Unter Wasser ist sein Planet: Werner Forstinger’s Vision

Werner Forstinger hat von 10 Jahren den Kurs abgesteckt, heute ist seine Vision von Natura Aquatica bereit für die Umsetzung und den Ausbau. Der Auslöser? Ein dramatischer Niedergang vor unserer Haustür: Von 120 Kilo Fischbiomasse in der Traun um 1990 sind heute gerade einmal 26 Kilo übrig. Bei der Vereinsversammlung am 30. Oktober 2026 hat er erzählt, wie aus diesem Alarmsignal ein Handlungsauftrag wurde. Ich war dabei bei der Vollversammlung – und das ist seine Geschichte.

Wer ist Werner Forstinger

Werner sitzt seit 2006 im Landesfischereirat. Er ist Obmann des Fischereireviers Untere Traun und an zwei Bächen selbst Fischereiberechtigter. Ans Wasser hat ihn sein Vater mitgenommen, so früh, dass er sich an den Anfang nicht mehr erinnert. Seine eigenen Kinder hat er später genauso mitgenommen. Die Familie hatte auch einen eigenen Teich. Der ist inzwischen ausgetrocknet Beruflich ist Werner Öko-Referent bei der eww in Wels und betreibt dort eine eigene Umweltstation. Dreimal hat er den Landespreis für Umweltschutz des Landes Oberösterreich bekommen. Rund 8.000 Kinder waren bei seinen Projekten dabei. Das sind viele Schulklassen, die heute wissen, was in einem Bach lebt. Fragen ihn Sachverständige, was er studiert hat, kommt eine kurze Antwort: Pflichtschule und Polytechnischer Lehrgang. Sein Wissen hat er sich am Wasser geholt, mit den Kindern und in vielen Gesprächen mit Fachleuten aus Vogel-, Amphibien- und Fischschutz. Jeder davon kennt sein Thema genau. Kommt Werner mit einem anderen Thema daher, stehen sie oft an.

Am Anfang stand der Kormoran

Beim ersten Fishing Festival in Wels hat Werner gemeinsam mit einem Rechtsanwalt eine Petition zum Kormoran gestartet. Die ersten Unterschriftenlisten wurden nicht anerkannt. Also wurde noch einmal gesammelt, diesmal mit beglaubigten Signaturen. „Eine ganz schwere Aktion“, sagt Werner heute. Am Ende kam das Kormoran-Monitoring in Gang, und es gab Abschüsse.

Bei den Gesprächen mit Sachverständigen und Politikern ist ihm dabei etwas aufgefallen. Die Fischer landeten immer in derselben Ecke: Die setzen Fische ein und jammern dann, wenn die Vögel sie fressen. Bei jeder Forderung nach Schadenersatz kam dieser Vorwurf. Und die Fischer kamen mit Ausfanglisten daher.

Irgendwann hat Werner gemerkt: Wir reden nicht vom Gleichen.

Wildfische statt Besatzfische

Werner ging es nie um den Fisch, den er eingesetzt hat. Ihm geht es um das Gewässer und um das, was darin aufwächst. Also hat er seine Sprache geändert. Statt von Besatz und Ausfang hat er von Wildfischbeständen geredet. Die Sachverständigen hatten das so noch nie gehört. Werner hat den Unterschied erklärt: Einen Karpfen oder eine Forelle kann man züchten und einsetzen. Einen Wildfischbestand kann man nicht nachkaufen. Wer den verliert, verliert ihn für Jahrzehnte.

Genau diese Unterscheidung treibt auch uns im Salzkammergut an. Mehr dazu in Unsere Mission: Schutz der Wildfisch Populationen.

Warum einen eigenen Verein

Die Fischer tragen ein Mascherl. Für viele sind sie die, die Fische umbringen. Dabei setzen sie mehr Fisch in die Gewässer, als sie herausnehmen. Werner wollte, dass man die Fischerei anders sieht.

