Brücke in Steeg Neubau 1997

Der Neubau der Traunbrücke bei der Seeklause, ein Damm quer durch den Seeausrinn und die Frage, was so ein Eingriff mit den Äschen macht? Am 25. Jänner 1994 erteilte die Bezirkshauptmannschaft Gmunden der Republik Österreich, Bundesstraßenverwaltung, den Bescheid für die Traunbrücke in Steeg. Geschäftszahl: Wa-1454106-1993/Ba/St. Im Bescheid steht „Generalsanierung“. Am Ende stand in Steeg eine neue Brücke.

Ein zeitloser Übergang zwischen Vergangenheit und Gegenwart – fest verankert im felsigen Untergrund, während darunter das türkisblaue Wasser unaufhaltsam in die Freiheit fließt. Im Hintergrund ragen die majestätischen, steilen Wände des Dachsteinmassivs in den Himmel und rahmen das ruhige Zusammenspiel von Beständigkeit und Bewegung perfekt ein.

Eine Brücke mitten im Denkmal

Die Brücke verbindet die beiden Ufer der Traun kurz nach deren Ursprung aus dem Hallstättersee. Sie liegt genau zwischen den zwei Bauteilen der Seeklause: oberhalb die Klause mit ihren zwölf Klausstuben und elf Toren, 40 Meter flussab der Polster, das Gegenwehr. Die Klause ist für das Jahr 1523 belegt. Ihre heutige Form bekam sie zwischen 1564 und 1573 unter Thomas Seeauer, dem Hallstätter Holz-, Klaus-, Wühr- und Forstmeister. 110 Meter lang, auf Holzpfählen gegründet, denkmalgeschützt und Teil des UNESCO-Welterbes. Wer hier eine Brücke baut, baut zwischen Holz, das seit über 500 Jahren im Wasser steht.

Wer hier eine Brücke baut, baut zwischen Holz, das seit über 500 Jahren im Wasser steht.

Ein Provisorium für ein Provisorium

Der Verkehr musste während der Bauzeit weiter über die Traun. Also brauchte es eine Behelfsbrücke. Und für die Behelfsbrücke brauchte es Piloten im Gewässergrund. Die Bauarbeiter standen vor einem einfachen Problem: Wie schlägt man Pfähle in ein Flussbett, durch das ständig Wasser rinnt? Die Antwort war ein Damm, quer durch den Seeausfluss, direkt in der Traun.

Erst hinter diesem Damm konnten die Baumaschinen im trockengelegten Bett arbeiten und die Piloten einschlagen. Ein Provisorium für ein Provisorium. So hat es damals wohl niemand genannt, aber genau das war es.

Vom Bescheid zur Brücke

Zwischen Bescheid und fertiger Brücke lagen drei Jahre. Das Land Oberösterreich führt 1997 als Baujahr der heutigen Traunbrücke Steeg. 25 Jahre später war sie zum ersten Mal reif für eine Sanierung. Vom 1. September bis Anfang Dezember 2022 ließ das Land den Korrosionsschutz, die Gehwegbeschichtung und den Fahrbahnbelag erneuern. Kosten: rund 1,3 Millionen Euro.

Hier die Brücke, unterhalb der Seeklause am Ausfluss vom Hallstättersee.

Brücken im Salzkammergut

Das Salzkammergut besteht aus Tälern, Seen und Flüssen. Ohne Brücken kommt hier niemand weit. Die Traun teilt von Steeg bis Ebensee fast jeden Ort in zwei Hälften: Goisern, Lauffen, Ischl. Eine Brücke verbindet hier mehr als zwei Ufer. Sie verbindet Nachbarn, Schulwege, Wirtshäuser und Arbeitsplätze.

Wie sehr ein Ort an seiner Brücke hängt, hat Bad Ischl 2018 gemerkt. Die Elisabethbrücke war von Februar bis Mitte Juli gesperrt, und die halbe Stadt musste ihre Wege neu planen. Ihre Vorgängerin hatte das Hochwasser von 1897 zerstört.

