PLANUNG EINES LANGSTROMBECKEN

Wer im Bruthaus arbeitet, kennt die Herausforderung: Nach dem Schlupf und dem Abbau des Dottersackes brauchen die Brütlinge Raum, Strömung und Sauerstoff – und das in einer Menge, die ein einfacher Brutschrank oder eine Brutrinne nicht mehr leisten kann. Genau hier kommt das Langstrombecken ins Spiel, eine der ältesten und gleichzeitig bewährtesten Einrichtungen in der Salmonidenzucht.

Langstrombecken

Das ist eine der wichtigsten Weichenstellungen bei der Planung des neuen Bruthauses und der anschließenden Außenaufzucht. Da eine Detailabstimmung mit den Österreichischen Bundesforsten (ÖBF) kurz bevorsteht, möchte ich die Vor- und Nachteile beider Beckentypen genau auf die Bedürfnisse der Forellenzucht (insbesondere bei der Nutzung von Quellwasser) abstimmen.

ÖBF – Neuplanung des Bruthaus in der Miesenbachmühle (MBM)

Das Langstrombecken ist, wie der Name schon sagt, ein längliches Becken, durch das das Wasser in einer gleichmäßigen, gerichteten Strömung fließt. Im Gegensatz zum Rundstrombecken, bei dem das Wasser rotierend durchläuft, herrscht im Langstrombecken ein laminares Strömungsbild von einem Ende zum anderen. Die Fische stehen gegen die Strömung, entwickeln dabei ihre Muskulatur und ihr natürliches Schwimmverhalten – eine Grundvoraussetzung dafür, dass aus Brütlingen später tatsächlich über lebensfähige Wildfische werden.

Die Dimensionierung der Becken hängt von der Besatzdichte und dem verfügbaren Durchfluss ab. Als Faustregel gilt: Je kälter und sauerstoffreiches das Zufluss-Wasser, desto mehr Biomasse kann das Becken tragen. In unserem Bruthaus in Ebensee, gespeist aus einer der ergiebigsten Quellen im Höllengebirge, liegen wir konstant bei 6,0 bis 7,0 Grad Celsius – ideale Bedingungen für die Aufzucht von Bachforellen und Äschen, ohne dass eine aktive Kühlung notwendig wird.

Das Langstrombecken (Der traditionelle Klassiker)

Hier strömt das Wasser an der Stirnseite ein und verlässt das rechteckige Becken am gegenüberliegenden Ende.

  • Vorteile:
    • Perfekte Flächenausnutzung: Die Becken können Wand an Wand gebaut werden, was im Außenbereich Platz spart.
    • Einfaches Handling beim Abfischen: Die Fische können sehr leicht mit einem Stellgitter an ein Ende des Beckens getrieben und dort schonend entnommen werden.
    • Ideal bei hohem Gefälle: Wenn das Gelände an der Miesenbachmühle terrassiert ist, lassen sich Langstrombecken optisch und technisch gut hintereinander kaskadieren.
  • Nachteile:
    • Schlechte Selbstreinigung: In den Ecken und am Boden lagern sich schnell Futterreste und Kot ab. Diese müssen manuell mit dem Besen oder Schlammsauger gereinigt werden (erhöhter Keimdruck!).
    • Sauerstoff-Gefälle: Am Einlauf (nahe der Quellfassung) ist das Wasser perfekt gesättigt, am Auslauf hingegen oft deutlich zehrender.

Ausgangslage: 5 Liter/Sekunde = 300 Liter/Minute = 18 m³/Stunde

Das ist eine sehr gute Durchflussmenge, mit der sich ein leistungsfähiges System realisieren lässt. Bei Salmoniden in der Größe von 5–15 cm gilt als bewährte Faustformel: Der gesamte Beckeninhalt soll mindestens 2–3× pro Stunde ausgetauscht werden. Bei empfindlichen Arten wie der Äsche empfiehlt sich eher der 3-fache Austausch. Mit 18 m³/h Durchfluss ergibt sich daraus ein sinnvolles Gesamtvolumen von 6–9 m³ – verteilt auf mehrere Becken, nicht auf eines.

