NOTFALLPLAN NUSSENSEE

Protokoll, Version 2.3, Stand 3. August 2026. Formelle Dokumentation der Maßnahme, zur Abstimmung mit dem Fischereiberechtigten und dem Pächter und als Bericht an die BH Gmunden.

Management Summary

Dank an die ÖBF für die Unterstützung des Netzfischer-Teams vom Hallstättersee. Foto: FC-Nussensee

Die Notabfischung hat am 1. August 2026 wie geplant stattgefunden, mit bis zu 50 Personen im Einsatz von 5:00 bis 16:00 Uhr. Anlass war die gemessene Sauerstoffkrise im Tiefenwasser, siehe Abschnitt Ausgangslage: der nutzbare Lebensraum war auf rund 1 bis 1,5 Meter geschrumpft. Ziel war, vor einem Fischsterben so viele Fische wie möglich zu retten.

  • Die Maßnahme wurde durchgeführt, um vor einem Fischsterben die Fische zu retten, soweit sie die Netzbefischung überleben. Die Fische, die überlebt haben, wurden in einen mit Quellwasser versorgten Löschteich gebracht und sind wohlauf. Der Teil, der die Netzbefischung nicht ohne Schaden überstanden hat, wurde der Verwertung zugeführt.
  • Netzfischerei mit Zugnetz und Stellnetz durchgeführt, gemeinsam mit der ÖBF-Berufsfischerei am Hallstättersee unter der Leitung von Max Peinsteiner.
  • Diese Verarbeitung wurde durch unseren Reviertierarzt, Mag. Walter Reisinger, überwacht, damit die Kühlkette eingehalten wird. Dieser Teil wurde ausgenommen, filetiert, vakuumiert und eingekühlt. Verendete Fische gab es keine. Die Schlachtabfälle wurden über einen TKV-Container ordnungsgemäß entsorgt.
  • Es wurden 285 Fische gefangen, etwa 90 Prozent davon verarbeitet, einige konnten wir zwischenlagern, zur Rücksetzung in den Nussensee, nach Stabilisierung des Wasserstands.
  • Damit sind die Vorgaben der BH Gmunden aus deren Schreiben vom 31.Juli erfüllt: keine toten Fische im Gewässer, laufende Kontrolle, ordnungsgemäße Entsorgung. Diese Protokoll geht mit  Fotos an die Anlagenabteilung .
  • Bei der Nachkontrolle am Nussensee wurden am Sonntag, 2.8.2026 und auch am Montag, 3.8.2026 vormittags keine Tot Funde von/nach der Abfischaktion.
  • Der Nussensee wird täglich umgangen und beobachte.

Notfall-Team

Ansprechpartner für den Ereignisfall, direkt erreichbar:

Foto: FC-Nussensee

Ausgangslage

Der Nussensee liegt am Nordfuß des Katergebirges auf rund 604 Meter Seehöhe. Er ist ein Druckwassersee, gespeist fast zur Gänze von Quellen unter der Wasserfläche. Einen nennenswerten oberirdischen Zufluss gibt es nicht. Das erklärt, warum der See bei anhaltender Trockenheit und ausbleibender Schneeschmelze so rasch und so stark sinkt.

Der Normalpegel liegt bei rund 19 Metern. Der Rückgang seither ist lückenlos dokumentiert: rund 9 Meter am 10. Juli, 7 Meter am 20. Juli, 5,5 Meter am 26. Juli, 4,5 Meter am 29. Juli und am 30. Juli morgens, und nur mehr 3,5 Meter am Abend des 30. Juli. In 20 Tagen sind damit über 5 Meter verloren gegangen, mit steigendem Tempo.

Die Sauerstoffmessungen der letzten Tage zeigen, warum das kritisch ist. Ab 27. Juli werden die Werte auf 600 Meter Seehöhe korrigiert, das entspricht rund 93 Prozent des angezeigten Messwerts. Am 30. Juli um 19:30 Uhr liegen in 1,5 Metern noch 7,2 mg Sauerstoff pro Liter vor, in 2 Metern sind es nur mehr 2,3 mg/l, ab 2,5 Metern zwischen 0,7 und 1,1 mg/l. Der nutzbare Lebensraum für Salmoniden ist damit auf ein schmales Fenster von rund 1 bis 1,5 Metern zusammengeschrumpft. In 3 Metern wurde zusätzlich Geruch nach anaeroben Abbauprozessen festgestellt.