Dazu kam ein zweites Problem. Der Landesfischereiverband ist an das Oberösterreichische Fischereigesetz gebunden und kann nur in Oberösterreich handeln. Die Gewässer kennen keine Landesgrenzen. Werners Bach rinnt in die Traun, die Traun in die Donau. Was oben passiert, kommt unten an.

Natura Aquatica – NGO Gründung – Österreichischer Unterwasser Naturschutz

Und dann war da noch die Frage, wer den Fischern sagt, was sie zu tun haben. Für Werner war klar: Das sollen nicht immer die großen Tierschutz- und Naturschutzorganisationen sein. Die Fischer müssen mit ihnen auf derselben Stufe reden. 2016 hat Werner deshalb den Österreichischen Unterwasser-Naturschutz „Natura Aquatica“ gegründet. Bewusst für ganz Österreich. Den lateinischen Namen hat er mit Absicht gewählt: Jedes Tier und jede Pflanze hat einen lateinischen Namen, also auch der Verein, der sich um sie kümmert.

„Vor dem Wachstum darf man sich nicht fürchten.“  Werner Forstinger

Werner denkt schon über Österreich hinaus. Mit Kollegen aus der Schweiz, die dort selbst einen Verein führen, ist er im Gespräch. Das Interesse ist groß. Wie sehr das Thema die Leute bewegt, haben wir vom Fischereirevier Oberes Salzkammergut 2026 selbst erlebt. Auf der 21. Erlebniswelt Fliegenfischen (EWF) im Forum Fürstenfeld haben wir mit neun Schautafeln eine Sonderausstellung zur zeitgemäßen Gewässerbewirtschaftung gezeigt. Die Frage „Was macht ein Fischereirevier auf der EWF?“ haben wir hunderte Male beantwortet. Vor den Tafeln blieben Fachbesucher, Behördenvertreter und andere Bewirtschafter stehen. Mehr dazu in der EWF 2026 Nachlese.

Ergänzung, keine Konkurenz

Eines war Werner von Anfang an wichtig: Natura Aquatica ist keine Parallelveranstaltung zum Landesfischereiverband. Der Landesfischereiverband vertritt die Fischereiberechtigten, und das soll so bleiben. Die Angler haben ihre eigene Vertretung. Natura Aquatica kümmert sich um etwas anderes.

„Uns geht es eigentlich nur um die Gewässer.“  Werner Forstinger

Für Werner ist das eine Frage der Zeit. Jeder von uns hat nur ein paar Stunden in der Woche für das Ehrenamt, und die Familie will auch etwas davon haben. Werner hat dafür ein Bild aus der Küche: Du fütterst ein Hendl und verkaufst Brust und Haxerl getrennt. Es bleibt ein Hendl. Die Arbeit am Wasser ist dieselbe. Nur kann man sie jetzt in zwei Rollen vertreten: als Fischer im Landesfischereiverband und als Naturschützer bei Natura Aquatica.

Die Sache mit dem Schwan

Wie gut diese zweite Rolle funktioniert, zeigt eine Geschichte von einer Schulung. Dort hieß es: Liegt ein verletzter Schwan am Ufer, ruft man die Tierrettung, und die holt ihn ab. Werner hat widersprochen. Der Schwan unterliegt dem Jagdrecht. Über ihn entscheidet der Jagdausübungsberechtigte. Wer ihn einfach mitnimmt, greift in ein fremdes Recht ein.

Die Veranstalter haben bei BirdLife nachgefragt. Die Antwort: Werner hat recht. In Österreich gibt es Tiere, die im Jagdrecht geregelt sind, Tiere im Fischereirecht, und alle anderen fallen unter den Naturschutz.

Dann kam die Frage an Werner: Bist du jetzt Fischer oder Jäger? Seine Antwort: Weder noch. Ich bin der Obmann von Natura Aquatica, dem Österreichischen Unterwasser-Naturschutz. Es wurde still im Raum.

