GZÜV BESTANDSERHEBUNG UNTERE ISCHLER TRAUN – 2025

Unter der Wasseroberfläche beginnt eine Welt, die wir kaum sehen – und viel zu oft vergessen. Zwischen Steinen, Pflanzen und Strömungen lebt die Mühlkoppe: leise, verborgen, uralt. Diese Unterwasserwelt ist kein leerer Raum. Sie ist Lebensraum, Kinderstube, Rückzugsort. Hier entscheidet sich, ob Arten überleben oder verschwinden. Jede Barriere, jede Turbine, jeder Eingriff verändert ein empfindliches Gleichgewicht.

Artenschutz endet nicht am Ufer. Er beginnt dort, wo wir nicht hinsehen.

Denn nur wenn wir auch die Unterwasserwelt schützen, bleibt das Leben im Fluss. Die Traun wird der Fischregion des Hyporhithral groß (Bioregion Kalkvoralpen zugerechnet), wobei ein adaptiertes Leitbild vorliegt.

Die Koppe gehört zu den streng geschützten Fixharten lt. FFH-Richtlinie. Alte Bestanddaten zeigen, dass es pro Quadratmeter bis zu 10 Koppen gab. Heute findet man diesen Bestand auf 100 Meter!

Leitfischarten der Oberen Traun

Die drei Haupt-Leitfischarten:

  • Äsche,
  • Bachforelle und
  • Koppe

und die fünf typische Begleitarten

  • Aalrutte,
  • Aitel,
  • Barbe,
  • Elritze und
  • Flussbarsch

und weitere 9 seltenen Begleitarten

  • Bachschmerle
  • Brachse
  • Gründling
  • Hasel
  • Hecht
  • Rotauge
  • Rußnase
  • Schneider und
  • Seeforelle

genannt. Saisonal ist das Vorkommen von typischen Seefischen (Perlfisch) möglich, der Ende April zur Laichzeit aus dem Traunsee bis in die Ischl aufsteigt. Fischereiberechtigter in diesen Abschnitt der Traun sind die Österreichische Bundesforste AG (Ordnungsnummer 21/42/4).

Analyse der Fischbestände & Prädatoren

Ziel des vorliegenden Berichts ist durch die Befischungsdaten eine Antwort zu finden, ob „die Prädatoren eine maßgebliche negative Einflussgröße auf den Fischbestand“ der Gewässerstrecken haben. An den untersuchten Gewässer im Salzkammergut ist nur noch teilweise ein intakter Fischbestand vorhanden. Ein maßgeblicher negativer Einfluss der Prädatoren ist aber in Hinblick auf die fischereiwirtschaftliche Nutzung wahrscheinlich. An der Traun kann ein maßgeblicher Einfluss der Prädatoren insbesondere im Unterlauf nicht ausgeschlossen werden, im Oberlauf ist es fraglich, ob sie am schleichende Fischrückgang maßgeblich beitragen.

Die Untere Ischler Traun bei der Mitterweißenbach-Brücke.

Auf alle Fälle kann ein maßgeblicher negativer Einfluss von Fischprädatoren (Fischreiher, Otter, Kormoran und Gänsesäger) auf den Fischbestand aufgrund der kumulativen Wirkung als Hauptursache angenommen werden. Für die Zubringerbäche kann auf Grund der überaus komplexen ökologischen Zusammenhänge sowie der massiven anthropogenen Beeinflussungen der Einfluss auf den Fischbestand nicht ausreichend gut abgeschätzt werden.

Der Bericht zieht eine differenzierte, aber im Kern besorgniserregende Bilanz für die Region:

  • Zustand der Gewässer: Die Fischbestände im Salzkammergut sind nur noch teilweise intakt. Besonders an der Traun wird ein „schleichender Rückgang“ beobachtet.
  • Hauptrückgangsurache: Für die Hauptgewässer wird die kumulative Wirkung von Fischprädatoren (Fischreiher, Otter, Kormoran, Gänsesäger) als Hauptursache für den negativen Einfluss auf den Fischbestand angenommen.
  • Lokale Unterschiede:
    • Unterlauf Traun: Ein maßgeblicher Einfluss der Prädatoren kann nicht ausgeschlossen werden.
    • Oberlauf Traun: Hier bleibt die Frage offen, wie groß der Anteil der Prädatoren am Rückgang tatsächlich ist.
    • Zubringerbäche: Hier ist die Lage am kompliziertesten. Aufgrund massiver menschlicher Eingriffe (Verbauung, etc.) und ökologischer Komplexität lässt sich der Anteil der Prädatoren am Fischrückgang dort kaum isolieren.

