Die stille Inventur – Notabfischung im Langbathbach

Notabfischung am Langbathbach, 30. Juli 2026. 722 Fische aus einem Bach gerettet. Und die Frage, die dahinter steht: Wie viele Bäche verlieren heuer ihr Wasser, ohne dass jemand dabei ist?

Am 30. Juli 2026 haben wir den Langbathbach oberhalb des Kleinwasserkraftwerks bei der Kreh abgefischt. Sieben Stunden, von 7 Uhr früh bis 14 Uhr, von Gumpe zu Gumpe durch ein Bachbett, das über weite Strecken schon trocken lag. Am Ende waren es 722 Fische. Elritze, Bachforelle, Koppe, alle aus den letzten Tümpeln geholt und in den Langbathsee umgesetzt. Ein guter Tag, könnte man meinen. Und trotzdem geht mir dieser Einsatz nicht aus dem Kopf.

Wenn die Wassertemperatur in den verbliebenen Tümpeln steigt, haben die Forellen, Koppen und Elritzen keine Überlebenschance.

Der Langbathbach war nur einer von vielen

Der Grund war derselbe wie heuer fast überall: kein Wasser mehr, und in den Restpfützen Temperaturen, die keine Forelle aushält. Kleine Bäche haben keine Reserve. Ein paar Wochen ohne Regen, dazu über 30 Grad Luft, und sie sind leer. Die großen Flüsse puffern länger, ein Bach nicht. Der Langbathbach hat es trotzdem besser als die meisten. Er ist ein bekannter Bach, Teil des Fischereirechts Vorderer Langbathsee, und es gibt jemanden, der hinschaut. Deshalb waren wir dort. Aber zurzeit könnten wir jeden Tag zwei Bäche abfischen. Bei den meisten werden wir nicht dabei sein.

Befischungsprotokoll

Protokoll der Abfischung Langbathbach, am 30. Juli 2026, bei 37 Grad Celsius Lufttemperatur ist es heiß hergegangen. Danke an die Helfer, die bei solchen spontanen Aktionen recht kurzfristig zum Einsatz kommen. Es ist immer wieder erfreulich, dass wir viele Fisch-Retter in unseren Reihen haben, die sich hier ehrenamtlich um die Rettung unserer Fische bemühen.

Befischte Gewässerstrecke

Vom „Gasthof in der Kreh“ ca. 3 Kilometer aufwärts Richtung Langbathsee waren noch einige Tümpel, voll mit Fischen.

Wenn nur noch die Gumpen bleiben

Der Ablauf ist immer der gleiche. Zuerst reißt die Strömung ab. Dann steht das Wasser nur noch streckenweise, in einzelnen Gumpen. Die heizen sich in der Sonne auf, der Sauerstoff sinkt, die Fische drängen sich auf engstem Raum, Krankheiten und Räuber haben leichtes Spiel. Was aussieht wie ein letzter Rückzugsort, ist in Wahrheit eine Falle. Und wenn auch der letzte Gumpen verdunstet, ist der Lebensraum weg. Nicht beschädigt, nicht gestört. Weg.

Was 722 Fische wert sind

Von den Elritzen und Koppen können wir per Elektrobefischung nur einen klein Teil retten, da so kleine Fische, unter 5 cm Länge nicht auf eine Betäubung mit elektrischen Strom reagieren.

Am Langbathbach haben wir Glück gehabt. Der Bach hängt am Langbathsee, wir hatten ein Ziel, wohin wir die Fische bringen konnten. 238 junge Bachforellen unter 10 Zentimeter, 268 zwischen 10 und 20 und 41 mit über 30 cm länge, dazu 121 Elritzen und 54 Koppen. Das ist ein ganzer Jahrgang, der weiterlebt. Die Koppe zeigt, dass das Wasser hier sauber und kühl genug war, sie hält es nur dort aus. Die Elritzen sind die Futtergrundlage für alles Größere. Und die jungen Bachforellen sind der Nachwuchs, der in ein paar Jahren im See und im Bach stehen soll.

Für alle unsere Bäche reicht die Zeit nicht. Fünf Mann, ein Aggregat, ein Sommer. Wir können nicht überall sein. Und ehrlich gesagt lässt sich das Problem nicht mit Keschern lösen. Solange Bäche im Juli trockenfallen, retten wir Symptome.

Man kann leider nicht alle retten!

Wir zählen die Fische, die wir herausholen. Die eigentliche Zahl ist eine andere: die der Bäche, an denen niemand steht, wenn das Wasser geht.

Bitte alle Beobachtung mit Foto und Ortsangabe ans FROSKG senden, denn die Bäche, an denen niemand steht, wenn das Wasser geht, wollen wir wissen! Fischereischutzorgan Rudi Gams am oberen Ende der Befischungsstrecke. Ab da ist der Langbathbach mit zum Langbathsee trocken. Leider hat er auch unterhalb vom „Wirtshaus in der Kreh“ über ca. 2,5 Kilometer keine Wasserführung mehr. Erst unterhalb, Richtung Ebensee, über die letzten Kilometer ist er noch ein stabil, wasserführender Bach.

