Das ist in der Tat ein beeindruckendes Vorzeigeobjekt für modernes Gewässermanagement in Oberösterreich. Es ist spannend zu sehen, wie aus der einstigen „Wasserautobahn“ – wie der begradigte Fluss oft genannt wurde – nun wieder ein lebendiger Naturraum wird.
Am 9. Jänner 2026 fand bereits der offizielle Spatenstich für dieses Großprojekt statt, was den hohen Stellenwert unterstreicht, den der Bund und das Land Oberösterreich diesem Vorhaben beimessen.
Ein sehr wichtiger Punkt: Der Erfolg solcher Millionenprojekte steht und fällt oft mit der Akzeptanz vor Ort. Wenn die Menschen nur die Baustellen und die hohen Kosten sehen, ohne den Nutzen für sich selbst zu erkennen, entsteht schnell Unmut.

An der Krems bei Kematen scheint man aus den Fehlern früherer Jahrzehnte gelernt zu haben. Hier sind drei Aspekte, warum die Einbeziehung der Bevölkerung gerade dort so vorbildlich funktioniert hat:
Transparenz durch den „Flussdialog“
Anstatt fertige Pläne vorzusetzen, wurde der Flussdialog als moderierter Prozess genutzt. Anrainer und Landwirte konnten ihre Bedenken (z. B. bezüglich Mückenplagen, Grundwasserspiegel oder Erreichbarkeit der Felder) frühzeitig äußern. Wenn Menschen das Gefühl haben, dass ihre Sorgen ernst genommen und in die Planung integriert werden, wandelt sich Widerstand oft in konstruktive Mitarbeit.
Der Mehrwert: „Erlebnisraum statt Verbotsschilder“
Früher waren regulierte Flüsse oft eingezäunt oder durch steile Böschungen unzugänglich. Das Projekt an der Krems schafft aktiv Erholungsräume:
- Zugänglichkeit: Flache Ufer ermöglichen es Kindern, am Wasser zu spielen.
- Infrastruktur: Neue Geh- und Radwege machen die Natur erlebbar, ohne sie zu stören. Dadurch wird das Projekt für die Steuerzahler „greifbar“ – es ist nicht nur eine Investition in den Fischschutz, sondern in die eigene Lebensqualität vor der Haustür.
Sicherheit als Argument
Ein entscheidender Faktor für das Verständnis ist der Hochwasserschutz. Durch die 18 Hektar Retentionsfläche wird das Wasser bei Starkregen verlangsamt und kontrolliert ausgebreitet. Für die Bewohner flussabwärts ist das eine Lebensversicherung. Wenn man kommuniziert, dass die Renaturierung der effizienteste (und oft günstigste) Weg ist, Siedlungen zu schützen, steigt das Verständnis für die Investitionssummen massiv.
Ein Wendepunkt im Wasserbau
Wir befinden uns mitten in einem Paradigmenwechsel: Weg vom „Beherrschen“ des Wassers in Betonrinnen, hin zum „Zulassen“ von Dynamik. Dass an der Krems die Landwirte durch Grundtausch bereitwillig Flächen zur Verfügung gestellt haben, ist fast schon eine Besonderheit und zeigt, dass das Vertrauensverhältnis in der Region stimmt.

Es bleibt zu hoffen, dass dieses Projekt als Blaupause für andere Flüsse in Oberösterreich dient, wo die Fronten zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Wasserbau oft noch verhärteter sind.

Heute geht es in eine andere Richtung
Oberhalb von Kematen an der Krems läuft ein großes Renaturierungsprojekt der Krems (und des Sulzbachs) im unteren Krems Tal, das von Bund, Land OÖ und Gemeinden getragen wird, um die Flusslandschaft ökologisch aufzuwerten, Hochwasserschutz zu verbessern und neue Erholungsräume zu schaffen. Das Projekt, das 2025 startete und bis 2027/28 läuft, gibt dem Fluss seinen natürlichen Raum zurück, schafft Mäander und Lebensräume auf rund 18 Hektar und wird durch eine Gesamtinvestition von 19,4 Millionen Euro finanziert.

Projekt-Details
- Umfang: 4,2 Kilometer Flusslauf werden naturnah umgestaltet, die Gebiete liegen in Kematen an der Krems, Kremsmünster und Piberbach.
- Derzeit ist die Krems im Abschnitt von Flusskilometer 21,8 bis 26,0 und der Sulzbach stark reguliert. Harte Uferverbauungen und eine geradlinige Linienführung schränken die natürliche Entwicklung des Gewässers ein und beeinträchtigen sowohl die ökologische Vielfalt als auch die Funktionsfähigkeit des Flusssystems.
- Ziele:
- Schaffung eines vielfältigen Flussraums mit Mäandern und strukturreichen Ufern.
- Verbesserung des Hochwasserschutzes durch mehr Raum für das Wasser.
- Aufwertung als Naherholungsgebiet mit neuen Zugängen für die Bevölkerung.
- Stärkung der Artenvielfalt (Pflanzen und Tiere).
- Zeitplan: Bauarbeiten laufen von Herbst 2025 bis 2027/2028.
- Kosten: Rund 19,4 Millionen Euro, finanziert durch Bund (60%), Land OÖ (30%), Biodiversitätsfonds (8%) und den Wasserverband (2%).