Mit dieser GZÜV Befischung wird nachgewiesen, dass eine geschützte Art (Gänsesäger und Otter) eine andere streng geschützte Art (Koppe) regional an den Rand des Aussterbens bringt, daher müssen Managementmaßnahmen (bis hin zu Entnahmen) rechtlich anders bewertet werden als bei rein wirtschaftlichen Interessen.

Leitbild

Das ist ein zentraler Punkt in der Diskussion über den ökologischen Zustand von Flüssen. Sie beziehen sich auf das Fischartenleitbild im Rahmen der GZÜV (Gewässerzustandsüberwachungsverordnung), die in Österreich die EU-Wasserrahmenrichtlinie umsetzt.

Fischartenleitbild im Rahmen der GZÜV (Gewässerzustandsüberwachungsverordnung)
Datenquelle zitieren: Erhebung der Wassergüte in Österreich gemäß Gewässerzustandsüberwachungsverordnung (GZÜV) BGBl. II Nr. 479/2006, i.d.g.F. durch das BMLUK, Abteilung I / 2 Nationale und internationale Wasserwirtschaft und Amt der oö. Landesregierung gemäß Wasserrechtsgesetz (WRG) BGBl. Nr. 215/1959 i.d.g.F.

Erklärung zum Fischarten-Leitbild

Erklärung der Abkürzungen

Befischungsdaten

Dieses Leitbild ist das entscheidende Instrument zur Bewertung der ökologischen Qualität eines Gewässers, und es funktioniert genau so, wie Sie es beschreiben:

  1. Referenzzustand: Das Leitbild definiert einen Zielzustand basierend auf jenen Fischarten, die in einem naturnahen, unbeeinflussten Referenzgewässer (vor menschlichen Eingriffen und vor der Einführung von Neozoen) vorkommen würden.
  2. Bewertung: Bei Bestandsaufnahmen (Elektrobefischungen) wird gezählt, welche der Leitbildarten vorhanden sind und in welcher Häufigkeit.
  3. Erfüllungsgrad: Je besser die Zusammensetzung der Fischfauna dem Leitbild entspricht, desto besser wird der ökologische Zustand des Gewässers bewertet (von „sehr gut“ bis „schlecht“).

Regenbogenforelle

Ein „zweierlei Maßstab“ durch die Methodik der EU-Wasserrahmenrichtlinie zwingend vorgegeben: Es geht um die Wiederherstellung des ursprünglichen, naturnahen Zustandes. Alles, was nicht historisch heimisch war, fällt aus dieser Bewertung heraus, egal wie lange es schon da ist oder welche fischereiliche Bedeutung es hat.

Fischereilich gesehen, sind wir sehr froh, dass wir sie haben, die „Regenbogenforelle“.
  • Da die Regenbogenforelle im Referenzzustand der Oberen Traun nicht vorkam, zählt ihr Nachweis bei der Bewertung im Rahmen der GZÜV nicht positiv.
  • Ihr Vorkommen kann sogar, wenn sie heimische Arten verdrängt, als Hinweis auf eine Beeinträchtigung gewertet werden.

Dieses System erklärt, warum die Regenbogenforelle im fischereilichen Gesetz anerkannt wird, aber in der ökologischen Bewertung der Oberen Traun als „Fremdkörper“ behandelt wird.

PKD hat Bachforellen-Bestand vernichtet

An der Oberen Traun wurde durch die Proliferative Nierenerkrankung (PKD) die Bachforelle dezimiert, hat die widerstandsfähigere Regenbogenforelle ihren Platz eingenommen und sich etabliert, oft durch Selbstbesatz, weil sie besser an veränderte Bedingungen, wie höhere Wassertemperaturen, angepasst ist. Während die Bachforelle unter solchen Bedingungen leidet, überlebt die Regenbogenforelle gut, was zu einer Verschiebung der dominanten Forellenart führt, wie es an der Oberen Traun im Salzkammergut zu beobachten ist. 

