Gedruckte Zeitgeschichte: Wenn die Traun in Fraktur fließt
𝔚𝔢𝔯 𝔥𝔢𝔲𝔱𝔢 𝔡𝔲𝔯𝔠𝔥 𝔳𝔢𝔯𝔤𝔦𝔩𝔟𝔱𝔢 𝔄𝔯𝔠𝔥𝔦𝔳𝔰𝔢𝔦𝔱𝔢𝔫 𝔟𝔩ä𝔱𝔱𝔢𝔯𝔱, 𝔰𝔱öß𝔱 𝔞𝔲𝔣 𝔢𝔦𝔫𝔢 𝔚𝔢𝔩𝔱, 𝔡𝔦𝔢 𝔲𝔫𝔰 𝔬𝔭𝔱𝔦𝔰𝔠𝔥 𝔲𝔫𝔡 𝔰𝔭𝔯𝔞𝔠𝔥𝔩𝔦𝔠𝔥 𝔣𝔯𝔢𝔪𝔡 𝔲𝔫𝔡 𝔡𝔬𝔠𝔥 𝔰𝔢𝔩𝔱𝔰𝔞𝔪 𝔳𝔢𝔯𝔱𝔯𝔞𝔲𝔱 𝔢𝔯𝔰𝔠𝔥𝔢𝔦𝔫𝔱. 𝔈𝔰 𝔦𝔰𝔱 𝔡𝔢𝔯 24. 𝔇𝔢𝔷𝔢𝔪𝔟𝔢𝔯 1938. ℑ𝔫 𝔡𝔢𝔫 ℌä𝔫𝔡𝔢𝔫 𝔡𝔢𝔯 𝔐𝔢𝔫𝔰𝔠𝔥𝔢𝔫 𝔩𝔦𝔢𝔤𝔱 𝔡𝔦𝔢 𝔚𝔢𝔦𝔥𝔫𝔞𝔠𝔥𝔱𝔰𝔞𝔲𝔰𝔤𝔞𝔟𝔢 𝔡𝔢𝔰 ℌ𝔢𝔦𝔪𝔞𝔱𝔟𝔩𝔞𝔱𝔱𝔢𝔰 (𝔎𝔲𝔪𝔪𝔢𝔯 41). 𝔊𝔢𝔡𝔯𝔲𝔠𝔨𝔱 𝔦𝔫 𝔧𝔢𝔫𝔢𝔯 𝔪𝔞𝔯𝔨𝔞𝔫𝔱𝔢𝔫, 𝔨𝔞𝔫𝔱𝔦𝔤𝔢𝔫 𝔉𝔯𝔞𝔨𝔱𝔲𝔯𝔰𝔠𝔥𝔯𝔦𝔣𝔱, 𝔡𝔦𝔢 𝔡𝔞𝔪𝔞𝔩𝔰 𝔞𝔩𝔰 𝔡𝔞𝔰 𝔞𝔟𝔰𝔬𝔩𝔲𝔱𝔢 𝔄𝔲𝔰𝔥ä𝔫𝔤𝔢𝔰𝔠𝔥𝔦𝔩𝔡 𝔡𝔢𝔯 𝔡𝔢𝔲𝔱𝔰𝔠𝔥𝔢𝔫 𝔅𝔲𝔠𝔥- 𝔲𝔫𝔡 𝔇𝔯𝔲𝔨𝔨𝔲𝔩𝔱𝔲𝔯 𝔷𝔢𝔩𝔢𝔟𝔯𝔦𝔢𝔯𝔱 𝔳𝔲𝔯𝔡𝔢, 𝔱𝔯𝔞𝔫𝔰𝔭𝔬𝔯𝔱𝔦𝔢𝔯𝔱 𝔡𝔞𝔰 𝔅𝔩𝔞𝔱𝔱 𝔳𝔢𝔦𝔱 𝔪𝔢𝔥𝔯 𝔞𝔩𝔰 𝔫𝔲𝔯 𝔗𝔦𝔫𝔱𝔢 𝔞𝔲𝔣 𝔓𝔞𝔭𝔦𝔢𝔯.
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Der vollständige Artikel habe ich von der Frakturschrift transkribiert und in moderne Rechtschreibung überführt „daß“ → „dass“, „muß“ → „muss“, Kommaregeln angepasst, historische Rechtschreibung modernisiert. Alle Fachbegriffe wie „Bruchsteinvorlage (Wurf)“, „Sinkwalzentraversen“, „Pflasterschar“ oder „Sohlschwellen“ habe ich originalgetreu erhalten.