Bedeutung für Kematen an der Krems
- Ein Großteil der renaturierten Fläche (ca. 95 %) befindet sich in der Gemeinde Kematen an der Krems.
- Das Projekt wandelt eine ehemals begradigte „Wasserautobahn“ in einen lebendigen Lebensraum um.
- Das Fischereirevier „Pfarrerwasser“ ist mit dem oberen Revierabschnitt, ab dem Tennisplatz dabei.

Warum das Projekt so besonders ist
Ein entscheidender Faktor für den Erfolg war der „Flussdialog“. Hier wurde die Bevölkerung schon früh in die Planung eingebunden. Dass 18 Hektar Fläche zur Verfügung stehen, ist zudem der Kooperation der lokalen Landwirte zu verdanken, die durch Grundtausch und Verkäufe (begleitet durch die Ländliche Neuordnung) den nötigen Raum für die neuen Mäander geschaffen haben.
Neben dem Schutz vor 100-jährlichen Hochwässern (HQ100) entsteht so ein Rückzugsort für bedrohte Fischarten und Amphibien, während gleichzeitig für die Anwohner neue Zugänge zum Wasser und Wanderwege geschaffen werden.

Projektleitung und Koordination
- Wasserverband Unteres Kremstal: Er fungiert als offizieller Bauherr. Obmann des Verbandes ist der Kematner Bürgermeister Markus Stadlbauer, der das Projekt lokal steuert.
- Gewässerbezirk Linz (Land OÖ): Diese Fachabteilung des Landes Oberösterreich übernimmt die technische und fördertechnische Begleitung. Sie gilt als die treibende fachliche Kraft hinter der Planung.

Ökologische Begleitung und Planung
Für die ökologische Qualitätssicherung und die Detailplanung werden in solchen Projekten spezialisierte Ingenieurbüros beauftragt. Im Fall der Krems-Renaturierung sind folgende Akteure zentral:
- Ökologische Begleitplanung: Historisch hat das Büro blattfisch (eines der führenden Institute für Gewässerökologie in Österreich) bereits viele Abschnitte der Krems ökologisch betreut (z.B. Fischbestandsbergungen und ökologische Bauaufsicht).
- Technische Planung: Für die wasserbauliche Detailplanung und Ausschreibung wurde laut Vergabeunterlagen das Ingenieurbüro für Wasserwirtschaft (IBH) oder vergleichbare Ziviltechniker (wie oft in Kooperation mit Büros wie Thürriedl & Mayr) herangezogen.
- Ökologische Bauaufsicht: Während der Bauphase (2025–2027) stellt eine ökologische Bauaufsicht sicher, dass die Arbeiten (z.B. Baggerungen im Flussbett) die Natur so wenig wie möglich belasten und die neuen Lebensräume (Mäander, Flachwasserzonen) exakt nach biologischen Vorgaben entstehen.