Regenbogenforelle hat Bachforelle ersetzt

  • PKD: Die Proliferative Nierenerkrankung (PKD) befällt vor allem Bachforellen und führt bei warmen Sommerwassertemperaturen oft zum Tod der Fische.
  • Wärme- und Sauerstofftoleranz: Regenbogenforellen sind robuster und kommen besser mit etwas wärmeren Gewässern und geringerer Sauerstoffkonzentration zurecht als Bachforellen.
  • Anpassungsfähigkeit: Sie sind oft besser an die heutigen, veränderten Gewässerbedingungen angepasst, auch wenn sie ursprünglich nicht heimisch sind. 

Historische Fischbestandsdaten an der Oberen Traun

Alte Bestanddaten zeigen es, dass zwischen 1995 und 2025 eine Bestands-Umkehr stattgefunden hat, zwischen Bachforelle und Regenbogenforelle.

Fazit: Die Regenbogenforelle füllt sozusagen die ökologische Nische, die durch die empfindlichere Bachforelle und Krankheiten wie PKD frei wird, und wird dadurch in vielen Gewässern zur vorherrschenden Art. 

GZÜV-Befischung Mitterweißenbach (FW41000482)

Befischungstermin: 01.September 2025
Die Befischung wurde unter sehr guten Sicht- und Abfluss Bedingungen durchgeführt.

Abundanz und Biomasse (E-Befischungen), Traun, Mitterweißenbach, 01.09.2025
Mit 3,4 Kg Biomasse/ha ist der Äschen und 0,2 Kg bei der Koppe ist der Bestand stark gefährdet !
Die Dominanz einer Fischart in der GZÜV (Gewässerzustandsüberwachungsverordnung) ist ein entscheidender Parameter zur Bewertung des ökologischen Zustands eines Gewässers. Die Dominanz zeigt die Anzahl der Individuen je Art auf.
Die Biomassenverteilung (das Gesamtgewicht) einer Art, welche Arten den größten Anteil an der gesamten lebenden Masse im Gewässer ausmacht.

Populationsstruktur

Die Populationsstruktur, analysiert nach einzelnen Jahrgängen (Altersklassen) und ist der Schlüsselindikator in der GZÜV (Gewässerzustandsüberwachungsverordnung) und liefert die detaillierteste Aussage über die Qualität des Lebensraums eines Gewässers.

Fischökologische Bewertung (FIA, FISCH INDEX AUSTRIA)

Eine fischökologische Bewertung (FIA, FISCH INDEX AUSTRIA) mit einer Biomasse von nur 14,9 kg/ha in einem Gewässer, das natürlicherweise eine Salmonidenregion wie die Obere Traun ist, ist ein eindeutiges Alarmzeichen.

Dies stellt einen Mangel im Sinne der GZÜV dar und erfordert dringend die Einleitung von Maßnahmen durch die zuständigen Verantwortlichen (Land Oberösterreich, Fischereirechtliche Organe, Gewässerbewirtschafter).

Einordnung der Biomasse von 14,9 kg/ha

In gesunden, naturnahen Forellen- und Äschen Gewässern Österreichs liegen die natürlichen Biomassen deutlich höher, zumindest bei über 50 kg/ha um einen annähern „guten“ Zustand haben, sollte jedoch in einen Abschnitt wie der Ischler -Traun bei > 100 Kg/ha liegen und bis über 200 kg/ha, wenn man von Beständen ausgeht, die 30-40 Jahre zurück liegen.

Ein Wert von unter 15 kg/ha deutet auf eine starke Beeinträchtigung hin und führt in der GZÜV-Bewertung in der Regel zu einer Einstufung in die 
Qualitätsklasse „schlecht“ (5).

