FISCHLAB OTTER ATTACKE

„Kaum haben wir einen Otter Zaun, kommt auch schon der Otter schaun!“ Man glaubt es kaum, so hatten wir bis jetzt Ruhe, jedoch mit der sinkenden Temperatur und dem ersten Schneefall werden die Otter aktiv. Es dürften ihnen die Frösche- und Schlangen ausgehen bzw. in den Winterschlaf wechseln und damit spüren wird die Umstellung ihrer Nahrung auf Fische. Otter haben ja einen sehr guten Geruchsinn, eine Art eDNA Nase, mit der sie riechen, ob Fische in einem Bach sind und ob es sich auszahlt ins hintere Mühlbachtal zu wandern. Wegen den paar aus den letzten Jahren über gelassenen Forellen im Traunkirchner Mühlbach würde sich dieser Aufwand ja nicht auszahlen. Jedoch zwei nebeneinanderliegenden Fischzuchtbetriebe dürften ihn motivieren aufzusteigen. Bis jetzt hatten wir im FischLab, im hinteren Traunkirchner Mühlbachtal noch keinen Stress mit „Otti“, jedoch mit seiner aktuellen Attacke auf unsere Anlage ist es aus mit lustig und wir müssen eine „Security – Optimierung“ an unserer Fischzuchtanlage durchführen.

Montage Otterzaun

Der Schutz der Fischbestände vor Prädatoren (Fischfresser) ist eine wesentliche und kostenintensive Herausforderung im Betrieb einer Fischzuchtanlage. Die Verluste durch Tiere wie Graureiher, Kormorane, Fischotter und Waschbären können beträchtlich sein. Diese Maßnahmen sind mit den hohen Investitionen verbunden, bieten aber in der Regel einen wie wir hoffen, zuverlässigsten Langzeitschutz.

In den letzten Wochen haben wir den provisorischen Weidezaun gegen einen 150 cm hohen Doppelstabgitter-Zaun ersetzt.

Zäunung der Anlage und der Becken

Wie es scheint wurde unser Stabmattenzaun vom Fischotter überklettert oder er hat noch einen anderen ungesicherten Zugang gefunden.

Hier bei der Errichtung des Otter-Zaun von der gesamten Anlage.
Ein Doppelstabgitterzaun mit einer Höhe von ca. 1,5 Meter auf stabilen Grobschotter Untergrund bzw. teilweise mit betonierten Fundament umschließt das „FischLab“ vor ungebetenen Gästen.
Der zusätzliche Becken-Schutz Zaun (ebenfalls Doppelstabgitterzaun) mit einer Höhe von ca. 50 cm, der exakt den Rand des Betonbecken erhöht und damit, wie sich bei der ersten Otter-Attacke gezeigt hat, denn Otter von diesen Becken mit unseren wertvollen „Mutterfischen“ abhält, einzusteigen.
  • Beschreibung: Errichtung eines stabilen Zaun in Kombination mit einem Elektrozaun (niedrige Spannung, hoher Impuls), um den Teich bzw. um die Becken herum.
  • Wirksamkeit: Ein Zaun ist eine sehr wirksam Maßnahme gegen Bodenprädatoren wie Fischotter und Waschbären.
  • Kosten/Nachteil: Recht hohe Investitionskosten. Der Zaun muss korrekt installiert und auch tief genug im Boden verankert sein, um Untergraben zu verhindern.
Neben der Anlagen Einzäunung, sind auch die Becken mit einem Becken-Schutzzaun geschützt.

Schwachstelle ausgenützt

Unser „Langstrombecken“ in dem wir 800 Stück 0+ Bachforellen und 200 Stück 0+ Attersee stämmige Seeforellen als Basis für unsere weiteren „Wildkultur-Fisch Entwicklung“ gezüchtet haben um mit diesen aus dem Salzkammergut stammenden Fischen einen Teil unserer Muttertiere aufzuziehen. Diese wären demnächst sortiert und je nach optischer Qualität getrennt worden, gerade davor ist uns über ein paar Nächte hinweg der Otter massiv ins Becken gekommen und hat 90% vom Bestand vernichtet.

Im Vordergrund, dass ungeschützte „Langstrombecken“ aus dem ca. 900 Stück Forellen in einer Größe von 12-15 cm herausgefressen wurden.

Der Verlust ist für uns dramatisch. Auf der einen Seite verlieren wir ein Jahr im Aufbau unserer „Wildkultur-Fisch Entwicklung„. Ein Jahr, dass uns im Aufbau unseres Regionalen Nachwuchs-Aufbau fehlen wird. Die ist finanziell schwer zu beziffern. Auf der anderen Seite ist es ein tatsächlicher kommerzieller Schaden von ca. 900.– bis 1.000.– Euro, den wir im nächsten Frühjahr mit 1+ Besatz lukrieren hätten können.