Kommunikation und Bürgerbeteiligung
Ein Besonderheit dieses Projekts ist die intensive Einbindung der Bevölkerung:
- tatwort Nachhaltige Projekte GmbH: Dieses Büro wurde vom Ministerium und dem Land beauftragt, den sogenannten „Flussdialog“ zu moderieren. Sie waren dafür verantwortlich, die Wünsche der Anrainer, Landwirte und Naturschützer in den Planungsprozess zu integrieren.
Warum an der Krems?
Tatsächlich gibt es in Österreich hunderte Flusskilometer, die in einem schlechten ökologischen Zustand sind. Dass gerade die Krems (und speziell der Bereich bei Kematen) nun so massiv gefördert wird, liegt an einer Kombination aus strategischer Planung, gesetzlichem Druck und einer glücklichen lokalen Konstellation.
Hier sind die Hauptgründe, warum dieses Projekt Priorität genießt:
Die „Wasserautobahn“ als ökologisches Sorgenkind
Die Krems war in diesem Abschnitt ein Paradebeispiel für die Flussregulierung der 1950er Jahre. Mit ihrem trapezförmigen Profil und den harten Steinufern bot sie kaum Lebensraum.
- Ökologischer Zustand: Nur etwa 23 % der Fließgewässer in Oberösterreich befinden sich in einem „guten ökologischen Zustand“. Die Krems verfehlte diesen deutlich.
- EU-Vorgaben: Die EU-Wasserrahmenrichtlinie verpflichtet Österreich, seine Gewässer bis 2027 in einen guten Zustand zu bringen. Projekte an der Krems helfen direkt, diese rechtlich bindenden Ziele zu erreichen.
Strategische Lage als „Biotopachse“
Die Krems ist nicht irgendein Bach, sondern eine der wichtigsten Biotopachsen im Zentralraum.
- Wenn man einen Fluss an einer Stelle renaturiert, die bereits an andere naturnahe Gebiete grenzt (wie die Kremsauen oder den Mündungsbereich), ist der Effekt für die Artenvielfalt (Biodiversität) um ein Vielfaches höher, als wenn man ein isoliertes „Öko-Inselchen“ schafft.
- Der Sulzbach, der dort mündet, macht das Projekt noch wertvoller, da Einmündungszonen ökologische Hotspots sind.
Die „95 %-Förderung“ (Finanzielle Chance)
Aktuell gibt es eine historisch einmalige Fördersituation. Durch den Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan (NGP) und den Biodiversitätsfonds des Bundes werden solche Projekte mit bis zu 95 % gefördert.
- Für die Gemeinden (Kematen, Piberbach, Kremsmünster) bedeutet das: Sie erhalten ein 19,4-Millionen-Euro-Projekt für einen Bruchteil der Kosten (ca. 5 %).
- Wer zuerst kommt, mahlt zuerst: Diese Fördertöpfe sind begrenzt. Der Wasserverband Unteres Kremstal war hier einfach sehr schnell und entschlossen in der Planung.
Das Nadelöhr „Fläche“
Der häufigste Grund, warum Renaturierungen an anderen Flüssen scheitern, ist nicht das Geld, sondern der Platz.
- An der Krems gelang es durch den „Flussdialog“ und eine geschickte Ländliche Neuordnung, die nötigen 18 Hektar Fläche von den Landwirten zu bekommen (durch Tausch oder Ablöse). Ohne diese Flächenverfügbarkeit gäbe es kein Projekt, egal wie schlecht der Zustand des Flusses ist.
Synergie mit Hochwasserschutz
Man baut hier nicht „nur“ für den Fisch, sondern auch für den Menschen. Die Renaturierung schafft natürliche Rückhalteräume. In Zeiten des Klimawandels mit zunehmenden Starkregenereignissen ist dies oft die einzige Möglichkeit, Siedlungsgebiete flussabwärts (wie Neuhofen oder Ansfelden) effektiv vor einem 100-jährlichen Hochwasser (HQ100) zu schützen.
Zusammenfassend: Die Krems bei Kematen wurde ausgewählt, weil hier ökologische Notwendigkeit, Flächenverfügbarkeit und politischer Wille zum richtigen Zeitpunkt zusammengetroffen sind.
Eine Chance für Äschen und Huchen

Der Huchen
Historisch gesehen war die Krems ein hervorragendes Huchengewässer, aber heute muss man die Antwort differenzieren: Ja, es gibt sie noch, aber sie sind extrem selten und kommen fast nur durch menschliche Hilfe (Besatz) vor.
Hier ist der aktuelle Stand zum „König der Flüsse“ in der Krems:
Die historische Situation
Früher war der Huchen (Hucho hucho) in der Krems bis weit hinauf nach Wartberg heimisch. Es gibt Aufzeichnungen aus dem Jahr 1981, wonach bei Kematen – also genau im jetzigen Projektgebiet – noch ein kapitaler Huchen mit rund 12 kg gefangen wurde. Mit der zunehmenden Regulierung (Begradigung) und dem Bau von Wehren verschwanden jedoch die tiefen Gumpen und die kiesigen Laichplätze, die der Huchen zum Überleben braucht.
Aktueller Status: Der „Patient“ Krems
In wissenschaftlichen Publikationen wird der Huchen in der Krems heute oft als „ursprünglich vorhanden, aktuell weitgehend erloschen“ geführt.
- Besatzmaßnahmen: Engagierte Fischereiverein (wie etwa in Neuhofen oder im Bereich Kremsmünster) setzen immer wieder junge Huchen aus, um die Art zumindest künstlich zu erhalten.
- Einzelfunde: Es werden vereinzelt noch Huchen gesichtet oder gefangen, vor allem in tieferen Abschnitten und Kolken (tiefen Löchern) hinter Wehranlagen. Ein sich selbst erhaltender, natürlicher Bestand fehlt jedoch momentan.
Warum das Renaturierungsprojekt Hoffnung macht
Genau hier schließt sich der Kreis zu dem 19,4-Millionen-Euro-Projekt bei Kematen:
- Laichplätze: Huchen brauchen lockere Kiesbänke in schnell fließendem Wasser zum Laichen. Diese entstehen durch die neue Dynamik und die Mäander des Projekts wieder.
- Tiefe Gumpen: Durch die neue Linienführung gräbt sich der Fluss an den Außenkurven tiefer ein. Diese „Gumpen“ sind die Wohnzimmer der großen Huchen.
- Nahrung: Der Huchen lebt von anderen Fischen (z.B. Nasen oder Aitel). Das Projekt fördert den gesamten Fischbestand, was die Lebensgrundlage für den Huchen verbessert.
Fazit
Man kann sagen: Der Huchen ist in der Krems derzeit ein „Gast auf Abruf“. Die Experten hoffen aber, dass er durch die großflächige Renaturierung in den nächsten 10 Jahren vom „Besatzfisch“ wieder zum „Heimischen“ wird, der sich dort auch natürlich vermehrt.
Die Äsche