„Ich war nicht mehr angreifbar. Das tut so gut.“  Werner Forstinger

Werner ist natürlich trotzdem Fischer und Jäger. Aber in dieser Funktion redet er auf derselben Ebene wie BirdLife. Man nimmt ihn anders wahr. Und es funktioniert.

Was Natura Aquatica konkret will

Der Wirkungsbereich des Vereins ist breiter als der eines Fischereivereins. Werner hat ihn in der Versammlung in fünf Punkten umrissen:

  • Das ganze Gewässer. Nicht nur die Fische, auch die Fischnährtiere und die Struktur von Sohle und Ufer. „Erst wenn ich die Fischnährtiere habe, habe ich auch die Fische“, sagt Werner.
  • Echter Ausgleich bei Eingriffen. Wer für eine Straße Wald rodet, muss Ausgleichsmaßnahmen setzen. Am Wasser ist das nicht üblich. Wer dort ein Stück Gewässer ruiniert, zahlt pauschal 5.000 oder 10.000 Euro, und damit ist die Sache erledigt. Natura Aquatica will in Wasserrechtsverfahren echten Ersatz statt Pauschale.
  • Rückzugsräume für Trockenzeiten. Ein Becken, in das sich Fische zurückziehen können, wenn ein Bach trockenfällt. Oder Wasser, das man bei Trinkwasseranlagen vor- oder nachpumpt. In Verhandlungen hört Werner dazu meistens: Das ist nicht Gegenstand dieses Verfahrens.
  • Über die Grenzen hinaus. Österreichweit arbeiten und mit Partnern wie den Kollegen in der Schweiz zusammenhelfen.
  • Anerkennung als Umweltorganisation. Als anerkannte Umweltorganisation hätte Natura Aquatica in Umweltverfahren eine Stimme mit Gewicht. Gegründet ist der Verein seit 2016. Am 30. Oktober 2026 hatte er 64 Mitglieder. Für den Antrag braucht es mindestens 100. Bis Ende November sollen es mehr sein, dann geht der Antrag an die Behörde.

Wer darf im Wasserrechtsverfahren was?

Werners Satz aus den Verhandlungen kennt jeder, der schon einmal für einen Bach gestritten hat: „Das ist nicht Gegenstand dieses Verfahrens.“ Wer dann noch etwas durchsetzen kann, regelt das Wasserrechtsgesetz. Und genau dort ist die Lücke, die Natura Aquatica schließen will.

Das Fischereirevier wird beigezogen und darf Stellung nehmen. Parteirechte hat es keine. Der Landesfischereiverband kann politisch intervenieren, im Verfahren helfen und über den Rechtsschutz unterstützen. Partei ist er aber auch nicht.

Volle Parteistellung hat nur der Fischereirechtsinhaber (§ 102 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit § 15 Abs. 1 WRG). Er kann Einwendungen erheben, Maßnahmen zum Schutz der Fischerei verlangen und gegen den Bescheid zum Landesverwaltungsgericht gehen. Nur steht er dabei oft allein da. Und nicht jeder ist so ungebunden, dass er sich mit einem großen Antragsteller anlegen kann.

Eine anerkannte Umweltorganisation hat andere Rechte. Im Wasserrechtsverfahren ist sie Beteiligte (§ 102 Abs. 2 WRG). Sie darf Stellungnahmen, Analysen und Gutachten vorlegen, und die Behörde muss sie berücksichtigen (§ 102 Abs. 3). Einwendungen darf sie keine erheben. Verstößt ein Bescheid gegen das Verschlechterungsverbot des § 104a, kann sie Beschwerde beim Verwaltungsgericht einlegen (§ 102 Abs. 5). Ist ein Gewässerschaden schon passiert, kann sie bei der Bezirkshauptmannschaft eine Umweltbeschwerde einbringen (§ 11 B-UHG). Dafür braucht es kein laufendes Verfahren. Im UVP-Verfahren hat sie volle Parteistellung (§ 19 Abs. 10 UVP-G 2000).