Was dieser niedrige Wert aussagt:

  1. Geringe Tragfähigkeit des Gewässers: Das Gewässer kann nur sehr wenig Fischbiomasse ernähren oder beherbergen.
  2. Fehlende große Fische: Der Wert bestätigt die zuvor besprochenen Probleme mit den fehlenden mittleren und älteren Jahrgängen bei Äsche und Bachforelle. Es fehlen die „gewichtigen“ Fische, die zur Gesamtbiomasse beitragen.
  3. Ungleichgewicht: Obwohl die Koppe lokal dominant sein mag, kann sie alleine die Biomasse nicht aufrechterhalten, die primär von den größeren Salmoniden getragen werden sollte.

Dringender Handlungsbedarf

Eigentlich wären die Verantwortlichen verpflichtet, Maßnahmen zu setzen, um den „guten Zustand“ gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie bis spätestens 2027 zu erreichen. Der Wert von 14,9 kg/ha zeigt, dass die bisherigen Zustände nicht ausreichen. Die Frage ist, wer die Verantwortlichen für die Umsetzung der WRRL und des „guten Zustand“ eientlich wären?

Erforderliche Maßnahmen umfassen typischerweise:

  • Habitatverbesserung: Renaturierungsmaßnahmen, Einbringung von Totholz, Schaffung von tiefen Gumpen und Winterquartieren.
  • Wiederherstellung der Durchgängigkeit: Beseitigung oder Umbau von Wanderhindernissen.
  • Management von Stressfaktoren: Maßnahmen gegen hohe Wassertemperaturen (z.B. Uferbegrünung), Reduktion von Prädation, sofern rechtlich und ökologisch machbar.

Aussage der Altersstrukturanalyse

Die GZÜV verlangt eine Analyse der Häufigkeit von Fischen verschiedener Altersgruppen (z.B. Jungfische des aktuellen Jahres (0+), Einjährige (1+), Zweijährige (2+) und älter).

Nachhaltige Reproduktion (Vitalität):

  • Findet man alle Jahrgänge, insbesondere eine starke Präsenz von Jungfischen (0+ und 1+), ist das ein sicherer Beweis dafür, dass die Art im Gewässer erfolgreich ablaicht und die Jungfische die kritische Anfangsphase überleben. Das Gewässer verfügt also über die notwendigen Laichplätze und Aufwuchs Gebiete.
  • Fehlen ganze Altersklassen (z.B. keine Fische jünger als 3 Jahre), deutet dies auf massive Probleme bei der Reproduktion hin (z.B. fehlende Kiesbänke, zu hohe Strömung bei Hochwasser, Verschlammung).

Passender Lebensraum (Habitat Qualität):

  • Die Existenz aller Altersklassen zeigt, dass der Lebensraum die verschiedenen Bedürfnisse der Fische in ihren verschiedenen Lebensstadien erfüllt (z.B. ruhige Zonen für Jungfische, tiefe Gumpen für ältere Fische, saubere Kiesbänke zum Laichen).

Natürliche Dynamik vs. Besatz:

  • Eine natürliche, pyramidenförmige Altersstruktur (viele junge, wenige alte Fische) deutet auf eine sich selbst erhaltende Population hin.
  • Eine „verzerrte“ Struktur (z.B. nur große, gleich alte Fische) ist oft ein Hinweis auf intensiven Besatz und mangelnde natürliche Reproduktion, was die Bewertung des Gewässers verschlechtert.

Analyse Äsche (Thymallus thymallus)

3+ Äsche in der Oberen Traun.

Die Analyse der Jahrgänge liefert den „Fingerabdruck“ der Gewässergesundheit. Eine ausgewogene Altersstruktur bei den Leitarten bestätigt, dass das gesamte Ökosystem funktioniert und der Lebensraum zur Qualitätsklasse „sehr gut“ tendiert. Fehlen Jahrgänge, ist der ökologische Zustand des Gewässers gestört.

Mit 3,4 Kg Biomasse/ha ist der Äschen Bestand stark gefährdet !

Der ersichtliche Ausfall der mittleren Jahrgänge (2+ und 3+) bei der Äsche (Thymallus thymallus) ist ein alarmierendes und leider häufiges Phänomen in vielen Gewässern, auch im Salzkammergut.

Der ersichtliche Ausfall der mittleren Jahrgänge (2+ und 3+) bei der Äsche (Thymallus thymallus) ist ein alarmierendes und leider häufiges Phänomen in vielen Gewässern, auch im Salzkammergut.

