Aufgehoben statt aufgestaut

Die Energie AG baut das Kraftwerk Weissenbach, unterhalb von Bad Goisern nicht. Die Rechnung geht nicht auf. Für die Obere Traun ist das die beste Nachricht des Jahres. Nach rund fünf Jahren Planung ist Schluss. Im Schreiben vom 28. September 2026 steht der Grund klar und nüchtern: Der erwartete Energieertrag fiel deutlich geringer aus als angenommen, die Investitionskosten stiegen. Die künftigen Erlöse decken die Finanzierung nicht. Also kein Bau.

Vorweg, damit kein falscher Eindruck entsteht: Die Fischerei ist nicht gegen alles. 2021 haben wir an der Oberen Traun unterhalb von Bad Goisern ein weit größeres Kraftwerksprojekt abwenden können (siehe Traunrauschen). Das war ein anderer Fall. Beim Projekt Weißenbach steht bereits ein Querbauwerk. Wir alle brauchen Strom, und der Verbrauch sinkt nicht von selbst. Gegen ein Kraftwerk an einem bestehenden Wehr massiv anzukämpfen, war deshalb nie unser Weg, solange die Bedingungen stimmen.

Panoramafoto vlnr. (Traun aufwärts), sieht man die RHV Kläranlage vom Reinhalteverband, Fließstrecke mit Schotterbänken, im Hintergrund der Anzenauerpolster.

Und die Bedingungen waren für uns klar. Nicht noch mehr Gewässerraum vernichten. Ein fairer Ausgleich für den fischereilichen Schaden und den Entgang an Fischerei durch Trübung und Kolmatierung. Und eine Abgeltung für das, was eine frei fließende Traun gegenüber einem Stau an Wert verliert. In den Verhandlungen zeichneten sich auch für die Weiterverwendung des Fluders gute Lösungen ab. Noch waren nicht alle Details fixiert, aber die Ansätze lagen auf dem Tisch. Jetzt entschiedet die Wirtschaftlichkeit, und sie entscheidet gegen das Kraftwerk. Das ist eine ehrliche unternehmerische Entscheidung, und sie verdient Respekt.

Warum die Rechnung nicht aufgeht

Dahinter steht etwas Größeres. 2026 ist die trockenste Periode in 176 Jahren Messgeschichte. Beim Verbund liegt die Wasserkraft derzeit rund 30 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Besonders betroffen sind Laufkraftwerke, weil sie nur die gerade verfügbare Wassermenge nutzen können und nichts speichern. Genau so ein Laufkraftwerk wäre Weißenbach geworden.

Weniger Wasser heißt weniger Strom heißt eine Rechnung, die nicht aufgeht. 2025 lag die Erzeugung der Laufkraftwerke bereits ein Fünftel unter dem Schnitt, 2024 war noch das beste Jahr in rund 70 Jahren. Der Trend zeigt nach unten. Die Bürgerinitiative Traunrauschen hat das vor Jahren gesagt, nicht nur aus Naturschutz, auch aus nüchterner Mathematik. Ein Kraftwerk, das auf die Wasserführung der Vergangenheit baut, rechnet gegen die Zukunft. Jetzt ist die Realität früher da als die Prognosen.

Gewinner ist die Traun

Kein neuer Stau über mehr als einen Kilometer. Kein aufgewärmtes Stauwasser in einer Zeit, in der die Traun ohnehin zu warm wird. Keine weitere Barriere für Äsche und Seeforelle. Die Obere Traun bleibt auf dieser Strecke, was sie ist: ein frei fließender, kalter Fluss. Genau das brauchen unsere Fische, wenn der Dachsteingletscher als Kühlung ausfällt.

Unterhalb vom Anzenauerpolster, in Richtung der neu renaturierten „RHV-Wiese“ (Siehe Beitrag Linkt unter) und im Hintergrund die Katrin. Wegen solch einer Landschaft und eines Gewässer kommen viele hunderte Fliegenfischer jährlich an die obere Traun und nicht nur diese. Eine solche Landschaft ist unser touristisches Kapital.

Und es kommt noch besser. Der nationale Gewässerbewirtschaftungsplan verlangt beim bestehenden Querbauwerk in Lauffen die Durchgängigkeit bis Ende 2027. Die alte Barriere muss also fischpassierbar werden. Wo ein neuer Stau geplant war, entsteht jetzt die Chance auf freie Bahn für wandernde Fische. Dier Punkt ist noch offen!

Was die Region gewinnt

Die Obere Traun ist ein Name in der Fliegenfischerei. Gäste aus aller Welt kommen wegen des klaren, kalten, lebendigen Flusses. Ein Stausee hätte dieses Kapital entwertet. Ein freier Fluss ist für den Fremdenverkehr mehr wert als ein paar Gigawattstunden, die es in trockenen Sommern ohnehin nicht mehr gibt.

Ein Blick auf den Anzenauerpolster, von dem links im Bild der „Fluder“ mit einer Wassermenge von ca. 4 m3 zum Krafthaus in Lauffen abgeleitet wird. Dieses Kraftwerk Baujahr: 1906 (erneuert/ausgebaut 1962) ist in die Jahre gekommen und dessen Betrieb ist vermutlich auch nicht mehr wirtschaftlich. Das wäre die Chance auf dein „DAM-Removal„!

Offene Fragen bleiben. Was mit dem Fluder in Lauffen und der Wasserzufuhr zur Anzenaumühle geschieht, ist nicht entschieden. Der Hochwasserschutz wird weiter geplant, in Abstimmung mit dem Gewässerbezirk Gmunden. Das sind lösbare Aufgaben. Die große Weichenstellung ist gefallen.