Ein Vorfall dieser Größenordnung ist kein Einzelfall. Der bislang schwerste bekannte Fall liegt im Winter 2005/2006: Ein kalter, schneereicher Winter ohne Wasserzufluss ließ den See bis 12. März 2006 auf nur 1,6 Meter Tiefe absinken, weniger als 1 Prozent des normalen Wasservolumens. Aus dem 10 Hektar großen See blieb die Fläche eines Fußballfelds übrig. Mitte April taute die Eisdecke, binnen 2 bis 3 Wochen erreichte der See wieder seinen Normalpegel. Am 17. April 2006 sammelten Vereinsmitglieder rund 500 Kilogramm tote Fische ein. Karpfen und Schleien verendeten zu etwa 80 Prozent, der Renken- und Zanderbestand nach Einschätzung der Bundesanstalt für Fischereiwirtschaft Scharfling und der Fischereiaufsicht komplett, durch Sauerstoffmangel und Überbesatz auf engstem Raum. Damaliger Bewirtschafter war der IFC Hallstättersee, der den Nussensee seit 1985 als Pachtgewässer der ÖBF führte.

Auch im März 2025 lag der Nussensee laut ORF-Bericht bereits einmal fast trocken, der Hungerstein von 1911 lag frei. Laut Bürgermeisterin Ines Schiller war das seit 1995 nicht mehr vorgekommen. Zwei belegte Vorfälle also in den letzten 20 Jahren, 2006 mit Fischsterben, 2025 ohne bekanntes Fischsterben. Wir stehen jetzt an einem ähnlich kritischen Punkt.

Kriegsrelikte und Platzverbot

 Warum der Nussensee so empfindlich reagiert

Als Druckwassersee hat der Nussensee auch bei intaktem Wasserhaushalt keinen sichtbaren Zufluss. Sinkt der Grundwasserspiegel im Karst, sinkt der See mit, unabhängig von Niederschlag an der Oberfläche. Das Wasser verschwindet zusätzlich durch unterirdische Spalten und Klüfte, sodass der Wasserspiegel auch nach dem Trockenfallen des Abflusses, der Nussenseebach, noch weiter sinkt.

Genau dieser unterirdische Weg ist wissenschaftlich belegt. Mag. Dr. Hans Jörg Laimer hat an der Universität Salzburg 2004 zur Karstwasserdynamik der Hallstätter Zone Ischl-Aussee dissertiert, jenem Karstgebiet, in dem auch der Nussensee liegt. 2007 veröffentlichte er dazu den Tracer hydrologischen Nachweis der Verbindung zwischen Nussensee und dem Wildensteiner Quellbezirk (Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaft, Band 59, Nr. 11–12, S. a17–a20), 2019 folgte eine geologische Detailkartierung der Überschiebungsfront der Dachstein-Decke im selben Gebiet (Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, Band 159, S. 155–162). Ein eingefärbter Testlauf tauchte seinerzeit in den Trinkwasserbehältern unterhalb der Ruine Wildenstein wieder auf, mehrere Kilometer entfernt. Der Artikel von 2007 liegt bei Springer und ist nicht frei zugänglich. Anfrage direkt bei Dr. Hans-Jörg Laimer ist unterwegs. Sobald der Volltext da ist, wird dieser Abschnitt bei Bedarf ergänzt. 

Grenzen einer Notabfischung bei dieser Seegröße

Wichtig für die Erwartungshaltung aller Beteiligten: Das Abfischen eines Sees dieser Größenordnung ist schwierig und mit geringer Erfolgsaussicht verbunden. Auch mit unserem großen 11-kW-Elektrofischfang-Aggregat erreichen wir realistisch nur die vermutlich wärmere Randzone des Sees. Aus der Wasserschicht, in der sich die meisten Fische aufhalten, hat das Aggregat keine Wirkung. Eine vollständige Notabfischung des Nussensees ist mit unserem Equipment nicht zu leisten.

Die Notabfischung wurde mit einem Zugnetz und mehreren Stellnetzen durchgeführt. Foto: FC-Nussensee

Das ändert nichts an unserer Verpflichtung zur Hege, es ändert aber, worauf wir unsere Kraft legen sollten: nicht auf eine flächendeckende Abfischung im Vorhinein, sondern auf Monitoring der Pegelstände und Wasser-Werte und auf die Bereitschaft, im Ernstfall rasch und gezielt zu bergen.

