Langbathbach – Harald Eidinger übernimmt

Der Langbathbach hat wieder einen Bewirtschafter. Nach Jahren ohne festen Pächter übernimmt Harald Eidinger, unser Geschäftsführer im FROSKG, das Fischereirecht ONR 21/47. Dazu gehören der Langbathbach selbst, der Farnaugrabenbach, der Rumnitzgrabenbach, der Dürrengraben, der Salchergraben, der Kedergraben und der Fluder Kohlstatt.

Früher war der Langbathbach ein begehrtes Gewässer, wer dort pachten durfte, hatte etwas. Das hat sich geändert, seit der Otter im Bach sein Unwesen treibt. Der letzte Bewirtschafter hat die Pacht deshalb zurückgelegt. Ob diese Entscheidung wirklich am Otter lag oder ob andere Gründe mitgespielt haben, wird sich zeigen.

Wenn die Otter in einen so kleinen und stark verbauten Bach wie den Langbathbach einfallen, bleibt von den Forellen nicht mehr viel übrige.

Prädatoren Situation

Der Otter nimmt dem Bach die größeren Fische, das tut weh. Anders sieht es aus, wenn der Bach über weite Strecken kein Wasser mehr führt. Dann sterben nicht einzelne Fische, sondern der ganze Lebensraum. Genau darin liegt heute die eigentliche Herausforderung bei kleinen Gewässern wie dem Langbathbach: der Bewirtschafter muss neben dem Otter auch die Wasserführung im Blick behalten.

Im Oberen Langbathbach, oberhalb vom Gasthaus in der Kreh, ist das Trockenfallen des Langbathbach noch wesentlich kritischer. Ab dem Kraftwerk, beim GH Kreh, ist ein stärkeres Gefälle vorhanden, welches den Vorteil hat, dass es das Grundwasser aus dem Berg drückt und dadurch in diesen Bereich die Austrocknung sich nur auf wenige Meter zieht.

Es freut mich, dass mit Harald Eidinger jemand übernommen hat, der genau weiß, worauf es ankommt. Aus Sicht des FROSKG ist es wichtig, dass jedes Gewässer, auch die kleineren, einen Verantwortlichen hat. Jemanden, der den Fischbestand im Blick behält und bei Bauvorhaben oder Trockenheit rechtzeitig reagieren kann, notfalls mit einer Notabfischung, bevor der Bestand verloren geht. Ein besseres Ergebnis hätte sich das FROSKG für den Langbathbach nicht wünschen können.

Bedeutung für die Region

Der Langbathbach ist mehr als ein Fischwasser. Er prägt das lokale Ökosystem rund um Ebensee und hat eine lange Geschichte hinter sich. Früher trieb sein Wasser Mühlen an und diente als Trinkwasser. Diese Doppelrolle, Nutzwasser auf der einen Seite, Lebensraum auf der anderen, war schon vor 150 Jahren Thema, wie die alte Fischzuchtgeschichte in der Kreh zeigt, dazu weiter unten mehr.

Der Langbathbach ist sehr stark verbaut und so kleine Querbauwerke sind die Seltenheit.

Verbauung und Wasserkraft

Im Ortsgebiet von Ebensee ist er hart verbaut.

Seine Lage und Bedeutung haben dem Langbathbach über die Jahre immer wieder Verbauungen eingebracht. Wehre und Querbauwerke sollten Hochwasser verhindern und die Wasserkraft nutzen. Für die Fischerei war das nicht nur von Vorteil: Jede Verbauung verändert Wanderwege und Laichplätze der Fische. Das ist mit ein Grund, warum ein Bach wie der Langbathbach heute einen Bewirtschafter braucht, der die Folgen solcher Eingriffe kennt und die richtigen Maßnahmen setzt.

Im Grenzbereich der beiden Fischereirevier, auf Höhe Gasthof „In der Kreh“ gibt es ein Kleinkraftwerk.

Baustelle Pumpspeicher Kraftwerk

Im unteren Teil des Langbathbachs liegt auf halber Höhe die Zufahrt zum Pumpspeicherkraftwerk Ebensee. Die Energie AG baut es oberhalb am Sonnstein, der Oberwasserspeicher entsteht im Rumitzgraben, also im selben Einzugsgebiet wie der Rumnitzgrabenbach aus dem Pachtvertrag. Seit dem Spatenstich im Oktober 2023 läuft der Betrieb dort im Schichtbetrieb rund um die Uhr, mit entsprechendem Baustellenverkehr über die Forststraße.

1 ist Baustellenzufahrt zum Speicher des Pumpspeicher Kraftwerkes
2 ist Bachlohbrücke Richtung flussauf, wo der Bach trocken fällt.