Revier, Landesfischereiverband, Fischereirechtsinhaber und Umweltorganisation: wer im Verfahren welche Rechte hat.
Stand November 2026, keine Rechtsberatung.

Für die Anerkennung verlangt § 19 Abs. 6 UVP-G 2000 einen Verein, der sich vorrangig dem Umweltschutz widmet, gemeinnützig ist, seit mindestens drei Jahren besteht und mindestens 100 Mitglieder hat. Die ersten Punkte erfüllt Natura Aquatica seit Jahren. Es fehlen die Mitglieder. Der Antrag geht ans Umweltministerium. Der Bescheid legt fest, in welchen Bundesländern der Verein seine Rechte ausüben darf.

Von 120 auf 26

Man kann Kormorane schießen. Man kann Fischotter und Gänse bejagen. Das gehört dazu, sagt Werner. Aber es löst das Problem nicht. In der Traun gibt es kaum noch Koppen. Die Wildfischbestände sind zu klein. Werners Weg ist ein anderer: Die Gewässer verbessern, ordentliches Geld dafür bekommen und den Lebensraum für Fische und Fischnährtiere so herrichten, dass wieder mehr Fisch im Wasser ist. Gibt es genug Fisch, tut der Kormoran weniger weh. Der Fischotter auch.

Was bekommt man als Mitglied? Werner ist da ehrlich.

„Es wird keiner heimgehen mit dem, was er vom Verein kriegt. Was er kriegt, ist ein gutes Gefühl, dass er etwas für die Fische und für das Wasser tut.“  Werner Forstinger

Warum ich dabei bin

Der schleichende Kollaps: Unsere Gewässer sterben an tausend kleinen Schnitten

Es gab Zeiten an der Oberen Traun, da hat man nicht einzelne Fische gezählt, sondern Kilo pro Hektar. Im Oktober 2005 hat das Bundesamt für Wasserwirtschaft in Scharfling die Ischler Traun im Stadtrevier Bad Ischl befischt: 284 Kilo Fischbiomasse pro Hektar, davon 79 Kilo Äschen. So sieht ein gesundes, produktives Gebirgsgewässer aus.

Wer heute unsere Bestandsaufnahmen liest, liest eine andere Geschichte. 2020 waren es im Abschnitt zwischen Flusskilometer 90,7 und 98,3 noch 23 Kilo pro Hektar, über alle zehn Arten. Mehr als die Hälfte davon Regenbogenforellen. Bei der Befischung im September 2025 bei Mitterweißenbach kamen 14,9 Kilo heraus, der niedrigste Wert, der je gemessen wurde. Bachforellen: vier Stück auf über 23.000 Quadratmetern.

Die Abschnitte sind nicht genau dieselben. Die Richtung ist trotzdem eindeutig: mehr als 90 Prozent weniger in rund 20 Jahren. Mehr dazu in Unsere Mission: Schutz der Wildfisch Populationen. Dass uns das kaum noch auffällt, hat einen Namen: das Shifting Baseline Syndrom. Jede Generation hält den Fluss, den sie kennt, für normal.

Was Werner vor rund vierzig Jahren an der Unteren Traun erlebt hat, ist flussaufwärts gewandert. Jetzt ist es bei uns an der Oberen Traun angekommen. Langsam, aber mit denselben Folgen. Bei Werner in Wels von 120 auf 26 Kilo, bei uns in Bad Ischl von 284 auf unter 15.

