Mit Krebskarkassen, ein Fond, der Reserven anlegt

Haben wir beim Aumüller gerade 30 Kg Signalkrebse verspeist, von denen 85% Karkassen und Scheren sind. Für mich schade, wenn man diese wegschmeißt. Vor allem wenn man damit ganz besonders leckere Süppchen vom Panzer zum Fond verwandeln kann: Was ich mit den Resten meiner Krebsernte mache und warum das Haus dabei ein paar Stunden lang riecht wie eine Krustentierküche, möchte ich hier berichten. Foto oben: Wolfgang Ladin

Heute stand die Küche im Zeichen der Reste. 10 Liter Signalkrebs-Karkassen, übrig von der letzten Ernte aus der Traun, bekamen ihre zweite Chance. Wer Krebse fängt und nur das Fleisch aus den Schwänze isst, verschenkt 85% des Tieres. Schalen, Scheren, Panzer: da steckt Geschmack drin, den die meisten einfach wegwerfen.

Ich bin Hobby-Fischkoch, aber ich koche anders als die Hausfrau am Herd nebenan. Bei mir werden nicht 10 Stück Krebse verkocht für ein Flusskrebs-Schaumsüppchen für vier Personen. Bei mir wird der Krebsfond halb großküchenmäßig als Halbfabrikat vorgekocht und erst in einer zweiten Phase kulinarisch verfeinert und auf den Punkt gebracht.

Ich röste die Karkassen zuerst scharf an, in etwas Öl, bis sie richtig Farbe nehmen. Genau in diesem Moment beginnt das Haus zu riechen. Nicht dezent. Der Duft zieht durch jeden Raum, durch jede Ritze, bis in den ersten Stock hinauf. Meine Frau kennt das Ritual mittlerweile und lüftet vorsorglich schon die Fenster im Schlafzimmer. Wer Krebse verarbeitet, verarbeitet auch den Geruch. Das gehört einfach dazu, und ich habe mich damit längst arrangiert.

Es ist genau die richtige Zeit um den Flusskrebs-Halbfabrikate-Fond jetzt zu machen. Der Garten ist voll mit Stangensellerie, der ganz perfekt zum Krebs-Fond passt, Maggikraut, frische Kräuter wie Bohnenkraut, Salbei und ein paar Zweige vom Rosmarie.
Was zum Ablöschen für den Wein gilt, hier keinen Fussel zu nehmen, gilt auch für das Bier. Was könnte besser passen als ein Samichlaus Barrique der Brauerei Schloss Eggenberg aus Vorchdorf, bekannt als „Das Bier zum Salzkammergut“. Weil das Schweizerdeutschstämmige Wort „Samichlaus“ (Nikolaus) im österreichischen Sprachgebrauch schwer über die Lippen geht, nennen viele Einheimische das traditionsreiche Weihnachtsbier einfach „Stanislaus“. Genau dieses rotbraun schimmernd, nach vielschichtigen Aromen von Dörrpflaumen, Malz und Karamell riechende Starkbier passt perfekt zum Ablöschen.

Nach dem Rösten kommen Zwiebel, Karotte, Sellerie und etwas Tomatenmark dazu. Abgelöscht habe ich dieses mal mit Starkbier und nicht mit Weißwein, aufgegossen mit selbstgemachten Gemüsefond, aus nicht weggeworfen Gemüse-Abfällen und ein Glas Fischfond hatte ich auch noch zur Hand, dann köchelt der Sud mehrere Stunden vor sich hin. Lorbeer, Pfefferkörner und ein paar Zweige Estragon geben die Würze. Am Ende passiere ich alles durch ein feines Sieb und reduziere den Fond, bis er kräftig genug ist für den Gefrierschrank.

vrnl.: Den Fond durch ein feines Sieb oder passieren, um Trübstoffe, Gewürze und Karkassen Reste zu entfernen. Den passierten Fond bei mittlerer Hitze sanft köcheln lassen, bis die gewünschte Konzentration und Zielmenge von ca. 4–5 Litern erreicht ist, um diesen zu Finalisieren oder Eingefrieren und zu einen späteren Zeitpunkt, zu verfeinern.

