Der 14. April 2026 war ein besonderer Tag – und ein vielschichtiger. Überschattet von der spontanen Demonstration engagierter Fischerinnen und Fischer an der Seeklause in Steeg, fand zeitgleich ein Gespräch statt, das für die Zukunft der oberösterreichischen Fischerei richtungsweisend sein könnte. Thomas Koller vom Fischereirevier Rohrbach und ich, Heimo Huber vom Fischereirevier Oberes Salzkammergut, trafen Landesrat Stefan Kaineder zu einem offenen, sachlichen Austausch über die drängendsten Themen unserer Gewässer.

Was diese Begegnung von Anfang an besonders macht: Zwei Fischereireviere, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten, sitzen an einem Tisch. Der Böhmerwald mit seinen weichen, urgesteinsgeprägten Fließgewässern wie der Großen Mühl und der Steinernen Mühl auf der einen Seite – das Obere Salzkammergut mit seinen Karstgewässern, dem Hallstättersee, dem Wolfgangsee und den hochalpinen Fließgewässern auf der anderen. Und dennoch, oder gerade deshalb, verbindet beide Reviere dasselbe Anliegen: der Schutz und die nachhaltige Bewirtschaftung der heimischen Gewässer und ihrer Fischbestände.
Gesprächspunkte im Überblick
Das Gespräch war breit angelegt und folgte einer klaren Agenda. Wir hatten uns im Vorfeld auf folgende Schwerpunkte geeinigt:

Vorstellung beider Reviere und ihrer jeweiligen Herausforderungen, Gewässererwärmung und Wasserhaushalt, Probleme im und am Gewässer, der Spezialfall Seeklause in Steeg, Renaturierung Greenwashing, Best-Practice-Beispiele aus der Praxis, Lösungsvorschläge sowie die Übergabe eines Buches über „Revitalisierung“ an Landesrat Kaineder.
Gewässererwärmung – eine Bedrohung mit vielen Gesichtern
Ein zentrales Thema des Gesprächs war die fortschreitende Erwärmung unserer Fließgewässer. Bachforelle und Äsche, die Leitfischarten der oberösterreichischen Fließgewässer, verlieren zusehends ihren Lebensraum. Die Ursachen sind vielschichtig und reichen weit über den Klimawandel im engeren Sinne hinaus.

Uferbeschattung durch Gehölze ist eine der wirksamsten und kostengünstigsten Maßnahmen gegen die Erwärmung von Fließgewässern. Doch genau diese Beschattung wird von verschiedensten Seiten kontinuierlich reduziert: Landwirte und Anrainer roden Ufergehölze, aber auch öffentliche Stellen wie der Gewässerbezirk, die Straßenmeisterei und die Energie AG tragen durch ihre Eingriffe zur Beschattungsreduktion bei. Hinzu kommt ein Konflikt mit der Natur selbst: Der Biber, dessen Ausbreitung grundsätzlich positiv zu bewerten ist, fällt Bäume entlang der Ufer – und diese werden oft mit der Begründung einer drohenden Verklausungsgefahr unverzüglich geräumt, bevor sie ihren ökologischen Wert als Totholz im Gewässer entfalten können.
Entwässerungsdrainagen in der Landwirtschaft leiten Wasser rasch aus der Fläche ab, anstatt es im Boden zu halten und langsam an die Gewässer abzugeben. Versiegelung und die Gletscherschmelze durch den Klimawandel – mit all ihren Folgen für die Wassertemperatur und die Abflussdynamik – runden das Bild einer komplexen Problemlage ab, der wir gemeinsam begegnen müssen.
Probleme im Gewässer – von Chemie bis Querbauwerken
Neben der Temperaturproblematik haben unsere Gewässer mit einer Reihe weiterer Belastungen zu kämpfen, die wir gegenüber Landesrat Kaineder klar angesprochen haben. Die chemische Belastung ist ein zunehmend ernstes Thema. Kläranlagen sind schlicht nicht darauf ausgelegt, alle modernen Schadstoffe aus dem Abwasser zu filtern. Der Nachweis von Schwermetallen bei Fischen wie dem Aitel sowie das Vorhandensein von PFAS (per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen) in unseren Gewässern sind alarmierend. Eine kaum beachtete, aber reale Belastung stellt auch die sogenannte Swimmingpool-Problematik dar: Chlorhaltiges Wasser aus privaten Pools gelangt beim gleichzeitigen Befüllen und Ablassen in die Vorfluter und damit in unsere Bäche und Flüsse.