Es gibt nicht die eine große Katastrophe. Es sind viele kleine Eingriffe, jeder einzeln genehmigt, jeder für sich scheinbar harmlos. Zusammen treffen sie das Gewässer von allen Seiten gleichzeitig:

  • Bauen und Baggern. An einer Stelle wird mit Fördergeld und viel Herzblut renaturiert. Ein paar Kilometer weiter baggert man das Gewässerprofil wieder glatt, ohne jeden Nutzen für den Fisch.
  • Geschiebe raus. Geschiebesperren werden ausgeräumt, Spülungen gemacht, Flussbetten ausgehoben. Mit dem Kies verschwinden Laichplätze und Unterstände.
  • Mehr Menschen im Tal. Die Einwohnerzahlen steigen. Ob unsere Kläranlagen mithalten, ist eine offene Frage. Es geht längst nicht mehr nur um die Menge Abwasser, sondern um das, was drin ist: Mikroschadstoffe und Rückstände, die im Restwasser bleiben.
  • Hitze und Niedrigwasser. Der Dachsteingletscher schmilzt, und was er nicht mehr liefert, kommt nicht zurück. Monate mit Niedrigwasser und steigende Wassertemperaturen bringen Äsche und Bachforelle an ihre Grenzen.
  • Fraßdruck. In die geschwächten Gewässer ohne Struktur kommen Kormoran und Fischotter in einer Dichte, der die Restbestände kaum noch etwas entgegensetzen können.

Jeder schaut nur auf seinen Abschnitt

Unser größtes Problem ist das Denken in Zuständigkeiten. Jeder schaut auf seinen Bachabschnitt, sein Projekt, seine Nutzung. Die Traun ist aber ein zusammenhängendes System. Was ganz oben im Einzugsgebiet passiert, kommt unten in Wels an.

Ein Beispiel vom Ursprung, so wie ich die Kette am Wasser sehe: (Kurz-Version)

  • Im Winter wird am Gosaubach Wasser für die Beschneiung der Pisten entnommen. Genau dann liegen die Eier der Bachforelle im Kies und brauchen frisches Wasser, das ständig durch die Lücken strömt.
  • Im Frühjahr braucht der Gosausee länger, bis er wieder voll ist. Der kalte Schub, der sonst in den Hallstättersee rinnt, kommt später oder schwächer. Der Hallstättersee wird schneller warm. Ende Juni 2026 hatte er an der Oberfläche schon 26 Grad.
  • Dieses warme Wasser rinnt weiter durch die Obere Traun in den Traunsee. Der Traunsee wird immer wärmer und das warme Wasser fließt von dort über die Gmundner Traun in Richtung Wels und Donau. Was am Gosaubach als technischer Eingriff beginnt, kommt bei Werner an der Unteren Traun als zusätzlicher Wärmestress an.

Vom Reparieren zum Verstehen

Symptome bekämpfen reicht nicht mehr. Ausgleichsflächen als einzelne Inseln reichen auch nicht. Eine Fischwanderhilfe bringt nichts, wenn 100 Meter weiter unten das nächste Hindernis steht. Und 100 Sömmerlinge, die nie größer als 15 Zentimeter werden, ändern an der Biomasse gar nichts. Darüber habe ich in Ein Kampf gegen Windmühlen geschrieben. Solange jedes Verfahren nur den einen Eingriff prüft und niemand die Belastungen im ganzen Flusssystem zusammenrechnet, fahren wir die Traun weiter auf Verschleiß.

Dass es auch anders geht, zeigt der Kaltenbach in Bad Ischl. Ab Herbst 2013, vor der Landesgartenschau 2015, wurde sein Unterlauf aus dem Betonbett geholt. „Mauern raus, Natur rein“ hieß das Motto. Gemacht haben das die Wildbach- und Lawinenverbauung, der Gewässerbezirk Gmunden, die Bundesforste, die Salinen und die Stadtgemeinde Bad Ischl gemeinsam. Heute hat der Bach wieder naturnahe Ufer und an der Mündung eine Fischaufstiegshilfe in die Traun. Die Au ist Kinderstube für junge Traunforellen. Eine ökologische Inventur steht noch aus, aber man sieht: Wenn alle an einem Strang ziehen, kommt das Leben zurück. Mehr in Lebendiges Gesamtsystem Kaltenbach.

