
VIBERT BOXEN 3 Boxen11 Vibert Boxen
Anzahl Augenpunkt Eier3.00012.100
Anzahl Eier pro Box100 ml = 1000 Stk.110 ml = 1100 Stk.
Datum Augenpunkt31. Jänner 202631. Jänner 2026
Ø Wassertemperatur10,5 °C
Schlupf-BeginnDatumDatum
Verluste (Toteneier)AnzahlAnzahl
SedimentbelastungMittler Belastung bei kleineren Hochwässern. Im Langstrombecken eine sehr gering Belastung.

Da die Eier nun liegen, haben wir einen Datenlogger in der nähe der Vibert-Boxen im Mühlbach installiert. So habt wir das exakte Temperaturprofil direkt am Ei und könnt es mit den Laborwerten, die im FischLab sowieso mit zwei Datenlogger permanent überwacht werden abgleichen.

Vibert Boxen Positionierung

In vielen Gewässern der Flysch Zone wird oft fälschlicherweise nur die Wasserqualität oder der Fraß Druck (z. B. durch Otter, Fischreiher oder Gänsesäger) für den Fischrückgang verantwortlich gemacht. Doch das Nadelöhr ist meistens die erfolgreiche Naturverjüngung und fehlende Laichplätze.

BesatzstelleAnzahl Boxen / EierKoordinaten
Standort 1 Zubringer rechts beim Sepp1 Box / 1.100 Eier47°51’11.4″N 13°43’40.2″E
Standort 2 Brücke Sepp 2 Boxen / 2.200 Eier47°51’12.6″N 13°43’42.0″E
Standort 3 oberhalb Brücke beim Ohoi1 Box / 1.100 Eier47°51’13.8″N 13°44’03.0″E
Standorte 4 Wehr unterhalb Ohoi2 Boxen / 2.100 Eier47°51’16.2″N 13°44’08.4″E
Standort 5 Gumpen Hessenberger 3 Boxen / 3.300 Eier47°51’25.8″N 13°44’22.2″E
Standort 6 Hofgraben – Wehr Hauser2 Boxen / 2.100 Eier47°51’13.8″N 13°44’03.0″E
Summe11 Boxen / 12.100 Eier

Unser Projekt nutzt den Traunkirchner Mühlbach als dezentrale genetische Bank. Durch das gezielte Cocooning unseres Prime-Stammes bewahren wir das einzigartige Erbgut der regionalen Bachforelle und sichern deren Fortbestand trotz massiver anthropogener Barrieren und geologischer Herausforderungen.

Standort 1 Zubringer rechts beim Sepp

Koordinaten: 47°51’11.4″N 13°43’40.2″E

Da der Traunkirchner Mühlbach stark durch die Flyschzone (vorwiegend Mergel und Sandsteine) geprägt ist, fehlt es dem Gewässer an dem harten, erosionsbeständigen Geschiebe (Kies), das für Forellenlaichplätze essenziell ist.

Standort 2 Brücke Sepp

Koordinaten: 47°51’12.6″N 13°43’42.0″E

Flysch neigt eher zur Feinmaterialbildung oder zerfällt schnell, was zur Versandung (Kolmatierung) der Lückensysteme führt.
Die Strategie mit den Vibert-Boxen ist hier die perfekte technische Antwort, um diesen geologischen Nachteil auszugleichen.

Standort 3 oberhalb Brücke beim Ohoi

Koordinaten: 47°51’13.8″N 13°44’03.0″E

Die Boxen werden gezielt platzieren und wir schaffen damit punktuell „künstliche Laichnester“, die das Gewässer von Natur aus nicht mehr ausreichender Qualität bietet.

Standorte 4 Wehr unterhalb Ohoi

Koordinaten: 47°51’16.2″N 13°44’08.4″E

Hier haben wir das zweite große Problem der anthropogenen (menschgemachten) Veränderung: Die Fragmentierung des Lebensraums. Im Traunkirchner Mühlbach wird das besonders deutlich, wenn die Geologie (Flysch) auf harte Verbauungen trifft.

Standort 5 Gumpen Hessenberger

Koordinaten: 47°51’25.8″N 13°44’22.2″E

Durch zu hohe Wehre oder Abstürze werden die Bestände in kleine „Insel-Populationen“ zerschnitten. Die Fische können nicht mehr genetisch austauschen, was sie anfälliger für Inzucht und Krankheiten macht. Die Bauwerke halten den ohnehin schon knappen Kies aus der Flyschzone zusätzlich zurück. Oberhalb verlandet der Bach, unterhalb herrscht „Geschiebehunger“ – das Bachbett wird ausgeräumt und bietet keinen Schutz mehr.