Nach Abwägung aller Möglichkeiten bleibt für den 1. August nur eine Netzbefischung übrig. Mit der ÖBF-Berufsfischerei am Hallstättersee und mit Max Peinsteiner steht uns dafür das beste Fachwissen und Equipment im Revier zur Verfügung, dankenswerterweise auch kurzfristig. Wir setzen Zugnetz und Stellnetz kombiniert ein, um den Ausfang zu optimieren.

Monitoring als Zentrale Maßnahme 

Wichtiger als eine verfrühte, wenig aussichtsreiche Abfischung ist die laufende Beobachtung des Sees auf erste Anzeichen eines Fischsterbens: einzelne tote oder taumelnde Fische, nach Luft schnappende Fische an der Oberfläche, auffällige Ansammlungen in Ufernähe. Sobald solche Anzeichen auftreten, ist unmittelbar mit Abfischung und Bergung der Fische zu beginnen, nicht erst wenn der Bestand bereits großflächig betroffen ist.

  • Wassertemperatur regelmäßig an mehreren Tiefen messen. Erst so lässt sich beurteilen, ob und wo sich noch eine kühlere, sauerstoffreichere Schicht hält.
  • Ein Boot oder mehrere Boote organisieren. Ohne Boot ist weder ein verlässliches Monitoring der tieferen Bereiche noch eine rasche Bergung bei Bedarf möglich.
  • Sichtkontrollen der Uferzone in kurzen Abständen, besonders in den flacher werdenden Randbereichen.
  • Klaren Auslöser festlegen, ab wann sofort abgefischt wird, damit im Ernstfall nicht erst diskutiert werden muss.

Mitglieder des FC Nussensee messen seit 10. Juli laufend Wassertemperatur, seit 26. Juli zusätzlich Sauerstoff, pH-Wert und Leitfähigkeit an mehreren Tiefen. Am 20. Juli hielten sich die Fische bei Beobachtung zwischen 3 und 5,5 Metern Tiefe auf, in der damals noch kühleren, sauerstoffreicheren Mittelschicht. Diese Schicht ist inzwischen selbst kritisch geworden. Das deckt sich mit dem Muster von 2006, wo genau in dieser Gemengelage aus Wärme, Enge und Sauerstoffmangel der Bestand kollabierte.

Temperaturmessungen 10. bis 20. Juli 2026

Quelle: Monitoring FC-Nussensee

Messreihe 26. Juli 2026

Drei getrennte Messreihen am selben Tag: eine Widerstandsreihe, eine separate Leitfähigkeitsreihe, und punktuelle Siphon-Messungen näher am Ufer. Maximale Tiefe an diesem Tag laut Protokoll 5,5 Meter.

Quelle: Monitoring FC-Nussensee

Sauerstoff-, PH- und Leitfähigkeitsmessungen ab 2. Juli 2026

Ab diesem Datum liegen kalibrierte Sauerstoffwerte vor, korrigiert auf 600 Meter Seehöhe (Messwert mal rund 0,93). Rot markierte Zeilen zeigen kritische bis akut kritische Werte für Salmoniden.

Quelle: Monitoring FC-Nussensee

Fachliche Einordnung der Messreihe

Der Tagesgang ist klar erkennbar: Gegenüber den Morgenwerten steigt der Sauerstoff in 1,5 Metern durch Photosynthese tagsüber deutlich an, der Bereich ab 2 Metern bleibt aber durchgehend kritisch. Das nutzbare Sauerstofffenster für Salmoniden ist damit unabhängig von der Tageszeit auf die obersten 1 bis 1,5 Meter beschränkt. Genau das ist die fachliche Grundlage für die Entscheidung, am 1. August vorbeugend abzufischen.

Notabfischung 1. August 2026: Anlass und Vorgabe der Behörde

Die Messreihen der letzten Tage sind eindeutig. Der nutzbare, sauerstoffreiche Lebensraum ist auf rund 1 bis 1,5 Meter Wassertiefe geschrumpft, der Rest des Sees ist für Salmoniden kritisch bis akut ungeeignet. Wir warten deshalb nicht auf die ersten sichtbaren Anzeichen eines Fischsterbens, sondern fischen am 1. August 2026 vorbeugend ab. Das ist eine vorbeugende Notabfischung: ihr Zweck ist, ein Fischsterben zu verhindern, nicht ein bereits laufendes zu begrenzen.