Verbleib und Besatz der geborgenen Fische

Im Rahmen der durchgeführten Notabfischung stellte sich erneut die zentrale Frage nach dem optimalen Folgegewässer für den gesicherten Verbleib des Fischbestands. Nach eingehender Analyse der Gegebenheiten wurden vorrangig zwei Optionen geprüft: das Einsetzen in den unteren Langbathbach sowie das Aussetzen im Langbathsee.

Der untere Langbathbach erwies sich jedoch als ungeeigneter Zielort, da dieser durch zahlreiche Querbauwerke stark verbaut und streckenweise nur schwer zugänglich ist. Die Verteilung der insgesamt 722 geborgenen Fische auf lediglich ein bis zwei tiefere Gumpen – in denen zudem bereits ein etablierter Altbestand existiert – hätte zu einem immensen Dichtedruck und unnötigem Konkurrenzkampf geführt. Hinzu kommt die Ungewissheit bezüglich der künftigen Wasserführung des Bachs in den kommenden Wochen.

Steffi und Markus beim Aussetzen der abgefischten Fische in den Langbathsee. Diese wurden direkt im Badebereich eingesetzt um ihnen eine sichere Eingewöhnungsphase mitzugeben, nach der elektrischen Betäubung. So haben sie die besten Voraussetzungen sich an den neuen Lebensraum zu gewöhnen und nicht gleich als Futter für die Hechte zu dienen.

In Abstimmung mit den zuständigen Bewirtschaftern wurde daher entschieden, den gesamten Bestand in den Langbathsee einzubringen. Diese Entscheidung bietet gleich mehrere ökologische Vorteile: Da die Fische ursprünglich aus dem Gewässersystem des Langbathsees stammen, finden sie dort nicht nur optimale Lebensbedingungen und eine gesicherte Überlebenschance vor, sondern das wertvolle, autochthone Genmaterial der Langbathsee-Bachforelle bleibt dem Gesamtsystem auf diese Weise nachhaltig erhalten.

Was niemand zählt

37 Grad Lufttemperatur um die Mittagszeit und auch am Algenwuchs im Waser sieht man, dass es 5 vor 12 ist, um die Fische im Langbathbach zu retten.

Das ist der Punkt. In diesem Sommer fallen unzählige kleine Gewässer trocken, über die niemand ein Protokoll schreibt. Kein Polführer, kein Kescher, keine Meldung. Nur ein Bachbett, das langsam warm und still wird. Mit den Fischen sterben die Bachflohkrebse, die Steinfliegen- und Köcherfliegenlarven, der Steinkrebs, wo es ihn noch gibt. Alles, was auf Wasser angewiesen ist, verschwindet auf einmal. Und weil es leise passiert, ohne Bilder und ohne Zahl, taucht es in keiner Statistik auf.

Die Koppe, die sehr widerstandsfähig sind, jedoch auch die verenden in den warmen Pfützen.

Eine Inventur, die keiner bestellt hat

Was heuer stattfindet, ist eine großflächige Inventur. Nur führt sie die Trockenheit, nicht das Fischereibuch. Am Ende dieses Sommers werden wir wissen, welche Bäche noch Fische tragen und welche nicht mehr. Viele werden ihren Status als Fischgewässer verlieren. Nicht auf dem Papier, sondern in der Wirklichkeit. Ein Bach, in dem drei Jahre hintereinander im Juli das Wasser ausgeht, ist kein Fischgewässer mehr, egal was im Bescheid steht.

Und ein leergefallener Bach füllt sich nicht von selbst wieder mit Fischen. Damit ein Bestand zurückkommt, muss es einen Weg geben, über den Fische aus einem anderen Gewässer einwandern. Genau diese Wege sind oft verbaut, durch Abstürze, Wehre und verrohrte Strecken. Fällt ein Bach trocken, ist der Bestand meist für Jahre weg, manchmal für immer.

Geburtsort der Fischzucht im Salzkammergut

„Wo wir heute Fische vor dem Trockenfallen retten, wurde vor mehr als 160 Jahren der Grundstein für die traditionelle Fischzucht im Salzkammergut gelegt.“

Die Fischzucht im Salzkammergut hat ihren Ursprung am Langbathbach, beim heutigen Gasthaus „In der Kreh“. Dort lebte ab 1858 der Arzt und Naturforscher Dr. August Ritter von Genczik, genannt der „Krehbader“. Er brachte das rationelle Fischen mit Rute und künstlicher Fliege nach Oberösterreich, zu einer Zeit, in der England das für sein alleiniges Vorrecht hielt. Genau dort, wo vor über 160 Jahren die Fischzucht im Salzkammergut begann, geht heute das Wasser aus.