Standort 6 Hofgraben – Wehr Hauser

Koordinaten: 47°51’13.8″N 13°44’03.0″E

Die Sicherung mit großen Steinen (Beschwerung) ist im Traunkirchner Mühlbach die effektivste Methode, um die Boxen gegen Auftrieb und Verdrift zu schützen. Die Schotter-Boxen sind so platziert, dass sie nicht nur beschweren, sondern idealerweise in einen Bereich mit reduzierter Strömungsgeschwindigkeit (Strömungsschatten) installiert wurden. Das nächste Hochwasser kommt bestimmt.

Ein Bachsystem funktioniert für die Bachforelle wie ein Venensystem – ist eine Passage blockiert, stirbt das „Organ“ (der Fischbestand) oberhalb oder unterhalb langsam ab.

Vitalitäts-Check

Es ist ein entscheidender Punkt in der modernen Fischereibiologie. Der Fokus verschiebt sich weg von der reinen Quantität (wie viele schlüpfen?) hin zur Qualität (wie fit sind sie für das Überleben im Wildbach?) und daher auch die parallele Beobachtung dieser beiden Szenarien. Durch den Vergleich zwischen Labor und dem „Labor-Bach“ Traunkirchner Mühlbach können wir eine wissenschaftliche Lücke schließen: den Einfluss des physischen Widerstands auf die frühe Ontogenese (Entwicklung) der Bachforelle.

Aufwachsen der BF-Brütlinge

  1. Die Dottersack-Resorption:
    • Labor: Larven liegen oft passiv auf glattem Untergrund. Der Dottersack wird effizient, aber ohne physisches Training verbraucht.
    • Mühlbach: Die Larven müssen sich im Schotterlückensystem stabilisieren und bewegen. Dies führt oft zu einer schnelleren Umwandlung der Dottersack-Energie in echte Muskelmasse statt in reines Längenwachstum.
  2. Konditionsfaktor: Statt nur die Länge zu messen, ist das Verhältnis von Gewicht zu Länge entscheidend.

Vergleich: Naturnahrung vs. Fischfutter

MerkmalMühlbach (Naturnahrung)Fischlabor (Fischfutter)
NahrungsquelleZooplankton, Insektenlarven (Eintagsfliegen, Köcherfliegen), Anflug.Hochenergetisches Forellenfutter (Pellets).
EnergieaufwandHoch (aktives Jagen, Kampf gegen die Strömung).Gering (Futter fällt „vom Himmel“).
DarmfloraDivers (wichtig für das Immunsystem im Wildgewässer).Monokulturell (auf das Futter optimiert).
VerhaltensmusterEntwicklung von Lauerplätzen und Jagdinstinkt.Konditionierung auf menschliche Präsenz/Fütterungszeit.

Methodik der Beobachtungen

Um die Unterschiede beim Abwachsen sauber zu dokumentieren, sind folgende Schritte im Frühjahr/Sommer geplant:

  • Probenentnahme: Entnahme von Stichproben (z.B. 10 Stück) aus dem Labor und (mittels Elektrobefischung oder vorsichtigem Ausheben der Boxen) aus dem Mühlbach.
  • Fotodokumentation: Aufnahmen auf Millimeterpapier, um die Körperform (Rumpftiefe, Flossengröße) visuell zu vergleichen.
  • Mageninhalt: Sobald die Fische auf aktive Nahrungssuche gehen, könnt wir prüfen, ob die Mühlbach-Fische bereits früher auf natürliche Anflugnahrung oder Bachlauftiere reagieren als die Labor-Fische, die evtl. auf Trockenfutter konditioniert werden.

Referenz-Schlupfrate

Im Fischlabor (FischLab-Mühlbach) haben wir ideale Bedingungen (konstanter Durchfluss, weniger Sediment, Schutz vor Frost). Daher ist die Schlupfrate im FischLab als ein Maximalwert zu sehen. Damit können wir das Schlüpfen im FischLab vs. einer Erfolgsrate im Mühlbach vergleichen und ggf. Differenzen durch äußeren Einflüsse (Sedimentation, Temperaturschwankungen, Sauerstoffzehrung im Kies) beobachten und die Effizienz dieser Methode analysieren. Ein sehr ausführlicher Vergleich des Schlupferfolges von Bachforellen-Eier sind im Bericht „COCOONING UND ARTIFICIAL NESTs – STROBLER WEISSENBACH 2025“ nachzulesen.