Start des Artikel anno 1938
Es ist klar, dass Flussverbauungen heute ganz anders hergestellt werden als vor Jahren. Muss man doch, allen neuen Erkenntnissen Rechnung tragend, auf gar vieles Rücksicht nehmen. Verlangt der Zweck der Einbauten den Schutz der Ufer oder der benachbarten Gebäude, oder aber dienen sie der Herstellung oder Verbesserung eines Schifffahrtsweges, so muss darüber hinaus getrachtet werden, das Landschaftsbild nicht zu stören, es, soweit als möglich, beizubehalten. Die Linienführung muss so sein, dass lange gerade Strecken vermieden werden, sie muss, in schwachen Krümmungen geführt, sich dem Tale anpassen, sie muss darauf achten, bestehende Büsche und Bäume nicht zu schädigen. Wenn möglich, sollen bestehende Inseln als Brutplätze für die Vögel erhalten bleiben. Kurzum, das Bild der freien Natur soll als solches nicht durch die Verbauungen leiden.
Die Verbauung selber muss auch der Natur angepasst sein und Betonbauten nach Möglichkeit vermieden werden. Statt dieser werden große Bruchsteine für die Würfe verwendet, so groß, als sie eben noch von menschlicher Kraft bewegt werden können. Stehende Gewässer, Altwässer sind in Verbindung mit den Flüssen zu erhalten, insoweit sie das Bild der Landschaft beherrschen.
Überall sollen die natürlichen Lebensbedingungen der Tiere, also in unserem Falle der Fische nicht geändert oder zerstört werden.
Koppentraun
Wir sehen also, dass der planende Ingenieur an gar vieles zu denken hat, wenn er sich daran macht, eine Verbauung vorzunehmen, denn die Traun hat im Laufe der Jahre ihr Bett stark geändert, viele Abbrüche waren entstanden, Land und Grundstücke und Gebäude waren gefährdet. Schon die Koppentraun bedurfte der eindämmenden Leitwerke.

Es wurde eine Bruchsteinvorlage (Wurf) vor den Pflanzgartenbau (1) am linken Ufer von Traun-Kilometer 127,896, das ist vom flussaufwärtigen Bauende bis zum Anschluss an den vorhandenen Bauwerksfuß hergestellt. Zum Schutze dieses Wurfes wurden zwei Buhnen eingebaut. Von Kilometer 127,227 bis 127,772 oberhalb der Traunbrücke wurde die Regulierung fertiggestellt. Ebenso wurden die Arbeiten unterhalb der Traunbrücke beendet und Ausbesserungen ober- und unterhalb des Heiligensteinbaues (2) am rechten Ufer ausgeführt. Bei diesen Ausbesserungen wurde die stark beschädigte Sperre der Wildbachverbauung wieder hergestellt. Es wurde auch an Stelle eines zerstörten doppelten Flechtwerkes ein Steindamm errichtet. Beim Heiligensteinbau entstand eine Bruchsteinlage längs dem Bruchufer. Oberhalb der Traunbrücke wurde folgendermaßen verbaut.

Der Baurat Ing. Walter Schauberger (3) bereitete die Verlandung des dortigen Uferbruches schon im Jahre 1935 ein. An dieser Stelle befand sich also ursprünglich ein Uferbruch, in welchem sich der Stromstrich verlegt hatte. Es waren daher größere Stromtiefen vorhanden und die Stelle schien für eine natürliche Hebung der Flusssohle geeignet. Die Strecke zwischen den beiden Traversen war rund 90 Meter lang. Ein normaler Wurf in einer Länge von 58,70 Meter wurde hergestellt und eine Pflasterschar von 0,70 Meter Höhe angesetzt. Weiters wurde eine rohe Steinschüttung in der Niedrigwasserhöhe eingebracht, d.i. 50 Zentimeter niedriger als der Wurf selbst. Schließlich wurden noch zwei Sohlschwellen aus Abfallmaterial zur leichteren Auflandung des Beckens angeordnet. Die ganze Anlage erfüllte die Erwartungen restlos.