Foto: FC-Nussensee

Ein unkontrolliertes Fischsterben hätte über die Fischerei hinaus Folgen. Verendende Fische in großer Zahl belasten die Wasserqualität zusätzlich, in einem See, der über den Wildensteiner Quellbezirk direkt mit einer Trinkwasserreserve der Stadt Bad Ischl verbunden ist. Seuchen- und hygienetechnisch wollen wir dieses Risiko nicht eingehen, siehe auch den Abschnitt zur Trinkwasserversorgung oben.

Die BH Gmunden wurde über den Termin informiert und hat uns als Fischereiberechtigten schriftlich auf unsere Pflichten danach hingewiesen. Mag. Elisabeth Schadek, Anlagenabteilung, schreibt sinngemäß: Die zu erwartenden toten Fische dürfen keinesfalls im Gewässer bleiben. Wir sind aufgefordert, den See nach der Abfischung laufend zu kontrollieren, verendete Fische zu entfernen und ordnungsgemäß zu entsorgen, und der Behörde bis 3. August 2026 einen Bericht mit Fotos zu übermitteln.

Rechtliche Grundlage

Wir handeln nicht im rechtsfreien Raum. Drei Punkte sind bereits geklärt:

  • Das FROSKG hat eine gültige Notabfischgenehmigung der OÖ. Landesregierung, Geschäftszeichen LFW-2019-268010/11-Eb vom 2.2.2024, gültig bis 30. April 2029,
    für Not- und Baustellenabfischungen im gesamten Revier.
  • Seit 2020 ist im OÖ. Fischereigesetz (§3) festgehalten, dass der Fischereiberechtigte bei witterungsbedingtem Trockenfallen eines Gewässers verpflichtet ist, den Wassertierbestand im größtmöglichen zumutbaren Ausmaß zu erhalten.
  • Der Nussensee ist Naturschutzgebiet (Verordnung LGBl.Nr. 104/2021). Die rechtmäßige Ausübung der Fischerei bleibt darin ausdrücklich erlaubt, ebenso Wasserentnahme und Tauchübungen der Feuerwehr im Einvernehmen mit den Grundeigentümern und der zuständigen Naturschutzabteilung.

Der Nussensee steht im FROSKG-Notabfischplan bereits unter den Gewässern mit seltenen Notabfischungen. Das vorliegende Artikel konkretisiert diesen allgemeinen Plan für den aktuellen Fall.

Notabfischung und Bergung: Wann und Wie

Grundsätzlich gilt weiter: Auslöser für eine Notabfischung sind erste Anzeichen eines Fischsterbens, siehe Monitoring oben. Für den 1. August ist dieser Auslöser durch die Messreihen jedoch bereits vorweggenommen, wir handeln, bevor sichtbare Anzeichen auftreten. Zuständig ist der Bewirtschafter, hier der FC Nussensee, in enger Abstimmung mit dem FROSKG.

Foto: FC-Nussensee

Für die konkrete Umsetzung am 1. August wurde nicht das 11-kW-Elektrofischfang-Aggregat gewählt, sondern eine Netzfischerei vom Boot aus: Stellnetze im Randbereich, ein Zugnetz durch die tiefste Stelle. Das deckt sich mit der oben beschriebenen Grenze des Aggregats, das ohnehin nur die warme Randzone erreicht. Netze vom Boot aus decken auch die jetzt sehr flache Restwasserfläche wirksamer ab. Der Fischbestand im Nussensee umfasst laut FC Nussensee vor allem Reinanken und Forellenarten, Hechte, Zander, Barsche, Karpfen, Schleien und weitere Weißfischarten.

Personal und Ablauf der Notabfischung

Die Abfischung hat am 1. August 2026 wie geplant stattgefunden. Von 5:00 bis 16:00 Uhr waren bis zu 50 Personen im Einsatz, mehr als ursprünglich eingeteilt. Die geplante Rollenverteilung nach Gruppen:

Ablauf in 8 Prozessschritten, mit fixer Personenzuordnung

Quelle: Monitoring FC-Nussensee

Sortierregeln beim Abfischen am Ufer: Karpfen werden zurückgesetzt. Hechte werden entnommen. Aitel über 50 cm werden filetiert. Salmoniden unter 50 cm werden entnommen, Salmoniden über 50 cm kommen nach Möglichkeit in den Lebendtransport. Rotaugen über 20 cm sind ebenfalls für den Lebendtransport vorgesehen. Rotaugen unter dieser Größe werden als Köderfische vakuumiert.

