Klimawandel, Wetterextreme, das 1,5 Grad Ziel: diese Begriffe hören wir täglich. Aber wie misst man den Klimawandel eigentlich? Nicht nur mit Wetterstationen und Satellitenbildern. Auch unsere Bäche und Flüsse liefern die Antwort. Die Wassertemperatur eines Flusses zeigt sofort, was in seinem Einzugsgebiet passiert. Steigt sie über Jahre an, steckt kein Zufall dahinter. Sie zeigt Hitzesommer, schmelzende Gletscher und immer öfter ausbleibenden Regen. Fische reagieren darauf empfindlicher als fast jedes andere Tier. Bachforelle, Seeforelle und Äsche brauchen kaltes, sauerstoffreiches Wasser. Steigt die Temperatur zu weit, sterben sie.
Ein Faktor entscheidet dabei mehr als jeder andere: die Vegetation am Ufer. Diesen Streifen nennt man Uferpuffer. Er hält das Wasser kühl, filtert Nährstoffe aus der Landwirtschaft, bremst Hochwasser und gibt Tieren einen Rückzugsraum. Fehlt er, heizt sich ein Fluss auf wie ein Freibad im August.
Was das für unsere Gewässer im Salzkammergut bedeutet, zeigt eine aktuelle Studie aus Oberösterreich.

Die Studie
Peter Anderwald vom Amt der OÖ Landesregierung hat mit Clemens Holzer-Salcher und Lukas Reider von REVITAL zwei Flüsse genau vermessen: die Krems und die Aschach. 2021 und 2022, mit 60 Sensoren in 23 Referenzabschnitten und 6 Zubringern, dazu Luftfeuchte und Lufttemperatur im 15-Minuten-Takt. Veröffentlicht 2023 in Österreichs Fischerei.
Was gemessen wurde
An einem sonnigen Tag steigt die Wassertemperatur um bis zu 3 Grad stärker als am bewölkten Tag danach. Nur wegen der Sonne.
- An der Aschach, wo die Beschattung streckenweise fehlt, wurden Tagesschwankungen von über 4 Grad in einem einzigen unbeschatteten Abschnitt gemessen.
- Würde man an der Krems alle schlecht beschatteten Abschnitte vollständig beschatten, ließe sich die Erwärmung im Mittel um 5,7 Grad dämpfen.
Der Langzeittrend zeigt, wohin die Reise ohne Gegenmaßnahmen geht: Am Pegel Kremsmünster ist das Wasser seit den 1980er Jahren um 3,4 Grad wärmer geworden. Im Mittellauf der Aschach um 2,5 Grad.

Was das für unsere Gewässer heißt
Wo der Ufersaum fehlt, wie stellenweise an der Ischl unterhalb von Pfandl oder in regulierten Abschnitten der Traun, heizt sich das Wasser wie ein Durchlauferhitzer auf. Wo Erlen, Weiden und Eschen stehen, bleibt es kühl genug für Bachforelle und Äsche.

Der Unterschied zwischen 18 und 24 Grad entscheidet über Leben und Sterben im Fischbestand. Das zeigen die Messwerte aus der Krems, nicht nur unsere eigene Beobachtung.

Was ist zu tun
Ufergehölz stehen lassen. Wo es fehlt, nachpflanzen: Erle, Weide, Esche. Kein Kahlschlag entlang der Böschung, auch nicht bei Hochwasserschutz und Gewässerpflege. Ein gesunder Ufersaum kostet nichts außer Geduld. Er ist die wirksamste Maßnahme, die wir gegen die Erwärmung unserer Bäche und Flüsse in der Hand haben.
Bestehende gehören geschützt und fehlende gehören gepflanzt
Nur mit starken Ufergehölzen spenden wir unseren Gewässern den nötigen Schatten, stoppen die Aufheizung und schaffen wertvollen Lebensraum.

Dämpfung der Spitzentemperaturen
Der Einfluss der Beschattung auf die Wassertemperatur zeigt sich auch bei der Gegenüberstellung eines Tagesverlaufes der Wassertemperatur an einem strahlungsintensiven Tag mit Beschattung und bei fehlender Beschattung deutlich (siehe Abbildung
11). So steigen die Wassertemperaturen bei fehlender Beschattung deutlich schneller
an und erreichen höhere Maximalwerte. Dies zeigt auf, dass eine gute Beschattung
über den gesamten Tagesverlauf geringere Wassertemperaturen, vor allem aber eine
deutliche Dämpfung der Spitzentemperaturen ermöglicht.
Eine Maßnahme

Die Erhöhung des Beschattungsgrades stellt neben der Verbesserung der Konnektivität mit dem kühleren Grundwasser an kleinen bis mittelgroßen Flüssen die wichtigste Maßnahme zur Dämpfung der durch den Klimawandel bedingten Erhöhung der Wassertemperaturen dar. Die Ergebnisse unterstreichen den dringenden Handlungsbedarf für ein klimawandelangepasstes
Gewässermanagement. Die thermische Entwicklung ist bereits weit fortgeschritten, und ohne aktive
Maßnahmen drohen erhebliche ökologische Verluste.
Literatur
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Quellen
- Holzer-Salcher, C., Reider, L., Anderwald, P. (2023): Beschattung als Klimawandelanpassungsmaßnahme. Österreichs Fischerei, 76. Jahrgang, Heft 7, S. 179-193
- huberpower.com: Ufersaum ist Lebensraum (2022)
- huberpower.com: Temperatur Monitoring Seeausrinn Wolfgangsee
Weitere Informationen
Das Eigentliche passiert unter der Oberfläche. Am Gewässer wie beim Naturschutz. Auf www.huberpower.com geht es genau dorthin: zur Arbeit am Wasser, zur Forschung dahinter und zu den Projekten, an denen wir gerade arbeiten.
Endlich wurden zum Schutz der Uferrandstreifen auch rechtlichen Bestimmungen mit der Nitrat Aktionsprogramm Verordnung (NAPV)) als auch Förderrichtlinien im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) zum Anlegen und zur Erhaltung entlang von Gewässern geschaffen. Mit der Novelle des Nitrataktionsprogramms (NAPV) gelten ab 2023 strengere Auflagen bei der Bewirtschaftung von Flächen neben Gewässern.
Einer der größten Einflüsse auf die Gesundheit eines Baches oder Flusses ist die Vegetation an seinen Ufern. Der Vegetationsstreifen entlang eines Gewässers wird Uferpuffer genannt. Puffer spielen zahlreiche wichtige Rollen für den Fluss, die Tierwelt und die menschlichen Gemeinschaften.
„Wer den Fischen eine Stimme gibt, gibt unseren Gewässern eine Zukunft.“
Zitat von: Heimo Huber, Obmann FROSKG