Durch Einschwemmen von Sand und Schotter hatte sich bald die Flusssohle soweit gehoben, dass nur mehr das Typenprofil zur Ausführung übrig blieb. (Durch diese Vorbereitung konnten 7.392,76 Schilling an Baukosten erspart werden.)
Die Regelung bei Langwies
Bedeutend größere Arbeiten waren zur Regulierung des Traun Flusses bei Langwies von Kilometer 94,066 bis 94,704 nötig. In dieser Regelung befindet sich eine große Überbreite. Die Traun hat sich dort bis zu 95 Metern verbreitert und durch Bildung einer Schotterbank teilte sie sich in zwei Arme. Am linken Ufer flussabwärts vom Langwieser Bahnhofsteg bis zur Mündung des Langbaches befindet sich ein alter Deckwerksbau, der keine Flusssicherung besitzt und daher auf eine größere Strecke im unteren Bauteil vollständig zerstört war.

Heuer (1938) wurde eine Strecke von 100 Metern vollständig neu hergestellt. Anschließend an dieses zerstörte Bauwerk, flussabwärts vom Langbach ist das Ufer unverbaut und zeigt einen vom Hochwasser im Jahre 1920 herrührenden Uferanbruch, der heuer durch die Hochwasserwelle bedeutend vergrößert wurde, obwohl seiner Vergrößerung durch drei Sinkwalzentraversen (4) entgegengearbeitet wurde. Leider sind auch diese drei Schutzbauten schon dem Verfall preisgegeben.

Schließlich befindet sich beim Felskopf in Kilometer 94,12 am linken Ufer ein vollständig zerstörter Steinkasten, der vor Zeiten einmal Schifffahrtszwecken gedient hat. Am rechten Ufer unterhalb des Langwieser Bahnhofsteges befindet sich ein alter Leitwerkshaken, dessen Traverse und Kopf im Jahre 1937 wieder hergestellt wurden. Im weiteren Verlauf ist das Ufer natürlich und es befinden sich dort nur einzelne halbverfallene Schoßfächer und eine lange schon zerstörte Streckwand, die in der großen Schotterbank irgendwo endet. Die vollkommene Verwilderung des Flussbettes ist deutlich aus dem Längsprofil ersichtlich. Durch den seinerzeitigen Einbau der drei Sinkwalzentraversen (4) ist, begünstigt durch die vorgelagerten Reste alter Schifffahrtsbauten, eine einwandfreie Verlandung des Hochwasseranrisses entstanden. Bei weiterem Fortschreiten der Sohleneintiefung werden diese alten Baureste ganz zugrundegehen und an Stelle der Verlandung wird wieder ein tiefer Ausbruch entstehen, so dass dann erheblich größere Mittel zur Verbauung erforderlich würden. Abgesehen davon aber ist es notwendig, ein geregeltes Flussbett mit einer Normalbreite von 45 Metern zu schaffen.

So wurde denn auch der Regelung dieser Flussstrecke eine ganz neue Linienführung zu Grunde gelegt, da die alten Bauten ohnehin schon vollständig zerstört sind. Dieses neue Flussbett wird durch Einbauten an beiden Flussufern geschaffen. Am linken Ufer, und zwar vom Bahnhofsteg bis zum Felskopf wird ein neues Uferdeckwerk gebaut, für dessen Hinter Füllung die große Schotterbank das Material liefert. Auf diese Weise wird gleichzeitig die Schotterbank verschwinden. Vom Felskopf bis zum Kilometer 94,104 wird ein kurzes Leitwerk angelegt, welches auch der Fischerei erwünscht ist.

Am rechten Ufer wird die beabsichtigte Linie durch 8 Traversen hergestellt, die an ihren Köpfenden kurze Längswürfe aus Bruchsteinen erhalten, die als Leitwerke wirken. Diese Bauart wurde besonders von der Fischerei als ihren Interessen entsprechend begrüßt. Hier soll gezeigt werden, wie bei solchen Bauten die Lebensbedingungen der Fische berücksichtigt werden.