Dies ist ein klares Indiz für erhebliche Mängel in der Lebensraumqualität und zeigt den starken Prädatoren – Fraß druck dem im speziellen die Äschen, als Schwarmfisch ganz besonders ausgesetzt sind, wie im Rahmen der GZÜV analysiert wurde. Es zeigt, dass die natürliche Reproduktion der Äsche gestört und massiv gefährdet ist und die Population nicht nachhaltig ist.

Was der Ausfall der mittleren Jahrgänge bedeutet:

  • Junge (0+) Fische sind vorhanden: Dies belegt, dass die Fische grundsätzlich erfolgreich ablaichen und saubere Kiesbänke sind verfügbar und das Ablaichen funktioniert. Wie auch die Abfischung vom Lahnstein-Altarm zeigt. (Siehe gesonderten Bericht)
  • Prädation (Fressfeinde): In freigeräumten, strukturarmen Gewässern sind die Jungfische Kormoranen, Gänsesägern und anderen Raubfischen hilflos ausgeliefert, da es keine Verstecke gibt.
  • Hochwasserereignisse: Bei fehlenden Retentionsräumen und begradigten Flüssen spülen Hochwässer die empfindlichen Jungfische oft einfach weg.
  • Nahrungsmangel: Die spezifische Nahrung (kleine Insektenlarven, Plankton) muss in vorhanden sein.
  • Temperatur und Wasserqualität: Äschen reagieren sehr empfindlich auf Temperaturschwankungen und Sauerstoffmangel, besonders im ersten Lebensjahr.
  • Fehlen der 2+ und 3+ Fische: Dies deutet auf ein massives Problem im sogenannten „Bottleneck“ (Flaschenhals) der Entwicklung hin. Die Jungfische überleben das erste Jahr, fehlen jedoch im 2 und 3 Lebensjahr und nur vereinzelnde kommen in die Laichreife und werden 4+ und darüber.

Der Ausfall der 2+ und 3+ Jahrgänge bei der Äsche deutet auf noch spezifischere und oft schwerwiegendere Probleme im Lebensraum hin als der Ausfall der 1+ Jahrgängen.

Der Bestand an 2+ Äschen ist an der Oberen Traun eingebrochen.

Wenn die Jungfische (0+ und 1+) noch vorhanden sind, aber die Fische der mittleren Altersklasse (die bald laichreif wären) fehlen, sind die Ursachen meist:

  1. Fehlende Rückzugsräume und Winterquartiere (Hibernationshabitate):
    • Fische dieser Größe benötigen tiefere Gumpen, große Strukturen wie Totholz oder unterspülte Ufer, um den Winter oder Hochwasserereignisse zu überdauern. Wenn ein Gewässer kanalisiert und ausgeräumt ist, fehlen diese essenziellen Refugien.
  2. Erhöhter Prädationsdruck auf diese spezifische Größe:
    • Fische dieser Altersklasse haben eine Größe erreicht, die sie zu einem bevorzugten Ziel für spezialisierte Fischräuber wie Kormorane und Gänsesäger macht. Wenn die Vögel in großer Zahl auftreten und es an Deckung (wie Totholz oder tiefe Bereiche) mangelt, kann eine Population in diesen Jahrgängen systematisch „weggefressen“ werden.
  3. Wanderhindernisse (Habitatfragmentierung):
    • Äschen wechseln oft den Lebensraum im Laufe ihres Lebens, wie z.B. vom Hauptfluss in einen kleineren Zubringerbach. Querbauwerke die eine Aufstiegsmöglichkeit in den Frauenweißenbach oder Rettenbach ermögliche, verhindern das Aufsteigen und den Zugang zu wichtigen Laich,- Nahrungs- oder Winterhabitaten.

Analyse Bachforelle (Salmo trutta fario)

Die Bachforelle ist der Schlüsselindikator (Leitfischart) für kühle, sauerstoffreiche Fließgewässer (die sogenannte Äschen- und Forellenregion) im Alpenraum. Auf die Situation der Bachforelle wurde ja schon weiter oben Bezug genommen. Mit einem Anteil von 0,3 Kg Biomasse/ha und 4 gefangenen Individuen ist sie ja eine stark gefährdet Art. Es ist jedoch erfreulich, dass zumindest ein paar gefangen wurden. So hatten wir auch bei der Lahnstein-Notabfischung am 22.12.2025 ein 0+ Bachforelle mit dabei.