Stark ins Gewicht fallen zudem die zahlreichen Verbauungen und Querbauwerke, insbesondere jene der Kleinwasserkraft. Sie unterbrechen die Durchgängigkeit der Gewässer, verhindern den natürlichen Geschiebetransport und beseitigen jene Strukturen – Unterstände, Kiesbänke, Kolke – die Fische als Lebensraum benötigen. Mit Sorge blicken wir auch auf eine mögliche Zunahme des Schwellbetriebs bei Wasserkraftwerken, die künftig als Ausgleich für die unregelmäßige Einspeisung aus Sonnenenergieanlagen eingesetzt werden könnten. Für die Fischwelt in den betroffenen Abschnitten wären die Folgen gravierend.
Spezialfall Seeklause Steeg – ein ökologischer Affront zur Unzeit
Dieser Gesprächspunkt war an jenem Tag von besonderer Brisanz, da unweit des Besprechungsraums bereits rund 40 Fischerinnen und Fischer an der Brücke in Steeg demonstrierten. Die Bauarbeiten an der 500 Jahre alten Seeklause wurden unter dem Vorwand der „Gefahr im Verzug“ bewilligt und ausgerechnet während der hochsensiblen Laichzeit der Äsche begonnen.

Unser massiver Protest richtet sich nicht gegen die Notwendigkeit der Sanierung selbst – diese ist unbestritten. Was wir scharf kritisieren, ist der gewählte Zeitpunkt und die behördliche Vorgehensweise. Die Sanierung war seit Jahren als erforderlich bekannt.
Dass die Behörden das Projekt jahrelang nicht bearbeitet haben, um nun in einem Eilverfahren ohne Rücksicht auf ökologische Schonzeiten vorzugehen, ist ein administratives Versagen, das wir nicht kommentarlos hinnehmen. Eine Verschiebung der Arbeiten um wenige Wochen hätte den drohenden Laichausfall bei einer ohnehin stark unter Druck stehenden Fischart verhindert.
Einen toten Fisch sieht man heute – einen verlorenen Laichjahrgang spürt man über Generationen.

Während Behörden und Bewirtschafter den Zustand eines Bestandes oft nur anhand der Fangstatistiken oder sichtbarer Bestandsdichten beurteilen, entzieht ein ausgefallener Jahrgang dem Ökosystem ein Fundament, dessen Fehlen erst Jahre später schmerzhaft spürbar wird. Es ist ein ökologischer Domino-Effekt. Fällt die Kinderstube einer Art wie der Äsche nur ein einziges Mal komplett aus, verschwindet nicht nur eine Generation – es bricht eine biologische Kette, die sich durch den sogenannten additiven Verlust potenziert.
Renaturierungsgreenwashing – wenn der gute Wille die Wirkung verfehlt
Ein weiteres, unbequemes Thema, das wir ansprechen mussten: die Qualität von Renaturierungsmaßnahmen. Grundsätzlich steht für Gewässerrenaturierungen in Österreich derzeit erheblich mehr Geld zur Verfügung als noch vor einigen Jahren – das ist erfreulich. Doch nicht alles, was als Renaturierung bezeichnet und gefördert wird, hält einer kritischen ökologischen Betrachtung stand.

Getarnte Hochwasserschutzprojekte werden unter dem Deckmantel der Ökologie abgerechnet. Maßnahmen, die in erster Linie Badegästen zugutekommen und von Gemeinden mit Interesse am Badetourismus initiiert werden, können durchaus sinnvoll sein – für die Ökologie unterhalb der Wasseroberfläche bringen sie jedoch oft wenig. Fische als Spitze der aquatischen Nahrungskette sind dabei der Gradmesser schlechthin: Wer die Fischbestände nicht evaluiert, weiß nicht, ob seine Maßnahmen tatsächlich wirken. Genau das fehlt jedoch häufig – eine systematische Erfolgskontrolle nach dem Abschluss von Projekten. Und was besonders schmerzt: Ökologisch sinnvolle Maßnahmen werden nach einigen Jahren durch nachgelagerte Hochwasserschutzprojekte wieder konterkariert, die das Gewässer erneut in ein technisch optimiertes Gerinne verwandeln.
Best-Practice-Beispiele aus der Praxis
Wir beschränkten uns nicht auf Kritik, sondern brachten auch konkrete Ansätze aus unserer eigenen Arbeit ein. Ein Modell, das wir für übertragbar halten, ist die Einrichtung eines eigenen Fonds, in den Entschädigungszahlungen an Bewirtschafter eingezahlt werden – ein gemeinsames Konto, aus dem kleinere Maßnahmen rasch und unbürokratisch finanziert werden könnten. Denkbar wäre eine solche Konstruktion auch im Bereich der Kleinwasserkraft: Entschädigungen nicht in Geld, sondern in Form von Baggerstunden, Kieslieferungen oder der Übernahme von Kosten für hydrologische Berechnungen.