8 Traversen
Erstens einmal werden die Steinwürfe aus großen und größten Bruchsteinen hergestellt. Die zwischen ihnen entstehenden Löcher werden nicht ausgefüllt, sie verwachsen mit Algen und Wasserpflanzen und bieten den Fischen die besten Schlupfwinkel. Eingebaute Buhnen erzeugen auf der Strömungs- und auf der Gegenseite ruhiges, tiefes Wasser, in das sich die Fische bei Hochwässern ruhig zurückziehen können. Wenn sich aber Fische in den Becken zwischen den Traversen zu Zeiten höheren Wasserstandes aufhalten und dann das Wasser zurückgeht, könnte es eintreten, dass die Fische zurückbleiben und dann in dem immer schlechter werdenden Wasser eingingen. Deshalb ist in die Traversen und in Leitwerke Einschnitte gemacht. Nun aber werden bei den Traun Verbauungen 50 Zentimeter starke Röhren eingelegt, schräg zur Stromrichtung. Durch diese Röhren bleibt das Wasser in dem Becken in steter Zirkulation mit dem Fluss und man sich jederzeit überzeugen kann die Tiere benützen diese Wege mit Vergnügen.
Als ideelles Wassergefälle wurde für diese Strecke ein Gefälle von 2,39 Promille festgelegt und danach auch die Baukrone. Den „Bauten“ ist das bewährte Typenprofil des Traun Flusses zugrunde gelegt, dessen Einzelheiten auf den diesbezüglichen Plänen zu ersehen sind. Alle „Bauten“ werden aus großen Bruchsteinen hergestellt. Diese Bruchsteine werden teils im Kalkwerk Bad Ischl, teils im eigenen
Steinbruch in Weißenbach gewonnen.
Die Verbauungen zwischen Steinkogel und Ebensee
Das dritte Stück der Verbauungen befindet sich zwischen Steinkogel und Ebensee von Kilometer 88,1 bis 89,7. Hier befinden sich schon seit vielen Jahren roh geworfene Querwerke aus Bruchsteinen, die am rechten Ufer teilweise zu lang, am linken Ufer aber gegenüber der Baulinie zu kurz sind, so dass dort eine große Überbreite des Flussbettes vorhanden ist. Dadurch hat sich an dieser Stelle eine große Schotterbank gebildet und bei Kilometer 88,5/8 entstand eine tiefe Rinne am linken Ufer, die sich immer mehr vertieft und den Bestand der neuen Bauwerks gefährdet. Am linken Ufer flussabwärts der Rudolfsbrücke befinden sich alte Längsbauten verschiedener Ausführung, die derzeit noch in gutem Zustand sind. Die Linienführung, die Regulierungsbreite und die Bauhöhe ist durch die Bauhöhe der Bauten am rechten Ufer bereits festgelegt.

Bei Kilometer 89 findet eine Änderung der Bauhöhe statt. Flussabwärts beträgt die Bauhöhe 1,80 Meter, über Niederwasser, die Regulierungsbreite ist 57 Meter, von Kilometer 89 flussaufwärts bis zur Rudolfsbrücke wurde die Bauhöhe um besseren Anschluss an die bestehenden Bauten um 30 Zentimeter niedriger festgelegt.

Der geringen Bauhöhe entspricht in dieser Strecke eine Mittelwasserbreite von 55,95 Meter. Die bestehenden, geschütteten Traversen sind namentlich am linken Ufer beschädigt, so dass eine Überpflasterung derselben, beziehungsweise ihr Ausbau nötig ist, um ihren Bestand zu sichern und zu verhüten, dass die bisher eingetretene Verlandung auf beiden Ufern wieder zerstört wird. Am linken Ufer werden im ganzen 6 Querwerke ausgeführt, nämlich 4 Traversen ausgebaut und 2 neue hergestellt. Am rechten Ufer gelangen 5 Traversen zum Ausbau. Alle Querwerke erhalten an ihren Köpfende kurze Längswürfe, die eine vollkommene Verlandung bewirken sollen. Durch diese Baumaßnahmen wird die Ausbildung eines normalen Sohlengefälles in dieser Strecke erwartet.

Flößgänge und Uferarbeiten ab Gmunden
Von Gmunden abwärts sind Ufer Arbeiten zu halten und außerdem wurden die Floßgänge verkürzt. Die ehemaligen Flößer wurden ja abgerunden und zur Zeit besteht keine Traun Flößerei. Die Floßgassen wurden nur verkürzt, um ihre Erhaltung billiger zu gestalten, nicht aber beseitigt. Sie können jederzeit wieder flößbar gemacht werden.