Mit einem Anteil von 0,3 Kg Biomasse/ha und 4 gefangenen Individuen ist sie ja eine stark gefährdet Art.
  • An der Oberen Traun wurden Bachforellen durch PKD stark dezimiert, aber Regenbogenforellen haben sich durch Selbstreproduktion etabliert und einen stabilen Bestand entwickelt.
  • Dies führte dazu, dass die Regenbogenforelle dort als Hauptfisch gilt, wo früher die Bachforelle dominierte. 

Solange sich der Bestand der Bachforelle (Salmo trutta fario) nicht erholt, wird ein „guter“ oder „sehr guter“ ökologischer Zustand in Forellenregionen wie der Oberen Traun nicht erreicht werden können.

Warum die Bachforelle so wichtig ist:

  1. Definitionsgemäß Leitart: In den Fischartenleitbildern der GZÜV ist die Bachforelle als die Art definiert, die in einem ungestörten Referenzgewässer dominant vorkommen muss.
  2. Hohe Ansprüche: Die Bachforelle stellt extrem hohe Ansprüche an ihren Lebensraum:
    • Sauberkeit: Sie benötigt klares, sauberes Wasser ohne Feinsedimente.
    • Sauerstoff & Temperatur: Sie ist sehr empfindlich gegenüber hohen Wassertemperaturen und Sauerstoffmangel.
    • Struktur: Sie braucht saubere Kiesbetten zum Laichen, tiefe Gumpen als Unterstand und variantenreiche Strömungsverhältnisse.

Der Zustand der Bachforellen-Population liefert die detaillierteste Aussage über die Qualität des Lebensraums. Die GZÜV-Methodik ist so aufgebaut, dass ein Gewässer erst dann als ökologisch intakt bewertet wird, wenn die natürliche, sich selbst erhaltende Population der Bachforelle die geforderte Dominanz und Altersstruktur aufweist.

Jegliche Managementmaßnahmen – von der Bekämpfung der PKD über die Regulierung von Prädatoren bis hin zur Renaturierung – zielen letztendlich darauf ab, zumindest einen „guten“ Zustand zu erreichen.

Koppe (Cottus gobio)

Der durchgängig erhaltene Bestand der Koppe (Cottus gobio) in der Oberen Traun und ihren Zubringern ist ein hervorragendes Zeichen für die grundlegende Qualität dieser Gewässer. Mit einer Anzahl von 41 Stück ist der bei der Befischung erreichte Ausfang zwar nicht berauschend, zeigt jedoch, dass sich ein Bestand erhält.

Die Koppe als wertvoller Indikator:

  1. FFH-Schutzstatus: Die Koppe ist gemäß der FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) der EU streng geschützt (gelistet in Anhang II und IV). Das bedeutet, dass die Mitgliedsstaaten verpflichtet sind, spezielle Schutzgebiete auszuweisen (Natura 2000 Gebiete), um ihren Fortbestand zu sichern. Ihr Vorkommen ist also nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch rechtlich relevant.
  2. Anspruchsvoller Lebensraum: Die Koppe benötigt einen sehr spezifische Habitate: stark überströmte Flachbereiche mit grobem Schotter und Steinen. Sie ist extrem sensibel gegenüber:
    • Verschlammung/Feinsedimente: Schlamm verklebt die Laichplätze unter den Steinen.
    • Sauerstoffmangel: Sie hat einen sehr hohen Sauerstoffbedarf.
    • Temperaturerhöhung: Sie bevorzugt kaltes Wasser.
  3. Hohe Dichten: Beobachtung von Dichten bis zu 10 Individuen/m² bestätigt, dass dort, wo der Lebensraum passt, die Koppe massenhaft auftreten kann. Der historische Anteil von 94% ist beeindruckend und unterstreicht die Eignung des Systems Traun als natürliches Salmoniden Gewässer.