Wir brauchen eine Gewässerbewirtschaftung, die den Weg des Wassers vom Gletscher bis zur Donau als ein Ganzes sieht. Erst wenn das in jedem Wasserrechtsverfahren und bei jeder Baustelle mitgedacht wird, haben unsere Wildfische eine Chance.

Vom Kiesbett zum Beschwerderecht

Ein heißer Nachmittag im Sommer 2026. Am Langbathbach wird das Wasser von Minute zu Minute weniger, der Schotter glüht. Wo sonst ein Gebirgsbach rinnt, bleiben einzelne Tümpel. Das Wasser wird warm, der Sauerstoff knapp. Da gibt es nichts mehr abzuwägen: Kescher her, Aggregat an, rein ins Restwasser.

722 Fische haben wir am Langbathbach in letzter Minute geborgen und in tiefere Abschnitte umgesetzt. Kurz darauf im Lahnstein-Nebenarm der Traun dasselbe Bild: 468 Jungfische auf trockenfallendem Kies. 1.190 Fische in einem Sommer. Nachzulesen in Die stille Inventur und Wenn das Kinderzimmer brennt.

Jede dieser Rettungen war notwendig. Aber der Kescher repariert, er schützt nicht.

Die Vision von Werner verstehen

Wenn Hitze und Wasserentnahmen einen Bach auszehren, stößt das Fischereirevier an rechtliche Grenzen. Wir können alarmieren, verhandeln und Rückzugsräume fordern. Im Wasserrechtsverfahren haben wir trotzdem keine Parteistellung.

Hier setzt Natura Aquatica an. Werner fordert seit Jahren tiefe Restwasserzonen, kühle Unterstände und durchgängige Rückzugsräume, und zwar rechtlich abgesichert. Sobald der Verein als Umweltorganisation anerkannt ist, kann er in Verfahren Stellungnahmen und Gutachten einbringen, die die Behörde berücksichtigen muss. Und man kann zum Verwaltungsgericht gehen, wenn ein Bescheid ein Gewässer schlechter macht.

Seit 30.10.2026 gibt es einen neuen Vorstand und es gibt neben der Vision von Werner, auch interessante Projekte, die genau in diese Richtung gehen. Man wird von Natura Aquatica noch einiges hören, zumindest wenn man aktiv im Gewässerschutz unterwegs ist.

Die Aufgaben sind klar verteilt: Wir bringen die Daten und die Erfahrung vom Gewässergrund. Natura Aquatica bringt sie ins Verfahren. Eine Bachforelle, die im Sommer mangels Rückzugsraum verendet, ist ein Warnsignal. Liegt der Kies blank, trifft das am Ende den Wasserhaushalt der ganzen Region, bis hinunter zum Grundwasser.

Deshalb ist meine Mitgliedschaft bei Natura Aquatica mehr als ein Eintrag in einer Liste. Am Bach mit dem Kescher, im Verfahren mit dem Gesetz. Damit wir in Zukunft weniger retten müssen.

Unser Leitsatz bei Fischereimanagement Salzkammergut passt eins zu eins zu Werners Idee:

Wer Fische schützt, schützt das Wasser. Wer das Wasser schützt, schützt uns alle.

Mitmachen: 36 Mitglieder fehlen noch

Per 30. Oktober 2026 hatte Natura Aquatica 64 Mitglieder. Das Pflänzchen war von Werner inm Jahr 2016 gegründet worden. Bis Ende November sollen es über 100 sein. Dann kann der Verein auf der einen Seite den Antrag auf Anerkennung als Umweltorganisation einreichen und bekommt in Verfahren eine Stimme und auf der anderen Seite geht es um die Abwicklung von anstehenden Renaturierungs-Projekten. Daher jedes neue Mitglied zählt.