Der starke Lkw-Verkehr und Einwaschungen von der Baustelle führen streckenweise zu einer starken Kolmatierung im Bach. Feines Material verschlämmt die Zwischenräume der Sohle, genau dort, wo Forellen laichen und wo sich Jungfische verstecken. Harald bespricht mit der Bauleitung gerade eine Lösung.

Baustelle beanspruchen viel Platz.

Genau an solchen Stellen zeigt sich, warum ein Bewirtschafter unverzichtbar ist. Die großen Bedrohungen sieht man leicht, den Otter, das Hochwasser. Die vielen kleinen Einflüsse wie eine Kolmatierung durch Baustellenverkehr bemerkt nur, wer regelmäßig am Bach ist. Gerade in Zeiten, in denen die Fischbestände ohnehin zurückgehen, sind es oft diese kleinen, wiederkehrenden Belastungen, die in Summe den größten Schaden anrichten.

Bedeutung für die Region

Die Wasserführung vom Langbathbach zeigt, dass sich abgesehen von ein paar Spitzen, der Wasserstand kontinuierlich unter der Mittelwasserlinie befindet.

Der Langbathbach spielt eine bedeutende Rolle für die Region Ebensee. Er ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil des lokalen Ökosystems, sondern hat auch eine historische Bedeutung. Das Wasser des Baches wurde früher für verschiedene Zwecke genutzt, beispielsweise für die Energiegewinnung in Mühlen oder als Trinkwasser.

Viele große Querbauwerke verhindern einen Aufstieg der Bachforellen zur Laichzeit.

Das Fischbuch

Wer wissen will, wer an einem Gewässer fischen darf, schaut ins Fischbuch. Das ist das amtliche Register, das in Oberösterreich die jeweilige Bezirksverwaltungsbehörde führt. Darin stehen die Fischwässer, die Fischereirechte und wer sie besitzt, dazu die Fischereiberechtigten sowie Pächter und Verwalter. Für den Langbathbach trägt die Bezirkshauptmannschaft Gmunden den neuen Pachtvertrag mit Harald Eidinger ein, sobald die Stellungnahmefrist verstrichen ist.

Fischbuchauszug vom „Unteren Langbathbach“.

Wer selbst Einsicht nehmen will, wendet sich an die Bezirksverwaltungsbehörde des jeweiligen Bezirks. Am besten vorher kurz anrufen oder schreiben, die Zugangsmodalitäten sind nicht überall gleich.

Naturschutz, Tourismus und Fischbestand

Der Bereich um den Langbathbach steht wegen seiner Naturschönheit unter Schutz und ist bei Wanderern beliebt. Im Bach selbst leben mehrere Fischarten, die bei Anglern geschätzt sind. Genau deshalb braucht es jemanden, der Naturschutz, Tourismus und Fischerei zusammenbringt, ohne dass eines der drei zu kurz kommt.

Viele „Sperren“ unterteilen den Langbathbach in viele kleine Einheiten.

1864: Die Geschichte der Fischzucht hat hier seine Wurzel

Die Fischzucht im Salzkammergut hat eine ihrer Wurzeln direkt an den Langbathseen. In der Jagd-Zeitung von 1864 findet sich ein Bericht über die künstliche Fischzucht in der Krährau, dem heutigen Gasthaus in der Kreh. Unter der Leitung des Bezirksförsters Josef Künesberger wurde die Zucht dort in größerem Maßstab betrieben, unterstützt vom Besitzer der Krährau, Johann Loidl, und von Mathias Lämmerer, besser bekannt unter seinem Übernamen Fischer Hiesel. Weit über 2000 Forellen und Saiblinge wurden in jenem Jahr in den kleineren Langbathsee gesetzt, mehr Jungfische folgten nach.

Den ersten Anstoß dazu gab Dr. August von Genczik, der Jahre zuvor das rationelle Fliegenfischen im Kammergut bekannt gemacht hatte. Die Fischzucht in der Kreh war also kein Zufall, sondern das Ergebnis von jemandem, der sich mit der Sache auskannte, ganz ähnlich wie heute bei Harald Eidinger.

Nicht zu verwechseln damit ist die Fischzuchtanstalt von Franz Rettenbacher in Sulzbach bei Ischl. Rettenbacher begann 1858, ebenfalls im kleinen Stil, mit dem Befruchten von Forelleneiern, allerdings an einem anderen Ort und unabhängig von der Kreh. Beide Anfänge zusammen zeigen, wie früh im Salzkammergut mit künstlicher Fischzucht experimentiert wurde.

Die ganze Geschichte der Fischerei im Salzkammergut, mit der Kreh, mit Rettenbacher und noch einigem mehr, steht im Artikel ANNO DAZUMAL auf huberpower.com.

Zum Schluss

Mit Harald Eidinger hat der Langbathbach jetzt wieder jemanden, der ihn im Blick behält. Das war überfällig. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit und bin gespannt, wie sich der Bestand in den kommenden Jahren entwickelt.