Neuland im Einvernehmen mit dem Forststaat
Anschließend wollen wir noch sagen, dass alles bei den Verbauungen gewonnene Neuland im Einvernehmen mit dem Forststaat sofort verpflanzt wird, damit das Bild der Landschaft in keiner Weise leidet. Dort, wo in den Steinen keine anderen Bäume fortkommen können, werden Weiden gepflanzt, sonst aber Nadelhölzer. Dass all diese Arbeiten vielen Volksgenossen Arbeit und Brot geben ist selbstverständlich. Freilich macht sich auch hier schon der Mangel an Facharbeitern stark bemerkbar, besonders an Pflasterern herrscht großer Mangel. Die Traun Verbauungen werden aber außer ihrem großen Nutzen noch viele Freude bereiten. Wenn alles fertig sein wird, dann haben ja unsere Kanuten, Faltbootpaddler und so weiter viel mehr Wasser unter dem Kiel und brauchen sich nicht mehr mit Schotterbänken, schmalen Gerinnen und ähnlichen unerfreulichen Dingen herumzuärgern. Freilich bleibt immer noch ein Schmerz der abgeriegelte Traunauslasskanal.
Der historische Kontext zum Wasserbau
Das ist ein hochspezifisches und faszinierendes Detail aus der Geschichte des Wasserbaus im Salzkammergut. Auch wenn der exakte Begriff „Heiligensteinbau“ selten isoliert auftaucht, lässt er sich über den historischen Kontext des Wasserbaus an der Koppentraun in Obertraun präzise entschlüsseln. Auch die die unter dem heutigen Begriff „Naturnaher Wasserbau“ wurde seinerzeit von „Baurat Ing. Walter Schauberger Rücksicht genommen und die Wünsche der Fischerei berücksichtigt.
Pflanzgartenbau (1)
Der Begriff Pflanzgartenbau im klassischen Wasserbau (oft auch als Pflanzgarten-Bauweise bezeichnet) ist ein Fachbegriff aus der Ingenieurbiologie, der die gezielte Kombination aus gärtnerischer Pflanzenzucht und konstruktivem Flussbau beschreibt. Kurz gesagt: Es handelt sich dabei um das systematische Anlegen, Verwurzeln und Heranziehen von lebenden Pflanzstrukturen direkt am Flussbett, um das Ufer dauerhaft und naturnah gegen Erosion zu sichern. Hier sind die drei Kernaspekte, die den Pflanzgartenbau im Wasserbau definieren:
Das Prinzip: Die Pflanze als lebender Baustoff
Im Gegensatz zum „grauen“ Wasserbau (der Beton oder Steine nutzt) betrachtet der Pflanzgartenbau die Pflanze meist Weiden, Erlen oder Schilf als aktives Konstruktionselement.
- Die Gründungsphase: Junge, ausschlagfähige Triebe (Stecklinge oder Ruten) werden in einer ganz bestimmten Geometrie tief in das feuchte Ufer- oder Kiesbett eingebracht.
- Der „Garten“-Effekt: Der Bauabschnitt gleicht in den ersten Monaten einem sorgfältig angelegten Pflanzgarten oder einer Baumschule. Die Pflanzen werden so gesetzt, dass sie sich gegenseitig stützen und den Boden wie ein engmaschiges Netz durchwurzeln.
Typische Bauweisen des Pflanzgartenbaus
Unter dem Begriff Pflanzgartenbau fallen verschiedene historische und moderne Techniken, die auch Baurat Schauberger an der Traun meisterhaft einsetzte:
- Die Weidenspreitlage: Hierbei werden lebende Weidenruten dicht an dicht flächig auf die Uferböschung gelegt, am Fuß mit Faschinen (Sinkwalzen) gesichert und leicht mit Erde bedeckt. Nach wenigen Wochen entsteht ein grüner, lebender Schutzteppich.
- Der Buschpackbau: Dabei werden abwechselnd Schichten aus lebenden Zweigen und Erdaushub terrassenförmig übereinandergestapelt. Die Zweige schlagen tief im Hang Wurzeln und sichern die Böschung wie elastische Ankerbolzen.
- Die Faschinen- und Flechtwerkzäune: Kleine, aus Weiden geflochtene Zäune werden quer zur Strömung gesetzt. Sie wirken wie kleine „Beete“, die den vorbeifließenden Schlamm auffangen. In diesem fruchtbaren Schlamm wachsen die Zäune dann selbst zu lebenden Hecken heran.