Transport erfolgt über den Rundweg mit kleinem Radlader und Schiebtruhen zum Verarbeitungsplatz, alternativ über den Gewässergrund. Verarbeitete Fische werden unverzüglich tiefgekühlt, in zwei Tiefkühlstationen, und anschließend geordnet abgeholt. Für den Lebendtransport steht ein Schlauchboot bereit, mit belüftetem Transportbehälter und Temperaturkontrolle, für den Abtransport der FROSKG-Anhänger mit Thermo-Transportbehälter und Sauerstoffversorgung.

Veterinärmedizinische Begleitung

Unser Reviertierarzt, Mag. Walter Reisinger, hat die Abfischung veterinärmedizinisch begleitet, mit Schwerpunkt auf dem Ablauf der kulinarischen Verarbeitung und einer lückenlosen Kühlkette. Der FC Nussensee hat diesen Teil, unterstützt von Philipp Pöllmann und seinen Kollegen aus der Ausseer Fischzucht, hervorragend organisiert.

Das ist ein echter Meilenstein für die Bewirtschaftung unserer Gewässer im „Fischereirevier Oberes Salzkammergut„. Mit Walter Reisinger haben wir nicht nur einen Tierarzt, sondern einen in Ausbildung befindlichen Fachmann im Team, der die Brücke zwischen wissenschaftlicher Fischmedizin und der praktischen Arbeit am Wasser schlägt.

Verwertung Statt umsetzen

Für die geretteten Fische empfehlen wir die Verwertung, also Notschlachtung oder Verkauf, und raten von einem Umsetzen in ein anderes Gewässer ab. Drei Gründe sprechen dagegen:

  • Seuchenrisiko: Der Gesundheits- und Seuchenstatus des Nussensee-Bestands ist nicht bekannt. Ein Umsetzen könnte Krankheiten in ein bisher unbelastetes Gewässer verschleppen.
  • Genetische Vermischung: Der Nussensee-Bestand ist über Jahre gewachsen und nicht zwingend mit dem Bestand eines Zielgewässers kompatibel. Eine Vermischung ist aus Zuchthygienesicht unerwünscht.
  • Leitbildfremde Arten: Der Nussensee führt auch Arten wie Karpfen, Zander oder Hechte, die im Leitbild mancher möglicher Zielgewässer nicht vorkommen. Ein Umsetzen würde dort ein Artenbild einbringen, das dem Gewässertyp nicht entspricht.
Quelle: FC-Nussensee

Notschlachtung ist sinnvoll für verletzte, kranke oder stark gestresste Fische. Rechtlich braucht es eine tierschutzgerechte Betäubung und Tötung vor Ort, die weitere Verwertung als Lebensmittel setzt die Einhaltung der einschlägigen Lebensmittelhygienevorschriften voraus. Verkauf kommt für gesunde, marktfähige Fische in Frage, vor allem größere Forellen und Reinanken, im Rahmen der rechtmäßigen Fischereiausübung durch den Bewirtschafter und unter denselben Hygiene- und Kennzeichnungspflichten wie bei jedem anderen Fischverkauf.

Erkenntnisse aus der Abfischung

Eine Notabfischung dieser Größenordnung liefert nebenbei etwas, das man sich sonst nur schwer verschaffen kann: einen echten Überblick über die tatsächliche Zusammensetzung des Fischbestands. Diese Erkenntnis ist für den Wiederaufbau des Bestands wertvoll und sollte in künftige Bewirtschaftung einfließen.

Die wesentliche Erkenntnis: Der Nussensee hat einen sehr guten Bestand an Reinanken, auch als Renken bekannt. Reinanken wurden in den letzten 15 Jahren nicht durch Besatz eingebracht. Der gute Bestand ist also Eigenaufkommen, die Fische haben sich im Nussensee von selbst reproduziert.

Diese Erkenntnis gehört in die künftige Bewirtschaftung eingearbeitet, sowohl in den Besatzplan als auch in die fischereilichen Bestimmungen für den Nussensee. Wenn sich eine Art ohne Zutun so gut selbst erhält, ist das ein Argument, ihren Lebensraum und ihre Laichmöglichkeiten gezielt zu schützen, statt automatisch weiter zuzubesetzen.