Weitere Informationen

Notabfischung am Langbathbach, 30. Juli 2026. 722 Fische aus einem Bach gerettet. Und die Frage, die dahinter steht: Wie viele Bäche verlieren heuer ihr Wasser, ohne dass jemand dabei ist?
Am 30. Juli 2026 haben wir den Langbathbach oberhalb des Kleinwasserkraftwerks bei der Kreh abgefischt. Sieben Stunden, von 7 Uhr früh bis 14 Uhr, von Gumpe zu Gumpe durch ein Bachbett, das über weite Strecken schon trocken lag. Am Ende waren es 722 Fische. Elritze, Bachforelle, Koppe, alle aus den letzten Tümpeln geholt und in den Langbathsee umgesetzt. Ein guter Tag, könnte man meinen. Und trotzdem geht mir dieser Einsatz nicht aus dem Kopf.
Wasser ist zur Zeit in aller Munde. Das Wasser in unseren Gewässern im Salzkammergut wird seit Jahren immer wärmer. Die heißen Lufttemperaturen allein reichen als Erklärung nicht. Wobei das Jahr 2024 für die Bergflüsse ein gutes war: Es gab in kurzen Abständen immer wieder Regen, und weil es im April in den Bergen noch ausgiebig geschneit hatte, floss auch viel kühles Schmelzwasser in die Gewässer.
Nachfolgend die Dokumentation über unsere Bachforellen-Projekt „Leopold“. Dieses wird sich bis in den Frühsommer 2025 ziehen, solange bis die letzten Brütlinge unser „FischLab“ verlassen haben. Die Bachforelle (Salmo trutta) ist in Europa „gefährdet“. Die Aussage mag überraschen, denn diese Art ist über Europa und Westasien weit verbreitet. Auch scheint die Bachforelle (noch) nicht auf den klassischen „Roten Listen“ der gefährdeten Arten auf. Mit dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren ent­wickelten sich in den großen Flusssystemen Europas genetisch unterschiedliche Bachforellenlinien. Der in den Gewässern des Salzkammergut heimische Donau-­Traun-Typus droht auszusterben und wertvol­le biologische Ressourcen drohen zu verschwinden. Auch durch über 150 Jahre Fischzucht im Salzkammergut und genau so lange Besatzmaßnahmen haben dazu beigetragen, dass es genetisch sowieso nur an unsere Bäche und Gewässersystem angepasste „Mischkulanzen“ gibt, die sich etwpliert haben und in den verbleibenden Gewässern behaupten. Wie wir die letzten 40 Jahre feststellen müssen, wird ihr Lebensraum immer weiter zurückgedrängt und auch diese verbleibenden Bäche sind stark verbaut und immer mehr kommt eine Wasserverknappung in den Trockenperioden dazu und reduziert deren Rückzugsgebiete.
Das Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS) dient u.a. der rechtlich verbindlichen Kundmachung der im Bundesgesetzblatt (seit 2004) und in den Landesgesetzblättern der Bundesländer zu verlautbarenden Rechtsvorschriften. Das RIS dient ferner zur Information über Rechtsnormen des Bundes und der Ländern (konsolidiertes Bundes- und Landesrecht) zu ausgewählten Erlässen von Bundesministerien sowie zu sonstigen Kundmachungen.
Die erste Frage ist, ob Besatz notwendig ist. Wenn dies der Fall ist, führen wir zur Gewinnung von Besatzfischen ein jährlicher Laichfischfang von lokalen Elterntieren durch. Wir arbeiten nicht mit „Mutterfischstämme“, die über Generationen in der Fischzucht gehalten wurden. Daher haben wir eine Sondergenehmigung von der OÖ. Landesregierung, um zur Laichzeit bis zu 50 Bachforellen per Elektrobefischung abfischen zu dürfen.
Um sich stets einen Fischreichtum zu sichern, vielleicht weil bereits ein Rückgang einge­treten war, gab es die Funktion von Fischmeistern die schon im 16. Jhdt. bei den beiden Langbathseen und am Auslauf davon eine Fischaufzucht betrieben. Von dort mussten die tätigen Fischer im Rahmen für die Weiterzucht laichreife Fische abgeben. Später, ab dem 17. und 18. Jhdt. verbrachten die Fischer, ebenfalls als Robot Leistung, Fische aus der Traun nahe der Kainz Mühle in Traun Dorfer, in die dort angelegten Fischteiche. Schließlich entstand ab Mitte des 19. Jhdt., nach Abkommen der Robot, eine private Fischzuchtanstalt, wo ein Herr Zangerl österreichweit als Experte wirkte. Seine Pläne für Zuchtanlagen sind heute noch vorhanden.

„Mögen alle Menschen die Bedeutung frei fließender Flüsse erkennen

und bei deren Wiederherstellung helfen!“