Der große Vorteil im Flussbau
Der Pflanzgartenbau nutzt die biologische Dynamik der Natur aus. Während eine Betonmauer mit jedem Jahr durch Verwitterung schwächer wird, wird der Pflanzgartenbau mit jedem Jahr stärker. Die Wurzeln dringen immer tiefer in das Erdreich ein, verbinden sich mit den Steinen der Flusssohle und bilden ein hochelastisches Geflecht, das selbst extremen Hochwässern standhält.
Zudem schlägt diese Bauweise die Brücke zum Naturschutz: Ein durch Pflanzgartenbau gesichertes Ufer sieht nach zwei bis drei Jahren aus wie ein unberührter, natürlicher Flussabschnitt und bietet Vögeln, Insekten und Fischen einen perfekten Lebensraum.
Heiligensteinbau (2)
Wenn im historischen Wasserbau von einem „Heiligensteinbau“ gesprochen wird, wie seinerzeit beim „Buhnenbau“ oder beim „Leitwerkbau“, meinte man die Errichtung einer massiven Schutzverbauung an genau diesem spezifischen Flussabschnitt. Der „Heiligensteinbau“ bezeichnet also die Ufersicherungs- und Regulierungsmaßnahmen im Bereich dieses markanten Uferabschnitts an der Koppentraun.
Die „Zähmung“ der Koppentraun
Die Koppentraun war berüchtigt für ihre unberechenbaren, verheerenden Hochwasser.
- Die Katastrophen: Besonders das Hochwasser von 1897 richtete verheerende Schäden an und schwemmte die Bahntrasse der Kronprinz-Rudolf-Bahn im Koppental komplett weg (weshalb die Schienen danach weiter oben am Hang neu verlegt werden mussten). Nach einem weiteren schweren Hochwasser im Jahr 1920 war klar, dass der Fluss radikal gesichert werden musste, um Obertraun und die Bahnlinie dauerhaft zu schützen.
Traunbauleitung unter Walter Schauberger (3)
- Die Traunbauleitung unter Schauberger: Ab den 1930er-Jahren (intensiviert in den Jahren 1934 bis 1938 im Zuge der staatlichen „produktiven Arbeitslosenfürsorge“ und später ab 1938 durch den Reichsarbeitsdienst) wurde die Zähmung der Traun unter der Leitung des legendären Hofrats Schauberger (dem späteren Ehrenbürger von Obertraun) vorangetrieben.
Nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 starteten die Nationalsozialisten im Zuge der Kriegsvorbereitung und der Arbeitsbeschaffung massive Infrastrukturprogramme. Die Traun stand dabei im Fokus von großen Maßnahmen
Bei dem von dir genannten „Baurat Ing. Schauberger“, der zum Vorkämpfer des naturgerechten Wasserbaus wurde und Ehrenbürger von Obertraun ist, handelt es sich um Hofrat Dipl.-Ing. Walter Schauberger (1894–1986).
- Der Traun-Zähmer: Er war studierter Bauingenieur und über Jahrzehnte hinweg der Leiter der Traunbauleitung Gmunden (im Dienst der oö. Landesregierung).
- Bezug zu Obertraun: Er plante und leitete die großen Regulierungs- und Verbauungsmaßnahmen an der Traun und der wilden Koppentraun in der Zwischenkriegszeit. Da er den Flussbau sehr landschaftsschonend, wirtschaftlich und im Einklang mit der Natur gestaltete, wurde er zum großen Retter Obertrauns vor den verheerenden Hochwassern und schließlich zum Ehrenbürger der Gemeinde Obertraun ernannt.
- Zweites Standbein: Nebenbei war dieser Walter Schauberger ein bekannter und geschätzter akademischer Alpenmaler, der die Bergwelt des Salzkammerguts in eindrucksvollen Aquarellen festhielt.
Fast zeitgleich war ein anderer Schauberger im Salzkammergut aktiv: Viktor Schauberger (1885–1958). Er war ursprünglich Förster und wurde später als unkonventioneller Naturforscher, Erfinder und „Wasserpionier“ weltbekannt. Er vertrat radikale Theorien zur Wirbeldynamik des Wassers („Die Natur kapieren und kopieren“) und erfand innovative Holzschwemmanlagen.