Danke an die Helfer

Danke an die Helfer, die bei solchen spontanen Aktionen recht kurzfristig zum Einsatz kommen. Es ist immer wieder erfreulich, dass wir viele Fisch-Retter in unseren Reihen haben, die sich hier ehrenamtlich um die Rettung unserer Fische bemühen.

Markus Hörmandinger vom Fischereiverein Salzkammergut im Revier-Anhänger, wo die Fische gezählt und mit Sauerstoff versorgt werden, um in einen lebenswerteren Abschnitt übersiedelt zu werden.

Diese wurden nach dem Aussetzen der Fische in den Langbathsee, vom FROSKG zu einer Jause im „Gasthaus in der Kreh“ eingeladen!

Weitere Informationen

Das Eigentliche passiert unter der Oberfläche. Am Gewässer wie beim Naturschutz. Auf www.huberpower.com geht es genau dorthin: zur Arbeit am Wasser, zur Forschung dahinter und zu den Projekten, an denen wir gerade arbeiten.

Der Langbathbach entspringt im Gebiet der Langbathseen, die sich am Nordfuß des Höllengebirges im Salzkammergut befinden. Diese Seen, insbesondere der Vordere Langbathsee, sind die Hauptquelle des Baches. Der Langbathbach fließt durch eine malerische Landschaft und mündet schließlich in die Traun, die wiederum in den Traunsee mündet.
In der Jagd-Zeitung aus dem Jahr 1864 vom Arzt, Reisende und Gelehrte Dr. August Ritter von Genczik, alias „Krehbader“, lebte von 1858 bis 1864 am Langbathbach beim heutigen Gasthaus „In der Kreh“ auf dem damaligen Krehbauernhof. Den Arzt verschlug es auf seinen Forschungsreisen bis nach Ägypten und in den Sudan. Das Stift Kremsmünster und das Francisco-Carolinum in Linz verdanken ihm wertvolle Sammlungen. Im Langbathtal war er vor allem Botaniker und Fischer. Er versuchte sich in der Fischzucht und führte sie in den Gewässern des Salzkammergutes ein. Die letzten Jahre seines vielbewegten Lebens hatte er ausschließlich dem Studium des Fischfaches gewidmet. Schon vor mehr als zwanzig Jahren war er es, der in Oberösterreich einem rationellen Fischen mit Angel und künstlicher Fliege Bahn den brach. Früher betrachteten die Engländer die echte Angelfischerei als ihr ausschließliches Monopol, und oft hörte ich solche Herren sich äußern: „Fischwerkzeug kann nur England gut liefern und gute Fischer mit noblem Werkzeug gäbe es nirgends anders als auf der Insel“.
Notabfischplan als Online Version
Mit Anfang 2021 wurde die Papier Version des 2018 erstellten FROSKG Notabfischplan auf diese Online Version umgestellt. Da der „FROSKG Notabfischplan“ laufenden Änderungen und Anpassung unterliegt und daher eine Aktualisierung in einer Online Version einfacher zu warten ist, auf diese umgestellt. D.h. beim Zugriff über diesen Link, per Handy oder Computer steht immer die aktuellste Version zur Verfügung.

Technische Vorsorge und ehrenamtliches Engagement

Um bei akuten Notlagen handlungsfähig zu sein, ist der FROSKG seit Jahren bestmöglich auf derartige Rettungsmaßnahmen vorbereitet. So wurden über 30.000 Euro in vier Elektrofischfanggeräte unterschiedlicher Leistungsklassen inklusive moderner Ausrüstung und professioneller Transportbehälter mit Sauerstoffversorgung investiert. Diese Ausstattung garantiert, dass unsere wertvollen WildKultur-Fische im Bedarfsfall schonend und effizient gerettet werden können.

Diese Maßnahmen unterstreichen die oft unbemerkte ökologische und wirtschaftliche Bedeutung der Fischerei im Salzkammergut. Während andere Tourismussparten ihre Leistungen sichtbar vermarkten, arbeitet die Fischerei größtenteils im Hintergrund und ohne große mediale Aufmerksamkeit. Ob Notabfischungen, Bruthausbetrieb oder Prädation Management – die unzähligen ehrenamtlichen Stunden der Bewirtschafter fließen bislang in keine offizielle Landesstatistik ein. Eine systematische, gewässerbezogene Erhebung dieser Eigenleistungen über den Zeitraum eines Jahres ist daher geplant, um dem Land OÖ das tatsächliche Ausmaß dieses gesellschaftlichen und ökologischen Engagements schwarz auf weiß vorzulegen.

 

„Wer Fische schützt, schützt das Wasser. Wer das Wasser schützt, schützt uns alle.“

Zitat von Heimo Huber, FROSKG