Dier Schaden alleine zeigt schon, dass wir es uns nicht leisten können, ohne entsprechende Schutzmaßnahmen unser „FischLab“ ungeschützt zu betreiben.

Ausbaustufe 5.000 Volt

In der Praxis zeigt eine Bespannung mit Elektrolitze am oberen Ende des 150 cm hohen Doppelstabgitterzaun eine sehr gute Abschreckwirkung. Durch die Elektrozaun-Bespannung hat der Fischotter keine Chancen den Zaun zu überklettern ohne einen schmerzhaften Stromschlag zu erhalten. Um eine noch höhere Abschreckfunktion zu erzielen, wird auch eine zusätzlich Elektrolitzenbespannung in Bodennähe empfohlen bzw. überlegt. Dies würde sich besonders bei Festzäunen anbieten, die nicht tief im Boden verankert sind, und untergraben werden könnten. Wobei ein Untergraben unserer Anlage wird kontrolliert wird und auch haben wir über die Nachtzeit Wild Kameras in Betrieb, um weitere Otter-Attacken unmittelbar zu erkennen.

Ein „Elektrozaungerät Type FAIE FA350“ haben wir für die provisorische Anlagensicherung sowie schon in Verwendung. Diese Investition können wir nun für eine Litzenumspannung unserer Anlage und der Becken weiter nutzen. Freilebende Wildtiere wie der Fischotter gelten als „schwer abzuwehren und zu bejagen“ und es empfiehlt sich daher zum Schutz unserer Fischzuchtanlage, der Einsatz eines sehr leistungsstarke Weidezaungeräte mit Spannungen > 5.000 Volt.

In der nächsten Sicherheitsstufe wird der Doppelstabgitterzaun mit stromführenden Leitern aufgerüstet, um die Abwehrfunktion zu verbessern. Für eine optimale mechanische Abwehrfunktion sind wir mit dem Doppelstabgitterzaun gut gesichert. Damit das Eindringen in die Anlage erschwert bzw. (fast) unmöglich gemacht wir, werden wir diese mit einer zusätzlichen Elektrolitzenbespannung absichern.

Bei einem Doppelstabgitterzaun ist die Aufrüstung mit einem Elektrozaun relativ einfach, kostengünstig und sehr sicher. Durch die robuste Bauweise hält dieser Zaun mehrere Jahre der Witterung stand und bedarf nur geringer Wartungstätigkeiten. Sollten wir ev. auch noch eine zusätzliche Litzenreihe in Bodennähe spannen, erhöhen sich die Wartungsarbeiten etwas, da wie beim einfachen Litzenzaun darauf zu achten ist, diese Reihe frei von jeglichen Ableitungen wie Gras oder Sträuchern zu halten.

Versuch macht Klug! Wir werden an der Sicherheit unserer Fische weiter arbeiten, auch wenn es aussieht wie ein Hochsicherheitsgefängnis, müssen wir zur Abwehr von Otter & Co. unsere Maßnahmen verschärfen.

Die Kombination von Doppelstabgitterzaun mit einer Erweiterung von Elektrolitzen bietet lt. Literatur einen sehr hohen Schutz vor Otterschäden und ist besonders gut für die langfristige Nutzung geeignet.
Wenn wir diese Erweiterung montiert haben und auch Erfahrung damit gesammelt haben, werden wir über diese Security-Ausbaustufe „5.000 Volt für Otti“ berichten.

Bauliche und Physikalische Schutzmaßnahmen

Auch der Schutz und Einflug von Kormoran und Fischreiher muss bedacht werden, weiters helfen die „Sonnensegel“ vor zu starker Sonneneinstrahlung und dienen den Fischen als Unterstand.

Zusätzlich haben wir folgende Maßnahmen ergriffen und um auch einen Saisonalen Schutz zu haben.

  • Überspannungen/Netzabdeckungen:
    • Beschreibung: Das Spannen von feinen, stabilen Netzen über die Teichfläche.
    • Beschattung: Spannen von Beschattungs-Planen
    • Wirksamkeit: Äußerst effektiv gegen Luftprädatoren wie Graureiher und Kormorane.
    • Nachteil: Die Netze müssen regelmäßig kontrolliert und von Schnee oder Laub befreit werden.
Über die Wintermonate werden nach dem Abstreifen unsere wertvollen Mutterfische zusätzlich durch eine Überspannung der Teiche mit einem Netz geschützt werden.

