Das elektrische Abfischen im Mühlbach beim Steegwirt (Fluder) in Bad Goisern wurde aufgrund einer außerordentlichen Wasserspiegelabsenkung des Hallstättersee notwendig, um die dort lebenden Fische zu retten. Leider wurde je von Seiten der zuständigen Stellen verabsäumt den Fischereiberechtigten und den Bewirtschafter frühzeitig zu informieren um schon beim Absenken bzw. öffnen der Klaus Tore den fischereilichen Schaden zu minimieren.


Gesetzliche Rahmenbedingungen
Lt. Fischereigesetz aus dem Jahr 2020 liegt die Verantwortung für Notabfischungen beim Bewirtschafter -und/oder der Pächter. Diese Bestimmung hinsichtlich der Pflichten eines fischereiberechtigten Pächters und Bewirtschafter geregelt. Diese Bestimmung hinsichtlich der Pflichten eines fischereiberechtigten Pächters und Bewirtschafter werden nunmehr folgendermaßen geregelt:
„Die Hegepflicht zur Erhaltung eines nach Art und Menge gewässertypspezifischen Fischbestands besteht nunmehr auch die Pflicht, die Lebensgrundlage der Wassertiere soweit als möglich zu erhalten.“
Auf der anderen Seite würde man auch von Seiten der Behörde eine frühzeitige Einbindung der Fischereiberechtigten, so wie es auch das Wasserrechtsgesetz vorsieht wünschen.


Protokoll
Auch wenn eine wissenschaftlich exakte Erfassung nach GZÜV bei einer Notabfischung nicht möglich ist, versuchen wir zumindest eine Anzahl und die Fischarten mit zu protokollieren, um später eine Schadensbilanz ziehen und den Erfolg der Rettungsaktion bewerten zu können.

- Der Ort: Der Steegwirt liegt in Steeg/Bad Goisern am nördlichen Ende des Hallstättersees, direkt am Ausfluss, wo die Traun und der Mühlbach (ein Seitenarm der Traun) beginnen bzw. vorbeifließen.
- Zeitpunkt: Mittwoch 26. November 2025, von 14:00 bis 17:00 Uhr
- Die Absenkung: Eine gesonderte Absenkung des Wasserspiegels des Hallstättersee – im Zuge von Wartungs- oder Bauarbeiten im Bereich des Abflusses der Wehranlagen – führte dazu, dass der Wasserstand im Mühlbach stark zurückging bzw. dieser komplett trocken gelegt wurde.
- Die Notwendigkeit: Da der Mühlbach ein wichtiges Fischgewässer ist und auch als Laichplatz und Jungfisch-Habitat für Äschen, Forellen und Koppen ist, drohte der dortige verbleibende Fischbestand in Resttümpeln zu verenden.
- Aalrutte (Lota lota), oder auch als Quappe bekannt ist, ist tatsächlich in den heimischen Gewässern sehr selten geworden oder sogar verschwunden. Erfreulich, dass einige gefangen werden konnten, was zeigt, dass diese die Goiserer Traun als Laich-Habitat besuchen.
Pegelstand
Die Pegelstelle der Goiserer Traun, ist gleich nach dem Zusammenfluss der beiden Arme, nach der Seeklause und zeigt den aktuellen Pegelstand im Abflussbereich der Goiserer Traun, direkt nach dem Ausfluss aus dem Hallstättersee von 99 cm.

Wassertemperatur
Die Wassertemperatur der Goiserer Traun ist durch die Schneefälle der letzten Tage auf unter 7 Grad gesunken sind. Der Rückgang der Wassertemperatur ist eine erwartbare Folge der aktuellen Witterungsbedingungen.

Fangstatistik
Der Steegwirt-Fluder ist auf der einen Seite , zwischen März und Mai eines Jahres ein wichtiger Laichplatz für die Äsche. Daher haben wir zur Verbesserung der Möglichkeiten einer Naturverlaichung in den letzten Jahren einiges optimiert und weitere Verbesserungsmaßnahmen sind in der laufenden Winterperiode geplant. Auf der anderen Seite ist der Fluder ein Kinderstube für eine Reihe von Fischarten im Juvenilen Stadium, wie die Notabfischung auch zeigt:



