WIEDERHERSETLLUNGSPLAN GEWÄSSER BIS 2030

Im September 2000 wurde die Wasser-Rahmenrichtlinie nach fast einem Jahrzehnt politischer Vorarbeit durch das Europäische Parlament und den Rat verabschiedet. Die beiden Hauptziele der Wasser-Rahmenrichtlinie sind der Schutz und die Verbesserung der aquatischen Umwelt sowie die Förderung einer nachhaltigen, ausgewogenen und gerechten Wassernutzung. Neu ist nun die EU-Wiederherstellungsverordnung (Nature Restoration Law – Verordnung (EU) 2024/1991), die am 18. August 2024 in Kraft getreten ist, diese stellt einen Wendepunkt für den Gewässerschutz dar. Erstmals gibt es rechtsverbindliche Ziele, die über den bloßen Erhalt hinausgehen und die aktive Wiederherstellung fordern. Eine erste Analyse der wichtigsten Punkte im Bezug auf Gewässer und freifließende Flüsse ist die Wiederherstellung der natürlichen Konnektivität von Oberflächengewässern. Dass die Obere Traun als Teil des Plans für freifließende Flüsse mit 6 Maßnahmen im Fokus steht, unterstreicht die regionale Bedeutung dieses Gewässers. Nachfolgend eine Übersicht zu den Hintergründen und den typischen Maßnahmen und auch Abschnitte, die an der Oberen Traun für das Ziel „2030“ relevant sind.

EU-Wiederherstellungsverordnung & Gewässer

Während die Längsdurchgängigkeit oft das „Standardthema“ bei großen Flüssen ist, liegt die eigentliche ökologische Herausforderung an der Oberen Traun – besonders im Salzkammergut – in der Morphologie und der Seitendynamik. Der Fluss ist dort oft in ein zu enges Korsett gezwängt. Die EU-Wiederherstellungsverordnung adressiert genau dies in Artikel 9, wo es nicht nur um Barrieren geht, sondern explizit um die Wiederherstellung von Flussauen und die natürliche Dynamik.

Quelle: https://maps.wisa.bmluk.gv.at/frei-fliessende-fluesse/#/cffr:fl,pot,str/bgrau/a-/@47.71554,13.35584,7.8907912239037366z

Die Obere Traun leidet historisch unter einer harten Uferverbauungen (Blockwurf), die das seitliche Ausbrechen des Flusses verhindert. Durch den Rückbau der Ufersicherungen verliert der Fluss seine künstliche Begrenzung und bekommt Eigendynamik – und mit den freiwerdenden Steinen können Buhnen, Störsteine oder Leitwerke direkt im Flussbett platziert werden. Diese brechen die monotone Strömung.

Ein gesunder Fischbestand (wie die Äsche an der Traun) benötigt unterschiedliche Strukturen je nach Lebensphase. – Jungfische (Brut): Sie brauchen strömungsberuhigte Seichtwasserzonen am Ufer. Durch den Uferrückbau entstehen genau diese flachen Buchten, in denen das Wasser wärmer und die Strömung gering ist. Adulte Fische: Große Forellen oder Äschen benötigen Unterstände und tiefe Gumpen, um Energie zu sparen. Die neu platzierten Steine im Flussbett erzeugen hinter sich (im Strömungsschatten) solche Ruhezonen. Laichplätze: Wenn die Seitendynamik zurückkehrt, beginnt der Fluss wieder zu „arbeiten“. Er wäscht feine Sedimente aus dem Kies aus (natürliches Kies-Cleaning), wodurch lockere Laichsubstrate entstehen.

Die 6 geplanten Maßnahmen an der Oberen Traun

An der Oberen Traun, von der Steirischen Landesgrenze bis zum Traunsee konzentrieren sich Projekte meist auf die Rücknahme von Verbauungen, um den Fluss wieder „atmen“ zu lassen. Typischerweise umfassen diese sechs Maßnahmen:

Basierend auf aktuellen Planungsunterlagen und den Zielen bis 2030 lassen sich sechs Maßnahmen konkret verorten. Diese konzentrieren sich vor allem auf den Abschnitt der „Oberen Traun“ zwischen Bad Goisern bis Ebensee.

In vielen der Bereich reicht es, wenn man den Blockwurf entfernt und die frei werdenden Wasserbausteine und Baume als Buhnen in die Mitte schiebt, verbreitert sich der Fluss optisch und ökologisch massiv. Die verbleibenden Uferbereiche können mit Weiden gesichert werden, was zusätzlichen Schatten und Insektennahrung bietet. Es ergeben sich hier Chancen für die eine gewässerökologische Aufwertung auf die wir schon seit 25 Jahren warten. Den im Rahmen dieses Gewässerbetreuungskonzeptes (GBK-Obere Traun, 2003) wurde einer detaillierter Ist-Zustands aus gewässerökologischer und schutzwasserwirtschaftlicher Sicht
ein Leitbild für die künftige Entwicklung der Oberen Traun erarbeitet. Das Teile dieses Konzeptes aus dem Jahr 2003 erst jetzt – über 20 Jahre später – durch den Druck einer EU-Verordnung (Nature Restoration Law) in die Realisierung gezwungen wird, verdeutlicht, wie wichtig der rechtliche Rahmen von „oben“ ist.