Entnahme nutzen und verschärfen

Auch wie der Bericht von Prof. Steven Weiss von der UNI Graz beim letzten ÖKF Forum in Linz aufzeigt, steigt die Populationsdichte der Otter weiter an. Der gute Erhaltungszustand der Fischotter ist erreicht und es gehören auch seine Beutetiere vor ihm geschützt. Der Bestand an Fröschen, Schlangen, Enten, Bodenbrüter entlang der Ufer etc. sind stark zurückgegangen. Ringelnattern sind keine mehr an den Ufern unserer Gewässer zu sehen und auch die Anzahl an Kröten bei der Wanderung im Frühling ist stark zurückgegangen. Aber auch unsere Fischbestände, speziell die Bachforelle in unseren Zubringerbächen ist verschwunden. Um die Bestände zu erhalten betreiben wir unser „FischLab“ um unsere heimischen Forellen einen Bestand zu sichern. Daher gehören raschest die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Bejagung von Otter in der Nacht erweitert und auch über längere Zeiträume muss die Bejagung erlaubt sein. Otter sind nachtaktiv und daher nur Nachts zu bejagen. Es kann nicht sein, dass eine Überpopulation von Otter unsere Wildfische in den Flüssen und Seen dezimieren und nachdem dort die Bestände so gesunken sind, nun unsere Fische in den Fischzuchtbetrieben und Hobbyteichen leerräumen.

Daher wird auch die Bejagung im Umkreis der Anlage lt. den gesetzlichen Möglichkeiten mit den Jagdberechtigten geklärt um auch eine Dezimierung der stark wachsenden Otter-Population im Rahmen zu halten.

Wer bezahlt die Maßnahmen?

Die Fischerei in den Fischereirevieren und in den Pachtstrecken wird ehrenamtlich von Privatpersonen und Vereinen erhalten und gefördert. Auch WIR gehören dieser Gruppe von aussterbenden Wahnsinnigen an, die auch immer weniger werden, so wie auch unsere heimischen Fischbestände sinken. Viele haben schon aufgegeben oder wollen es sich nicht mehr leisten bei leeren Gewässern die hohen Pachtpreise zu bezahlen. Die Berufsfischerei in den Seen ist auf wenige Betriebe zurückgegangen. Prädatoren fressen viele tausend Tonnen von heimischen Wildfischen aus unseren Gewässern und der „Konsument“ bekommt Pangasius aus Vietnam, Lachs aus Chile, Schollen und und Fischstäbchen aus unbekannter Herkunft. Alles aus einer stark Antibiotika gestützten Massentierhaltung zur raschen Wachstumsförderung, eine Entwicklung wie wird diese in der ungeprüften Hühner- und Schweinezucht hatten. Dies führt dazu, dass Antibiotika über Gülle und Abwässer in die Umwelt gelangen, wo sie Organismen schädigen und die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen fördern. Nachhaltigkeitssiegel wie die Bio- oder ASC-Zertifizierung sind auch keine Lösung für die angesprochenen Problematiken. Eine Garantie für gesunde Fische ist das leider auch nicht. Damit sind die gesundheitlichen Folgen für „mich“ als Verbraucher und für die Umwelt nicht nachvollziehbar . Letzten Ende zahlt jedoch die Prädatoren Abwehr der Konsument, der sich noch eine Forelle oder einen Saibling aus einer heimischen Fischzucht leisten will, also wir alle. Nebenbei wollen wir den Eigenversorgungsgrad mit heimischen Fischen von eh NUR 7%-8% erhöhen, jedoch auf der anderen Seite wird das Produkt Forelle oder Saibling aus der heimisch Produktion preislich immer mehr zum Luxusprodukt.

Aber solange wir es uns leisten wollen, Über-Populationen von Kormoranen und Fischotter als geschützte Tiere hinter Gesetzen und einen etwas anderen Naturverständnis zu verstecken und denen unsere Wildfische aus den Salzkammergutseen überlassen, kann es uns nicht so schlecht gehen. Das wollte ich einmal gesagt haben!