Besuch von Behörden- und Verbandsvertretern

Bürgermeisterin Ines Schiller hat sich die Abfischung vor Ort angesehen. Auch DI Martin Stürmer, Leiter der Österreichischen Bundesforste Salzkammergut, hat sich als Vertreter des Fischereiberechtigten ein Bild von der Maßnahme gemacht. Zuletzt besuchte uns auch Landesfischermeister Gerhard Sandmayr.

vlnr: Günther Ritzberger, (FSO) Sohn vom Landesfischermeister, Gerhard Sandmayr, Landesfischermeister, Heimo Huber, Obmann FROSKG. Foto: FC-Nussensee

Presse-Team und Öffentlichkeitsarbeit

Abfischen unter körperlich anstrengenden Bedingungen und sich gleichzeitig um die Medien kümmern, das geht nicht nebeneinander. Deshalb hatten wir für den 1. August ein eigenes Presse-Team: unser langjähriges Mitglied Dr. Jörg Werner, bekannt als weidgerechter Fliegenfischer, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Mag. Ursula Wirth und mit Ernst Etlinger.

Die Medien habe berichtet. Danke an das Presseteam, für die gute Zusammenarbeit mit den Medien und die breite Berichterstattung. Quelle: Servus TV Bericht

Eine dedizierte PR-Mannschaft braucht es bei so einer Aktion, das hat sich klar gezeigt. Nicht weil wir auf Sichtbarkeit aus sind, sondern weil wir unseren Fischen eine Stimme geben müssen. Ehrenamtliche Arbeit wie diese darf nicht still und heimlich bleiben, sie gehört in die Öffentlichkeit. Mit Ursula, Ernst und Jörg hatten wir dafür ein Team, das sich spontan und mit vollem Einsatz für eine gute Öffentlichkeitsarbeit für unser Gewässer und unsere Fische eingesetzt hat.

Einbindung der Feuerwehr

Die Unterstützung der Feuerwehr wurde für die Absperrung des Geländes in Anspruch genommen. Eine darüber hinausgehende Hilfestellung war angemeldet, jedoch nicht erforderlich.  

Danke an die FF Wirling und die Stadtpolizei Bad Ischl, für die Absperrungen, damit wir ohne Schaulustige die Notabfischung durchführen konnten. Foto: FC-Nussensee

Zusammenhang mit der Trinkwasserversorgung

Der Nussensee ist keine isolierte Naturerscheinung. Über die nachgewiesene unterirdische Verbindung zum Wildensteiner Quellbezirk hängt sein Wasserhaushalt direkt mit einer Trinkwasserreserve der Stadt Bad Ischl zusammen. Das erklärt, warum die Stadt die Entwicklung genau beobachtet und seit dem Vorfall 2025 mit Probebohrungen nach zusätzlichen, von dieser Karstquelle unabhängigen Quellen sucht. Für uns als Fischereirevier heißt das zweierlei. Erstens ist die Wasserqualität im Nussensee auch aus Trinkwassersicht relevant, was bei jeder Maßnahme am See mitzudenken ist. Zweitens haben wir mit der Stadtgemeinde und der Wasserrechtsabteilung der BH Gmunden einen gemeinsamen Interessenspartner, der an einer frühzeitigen, gut dokumentierten Reaktion ebenfalls interessiert ist.

Kommunikation und Zuständigkeiten

Der FC Nussensee ist als Pächter Bewirtschafter vor Ort. Das FROSKG stimmt sich mit dem Fischereiberechtigten und dem Pächter ab und unterstützt mit Equipment, zertifizierten Personen und der Abstimmung mit den übergeordneten Stellen. Laut Notabfischplan sind im Ereignisfall folgende Stellen zu informieren, sobald eine Notabfischung konkret ansteht:

  • Österreichische Bundesforste als Grundeigentümer und Fischereirechtsinhaber
  • OÖ. Landesfischereiverband
  • Land OÖ, Abteilung Land- und Forstwirtschaft, Referat Jagd und Fischerei
  • BH Gmunden, Wasserrechtsabteilung
  • Stadtgemeinde Bad Ischl, wegen der Trinkwasserrelevanz
  • Feuerwehr, je nach Bedarf
FC-Nussensee Obmann Philipp Österreicher beim TV-Interview.

