NOTABFISCHUNG LAHNSTEIN-NEBENARM 22.DEZEMBER 2025

Bedingt durch den anthropogen gestörten Geschiebetrieb an der Oberen Traun gibt es nur wenige intakte Laichplätze, die den vorkommenden heimischen Fischen zur Verfügung stehen. Die fortgeschrittene Kolmation des Bodensubstrate stellt an vielen Abschnitten der Traun ein immer größeres Problem für kieslaichende Fische dar. Um die wenigen selbst reproduzierten Bestände zu erhalten wurde am 22. Dezember 2025 bei fallenden Wasserstand und der Gefahr auf Austrocknung des Lahnstein-Nebenarm eine prophylaktische Elektro-Notabfischung durchgeführt, die das Ziel hat möglichst viele Fische zu retten.
Das ist ein sehr spannendes, wenn auch besorgniserregendes Thema aus dem Bereich der Gewässerökologie. Nachfolgend ein Einsatzbericht vom 22. Dezember 2025 der verdeutlicht die dramatischen Folgen, wenn natürliche Flussdynamiken unterbrochen werden.

Hier ist eine kurze Einordnung der ökologischen Zusammenhänge, die zu dieser Notmaßnahme geführt haben:

Das Kernproblem: Eintiefung und Kolmation

An der „Oberen Traun“ leiden wir an keinen klassischen „Kiesmangel“ durch Rückhalt (wie oft bei Seeausrinnen), sondern einer Transport-Imbalance kombiniert mit einer morphologischer Einengung. Wenn der Fluss in ein enges „Korsett“ gezwängt wird, erhöht sich bei Hochwasser die Fließgeschwindigkeit und damit die Schleppspannung massiv. Das Ergebnis ist:

Die Dynamik der „Eintiefung und Kolmation“

  • Selektiver Transport (Auswaschung): Die passende Körnung für Kieslaicher (ca. 2–5 cm Durchmesser) wird aufgrund der hohen Energie bei Hochwasser wie in einer Schussrinne direkt in den Traunsee durchgereicht. Zurück bleiben nur die schweren „Kindsköpfe“, die der Fluss nicht mehr bewegen kann.
  • Die „Betonierung“ (Innere Kolmation): Da die schützende Deckschicht aus lockerem Kies fehlt, setzen sich Feinsedimente (Silt, Sand) direkt in die Lücken zwischen den großen Steinen. Ohne die natürliche Umlagerung des Bettes wird diese Schicht nie wieder aufgebrochen.
Die Kolmatierung (oft auch als „Verstopfung“ oder „Versiegelung“ des Gewässerbettes bezeichnet) ist eines der gravierendsten ökologischen Probleme bei Baumaßnahmen an Fließgewässern.
Während eine kurzzeitige Trübung des Wassers für viele Fische oft nur Stress bedeutet, wirkt die Kolmatierung wie ein schleichendes Gift auf das gesamte Ökosystem.

Warum das für die Fische doppelt fatal ist

Das Problem am Lahnstein-Nebenarm ist in diesem Kontext besonders kritisch:

  1. Fehlende Selbstreinigung: In einem korsettierten Fluss fehlen die Uferbereiche, in denen sich Kiesbänke umschichten könnten. Der „Atem“ des Flusses (der Austausch zwischen Oberflächenwasser und Grundwasser im Interstitial) kommt zum Erliegen.
  2. Sackgasse Nebenarm: Wenn sich die Hauptrinne durch die hohe Energie immer tiefer eingräbt (Eintiefung), „verhungern“ die Nebenarme hydraulisch. Sie liegen dann bei sinkendem Wasserstand schnell trocken, da der Wasserspiegel im Hauptstrom tiefer liegt als die Sohle des Nebenarms.
  3. Was seit der Laichplatz-Verbesserungsmaßnahme vom Februar 2025 zu beobachten ist, dass der Lahnstein-Nebenarm nicht neuerlich durch Schottereintrag aufgelandet ist. D.h. diese Maßnahme zeigt Wirkung, solange der Wasserstand, Pegel-Ebensee auf +95 cm bleibt.