Petri Heil

Weitere Informationen

Als Binnenland ist Österreich besonders von Importen abhängig, um den Bedarf der Bevölkerung nach Fisch und Meeresfrüchten zu decken. Besonders deutlich wird das am sogenannten Fischerschöpfungstag. Er markiert den Tag, ab dem – statistisch gerechnet – jeder Fisch, den wir bis Ende des Jahres essen, importiert wird. Errechnet hat ihn der Aquaculture Stewardship Council (ASC), eine gemeinnützige Organisation, die sich für eine umweltfreundliche Fischzucht einsetzt. Letztes Jahr war der Fischerschöpfungstag auch Ende Jänner, aber noch einen Tag später.
Einer der wichtigsten Aufgaben in der Bewirtschaftung unserer Gewässer ist, dass wir lokal angepasste oder noch besser möglichst lokale Fischbestände für die Aufzucht und den Besatz nutzen. Lokale Anpassung bedeutet, dass zwischen einzelnen Populationen, aber auch innerhalb dieser Populationen genetisch bedingte Unterschiede in Körperstruktur, Verhalten oder Stoffwechsel auftreten, die mit spezifischen Umweltbedingungen in einzelnen Gewässerbereichen zusammenhängen. Dabei handelt es sich um über sehr lange Zeiträume gebildete, erblich festgelegte Unterschiede. Neben lokalen Anpassungen, die eine genetische Vielfalt widerspiegeln, zeigen viele Fischarten auch die Fähigkeit, sich bis zu einem gewissen Grad sehr rasch und ohne notwendige genetische Veränderungen auf neue Umweltbedingungen einzustellen. Wobei sich dies durchaus je nach Fischart stark unterscheiden kann, soweit dies unsere Erfahrungen auch bestätigen.
Die Bachforellen ist „der kleine Lachs der Bergquellbäche“. Vielleicht mehr als jeder andere Fisch im Salzkammergut verkörpern heimische wilde Bachforellen das Leitbild eines gesunden Baches. Die Frage bleibt, ob wilde selbst reproduzierende Bachforellen-Stämme in Zukunft in den Zubringerbächen der Oberen Traun erhalten bleiben, oder ob ihnen das Wasser ausgeht oder zu warm wird?
Die Frage, ob die wilden, selbst reproduzierenden Bachforellen-Stämme in den Zubringerbächen der Oberen Traun erhalten bleiben, ist angesichts des Klimawandels und anderer anthropogener Einflüsse tatsächlich kritisch.
Die Zukunft der wilden Bachforellen in den Zubringerbächen der Oberen Traun ist ungewiss und steht unter erheblichem Druck durch Umweltveränderungen und historische Eingriffe. Ihr Erhalt hängt maßgeblich von den kontinuierlichen und intensiven Schutz-, Entwicklungs- und Renaturierungsmaßnahmen der Fischereibewirtschafter und Unterstützer ab. Die Zubringerbäche gelten als Biotope der Zukunft für die Bachforelle (Salmo trutta), aber ihr Schutz vor Austrocknung, Erwärmung und Verbauung ist essenziell. Um ihren Bestand bestmöglich zu erhalten, haben wir das „Projekt Leopold“ aufgesetzt.

Besatzmaterial soll nur aus unserem Gewässersystem abstammen.

Die praktische Durchführung unser Wildkultur-Fisch-Entwicklung erfordert eine klare Definition der Begriffe: “autochthon, heimisch und bodenständig”.
Warum wir den erforderlichen Bachforellen-, Regenbogenforellen- und Äschen Besatz für unseren Gewässer im Salzkammergut selbst erzeugen? Nachfolgend ein paar Informationen, die diesen Aufwand den wir hier betreiben, zwischen Speisefischproduktion und Besatzfischproduktion aufzeigt.

Einer der schwerwiegendsten und besorgniserregendsten Verstöße gegen den erhalt unserer Wild-Fischpopulationen, ist das weitverbreitete Verirren und Besetzen von Zuchtfischen in unteren Gewässer. Dies geschieht, wenn in Zuchtbetrieben gezüchtete Fische, die als Lebensmittel bestimmt sind, in unsere Seen, Bäche und Flüsse ausgesetzt werden, wo sie sich mit Wildfischen vermehren. Wenn dies in einem Ausmaß geschieht, das das ein Maß überschreitet, untergraben Zuchtfische die Genetik der Wildfische. Zuchtfische (Speisefische), die sich mit Wildfischen vermehren, stellen erhebliche Herausforderungen für die Erholung unserer vom Aussterben bedrohten Wildfischpopulationen dar.
Unser Bachforellenprojekt zur Entwicklung und Förderung ihrer Bestände umfasst verschiedene Aspekte, von der Lebensraumverbesserung, dem Betrieb einer Brutanstalt, zu Besatzmaßnahmen bis hin zur Aufklärung und Zusammenarbeit mit der lokalen Gemeinschaft. Nur Namen hatten wir bis jetzt keinen, für unser Bachforellen-Projekt. Unser Äschen Projekt heißt „SÄEEP – Salzkammergut Äschen Erhaltungs- und Entwicklungs-Projekt“. Es war daher auch an der Zeit einen Namen für unser Bachforellen-Projekt zu suchen.
 

„Inmitten der Schwierigkeiten liegt die Möglichkeit.“

Zitat von: Albert Einstein