Medienauskünfte laufen laut Notabfischplan über den Revierobmann oder eine von ihm delegierte Person, einheitlich mit einer Stimme.

Nächsten Schritte

  • Bericht mit Fotos für BH Gmunden fertigstellen, Fristende 3. August 2026
  • Exakte Fangstatistik nach Fischart und Größenklasse fertigstellen und ergänzen, erste grobe Schätzung: rund 300 Fische, davon rund 80 Prozent kulinarisch verarbeitet und rund 20 Prozent im Löschteich zwischengelagert.
  • Zurückgesetzte Fische im Löschteich beobachten und Rücksetzung in den Nussensee einplanen, sobald der Wasserstand es zulässt.
  • Nachkalkulation der Maßnahme, sobald alle Aufwände und Rechnungen eingelangt sind
  • Erkenntnis zum selbsterhaltenden Reinanken-Bestand in Besatzplan und fischereiliche Bestimmungen einarbeiten
  • See laut Vorgabe der BH Gmunden weiter auf verendete Fische kontrollieren, bislang wurden keine gefunden
  • Vor jedem Betreten neu freigelegter Uferflächen mit BH Gmunden klären, ob eine Freigabe durch den Entminungsdienst vorliegt
  • Pegelstand, Temperatur, Sauerstoff, pH und Leitfähigkeit weiter dokumentieren
  • Leitfähigkeits-Ausreißer vom 27.07. und mögliche O2-Messfehler vom 28.07. mit kalibriertem Gerät nachprüfen
  • Für die kommende Saison: limnologische Machbarkeitsprüfung einer Tiefenwasser-Sauerstoffanlage einholen, inklusive Kostenschätzung
  • Bei Bedarf Kontakt mit Stadtgemeinde Bad Ischl wegen Trinkwasserbezug herstellen
  • Volltext des Laimer-Artikels von 2007 einholen und Trinkwasserabschnitt bei Bedarf ergänzen

Quellenangabe

  • FROSKG Notabfischplan, Version 2.0 bis April 2029, www.huberpower.com/wordpress/notabfischplan
  • Nussensee, www.huberpower.com/wordpress/nussensee
  • Nussensee 2005-2006, www.huberpower.com/wordpress/nussensee-2005-2006 , Bericht von Peter Ellmer, Obmann IFC Hallstättersee, vom 13.6.2006 an die ÖBF
  • Laimer, H.J. (2004): Karstwasserdynamik des Ischler und Ausseer Salzbergs. Dissertation, Universität Salzburg
  • Laimer, H.J. (2007): Tracerhydrologischer Nachweis der Verbindung zwischen Nussensee und Wildensteiner Quellbezirk (Bad Ischl, Oberösterreich). Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaft 59, Nr. 11–12, S. a17–a20
  • Laimer, H.J. (2019): Die Kartierung der Überschiebungsfront der Dachstein-Decke im Bereich des Nussensees. Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt 159, S. 155–162
  • ORF OÖ, 17.3.2025: Nussensee fast ausgetrocknet, ooe.orf.at/stories/3297266
  • FC Nussensee, aktuelle Wasserstandsmessungen, fc-nussensee.at
  • Handschriftliches Messprotokoll FC Nussensee / Fa. Pernkopf & Haas Bad Ischl, Fotoaufnahme 24.7.2026
  • Wikipedia: Tiefenwasserbelüftung, de.wikipedia.org/wiki/Tiefenwasserbelüftung
  • gwf-wasser.de, 1.9.2021: Tiefenwasser der Möhnetalsperre wird mit Sauerstoff angereichert, Ruhrverband
  • Polyplan Kreikenbaum Gruppe: Ottensteiner Talsperre, Simulation Tiefenwasserbelüftung, polyplan-kreikenbaum.eu
  • Alles-Fisch, Produktseiten Wasserbelüfter Pond, EPDM-professionelle Belüftung, Aqua Hobby
  • ORF OÖ, 26.7.2026: Explosives Material im Nussensee gefunden, ooe.orf.at/stories/3364285
  • meinbezirk.at, 26.-27.7.2026: 200 Kilogramm Munition und Sprengsätze beim Nussensee gefunden / entfernt, meinbezirk.at/salzkammergut
  • Salzburg24.at, 26.-27.7.2026: Sprengstoff-Alarm in Bad Ischl, Sperre am Nussensee aufgehoben, salzburg24.at
  • Nussensee Gewässer-Messprotokoll, Projekt ÖBF-NS, chronologische Messreihen 10.-30.7.2026
  • Notabfischung Nussensee, Personalliste, Ablauf und Roadmap, FROSKG / FC Nussensee
  • BH Gmunden, Anlagenabteilung, Mag. Elisabeth Schadek, Schreiben an FROSKG zur Abfischung 1.8.2026
  • FROSKG / FC Nussensee, interne Aufzeichnungen zur Durchführung der Notabfischung, 1.-2.8.2026
  • Der Hungerstein im Nussensee https://huberpower.com/wordpress/der-hungerstein-im-nussensee/
  • Nussensee Profil https://huberpower.com/wordpress/nussensee/
  • Kritische Pegelstände im Nussenseehttps://huberpower.com/wordpress/nussensee-2005-2006/