Bei einer akuten Bedrohung (Trockenfallen, Sauerstoffmangel, Verunreinigung) zählt jede Minute, um die Mortalität zu minimieren.
- Rettungslogistik: Der Ablauf muss so straff wie möglich sein: Fangen, rasch transportieren und Wiedereinsetzen in ein stabiles Gewässer.
- Stressreduktion: Jede zusätzliche Prozedur wie Zählen und exaktes Vermessen bedeutet Stress für die Fische, der ihre Überlebenschance nach der Umsiedlung verringert. Die Zeitersparnis ist hier also ein direkter Beitrag zum Tierschutz.
Umsiedlungsstelle
Wenn die Umsiedlungsstelle unmittelbar in der Nähe des abgefischten Bereichs liegt und dort ausreichende, stabile Wasserführung herrscht, bietet dies mehrere entscheidende Vorteile:
- Extrem kurze Transportwege: Die Fische können innerhalb weniger Minuten vom Fangort in das rettende Wasser gebracht werden.
- Keine oder nur geringe Wasseranpassung nötig (Akklimatisierung): Da das Wasser aus dem Hallstättersee/der Traun stammt, sind die Wassertemperatur und -chemie (pH-Wert, Härte etc.) nahezu identisch. Ein aufwendiger und zeitintensiver Wasseraustausch im Transportbehälter entfällt.

Umsiedlung im gleichen Gewässersystem: Die Fische bleiben im selben Gewässernetzwerk (Hallstättersee-Traun-System). Dies ist fischökologisch extrem wichtig, da so der lokale, genetisch angepasste Fischstamm erhalten bleibt und nicht mit Fischen aus anderen Einzugsgebieten vermischt wird.
- Zeitersparnis: Die wichtigste Ressource bei Notfällen ist die Zeit. Die Umsiedlung direkt vor Ort beschleunigt den gesamten Prozess dramatisch, was die Überlebenschance der Fische maximiert.
- Geringeres Risiko: Das Risiko von Unfällen, Transportschäden oder Temperaturschwankungen während des Transports sinkt gegen null.
Kurz gesagt: Die Unmittelbarkeit der Umsiedlungsstelle im Bereich mit ausreichender Wasserführung ist der wichtigste Faktor für den Erfolg einer Notabfischung. Im Fall des Mühlbachs (Fluder) ist dies das Hauptgerinne der Traun oder der Hallstättersee selbst, die direkt an den Mühlbach angrenzen.
Foto der Abfischung
Der entscheidenden Punkt bei Notabfischungen und die Priorität liegt in solchen Situationen immer auf der schnellstmöglichen Rettung der Fische, was unweigerlich zulasten der detaillierten wissenschaftlichen Dokumentation geht.





Notabfischung(en)

Die Elektrofischerei oder das elektrische Abfischen ist in solchen Notfällen die gängige Methode, um Fische schonend aus einem bedrohten Gewässerabschnitt zu bergen:
- Funktionsweise: Es wird ein Gleichstromfeld im Wasser erzeugt, das die Fische betäubt oder immobilisiert, wodurch sie leicht mit einem Kescher eingesammelt werden können.
- Ziel: Die geretteten Fische (meist Äschen, Regenbogenforellen und Seeforellen) wurden anschließend in einen sicheren, tieferen Gewässerbereich der Goiserer Traun umgesiedelt.

Solche Aktionen werden bei uns mit Hilfe vom Fischereirevier Oberes Salzkammergut (FROSKG) durchgeführt, um den ökologischen Schaden der durch Wasserabsenkung erfolgt, so gering wie möglich zu halten.
Zusammenfassend kann man sagen: Bei einer Notabfischung wird die exakte Ökologie-Forschung zugunsten der praktischen Tierrettung zurückgestellt. Die Dokumentation dient dann primär als Minimalprotokoll zur Erfüllung behördlicher Auflagen und zur groben Einschätzung des geretteten Fischbestandes.
Weitere Informationen
Zudem ist die bzw. der Fischereiberechtigte nach dem neuen Fischereigesetz (§3) dazu verpflichtet, bei nicht vom Fischereiberechtigten beeinflussbaren bzw. verhinderbaren Beeinträchtigungen dieser Lebensgrundlage der Wassertiere wie z.B. bei witterungsbedingtem Trockenfallen eines Gewässers oder bei einer Mühlbachabkehr ohne ausreichende Restwassermenge den Wassertierbestand in größtmöglichem Ausmaß zu erhalten.
Das vorliegende Projektbeschreibung soll eine wasserrechtlichen und naturschutzrechtlichen Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen in der Oberen Goiserer Traun beschreiben. Die Kolmation des Substrates stellt insbesondere in der Traun ein Problem für die Laichplätze der kieslaichenden Fischarten dar. Dadurch, so das Ziel des Projektes, sollen Schotterbänke geschaffen werden, die die Laichsituation für Kieslaicher, etwa den Äsche (Thymallus thymallus) und auch der Koppe ( Cottus gobio) verbessern.
„Es ist nicht genug zu wissen, man muss es auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen, man muss es auch tun.“ Zitat von Johann Wolfgang von Goethe

