NOTABFISCHUNG STEEGWIRT FLUDER

Das elektrische Abfischen im Mühlbach beim Steegwirt (Fluder) in Bad Goisern wurde aufgrund einer außerordentlichen Wasserspiegelabsenkung des Hallstättersee notwendig, um die dort lebenden Fische zu retten. Leider wurde je von Seiten der zuständigen Stellen verabsäumt den Fischereiberechtigten und den Bewirtschafter frühzeitig zu informieren um schon beim Absenken bzw. öffnen der Klaus Tore den fischereilichen Schaden zu minimieren.

Die Seeklause in Steeg am Hallstättersee ist ein über 500 Jahre altes, technisches Denkmal und ein historisches Stauwerk, das den Wasserstand des Hallstätter Sees regelt. Sie ist Teil des UNESCO-Welterbes „Hallstatt-Dachstein / Salzkammergut Kulturlandschaft“ und ein wichtiges Bauwerk für die Salzschifffahrt und den Hochwasserschutz in der Region.
Die Seeklause ist Teil des UNESCO-Welterbes „Hallstatt-Dachstein / Salzkammergut Kulturlandschaft“ und ein wichtiges Bauwerk für die Salzschifffahrt und den Hochwasserschutz in der Region.

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Lt. Fischereigesetz aus dem Jahr 2020 liegt die Verantwortung für Notabfischungen beim Bewirtschafter -und/oder der Pächter. Diese Bestimmung hinsichtlich der Pflichten eines fischereiberechtigten Pächters und Bewirtschafter geregelt. Diese Bestimmung hinsichtlich der Pflichten eines fischereiberechtigten Pächters und Bewirtschafter werden nunmehr folgendermaßen geregelt:

„Die Hegepflicht zur Erhaltung eines nach Art und Menge gewässertypspezifischen Fischbestands besteht nunmehr auch die Pflicht, die Lebensgrundlage der Wassertiere soweit als möglich zu erhalten.“

Auf der anderen Seite würde man auch von Seiten der Behörde eine frühzeitige Einbindung der Fischereiberechtigten, so wie es auch das Wasserrechtsgesetz vorsieht wünschen.

Der Steegwirt-Fluder ist ein wichtiger Laichplatz und Jungfisch-Habitat.
Der Steegwirt Fluder bei einer „Normalen“ – Wasserführung.

Protokoll

Auch wenn eine wissenschaftlich exakte Erfassung nach GZÜV bei einer Notabfischung nicht möglich ist, versuchen wir zumindest eine Anzahl und die Fischarten mit zu protokollieren, um später eine Schadensbilanz ziehen und den Erfolg der Rettungsaktion bewerten zu können.

Eine Absenkung des Hallstättersee ließ den „Steegwirt Fluder“ trocken laufen. In den verbleibenden Tümpel wurden jedoch eine Menge Fische eingesperrt und um diese vor Vereisung, Prädatoren und Erstickung zu retten, war eine Notabfischung lt. OÖ. Fischereigesetz durch den Bewirtschafter erforderlich.
  • Der Ort: Der Steegwirt liegt in Steeg/Bad Goisern am nördlichen Ende des Hallstättersees, direkt am Ausfluss, wo die Traun und der Mühlbach (ein Seitenarm der Traun) beginnen bzw. vorbeifließen.
  • Zeitpunkt: Mittwoch 26. November 2025, von 14:00 bis 17:00 Uhr
  • Die Absenkung: Eine gesonderte Absenkung des Wasserspiegels des Hallstättersee – im Zuge von Wartungs- oder Bauarbeiten im Bereich des Abflusses der Wehranlagen – führte dazu, dass der Wasserstand im Mühlbach stark zurückging bzw. dieser komplett trocken gelegt wurde.
  • Die Notwendigkeit: Da der Mühlbach ein wichtiges Fischgewässer ist und auch als Laichplatz und Jungfisch-Habitat für Äschen, Forellen und Koppen ist, drohte der dortige verbleibende Fischbestand in Resttümpeln zu verenden.
  • Aalrutte (Lota lota), oder auch als Quappe bekannt ist, ist tatsächlich in den heimischen Gewässern sehr selten geworden oder sogar verschwunden. Erfreulich, dass einige gefangen werden konnten, was zeigt, dass diese die Goiserer Traun als Laich-Habitat besuchen.