Beckenaufteilung 3 Becken à ~2,5–3 m³

Es ist je nach Länge der Langstrombecken, zwischen der Quellfassung und dem „Aquarium = bestehendes Becken“, zwei oder drei separate Becken möglich. Wir bevorzugen gegenüber einem großen Einzelbecken eine Mehrbecken-Variante, denn diese hat entscheidende Vorteile für unsere „WildKultur-Fisch-Entwicklung“: Artentrennung, getrennte Seuchenmanagement-Möglichkeit, unterschiedliche Besatzdichten je nach Entwicklungsstand. Derzeit habe ich einen Plan für zwei Becken überlegt.

Einzelbecken-Maße (Beton, Ortbeton):

ParameterMaß
Lang4,0 m
Breite0,8 m
Wassertiefe0,6–0,7 m
Nutzvolumenca. 1,8–2,2 m³
Gesamtvolumen mit Wandstärkeca. 2,5 m³

Zwei solcher Becken ergeben ein Gesamtnutzvolumen von ca. 4-5 m³, was mit 18 m³/h Durchfluss einem 4-fachen stündlichen Austausch entspricht – was ideal ist für Äsche und Bachforelle.

Aufzuchtbecken in der Salmoniden Zucht

Ein wesentlicher Vorteil des Langstrombeckens gegenüber anderen Systemen liegt in der einfachen Reinigung und Kontrolle. Kot und Futterreste setzen sich am Ende des Beckens ab, wo sie leicht abgesaugt oder ausgespült werden können. Das hält die Wasserqualität hoch und senkt das Krankheitsrisiko – gerade bei der Aufzucht von Wildfisch-Brütlingen, die ohne präventiven Medikamenteneinsatz auskommen sollen, ist das kein unwichtiger Punkt.

Die Überleitung vom Brutschrank oder der Brutrinne ins Langstrombecken ist ein kritischer Moment. Die Brütlinge, die gerade ihren Dottersack aufgezehrt haben und erstmals aktiv Nahrung aufnehmen, sind in dieser Phase besonders empfindlich gegenüber Temperatur- und Strömungsunterschieden. Eine behutsame Eingewöhnung, am besten durch schrittweise Angleichung der Wasserverhältnisse, zahlt sich hier immer aus.

Nach der erfolgreichen Anfütterung und dem Erreichen einer Größe von 3 bis 5 cm – je nach Zielgröße für den Direktbesatz – verlassen die Jungfische das Langstrombecken wieder. Der nächste Schritt ist dann das Aussetzen in die Aufzuchtbäche. Damit schließt sich der Kreis von der Erbrütung bis zur Rückkehr in die Natur – dem Ziel, dem wir mit unserer WildKultur-Fisch-Entwicklung im Fischereirevier Oberes Salzkammergut konsequent folgen.

Ausführungs-Plan

Quellfassung, Rohrleitungssystem und Beckenplanung – die drei kritischen Eckpunkte

Der Ausführungsplan für die Langstrombecken ist ein erster wichtiger Schritt. Doch gleichrangig dazu gehören zwei weitere Kernelemente, die jetzt – vor dem Betonieren – bis ins letzte Detail durchdacht sein müssen: die Quellfassung als Herzstück der gesamten Anlage und das Rohrleitungssystem, das Zufluss, Überläufe, Bypass und Ableitungen verbindet.

Hier ein Blick auf den Plan für die beiden 4 Meter langen „Langstrombecken. Der Plan steht in Größe A2 und im Maßstab 1:20 zur Verfügung.

Wasser lässt sich nicht im Nachhinein umleiten, Rohre nicht nachrüsten und Einbauteile nicht in erhärteten Beton einbringen. Was in der Planungsphase übersehen wird, kostet nach dem Betonieren ein Vielfaches – wenn es überhaupt noch korrigierbar ist. Gerade bei einer Quellfassung, deren Schüttung und Druckverhältnisse die gesamte Beckenhydraulik bestimmen, und bei einem Rohrleitungssystem, das Schieber, Bypässe und Gefälleverhältnisse in einem funktionierenden Gesamtsystem vereinen muss, gilt: Einmal gegossen ist gegossen.

Daher ist es jetzt der richtige Zeitpunkt, alle drei Planungsbereiche gemeinsam zu betrachten, abzustimmen und freizugeben – bevor die erste Schalung gestellt wird.