Was müsste sich ändern?

Um von weiteren Notabfischungen wegzukommen, oder diese auf ein Minimum zu reduzieren, müsste der Wassereinlauf bis zu einen Traun-Pegel von 80 cm hergestellt werden. Derzeit ist der obere Bereich vom Lahnstein-Nebenarm bis zu einem Pegel von 95 cm dotiert. D.h. hier müsste der Einlaufbereich optimiert werden und im unteren Bereich eine Eintiefung auf das Grundwasser im Nebenarm erfolgen, ev. mit kleineren Aufweitungen Richtung Insel.

Erste Maßnahme wurde schon durchgeführt

Aus diesem Grund wurden an der Traun im Februar 2025 im Lahnstein-Nebenarm Laichplätze verbessert. Der Seitenarm dient auch während des Jahres als optimales Jungfischhabitat – es gibt viele Unterstände, die Strömungssituation ist sehr abwechslungsreich, tiefe und flache Habitate wechseln einander ab. Nicht
zuletzt ist das Gewässer so klein und durch Ufervegetation zugewachsen, dass Prädatoren wie Kormoranen und Gänsesägern die Einflugs Möglichkeit fehlt und die Fische hier einigermaßen geschützt leben können.

Breite der Traun oberhalb vom Schulersteg

Was in diesen Bereich, oberhalb vom Schulersteg positiv dazu kommt, ist das die Breite (Aufweitung) in diesen Bereich sehr ausgeprägt ist und daher wenige Eintiefungen festzustellen sind. Damit sinkt in diesen Bereich die Fließgeschwindigkeit bei Hochwasser, damit bleibt auch der passende Laichkies eher liegen und wird erst mit einer Traun-Verengung unterhalb vom Schulersteg wieder stärker abtransportiert.

Oberhalb vom Schulersteg hat die Traun eine zufriedenstellende Breite und die Möglichkeit für zur Ablagerung von Schotterbänken und einer Ausbildung von unterschiedlichen Strömungsbilder.
Beim Lahnstein-Nebenarm Einlauf, Richtung Traun-aufwärts blickend. Auch hier ist die Traun gegenüber anderer Abschnitt recht breit und hat, wie man auch rechtsufrig sieht, Platz um eine Schotterbank zu bilden, oberhalb sieht man eine Piloten-Reihe aus alten Flößer-Zeiten.

Elektro-Notabfischung am 22. Dezember 2025

Die Entscheidung, am Lahnstein-Nebenarm einzugreifen, war eine Reaktion auf zwei kritische Faktoren:

  1. Hydrologische Gefahr: Sinkende Wasserstände führen in Nebenarmen oft zur vollständigen Isolation vom Hauptstrom. Ohne Abfluss droht Sauerstoffmangel oder das komplette Austrocknen.
  2. Genetisches Reservoir: Da die Selbstreproduktion aufgrund der Kolmation ohnehin erschwert ist, zählt jedes einzelne Individuum, das aus natürlicher Vermehrung stammt. Diese Fische sind genetisch perfekt an die Traun angepasst und für den Erhalt des Bestandes wertvoller als jeder Besatzfisch.
  3. Vor den Feiertagen und keine Sicht auf Regen oder Schneeschmelze, die den Wasserstand beeinflussen würden, wäre es zu einen großen Ausfall an Natur-Fischen gekommen.
Der Pegel zeigt, ab 95 cm wird eine Notabfischung erforderlich.

Der Prozess der Elektro-Abfischung

Bei dieser Methode wird ein begrenztes elektrisches Feld im Wasser aufgebaut. Die Fische schwimmen durch die Galvanotaxis kurzzeitig in Richtung der Anode, werden dort betäubt und können schonend mit dem Kescher entnommen werden.