Pegelstand

 Die Pegelstelle der Goiserer Traun, ist gleich nach dem Zusammenfluss der beiden Arme, nach der Seeklause und zeigt den aktuellen Pegelstand im Abflussbereich der Goiserer Traun, direkt nach dem Ausfluss aus dem Hallstättersee von 99 cm.

Pegelstand am 26. November 2025 war beim Pegel Steeg: 99 cm

Wassertemperatur

Die Wassertemperatur der Goiserer Traun ist durch die Schneefälle der letzten Tage auf unter 7 Grad gesunken sind. Der Rückgang der Wassertemperatur ist eine erwartbare Folge der aktuellen Witterungsbedingungen. 

Die Schneefälle der letzten Tage haben die Wassertemperatur beeinflusst und zu einem Abfall unter 7 °C geführt.

Fangstatistik

Der Steegwirt-Fluder ist auf der einen Seite , zwischen März und Mai eines Jahres ein wichtiger Laichplatz für die Äsche. Daher haben wir zur Verbesserung der Möglichkeiten einer Naturverlaichung in den letzten Jahren einiges optimiert und weitere Verbesserungsmaßnahmen sind in der laufenden Winterperiode geplant. Auf der anderen Seite ist der Fluder ein Kinderstube für eine Reihe von Fischarten im Juvenilen Stadium, wie die Notabfischung auch zeigt:

Immer wieder eine Überraschung. Man sieht nur einige wenige herum flitzen, jedoch mit der Elektrobefischung kitzelt man doch einige aus den verbliebenen Tümpel und kann damit einen großen Beitrag zum Erhalt von lokalen Naturfischen retten.
Mit über 50% Anteil dominiert die Regenbogenforelle. Erfreulich und auch Erwartungsgemäß in diesen Gewässerabschnitt der recht gute Jung-Äschen Bestand 0+.
Erfreulich, dass einige Bachforellen dabei sind, wobei im 0+ Stadium diese von Seeforellen nicht zu unterscheiden sind und es sich ev. auch um solche handeln könnte?

Bei einer akuten Bedrohung (Trockenfallen, Sauerstoffmangel, Verunreinigung) zählt jede Minute, um die Mortalität zu minimieren.

  • Rettungslogistik: Der Ablauf muss so straff wie möglich sein: Fangen, rasch transportieren und Wiedereinsetzen in ein stabiles Gewässer.
  • Stressreduktion: Jede zusätzliche Prozedur wie Zählen und exaktes Vermessen bedeutet Stress für die Fische, der ihre Überlebenschance nach der Umsiedlung verringert. Die Zeitersparnis ist hier also ein direkter Beitrag zum Tierschutz.

Umsiedlungsstelle

Wenn die Umsiedlungsstelle unmittelbar in der Nähe des abgefischten Bereichs liegt und dort ausreichende, stabile Wasserführung herrscht, bietet dies mehrere entscheidende Vorteile:

  • Extrem kurze Transportwege: Die Fische können innerhalb weniger Minuten vom Fangort in das rettende Wasser gebracht werden.
  • Keine oder nur geringe Wasseranpassung nötig (Akklimatisierung): Da das Wasser aus dem Hallstättersee/der Traun stammt, sind die Wassertemperatur und -chemie (pH-Wert, Härte etc.) nahezu identisch. Ein aufwendiger und zeitintensiver Wasseraustausch im Transportbehälter entfällt.
Die Umsiedelungsstelle für die geretteten Fische ist unmittelbar neben der Befischungsstelle und hat eine ausreichende Wasserführung.

Umsiedlung im gleichen Gewässersystem: Die Fische bleiben im selben Gewässernetzwerk (Hallstättersee-Traun-System). Dies ist fischökologisch extrem wichtig, da so der lokale, genetisch angepasste Fischstamm erhalten bleibt und nicht mit Fischen aus anderen Einzugsgebieten vermischt wird.