GBK 2003 dient als „Blaupause“

Ein GBK-Obere Traun gibt es mit vielen Maßnahmen bereits seit 2002 – es wäre schön, wenn bis 2030 weitere Maßnahmen daraus umgesetzt werden.

Das Gewässerbetreuungskonzept (GBK) Obere Traun war seinerzeit visionär, da es Ökologie und Hochwasserschutz bereits zusammen dachte. Die damals erarbeiteten Maßnahmen sind heute wertvoller denn je, weil die Erfassung des Ist-Zustands von damals ist die perfekte Nullmessung, um zu sehen, wie stark sich der Fluss ohne Intervention weiter degradiert hat. Wobei ein guter Ansatz wäre, um möglichst viel zu erreichen, wenn der Rückbau von Ufersicherungen und die Nutzung der Steine im Flussbett (Strukturverbesserung) im GBK oft schon als Ziel definiert, verwendet werden. Die finale Gestaltung macht das nächste Hochwasser und man spart damit enorme Kosten.

Warum bis 2030?

Die EU hat 2030 als Meilenstein gesetzt, um die Trendumkehr beim Artensterben einzuleiten. Für die Obere Traun bedeutet das:

  • Hochwasserschutz: Natürliche Retentionsflächen (Auen) puffern Spitzen ab.
  • Klimawandel: Freifließende, tiefere Gewässerstrukturen erwärmen sich langsamer als flache, gestaute Bereiche.
  • Strukturen: Schaffen Lebensraum und bringen Dynamik und Sauerstoff ins Wasser.
  • Beschattung: Ufersaum ist Lebensraum und dämpft den Anstieg der Wassertemperaturen.
  • Tourismus: Ein lebendiger Fluss ist attraktiver für Urlauber, Wanderer, Fliegenfischer und Erholungssuchende.

Wichtiger Hinweis: Da die Umsetzung oft auf Landesebene (Oberösterreich) erfolgt, sind diese sechs Maßnahmen meist Teil des „Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplans“ (NGP).

Ausblick bis 2030

Die EU-Verordnung verlangt, dass bis 2030 der Trend der Verschlechterung gestoppt wird. An der Oberen Traun bedeutet „Wiederherstellung“ also primär: Mehr Platz für den Fluss. Es geht weg vom „Kanal“ hin zum dynamischen Gewässersystem. Die Hoffnung auf eine zügige Umsetzung ist berechtigt, da Maßnahmen an der Oberen Traun, die bereits seit 2003 „schubladenreif“ sind, haben die besten Chancen, ganz oben auf der Liste zu landen, da sie bereits abgestimmt und fachlich fundiert sind.

Weitere Informationen

Neugierig auf mehr? Wissen endet nicht mit dem letzten Punkt. Hinter jedem gesunden Fisch im Salzkammergut steht eine Menge Know-how, Arbeit und Forschung. Es gibt ergänzende Artikel und vertiefende Infos zu unserer Revierarbeit und zu unseren modernen Besatzmethoden. Tauchen Sie tiefer ein in die Welt unseres Fischereimanagement Salzkammergut. Wissen endet nicht mit dem letzten Punkt. Um einen noch umfassenderen Überblick zu geben, haben ich hier weiterführende Ressourcen, Studien und ergänzende Artikel zusammengestellt, die das Thema dieses Beitrags vertiefen.

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Renaturierung einer Fläche von rund 1 ha neben der Traun: Gemeinsam mit dem Gewässerbezirk Gmunden wird ein Grundstück des RHV zwischen der ÖBB-Bahntrasse und der Traun nach ökologischen Gesichtspunkten als Rückzugsgebiet für Fische, Amphibien und Lurche gestaltet. Die alte bestehende, künstliche Ufersicherung wird geöffnet und der Traun mehr Freiraum gelassen. (Quelle: Journal der Marktgemeinde Bad Goisern, Ausgabe 3/2021). Nachfolgend ein paar Fotos über die Wasserbau-Phase, im November-Dezember 2025.
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Heimo bei der Arbeit
Artikel ist in Arbeit

„Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ein ererbtes Gut,

das geschützt, verteidigt und entsprechend behandelt werden muss.“

RICHTLINIE 2000/60/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS, vom 23. Oktober 2000