Betonausführung – praktische Hinweise

Beton ist langlebig und temperaturstabil, erfordert aber einige Punkte:

  • Wandstärke: mindestens 12–15 cm, bei Becken über 4 m Länge besser 15–20 cm, mit Bewehrungsmatte (Q188 oder ähnlich).
  • Innenbeschichtung: Roher Beton ist fischeischädlich – der pH-Wert frischer Betonoberflächen liegt bei 12–13. Das Becken muss nach dem Gießen mindestens 4–6 Wochen wässern (täglich gespült und gewechselt), bevor Fische eingesetzt werden. Alternativ – und das ist die sicherere Methode – wird die Innenseite mit einer fischzucht-geprüften Epoxidharz-Beschichtung (z.B. Sika oder gleichwertig, lebensmitteltauglich) versiegelt. Das spart Zeit und schützt dauerhaft vor Kalkauswaschung.
  • Gefälle: Ein leichtes Sohlgefälle von 1–2 % in Fließrichtung erleichtert die Reinigung erheblich – das Becken läuft beim Ablassen vollständig leer und Feststoffe werden mit gespült.

Schmutzsammelgrube

Abfluss: Bodenablauf am Ablaufende mit Absperrschieber.

Am Ablaufende ist der Beckenboden um 50 mm abgesenkt – eine einbetonierte Senke über die volle Beckenbreite (800 mm), ca. 500 mm tief gemessen in Längsrichtung. Dort sammeln sich Kot und Futterreste, die dann über einen Bodenablauf (DN 100 mit Absperrschieber, senkrecht nach unten) abgezogen werden können, ohne das Becken vollständig entleeren zu müssen. Das Sohlgefälle von 1–2 % in Fließrichtung unterstützt den Transport der Feststoffe in diese Senke. Die Senke ist mit einem ein NIRO-Lochblech mit 3–10 mm Lochung abgedeckt, um ein Ausspülen der Fische zu vermeiden.

Sauerstoffeintrag

Bei 5 l/s Quellwasser aus dem Höllengebirge ist der O₂-Gehalt sehr gut – trotzdem empfiehlt sich am Zulauf eine Kaskade oder ein Belüftungsrechen, besonders in der Sommerperiode wenn die Wassertemperatur auch nur geringfügig steigt. Äsche verlangt dauerhaft über 8 mg O₂/l, optimal sind 10–12 mg/l die wir nach Wasseruntersuchungen auch haben.

Strömungsführung – der entscheidende Punkt

Das Wasser tritt am Kopfende ein, idealerweise über eine perforierte Einlaufplatte oder einen Verteilerrechen, oder wir montieren im Einlaufbereich 2-3 Injektorbelüfter „Eco 2“, der die Strömung gleichmäßig über die gesamte Beckenbreite verteilt. Mit Einsatz von Injektorbelüfter „Eco 2“ entsteht eine starke Strömung, die Tot Zonen vermindert – und sich dadurch weniger Kot und Futterreste sammeln, was die Wasserqualität stark verbessert.

Injektorbelüfter „Eco 2“

Der Injektorbelüfter ECO 2 ist ein kompaktes Belüftungssystem zur Montage in den Zulauf von Langstrombecken. Das Gerät dient dazu, Teiche oder Fischbecken effizient mit Sauerstoff anzureichern und gleichzeitig eine gezielte Wasserströmung zu erzeugen.

Injektorbelüfter „Eco 2“. Quelle: Alles für den Fisch

Injektorbelüfter „Eco 2“ ist ein spezieller Venturi-Injektor, der Wasser über mit Luft anreichert. Er wird oft eingesetzt, um Wasser mit Sauerstoff zu sättigen und Gase auszutreiben.

Empfohlene Fließgeschwindigkeit im Becken: 2–4 cm/Sekunde

Injektorbelüfter „Eco 2“. Quelle: Alles für den Fisch

Bei 4,0 m Länge und 0,8 m Breite mit 0,55 bis 0,65 m Wassertiefe und einem Durchfluss von 6 m³/h pro Becken ergibt sich:

Q = 6,000 l/h ÷ 3,600 s = 1,67 l/s Querschnitt = 0,8 m × 0,55 m = 0,44 m² v = 1,67 l/s ÷ 440 l/m =~0,004 m/s = 0,4 cm/s

Das ist für die BF-Setzlings Phase 5–15 cm moderat – was aber für Äschen durchaus gewünscht ist. Sollte mehr Strömungsreiz für Bachforellen gewünscht sein, müsste die Breite vom Strömungsbecken von 0,8 m auf 0,6 m reduzieren werden. Da wir an der Wassermenge die Zugeführt wird, nichts ändern können um die Fleißgeschwindigkeit zu beeinflussen.