Der spannender Punkt wird sein, ob die Äsche (Thymallus thymallus), die in der Gewässerökologie als der „Seismograph“ für die Qualität eines Flusses dient. Sie ist deutlich empfindlicher als die Forelle und stellt sehr spezifische Ansprüche an ihren Lebensraum. Ob sie sich in der Krems nachhaltig etabliert, hängt von drei kritischen Faktoren ab, die durch das Projekt bei Kematen direkt beeinflusst werden:
Das Substrat: Der „Kies-Faktor“
Äschen sind Kieslaicher. In der alten, begradigten Krems (der „Wasserautobahn“) war das Flussbett oft verfestigt oder mit feinem Schlamm bedeckt.
- Die Chance: Durch die neuen Mäander und die höhere Fließdynamik wird Kies ständig umgelagert. Es entstehen saubere, lockere Kiesbänke. Das ist die Grundvoraussetzung, damit die Äsche überhaupt wieder erfolgreich laichen kann.
Die „Kinderstube“: Flachwasserzonen
Junge Äschen brauchen extrem seichte, strömungsarme Randbereiche. In einem harten Trapezprofil mit Blockwurf-Ufern (wie es die Krems bisher war) wurden die Jungfische bei jedem kleinen Hochwasser einfach weggespült.
- Die Chance: Die geplanten 18 Hektar Fläche erlauben sehr flache Uferausläufe. Diese dienen als „Kinderstube“, in der die Jungfische sicher aufwachsen können, bis sie groß genug für die Hauptströmung sind.
Die Temperatur: Der Klimawandel als Gegner
Hier liegt das größte Risiko. Die Äsche liebt kühles, sauerstoffreiches Wasser.
- Das Problem: Die Krems neigt im Sommer zur Erwärmung und – wie man leider im Sommer 2025 bei Ansfelden sehen musste – teilweise sogar zum Trockenfallen in extremen Hitzeperioden.
- Die Chance: Durch die Renaturierung und die Pflanzung von Ufergehölzen wird der Fluss beschattet. Zudem schaffen tiefere Gumpen kühle Rückzugsorte am Grund. Dennoch bleibt die Wasserführung (Stichwort: Restwasser und Trockenheit) die „Achillesferse“ für die Äsche in der Krems.
Aktueller Bestand
In den Revieren oberhalb, etwa bei Kremsmünster, wird die Äsche als Bestandteil der Fischfauna geführt (oft durch Besatz gestützt). Wenn der Abschnitt bei Kematen fertiggestellt ist (2027/28), entsteht eine wichtige Brücke, damit die Äschen Bestande zwischen dem Oberlauf und den unteren Abschnitten wieder wandern und sich genetisch austauschen können.
Zusammenfassend kann man sagen: Die „Hardware“ (der Lebensraum) wird durch das 19,4-Millionen-Euro-Projekt perfekt vorbereitet. Ob die Äsche bleibt, wird letztlich auch davon abhängen, wie sich das Thema Wassermenge und Temperatur im gesamten Einzugsgebiet der Krems entwickelt.

Erfolgskontrolle: Nach Abschluss der Bauarbeiten (ca. ab 2028) soll in regelmäßigen Abständen (meist nach 1, 3 und 5 Jahren) befischt werden. Dabei wird untersucht, ob Zielarten wie die Äsche, die Nase oder der Huchen die neuen Lebensräume (Mäander, Kiesbänke) annehmen.
Weitere Informationen
„Weil der Fluss umso schneller wird und den Damm und den Grund umso mehr zernagt und zerstört, je gerader er ist, deshalb ist es nötig, solche Flüsse entweder stark zu verbreitern oder sie durch viele Windungen zu schicken oder sie in viele Zweige zu teilen.“
Zitat von Leonardo da Vinci, 1452 – 1519