Unsere Erfahrung zeigt zudem, dass viele kleinere Maßnahmen in der Summe weit mehr bringen als eine einzige teure Großmaßnahme. Dafür bräuchte es jedoch mehr Spielraum seitens der Behörden – verkürzte Verfahren dort, wo der Nutzen für die Natur klar ersichtlich ist und kein Schaden entsteht.
Lösungsvorschläge – konkrete Forderungen an die Politik
Aus den diskutierten Themenbereichen haben wir folgende Lösungsvorschläge an Landesrat Kaineder herangetragen:
Weniger Kahlschlag entlang von Gewässern: Straßenmeistereien, Landwirte, der Gewässerbezirk und andere müssen verpflichtet werden, Schonstreifen entlang von Bächen und Flüssen zu respektieren. Uferbeschattung ist kein ästhetisches Thema, sondern eine ökologische Notwendigkeit.

Einschränkung von zeitlichen Willküraktionen – Eingriffe in sensiblen Phasen wie der Laichzeit müssen gesetzlich klarer geregelt und sanktioniert werden.
Eigener Fonds für kleine Maßnahmen: Entschädigungen in Form von Baggerstunden oder technischen Leistungen statt ausschließlich in Geld – und die Möglichkeit, diese unkompliziert für sinnvolle Kleinmaßnahmen einzusetzen.
Masterplan für Renaturierungen: Weniger aufwändige Planungsbüros, dafür mehr Praxisnähe – und die Möglichkeit, auch Studenten einzubinden, wie es in der Schweiz erfolgreich praktiziert wird. Das spart Kosten und bringt frische Perspektiven.
Ergebnisse und Ausblick – eine konstruktive Basis für die Zukunft
Das Gespräch mit Landesrat Kaineder verlief offen und sachlich. Als konkretes Ergebnis wurde festgehalten, dass beide Seiten in Klima- und Umweltfragen enger zusammenarbeiten wollen. Ein greifbares Beispiel dafür ist der Wassererlebnistag, bei dem eine intensivere Einbindung der Fischerei angestrebt wird.
Besonders am Herzen liegt uns jedoch ein anderes Ergebnis: die Einbindung der Fischerei bei Renaturierungsmaßnahmen. Nicht erst bei einer wasserrechtlichen Behördenverhandlung, wenn die Planungen längst abgeschlossen sind – sondern bereits in der Planungsphase selbst. Wer Gewässer renaturieren will, sollte jene zu Rate ziehen, die diese Gewässer täglich beobachten, bewirtschaften und dokumentieren. Die Fischerei ist kein Hindernis für gute Ökologie – sie ist ein Partner.

Die Kooperation zwischen dem Fischereirevier Rohrbach und dem Fischereirevier Oberes Salzkammergut, die mit diesem gemeinsamen Gespräch ein sichtbares Signal gesetzt hat, soll fortgesetzt und ausgebaut werden. Von der Böhmerwald-Grenze bis zur Dachstein-Felsenwand verbindet uns mehr, als uns trennt: die Liebe zu intakten Gewässern und der Wille, für deren Schutz einzustehen – im Dialog, aber auch, wenn es sein muss, mit lautbarem Protest.
Weitere Informationen
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Die Demonstration vom 14. April 2026, an der sich spontan um die 40 engagierte Fischerinnen und Fischer beteiligt haben, war ein deutliches Signal: Wir nehmen eine intransparente Vorgehensweise der Behörden nicht hin. Zwar konnten die Bauarbeiten durch den Protest zum jetzigen Zeitpunkt nicht verschoben werden, dennoch bleibt die Art und Weise der Genehmigung höchst fragwürdig. Im Namen der Beteiligten bringen wir hiermit unser tiefes Unverständnis über die prozessuale Abwicklung zum Ausdruck.
„Inmitten der Schwierigkeiten liegt die Möglichkeit.“
Zitat von: Albert Einstein