Aus 10 Litern Karkassen werden am Schluss knapp 4-5 Liter konzentrierter Fond. Genau das ist der Punkt an der Sache. Der Fond wandert nicht sofort in den Topf, sondern portionsweise ins Eisfach und wartet dort auf seinen Einsatz. Braucht es eine schnelle Krustentiersuppe, hole ich eine Portion heraus. Steht mir der Sinn nach einem asiatischen Curry, wird der Fond zur Basis für eine Tom Kha mit Krebsfleisch. Und manchmal landet er einfach in einer Beurre blanc zu gebratenem Saibling, ganz nach Lust und Laune.

Der reduzierte Flusskrebs-Fond. Bereit um zu Finalisieren: Direkt als kräftige Basis für Suppen und Saucen montieren oder reduzieren und je nach Geschmacksrichtung zu verfeinern.

In der Gastronomie nennt man das Nose to Tail, auf Französisch de la tête à la queue: das ganze Tier verwenden, nicht nur das teure Stück in der Mitte. Köpfe, Kiemen, Schalen, Karkassen, Innereien, alles wird zu Fond, Suppe, Sauce oder Butter, statt in der Tonne zu landen. Bei mir wird genau danach verarbeite jeder einzelne Krebskarkasse eine zweite und letzte Chance zu gegeben.

Gemüse, Fische und Krebse gehören für mich ganzheitlich verarbeitet. Karkassen, Gräten, Köpfe: das ist kein Abfall, das ist Fond, Suppe, Krebsbutter oder Soße, die erst noch entstehen will. Von den geselchten Fischen hebe ich mir die Haut und die Köpfe auf, um einen herrliche Räucherfischfond zuzubereiten. Und ja, dafür nehme ich auch den strengen Geruch der beim Krustentier-Karkassen rösten entsteht in Kauf, der sich für ein paar Stunden im ganzen Haus breitmacht. Der Fond in der Tiefkühltruhe ist es allemal wert.

Weitere Informationen

Das Eigentliche passiert unter der Oberfläche. Am Gewässer wie beim Naturschutz. Auf www.huberpower.com geht es genau dorthin: zur Arbeit am Wasser, zur Forschung dahinter und zu den Projekten, an denen wir gerade arbeiten.

Wan Tan, auch Wantan oder Huntun (chinesisch 餛飩 / 馄 , Pinyin húntun, Jyutping wan tan, kantonesisch, englisch Wonton, Wunton sind Teigtaschen aus der chinesischen Küche (→ Dim Sum). Die allgemein populäre Schreibweise „Wan Tan“ hat ihren Ursprung im Kantonesischen und spiegelt die Verwendung englischer Schreibkonvention wider (engl. Wonton), während die Bezeichnung „Huntun“ hingegen sich aus dem Hochchinesischen ableitet. (Quelle: Wikipedia)
Das Ende der Fischerei-Saison am Wasser, ist der Anfang der Winterarbeit im Revier und in der Küche. Jetzt Anfang Oktober, wenn die ersten regnerischen Tage kommen, in der man die Ernte die man über den Sommer und Herbst gemacht hat, auch einer Weiterverarbeitung und einer Veredelung zuführt. Ich hatte Ende Juli 40 Kilogramm Flusskrebse gefangen, die wir zwar schon grob vorgearbeitet hatten. Jedoch mich mit neuen Kochrezepten und Kochversuchen zu beschäftigen, diese Zeit ist erst jetzt gekommen und so bin ich gespannt was man aus den Flusskrebs Karkassen noch Leckeres herstellen kann.
Das zarte Fleisch der Flusskrebse hat ein unvergleichliches mild-süßes Krustentieraroma. Das mag an seinem Lebensraum liegen, denn diese anspruchsvollen Süßwasserkrebse bewohnen nur Gewässer mit hoher Wasserqualität. Flusskrebse gehören zum Unterstamm der Krustentiere, den ältesten Lebewesen des Planeten. Wissenschaftler vermuten, dass diese Tiere bereits seit über 200 Millionen Jahren existieren. Der chininhaltige Panzer des Flusskrebses hat entweder eine hellbraune oder eine dunkelgrüne Färbung und wird beim Kochen leuchtend rot.
 

„Fisch und Krebse gehören ganzheitlich verarbeitet, denn darin steck so viel mehr:

Fischfond, Krustentiersuppe, Krebsbutter oder Fischsoße. “

Ein nachhaltiger Lebensstil bedeutet, keine Ressourcen zu verschwenden.