Solche Notabfischungen sind wichtige „Erste-Hilfe-Maßnahmen„. Langfristig kann die Obere Traun jedoch nur durch Revitalisierungen gesunden, bei denen das Ufer aufgebrochen und wieder aktiv Geschiebe (Kies) eingebracht wird, damit sich der Fluss sein Bett selbst reinigen kann.

Folgende Fischarten konnten bei diesem speziellen Einsatz am Lahnstein-Nebenarm gerettet werden.

vlnr: Bachforelle, Regenbogenforelle, Äsche.

Bedingt durch den anthropogen gestörten Geschiebetrieb an der Traun gibt es nur wenige intakte Laichplätze, die den vorkommenden heimischen Fischen zur Verfügung stehen. Die fortgeschrittene Kolmation des Bodensubstrate stellt an vielen Abschnitten der Traun ein Problem für kieslaichende Fische dar.

Zur Rettung von Jungfischen bei fallendem Wasserstand

Am 22. Dezember 2025 trafen wir uns um vom Auslauf des Lahnstein-Nebenarm bis zum Einlauf, eine präventive Notabfischung durchzuführen. Der Pegel war auf den kritischen Punkt von 95 cm gefallen, es sind keine Niederschläge oder eine Erwärmung, die zu einer Schneeschmelze mit einer Wasserstandserhöung führen würde in Sicht, daher ist es, wie sich am Ausfang zeigt, eine Notabfischung vor den Weihnachtsfeiertagen, wo keiner für so eine Aktion Zeit hat, erforderlich.
vlnr: Philipp Schubert-Zsilavecz, Heimo Huber, Egon Lind, Lukas Pühringer

Winterbefischung Seitenarm Lahnstein 2025

Die Durchflussmenge hängt von Wasserstand der Traun ab. Leider zeichnet sich auch heuer ab, dass der Seitenarm in den nächsten Tagen zumindest teilweise austrocknen wird. Um einem größeren Fischsterben der so wertvollen Jungfische vorzubeugen, haben wir den gesamten Abschnitt elektrisch befischt und die
gefangenen Fische in den Hauptarm der Traun gebracht.

Notabfischungs – Protokoll

Laut Genehmigung der OÖ. Landesregierung – Geschäftszeichen: LFW-2019-268010/11-Eb vom 2.2.2024
Gültig für den Zeitraum bis 30. April 2029
 haben wir die Genehmigung Not- und Baustellenabfischungen in den Gewässern Fischereirevier Oberes Salzkammergut durchzuführen.

Lageplan Lahnstein-Nebenarm ein oberhalb von Ebensee befindlicher Nebenarm der Traun.

Wo wurde abgefischt:
Lahnstein-Nebenarm ein oberhalb von Ebensee liegender Nebenarm der Traun
Fischereirecht: Ordnungsnummer 21/44/1/B
Fischereiberechtigt: ÖBF, Forstbetrieb Ebensee

Datum-Uhrzeit: Montag 22. Dezember 2025, von 10:00 bis 14:00 Uhr
Polführer: Philipp Schubert-Zsilavecz
Helfer: Luisa Wallner, Egon Lind, Lukas Pühringer und Heimo Huber
Aggregat: vom FROSKG, Grassl ELT60 II mit ca. 13 Kg Gewicht, 1,3 KW und 4-Takt Honda Motor

Wichtig: Nach der Bergung werden die Tiere in tiefere, strömungssichere Bereiche der Traun umgesiedelt, wo sie den Winter überstehen können.

Fischarten-Zusammensetzung

Folgende Fischarten konnten bei diesem speziellen Einsatz am Lahnstein-Nebenarm gerettet werden.

vlnr: Bachforelle, Regenbogenforelle, Äsche.
vlnr: Koppe, Aitel, Schneider (oder Perlfisch?).