Weitere Informationen

Das Eigentliche passiert unter der Oberfläche. Am Gewässer wie beim Naturschutz. Auf www.huberpower.com geht es genau dorthin: zur Arbeit am Wasser, zur Forschung dahinter und zu den Projekten, an denen wir gerade arbeiten.

Um bei akuten Notlagen handlungsfähig zu sein, ist der FROSKG seit Jahren bestmöglich auf derartige Rettungsmaßnahmen vorbereitet. So wurden über 30.000 Euro in vier Elektrofischfanggeräte unterschiedlicher Leistungsklassen inklusive moderner Ausrüstung und professioneller Transportbehälter mit Sauerstoffversorgung investiert. Diese Ausstattung garantiert, dass unsere wertvollen WildKultur-Fische im Bedarfsfall schonend und effizient gerettet werden können.
Der Nussensee folgt seit jeher den ganz eigenen, faszinierenden Gesetzen der Karsthydrologie – einem natürlichen Rhythmus aus Rückzug und Wiederkehr. Wie tief dieses Phänomen in der Ischler Geschichte verwurzelt ist, beschreiben Hans Jörg Laimer und Roland Bartl eindrucksvoll in ihrem Artikel „Der Hungerstein im Nussensee“ (Mitteilung Folge 38, 2019 des Ischler Heimatvereins). Mit freundlicher Genehmigung der Autoren darf ich diesen fischereilich auch sehr wertvollen Überblick über den Wasserhaushalt des Sees hier wiedergeben.
Während in den Medien bei jedem markanten Pegelabfall des Nussensees schnell von Notstand und Klimakrise die Rede ist, sehen viele Einheimische und Altgediente die Situation gelassen: „Das Thema wird viel zu sehr aufgebauscht. So wie jetzt sieht es hier alle paar Jahre aus und dramatische Auswirkungen auf den Fischbestand oder die Trinkwasserversorgung gab es nie.“ Für die Bevölkerung am See ist das spektakuläre Trockenfallen schlicht ein vertrautes Naturschauspiel der lokalen Karsthydrologie. Denn der berühmte Hungerstein trat keineswegs nur 1995 zutage – er war auch in den Jahren danach immer wieder ein sichtbares Zeichen dafür, dass der Nussensee seit jeher seinem ganz eigenen, natürlichen Rhythmus folgt.
Kritische Pegelstände im Nussensee sind alles andere als ein neues Phänomen – sie wiederholen sich verlässlich alle paar Jahre. Während schrumpfende Wasserflächen in Schlagzeilen schnell für Unruhe sorgen, begegnen Einheimische und erfahrene Gewässerbewirtschafter dem Spektakel mit einer gewissen Gelassenheit. Dass der historische Hungerstein eben nicht nur 1995 oder 2006, sondern auch in jüngerer Vergangenheit immer wieder trockenfiel, unterstreicht nur eines: Der Nussensee folgt seit jeher den ganz eigenen, faszinierenden Gesetzen der Karsthydrologie – einem natürlichen Rhythmus aus Rückzug und Wiederkehr. Anstatt in Hektik zu verfallen oder das Phänomen abzutun, nutzt wir die Gelegenheit vom FROSKG die Gegebenheiten, um wertvolle Daten für die Zukunft zu sammeln und im Ernstfall handlungsfähig zu sein.
Heimo bei der Arbeit
Artikel ist in Arbeit

„Pläne die Luft und das Wasser, die Wildnis und Natur zu beschützen,

sind auch Pläne, den Menschen zu beschützen.“

Zitat von Steward Udall