Vermerk: „Baurat Ing. Schauberger“ und und der Naturforscher Viktor Schauberger haben nur eine Namensgleichheit. Eine verwandtschaftliche Verbindung ist nicht feststellbar. Hier schließt sich der Kreis, der jedoch oft für Verwirrung sorgt: so hatte der der Naturforscher Viktor Schauberger ebenfalls einen Sohn namens Walter Schauberger (1914–1994), der Mathematiker und Physiker war. Dieser zweite Walter Schauberger (Viktors Sohn) kaufte Ende der 1950er-Jahre zusammen mit einer Familiengemeinschaft die Villa Rothstein (auch Schloss Engleithen genannt) in Engleithen bei Bad Ischl. Im Jahr 1961 gründete er dort die PKS-Akademie (Pythagoras-Kepler-Schule, heute Pythagoras-Kepler-System).
Die Sinkwalzentraverse (4)
Dieses System war genau die Art von „naturnahem und elastischem Wasserbau“, für den Baurat Schauberger bekannt war. Statt starrer Betonmauern, die vom Wasser unterspült werden und brechen, passte sich die elastische Sinkwalzentraverse dem Flusslauf an.
Eine Sinkwalzentraverse ist ein kombiniertes Verbauungssystem, bei dem lange, schwere Faschinenbündel (Sinkwalzen) terrassen- oder rippenartig quer zur Flussrichtung (oder diagonal an Prallufern) verlegt und durch ein starres System aus Querträgern und Pfählen im Flussbett fixiert werden.

Der physikalische Effekt: Trifft das Hochwasser auf diese Konstruktion, wird die Strömungsgeschwindigkeit am Ufer massiv abgebremst. Schlamm und Kies verfangen sich im Geäst der Walzen. Das System „füttert“ sich selbst mit Flusssedimenten und bildet nach wenigen Jahren eine betonharte, aber vollkommen natürliche Ufermauer.

Hochwasserschutz und Uferverbauung (Herstellungsarbeiten)
Große Abschnitte der Traun (besonders im Bereich des Welser Stadtgebiets, in Ebensee und im Oberlauf im Salzkammergut) wurden in dieser Zeit systematisch „neu verbaut“. Das bedeutete: Begradigungen, die Errichtung massiver Steingublocks zur Ufersicherung und die Vertiefung des Flussbettes. Das Ziel war, den Fluss für die Industrie nutzbar zu machen und anliegende Flächen hochwasserfrei zu bekommen.
Der Reichsarbeitsdienst (RAD)
Diese harten körperlichen Arbeiten zur Ufer- und Flussbettregulierung wurden im Jahr 1938 zu einem großen Teil vom neu eingerichteten Reichsarbeitsdienst durchgeführt. Im Salzkammergut (z.B. in Neukirchen bei Altmünster) und rund um Wels wurden im Sommer und Herbst 1938 RAD-Lager hochgezogen. Die jungen Männer wurden genau für solche Verbauungs- und Erdbewegungsarbeiten am Traunfluss eingesetzt.
Warum der Bericht in der Weihnachtsausgabe stand
In den Ausgaben vom 24. Dezember 1938 zogen die regionalen Zeitungen und Propagandablätter traditionell eine „Bilanz des ersten Jahres im Reich“. Artikel über die „Neuverbauung und Herstellungsarbeiten“ am Traunfluss wurden in dieser spezifischen Nummer 41 genutzt, um den Erfolg bei der „Schlacht um die Arbeit“ zu demonstrieren. Man feierte darin, wie viele Kilometer Flussufer man in den Monaten seit dem Frühjahr bereits begradigt und befestigt hatte und wie die „wilde Traun“ durch die deutsche Technik und den Arbeitsdienst erfolgreich gezähmt wurde.
Weitere Informationen
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Nachfolgend eine Beschreibung eines Traun-Abschnittes zwischen der Kesselbachbrücke und dem Schulersteg, der sogenannten „Langwieser-Traun„. Fischerei ist weit mehr als nur das Auswerfen einer Schnur; sie ist angewandte Heimatkunde. Wer die Namen der Gumpen, Felsen und Strömungskanten kennt, liest den Fluss wie ein Geschichtsbuch.
„Die Natur ist unser Taktgeber, Erfahrung unser Werkzeug.“
Fischereimanagement Salzkammergut