Panoramfoto vom

Die Energie AG bekennt sich weiter zum Ausbau erneuerbarer Energie, in wirtschaftlich tragfähige Projekte. Das ist richtig. Sonne und Wind tragen heute schon, was dem Wasser im Sommer fehlt. Die Traun muss dafür nicht sterben. Sie darf weiter rauschen.

Quellen und Links

› Woche / Ischler Woche, „Kraftwerk Weißenbach ist endgültig vom Tisch“, 30.09.2026.

› Energie AG Oberösterreich, Schreiben an die Landesregierung, 28.09.2026 (Projektstand WKW Weißenbach).

› ORF Kärnten, Wasserkraft im Trockenjahr 2026: https://kaernten.orf.at/stories/3367395/

› Dolomitenstadt, Trockenheit setzt Wasserkraftwerken zu:
https://www.dolomitenstadt.at/2026/07/31/trockenheit-setzt-wasserkraftwerken-zu/

› Intern, Kraftwerk Weißenbach: https://huberpower.com/wordpress/?p=24506

› Intern, Fluder in Lauffen: https://huberpower.com/wordpress/?p=24785

› Intern, Traunrauschen, das abgewendete Projekt 2021: https://huberpower.com/wordpress/traunrauschen/

Weitere Informationen

Das Eigentliche passiert unter der Oberfläche. Am Gewässer wie beim Naturschutz. Auf www.huberpower.com geht es genau dorthin: zur Arbeit am Wasser, zur Forschung dahinter und zu den Projekten, an denen wir gerade arbeiten.

Bis in das 14. Jahrhundert lässt sich ein Mühlbetrieb an dieser besonderen Stelle nachweisen, denn hier mündete bereits damals der steile Mühlbach in die Traun. Das jetzige Gebäude wurde jedoch erst Ende des 16. Jahrhunderts errichtet und Ende des 18. Jahrhunderts erweitert. Der Fluder, eine hölzerne Wasserzuleitung, ist bereits auf dem Stich von Merian aus dem 17. Jahrhundert sichtbar und prägt seitdem das Ortsbild von Lauffen. 1895 wurde der eigentliche Mühlbetrieb eingestellt und die Anlage zu einem E-Werk umgebaut. 1962 wurde der ursprünglich hölzerne Fluder in Beton erneuert. Bis heute befindet sich in der Grabenmühle ein Generator, der die gewonnene Wasserenergie in Strom umwandelt.
Der Fluder in Lauffen soll aufgelassen werden! Durch ein Kraftwerksprojekt oberhalb der Goiserer Weissenbach Mündung soll als Ersatzkraftwerk zum KW Lauffen ein neues Kraftwerk entstehen und damit wird auch der Jahrhunderte alte Mühlbach zur Anzenau Mühle und in die Ortschaft Lauffen führend nicht mehr gebraucht. Verschiedene Maßnahmen haben dazu geführt, dass dieser, so wie es von verantwortlicher Seite von der Energie AG mitgeteilt wurde, zwar erhalten bleibt, jedoch mit einer sehr reduzierten Wassermenge.
Die Energiewende erfordert ihren Zoll und um den Strombedarf der Zukunft zu sichern muss die „erneuerbaren Energie“ aus Wasserkraft wieder einige hundert Meter an Fließstecke in der Äschen -Region an der Oberen Traun geopfert werden. Der Champion der erneuerbaren Energien, wie es so schön in der Presseaussendung der Energie heißt, ist leider immer noch die Wasserkraft. Solange nicht der letzte Kilometer an Fleißgewässer verbaut ist gibt der Gierschlund „Wasserkraft“ keine Ruhe. So arbeitet die Energie AG an der Verwirklichung der Projektidee in Weißenbach in Bad Goisern, ein Kraftwerk zu errichten, welches „umweltfreundlichen Strom“ erzeugt und gleichzeitig den Hochwasserschutz verbessert. Eine WIN-WIN Situation, wenn man der Aussendung glauben darf. Mir geht es vom FROSKG und in meiner Funktion als Obmann, nun darum, eine WIN-WIN-WIN Situation daraus zu machen. D.h. nicht nur „Grüner Strom“ und Hochwasserschutz, sondern auch das ökologische Umfeld muss passen und sich nach Möglichkeit die Situation für die Fische verbessern.
Die Energie AG Oberösterreich hat den Baubeschluss für das Traun Kraftwerk in Bad Goisern gefasst. Durch die Partnerschaft mit einem oberösterreichischen Investor ist es nun (leider) doch möglich geworden, dieses „energiepolitisch sinnvolle“ (?) und Zukunftsweisende Wasserkraftprojekt trotz der schwierigen energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu realisieren.
Die Traun bildete ab dem Spätmittelalter das Rückgrat für die wirtschaftliche Entwicklung des Salzkammerguts. Auf ihr transportierten die Schiffer das Salz zu den Absatzmärkten, auf ihren Zubringern gelangte das getriftete Holz zu den Sudhäusern. Im Salzkammergut waren die Bedingungen für die Produktion und den Handel von Salz nicht einfach, da die Holzvorräte stark limitiert und der Transport auf der Traun alles andere als einfach waren.

„Pläne die Luft und das Wasser, die Wildnis und Natur zu beschützen,

sind auch Pläne, die den Menschen zu beschützen.“

Zitat von Steward Udall