  • Zeitersparnis: Die wichtigste Ressource bei Notfällen ist die Zeit. Die Umsiedlung direkt vor Ort beschleunigt den gesamten Prozess dramatisch, was die Überlebenschance der Fische maximiert.
  • Geringeres Risiko: Das Risiko von Unfällen, Transportschäden oder Temperaturschwankungen während des Transports sinkt gegen null.

Kurz gesagt: Die Unmittelbarkeit der Umsiedlungsstelle im Bereich mit ausreichender Wasserführung ist der wichtigste Faktor für den Erfolg einer Notabfischung. Im Fall des Mühlbachs (Fluder) ist dies das Hauptgerinne der Traun oder der Hallstättersee selbst, die direkt an den Mühlbach angrenzen.

Foto der Abfischung

Der entscheidenden Punkt bei Notabfischungen und die Priorität liegt in solchen Situationen immer auf der schnellstmöglichen Rettung der Fische, was unweigerlich zulasten der detaillierten wissenschaftlichen Dokumentation geht.

Durch das Öffnen der Tore in der Seeklause, wird der Hallstättersee abgesenkt und damit der Einlauf in den Steegwirt-Fluder trocken gelegt.
Elektrobefischung in den verbleibenden Tümpel im Steegwirt-Fluder. Immer wieder erstaunlich, wie viele kaum sichtbare Fische sich in solchen Tümpel ansammeln um gerettet zu werden.
Hier eine 0+ Äsche, die Mitte Mai 2025 geschlüpft ist und über den Sommer auf13 cm heran gewachsen ist. Der Ausfall lag bei einer Äsche, die nach der Notabfischung vermessen wurde.
Ein Überraschungsfang bei der Notabfischung war der Fang von einigen Aalrutte (Lota lota).
Die Koppe ist ein kleiner Bodenfisch, der in sauberen, sauerstoffreichen und kühlen Bächen und Seen lebt. Sie ist auch als Groppe, Mühlkoppe oder Kaulkopf bekannt und zeichnet sich durch ihre schuppenlose Haut und den abgeflachten Kopf aus. Da ihr eine Schwimmblase fehlt, bewegt sie sich ruckartig von Stein zu Stein, verharrt aber meist gut getarnt am Grund und ist beim E-Fischen sehr schwer zu fangen.

Notabfischung(en)

Die Elektrofischerei oder das elektrische Abfischen ist in solchen Notfällen die gängige Methode, um Fische schonend aus einem bedrohten Gewässerabschnitt zu bergen:

  • Funktionsweise: Es wird ein Gleichstromfeld im Wasser erzeugt, das die Fische betäubt oder immobilisiert, wodurch sie leicht mit einem Kescher eingesammelt werden können.
  • Ziel: Die geretteten Fische (meist Äschen, Regenbogenforellen und Seeforellen) wurden anschließend in einen sicheren, tieferen Gewässerbereich der Goiserer Traun umgesiedelt.
Im Einsatz bei der Notabfischung am 26. November 2025.

Solche Aktionen werden bei uns mit Hilfe vom Fischereirevier Oberes Salzkammergut (FROSKG) durchgeführt, um den ökologischen Schaden der durch Wasserabsenkung erfolgt, so gering wie möglich zu halten.

Zusammenfassend kann man sagen: Bei einer Notabfischung wird die exakte Ökologie-Forschung zugunsten der praktischen Tierrettung zurückgestellt. Die Dokumentation dient dann primär als Minimalprotokoll zur Erfüllung behördlicher Auflagen und zur groben Einschätzung des geretteten Fischbestandes.