Weitere Informationen

Wir hatten die Möglichkeit bei einem Projekte in der Zusammenarbeit mit DI Georg Holzer, einem Pionier moderner Besatzmethoden dabei sein zu dürfen. Am Strobler Weißenbach wurde aktiv der Wiederaufbau der Bachforellenpopulation durch ein naturnahes Inkubationsverfahren durchgeführt. Im Zeitraum 2024/2025 sind hierzu 50.000 Augenpunkteier sowie 5.000 grüne Eier aus unserer reviereigenen Zucht eingebracht worden. Die Methodik setzt primär auf das Vergraben in  „Artificial Nests“ direkt im Bachsubstrat. Zur präzisen Erfolgskontrolle und Ermittlung der Schlupfraten kommen ergänzend 18 Brutboxen zum Einsatz. Aus diesem Referenz-Projekts können wir auch einen großen Nutzen ziehen und aus den gewonnenen Daten über Schlupferfolg und Habitat-Eignung wertvolles Wissen aufbauen und für künftige Besatzstrategien erhalten.
Vom „Salzkammergut Fischereimanagement“, mit Obmann DI Karl Fehrer wurde der Traunkirchner Mühlbach gepachtet und wird seit heuer bewirtschaftet. Da dieser aufgrund von Verbauung und eines staken Prädatoren Druck, in einen fischereilich sehr schlechtem Zustand befindet, wird mit verschiedenen Methoden versucht die Bachforelle zu unterstützen, um wieder einen sich selbst reproduzierenden Fischbestand aufzubauen.
Abschied vom Wellness-Becken in unseren Bruthaus werden in den nächsten Tagen ein Großteil der Bachforellen-Eier nehmen und in die Wildnis ausgesetzt werden. Es ist so weit: Die dunklen Punkte starren uns erwartungsvoll entgegen. Was ein bisschen so aussieht, als hätten die Bachforelleneier zu viel Espresso getrunken, ist in Wahrheit das Startsignal für ein großes Abenteuer. Das Augenpunktstadium ist erreicht!
Wir hatten die Möglichkeit bei einem Projekte in der Zusammenarbeit mit DI Georg Holzer, einem Pionier moderner Besatzmethoden dabei sein zu dürfen. Am Strobler Weißenbach wurde aktiv der Wiederaufbau der Bachforellenpopulation durch ein naturnahes Inkubationsverfahren durchgeführt. Im Zeitraum 2024/2025 sind hierzu 50.000 Augenpunkteier sowie 5.000 grüne Eier aus unserer reviereigenen Zucht eingebracht worden. Die Methodik setzt primär auf das Vergraben in  „Artificial Nests“ direkt im Bachsubstrat. Zur präzisen Erfolgskontrolle und Ermittlung der Schlupfraten kommen ergänzend 18 Brutboxen zum Einsatz. Aus diesem Referenz-Projekts können wir auch einen großen Nutzen ziehen und aus den gewonnenen Daten über Schlupferfolg und Habitat-Eignung wertvolles Wissen aufbauen und für künftige Besatzstrategien erhalten.
Die Geschichte von Leopold hat ihren Ursprung im Salzkammergut und er lebe in einem der schönsten Gewässer, das man sich vorstellen kann. Der Rettenbach bei Bad Ischl, dieser ist ein kleiner, 10 Kilometer langer, teils recht wilder Bergbach mit glasklarem Wasser, großartigen Unterständen und ausreichend Nahrung für alle. Damit dies so bleibt und alle anderen Bäche im schönen Salzkammergut auch von Bachforellen bewohnt werden, ist einiges zu tun und daher wurde das Projekt zur „Erhaltung der Bachforellen“ mit dem Codenamen „LEOPOLD“ benannt, dessen Maskottchen und Namenspate er ist.
Heimo bei der Arbeit
Artikel ist in Arbeit

„Alles Gute auf der Welt entsteht nur, wenn einer mehr tut, als er muss.“

Zitat von: Helmut Sihler (*1930), östr. Topmanager