Mitteltrennmöglichkeit

Die gestrichelte Linie in der Mitte jedes Beckens zeigt die Nut für das Trennelement. In Beton werden beidseitig Nutschienen mit 20×20 ausgespart, in die wahlweise ein NIRO-Lochblech mit 3–10 mm Lochung oder ein gespanntes Netz (Maschenweite je nach Fischgröße) eingeschoben werden kann. Das erlaubt, das Becken in zwei voneinander getrennte Abschnitte aufzuteilen – sinnvoll für unterschiedliche Größenklassen oder zum sortieren. Im Ablaufbereich des Becken, nach der Schmutzsammelgrube, sollte dies auch vorgesehen werden. Dies verhindert, dass Fische in den Ablaufbereich und ins nächste Becken gelangen.

Weitere Informationen

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Das Bruthaus ist das Herzstück jeder Fischzucht – hier entscheidet sich die Überlebensrate für unsere wertvolle „WildKultur-Fisch-Entwicklung“ und unseren Einsatz zur Erhaltung von diesen. Da wir uns mitten in der Modernisierungsplanung vom Bruthaus-MBM (MBM=Miesenbachmühle) befinden, geht es auch um eine optimale Nutzung des Außenbereich, in dem gleich nach der Quellfassung auch ein Aufzuchtbecken geplant ist.
Dazu habe ich nun Überlegungen zwischen Langstrom- oder ein Rundstrombecken angestellt. Was ist gescheiter? Das Rundstrombecken ist eine bewährte Beckenform in der Salmoniden Zucht und Bruthausanwendung. Durch den tangentialen Zufluss entsteht eine gleichmäßige Kreis Strömung, die das gesamte Wasservolumen kontinuierlich durchmischt und mit Sauerstoff versorgt. Feststoffe wie Kot und Futterreste werden durch die Zentrifugalwirkung zur Beckenmitte getrieben, wo sie sich in der Schmutzsammelvertiefung konzentrieren und über den Zentralablauf gezielt abgezogen werden können — ohne den Fische Bestand zu stören. Gerade weil Brut und Setzlinge extrem sensibel auf minimale Umweltveränderungen reagieren, spielen hier ein paar oft unterschätzte Details eine entscheidende Rolle. Dazu ein paar Überlegungen. Jetzt sind noch Änderungen möglich und daher stelle ich den Einbau von „Rundstrombecken“ zur Diskussion.
In Ebensee, besteht seit über 120 Jahren ein Bruthaus der ÖBF. Dieses Bruthaus haben wir im Jahr 2019 reaktiviert und zum Zwecke einer Besatzfisch-Entwicklung mit Augenpunkteier und Brütlinge in Betrieb genommen. MBM steht für Miesenbachmühle. Die Abkürzung MBM hat sich jedoch in der Zwischenzeit für das Bruthaus etabliert. Nun haben wir die Chance, dass das in die Jahre gekommen Bruthaus saniert wird und auch die behördlichen Genehmigungen für eine Fischzucht eingereicht werden.
Einer der wichtigsten Aufgaben in der Bewirtschaftung unserer Gewässer ist, dass wir lokal angepasste oder noch besser möglichst lokale Fischbestände für die Aufzucht und den Besatz nutzen. Lokale Anpassung bedeutet, dass zwischen einzelnen Populationen, aber auch innerhalb dieser Populationen genetisch bedingte Unterschiede in Körperstruktur, Verhalten oder Stoffwechsel auftreten, die mit spezifischen Umweltbedingungen in einzelnen Gewässerbereichen zusammenhängen. Dabei handelt es sich um über sehr lange Zeiträume gebildete, erblich festgelegte Unterschiede. Neben lokalen Anpassungen, die eine genetische Vielfalt widerspiegeln, zeigen viele Fischarten auch die Fähigkeit, sich bis zu einem gewissen Grad sehr rasch und ohne notwendige genetische Veränderungen auf neue Umweltbedingungen einzustellen. Wobei sich dies durchaus je nach Fischart stark unterscheiden kann, soweit dies unsere Erfahrungen auch bestätigen.
 

„Wildkultur Fisch Entwicklung“ hat eine Dringlichkeit und eine klare Zielsetzung

um unsere bedrohten Gewässer und ihre Lebenwesen zu schützen

und um die Artenvielfalt auch für künftige Generationen zu erhalten.

 

Leitsatz: Fischereimanagement Salzkammergut