Mitgliedsbeitrag: 5 Euro im Jahr. Mehr ist freiwillig möglich.
Wer kann beitreten: jeder. Du musst weder Fischer noch Bewirtschafter sein.

So geht es: Formular ausfüllen auf natura-aquatica.at/#mitglied, Beitrag per QR-Code mit der Banking-App überweisen. Mit der Einzahlung bist du Mitglied.

Österreichischer Unterwasser-Naturschutz „Natura Aquatica“
Obmann: Thomas Koller
Eisenhowerstraße 1, 4600 Wels

E-Mail: info@natura-aquatica.at
Web: www.natura-aquatica.at

ZVR-Zahl 570842041

Denn Unterwasser ist auch mein Planet!

Weiterlesen auf www.huberpower.com

Quellen

Sources

Weitere Informationen

Das Eigentliche passiert unter der Oberfläche. Am Gewässer wie beim Naturschutz. Auf www.huberpower.com geht es genau dorthin: zur Arbeit am Wasser, zur Forschung dahinter und zu den Projekten, an denen wir gerade arbeiten.

Als NGO setzt sich Natura Aquatica besonders für die Bewohner in unseren zahlreichen Flüssen, Teichen und Seen ein, um ein besseres allgemeines Verständnis für diese Tier- und Pflanzenwelt zu entwickeln. Den das die Biomasse Unterwasser stark zurückgeht und zahlreiche Arten verschwindet, soll ein Alarmsignal sein, welches auch gerade uns Menschen – die durch das Wasser leben – zu denken geben sollte.
Gewässernutzung, Gewässerschutz und nachhaltige ökologische Gewässerbewirtschaftung sind komplexe Themen. Um hier zu optimalen Ergebnissen für die Fische zu gelangen ist die Zusammenarbeit und Kooperation mit verschiedensten Gruppen und Institutionen erforderlich, um zu einer optimalen Gewässer – Bewirtschaftung zu kommen.  Angefangen beim Fischereirechtinhaber – in der Regel als Angelverein organisiert, gibt es viele Rahmenbedingungen und Gesetze die es zu beachten gilt und es ist mit vielen Institutionen, Behörden und auch mit der Wissenschaft zu kooperieren.
Mit zunehmendem organisatorischem und technischem Vermögen prägten Menschen immer stärker Flüsse und Flusslandschaften. Stand seit der Industrialisierung die technische Nutzbarmachung des Gewässers im Vordergrund, so lässt sich seit wenigen Jahrzehnten ein deutlicher Umschwung im Wasserbau erkennen. Vermehrt wird bei flussbaulichen Eingriffen ökologischen Gesichtspunkten Gewicht beigemessen. Unter dem Leitbild der „Naturnähe“ werden heute alte ingenieurtechnische ‚Fehler’ mit hohem Aufwand wieder ausgeglichen.
Unter Dammentfernung versteht man den Rückbau von Bauwerken wie Dämmen, Querbauwerken oder Geschiebesperren, die den natürlichen Lauf eines Baches oder Flusses behindern. Ziel ist es, die Durchgängigkeit der Gewässer wiederherzustellen und so den natürlichen Wasser- und Sedimenthaushalt sowie den Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu verbessern. In den letzten Jahren ist die Zahl solcher Rückbaumaßnahmen stark gestiegen – meist aufgrund hoher Instandhaltungskosten, Schadensrisiken oder ökologischer Notwendigkeit. Auch in Österreich gibt es zahlreiche veraltete Sperren und Bauwerke, die aus einer Zeit stammen, in der man die ökologischen Folgen solcher Eingriffe noch nicht kannte.
 

„Wer Fische schützt, schützt das Wasser. Wer das Wasser schützt, schützt uns alle.“

Zitat von Heimo Huber, FROSKG