Weitere Informationen

Die Auswirkungen des Klimawandels in Bezug auf Notabfischungen sind insbesondere durch längere Trockenperioden spürbar. Zukünftig ist daher vermehrt mit der Abtrocknung von Fischgewässern zu rechnen. Gleichzeitig werden auch die Anzahl und die Intensität von Hochwasserereignissen zunehmen. Deshalb ist von einem erhöhten Arbeitsaufwand bei Notabfischungen auszugehen.
Zudem ist die bzw. der Fischereiberechtigte nach dem neuen Fischereigesetz (§3) dazu verpflichtet, bei nicht vom Fischereiberechtigten beeinflussbaren bzw. verhinderbaren Beeinträchtigungen dieser Lebensgrundlage der Wassertiere wie z.B. bei witterungsbedingtem Trockenfallen eines Gewässers oder bei einer Mühlbachabkehr ohne ausreichende Restwassermenge den Wassertierbestand in größtmöglichem Ausmaß zu erhalten.
Ökologische Datenpunkte, Metadaten und Datenbanken, mit Vergleichswerten über Jahrzehnten zu haben ist eine wichtige jedoch keine einfache Aufgabe. Wo all diese Daten wichtige Auswirkungen auf die Zukunft der Bewirtschaftung und Erhaltung unserer Gewässer haben, gibt es seit einigen Jahren auch Standardpraktiken für die Datenermittlung mit anderen Wissenschaftlern oder der Öffentlichkeit. Gemeinsame Daten könnten die Tür für neue Forschungsmöglichkeiten öffnen und dazu verwendet werden, fundiertere politische Entscheidungen und Erhaltungsentscheidungen zu treffen. Es werden jedoch verschiedene Anstrengungen unternommen, um den Austausch von Gewässerdaten zu vereinfachen und zu fördern, den Zugang zu wichtigen Informationen zu ermöglichen und die Transparenz zu verbessern.
Der Steeg Wirt Fluder ist zur Äschen Laichzeit ein beliebtes Laichhabitat, welches in Abstimmung mit den Grundstückseigentümer Fritz Grampelhuber und dem Bewirtschafter Peter Oberwimmer verschönert und als Laichplatz und als Jungfisch Kinderstube für Äschen laufend überwacht wird. Auch für Äschen, als „Kieslaicher“ gilt: „Wie man sich bettet, so liegt man„, sagt der Volksmund. Doch wie soll man sich betten, um richtig zu liegen? Diese Frage hat schon viele Experten beschäftigt. Es kann aber kein ideales Bett für alle Schläfer geben, denn jeder Mensch braucht abhängig von seinem Körpergewicht und seinen Schlafgewohnheiten sein „eigenes“ Bett. Auf die Äsche umgelegt, heißt es: „Je besser der Laichplatz, umso mehr Eigenreproduktion wird es geben„.
Diese Klaus Wehrordnung regelt den Wehrbetrieb. Sie ersetzt die überarbeitete Wehrbetriebsordnung für das Hallstätter See Klaus Wehr, November 1997“ (überarbeitete Fassung Juli 1999), welche mit Bescheid des Landeshauptmannes von Oberösterreich vom 16.10.2000, Wa-102453/14-2000-Wab/Gin, wasserrechtlich bewilligt wurde. Die vorliegende Klauswehrordnung berücksichtigt den Einbau des Klappenwehres in der alten Floßgasse und das fernbedienbare Öffnen der 11 Tore des Steinkastenwehres. Sie soll nach den Betriebserfahrungen der nächsten 5 Jahre auf ihre Zweckmäßigkeit hin überprüft werden.
Im Seeauslauf des Hallstätter See in die Goiserer Traun existiert im Vergleich zu anderen Bereichen der Oberen Traun, zwischen Traunsee und Hallstätter See eine (noch) recht guter Äschen Bestand. Aus dem Hallstätter See kommt jedoch kein Geschiebe um eine Bildung von Schotterbänken und Laichplätze zu bilden. Daher ist es Ziel des Projektes durch eine Schottereinbringung die natürliche Laichsituation für Kieslaicher, wie der Äsche (Thymallus thymallus) wesentlich zu verbessern.
Das vorliegende Projektbeschreibung soll eine wasserrechtlichen und naturschutzrechtlichen Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen in der Oberen Goiserer Traun beschreiben. Die Kolmation des Substrates stellt insbesondere in der Traun ein Problem für die Laichplätze der kieslaichenden Fischarten dar. Dadurch, so das Ziel des Projektes, sollen Schotterbänke geschaffen werden, die die Laichsituation für Kieslaicher, etwa den Äsche (Thymallus thymallus) und auch der Koppe ( Cottus gobio) verbessern.

„Es ist nicht genug zu wissen, man muss es auch anwenden.

Es ist nicht genug zu wollen, man muss es auch tun.“

Zitat von Johann Wolfgang von Goethe