Bedingt durch den anthropogen gestörten Geschiebetrieb an der Traun gibt es nur wenige intakte Laichplätze, die den vorkommenden heimischen Fischen zur Verfügung stehen. Die fortgeschrittene Kolmation des Bodensubstrate stellt an vielen Abschnitten der Traun ein Problem für kieslaichende Fische dar.

Ergebnis der Notabfischung vom Lahnstein-Nebenarm am 22. Dezember 2025.

Neben der Notwendigen Rettung von Jungfischen war das auch eine gute Gelegenheit, die Wirksamkeit der gesetzten Maßnahmen zu bewerten. Insgesamt konnten 229 Fische gefangen werden. Wirklich erfreulich dabei ist, dass viele junge Äschen im Seitenarm waren, was als klarer Erfolg der im Februar 2025 umgesetzten Maßnahmen zu werten ist. Siehe dazu nachfolgenden Artikel.

Weitere Informationen

Die ökologische Situation am Lahnstein-Nebenarm ist durch schwankende Wasserstände und geringe Wasserzuführung geprägt. Um den kritischen Punkt für Fische zu bestimmen, beobachten wir auf der einen Seite die Pegel-Daten vom Pegel Ebensee und auf der anderen Seite haben wir eine Kamera angebracht, die per „Zeitraffer“ um 7:00 – 10:00 – 13:00 und 16:00 Uhr einen Überblick über den Zustand im Lahnstein-Nebenarm übermittelt..
Der 800 Meter langer Nebenarm wurde im Jahr 2008-2009 wieder an die Traun angebunden. Durch die letzten Hochwässer und Trockenperioden und der Tendenz der Verringerung der Wasserführung, sowie Auflandungen und Ablagerungen im Lahnstein-Nebenarm waren ökologische Reparatur Arbeiten erforderlich. So wurden von den verantwortlichen Mitarbeiter der ÖBF eine wasserrechtliche Genehmigung für diese Maßnahme bei der Behörde angesucht und genehmigt. Die Bauarbeiten fanden in der Niederwasserperiode im Februar 2025 statt.
Mit zunehmender Häufigkeit von Trockenzeiten, Hitzeperioden oder anderen Notsituationen in unseren Fließgewässern, kommt es immer wieder zum teilweisen oder vollkommenen Trockenfallen kleinerer Fließgewässer, von denen uns einige auch als Aufzuchtgewässer für heimische Fischbestände wie, Koppe, Äsche, Perlfisch und Regenbogenforelle dienen. Daher ist der Schaden für uns um so größer, wenn es hier zum Trockenfallen solcher Nebenarme kommt. Daher gehört zu einer umfassenden Gewässerbewirtschaftung auch, bei Notwendigkeit in der Lage zu sein, Fischrettungsaktionen durchzuführen. Wassermangel in den Bächen oder einfach zeitweise zu hohe Wassertemperaturen können es ebenfalls notwendig machen unsere wertvollen Fischbestände in Fischrettungsaktionen rechtzeitig umzusiedeln.
Im Rahmen eines Revitalisierungsprojekts wurde 2007-2008 die Traun in Lahnstein (Gemeinde Ebensee) in ein Naturparadies zurück verwandelt. Davon profitiert die Artenvielfalt – aber auch der Hochwasserschutz ist gestiegen. Die alte Uferverbauung, die den Fluss in ein Rinnsal verwandelt hatte, wurde auf einer Länge von 450 Metern weggerissen. Auf Schotterbänken hat die Traun nun Platz, sich um zusätzliche 25 Meter auszubreiten. Zugleich wurde ein abgetrennter 800 Meter langer Nebenarm wieder an den Fluss angebunden. Dadurch entstand nicht ein Habitat für Amphibien und für Jungfische. In neuen Schottersteilwänden finden Eisvögel Brutmöglichkeiten, die neuen Schotterbänke bieten Flussläufern und Flussregenpfeifern Platz.

„Alle sagten: Das geht nicht.

Dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s gemacht.“

Allgemeine Lebensweisheit