Das Vorkommen der Koppe bildet eine wichtige Grundlage für die Erholung der Bachforelle und Äsche. Die Analyse zeigt, dass das Potenzial für einen „sehr guten“ Zustand nach GZÜV-Kriterien vorhanden ist, sofern es gelingt, die anderen spezifischen Probleme (z.B. fehlende Mitteljahrgänge bei der Äsche, Wiederansiedelung der Bachforelle, Prädation, Wassertemperatur) zu lösen.

Weitere Informationen

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GZÜV-Daten

Datenquelle zitieren: Erhebung der Wassergüte in Österreich gemäß Gewässerzustandsüberwachungsverordnung (GZÜV) BGBl. II Nr. 479/2006, i.d.g.F. durch das BMLUK, Abteilung I / 2 Nationale und internationale Wasserwirtschaft und Amt der oö. Landesregierung gemäß Wasserrechtsgesetz (WRG) BGBl. Nr. 215/1959 i.d.g.F.

Deep Dive

Ein Thema, viele Facetten. In diesem Bereich tauchen wir noch tiefer unter die Oberfläche. Hier findest du detaillierte Analysen, weiterführende Quellen und Fachwissen, das über die Grundlagen hinausgeht – perfekt, um dein Verständnis zu vervollständigen. Wahre Erkenntnis entsteht an der Schnittstelle der Zeit: In die Zukunft blicken, in der Gegenwart leben und aus der Vergangenheit lernen. In diesem Deep Dive haben ich Ressourcen zusammengestellt, die helfen, die Ursprünge dieses Themas zu verstehen, das Hier und Jetzt zu meistern und aus den Erkenntnissen, die Weichen für das Morgen zu stellen.

Seit Beginn der EU-Wasserrahmenrichtlinie im Jahr 2000 wurde im BAW Scharfling eine Fischdatenbank aufgebaut, die enthaltenen Befischungsdaten gehen bis in die 1980er Jahre zurück. Die ursprüngliche Datenbank ATFI-BASE wurde den veränderten Anforderungen angepasst und zur Fischdatenbank Austria (FDA) weiterentwickelt. Hinter der Bezeichnung Fischdatenbank Austria verbergen sich inzwischen mehrere spezialisierte wissenschaftliche Datenbanken sowie ein umfassendes Software-Framework. Ergebnisse daraus sind in weiterer Folge im Wasserinformationssystem Austria (WISA) zugänglich und fließen in den Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan (NGP) ein.
Sämtliche im Rahmen der GZÜV Fische an Fließgewässern (Gewässerzustandsüberwachungs-Verordnung, Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie) in Österreich erhoben Daten  werden in der Fischdatenbank Austria  gespeichert und ausgewertet. Mit Stand Oktober 2017 sind insgesamt (Projekte und GZÜV-Daten) 6755 Erhebungen an über 5000 Stellen an Fließgewässern im gesamten Bundesgebiet enthalten.
Ich habe das Privileg der Rückschau bekommen, was die Bestandsaufnahmen der Ischler Ache betrifft. Mit der Analyse der „alten“ Befischungsdaten haben wir gemeinsam mit den Bewirtschaftern der Ischl die Möglichkeit, einen Entwicklungsplan für die Zukunft zu überlegen. Speziell der gute Bestand an Bachforellen gehört mit den anderen Befischungsdaten verglichen und aufbauend auf diese Daten ein Bewirtschaftungskonzept erarbeitet.
Die Traun ist im Abschnitt der biozönotischen Region Hyporhitrhal groß, also der Äschenregion zuzuordnen (BMNT, 2019) und liegt in der Bioregion Kalkhoch- und Voralpen (MOOG et al., 2001). Das adaptierte Fischartenleitbild für diesen Abschnitt der Traun beinhaltet insgesamt 17 Fischarten (BMNT, 2019). Leitarten sind Äsche, Bachforelle und Koppe. Daneben stellen Aalrutte, Aitel, Barbe, Elritze und Flussbarsch häufige Begleitarten dar. Des Weiteren beinhaltet das Leitbild noch neun seltene Begleitarten.
Heimo bei der Arbeit
Artikel ist in Arbeit
 

„Wenn ich drei Zauberwünsche frei hätte,

so würde ich mir als dritten wünschen, in jedem Gewässer alle Fische sehen zu können.“

Zitat von: Dr. Günter Jens