Gebaut wurden die alten Übergänge für Fuhrwerke und Sommerfrischler. Heute tragen sie Reisebusse, Lastwagen, die Pendler am Morgen und im Sommer die Kolonnen der Tagesgäste. Über die Steeger Brücke führt die B166, der Weg nach Hallstatt, nach Gosau und über den Pass Gschütt. Wer an einem Augusttag dort steht, zählt mehr Kennzeichen aus dem Ausland als aus dem Bezirk Gmunden.

Für die Traun hat das eine Folge. Mehr Verkehr und mehr Gewicht heißen: Brücken werden öfter saniert, verstärkt und irgendwann neu gebaut. Jede dieser Baustellen steht im Wasser oder knapp daneben. Steeg war eine von vielen. Die nächste kommt bestimmt.

Historische Aufnahmen oder Dokumente von der Baustelle aus dem Jahr 1996 zu finden, ist digital tatsächlich oft knifflig, da viele dieser Archive aus den 90er-Jahren nicht digitalisiert oder öffentlich vernetzt sind. Sollten ich bei der Sichtung meiner Foto-Datenbanken noch welche finden, werde ich diese ergänzen.

Was ein Damm im Seeausrinn anrichtet

Die Goiserer Traun ist ein Seeausrinn. Der Hallstättersee hält den Schotter zurück, unterhalb der Klause kommt so gut wie kein Geschiebe nach. Der Kies, der dort liegt, ist alles, was die Fische haben.

Und sie brauchen ihn. Jedes Jahr ziehen die Äschen aus dem See in die Traun herein und laichen in den beiden Traunarmen unterhalb des Nadelwehrs und im Steegwirt Fluder. Die Laichzeit beginnt Anfang April und dauert bis Anfang Mai, bei 9 bis 11 Grad Wassertemperatur.

Ein Damm quer durch diesen Ausrinn trifft den Fluss an drei Stellen. Hinter dem Damm fällt das Bett trocken, Koppen und Jungfische bleiben zwischen den Steinen zurück. Die Baumaschinen verdichten die Sohle. Und beim Schütten und beim Abtragen geht Feinmaterial flussab, setzt sich in die Lücken im Kies und verklebt die Laichplätze. Heute fischen wir vor jeder Trockenlegung ab. Ob das 1994 in Steeg jemand getan hat, ist in keiner Quelle festgehalten, die mir vorliegt.

Die Brücke hat der Traun übrigens schon früher etwas hinterlassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden von ihr aus Kriegsrelikte in den Fluss geworfen. Vor wenigen Jahren hat ein Bagger mit Sieblöffel sie zwischen Klause und Nadelwehr wieder herausgeholt. Wir haben die Gelegenheit genutzt und im selben Arbeitsgang die Schotterbänke für die Äschen aufgelockert.

Was bleibt

Heute, über 30 Jahre später, erinnert nichts mehr an den Damm. Die Brücke steht, die Behelfsbrücke ist weg, die Piloten sind gezogen. Übrig bleibt ein Bescheid vom Jänner 1994. Er zeigt, wie viel Aufwand hinter einer Brücke steckt, über die man täglich fährt, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden.

Eine Brücke hält Jahrzehnte. Ein verklebter Laichplatz fehlt schon im nächsten April.

Quellen

Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Gmunden vom 25.01.1994, GZ Wa-1454106-1993/Ba/St. Land OÖ, Presseinformation zur Sanierung der Traunbrücke Steeg, August 2022. Wikipedia, „Seeklause in Steeg“. Franz Rosenauer: Die Seeklause am Hallstättersee in Steeg, Heimatgaue 1934. Eigene Beiträge auf huberpower.com zu Seeklause, SÄEEP und Steegwirt Fluder.

Kategorien: Goiserer Traun · Brücken · Baustellen · Seeklause · Seeausrinn · Geschichte · Äsche · Bad Goisern
Quelle: Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Gmunden vom 25.01.1994, GZ Wa-1454106-1993/Ba/St.

Weitere Informationen

Das Eigentliche passiert unter der Oberfläche. Am Gewässer wie beim Naturschutz. Auf www.huberpower.com geht es genau dorthin: zur Arbeit am Wasser, zur Forschung dahinter und zu den Projekten, an denen wir gerade arbeiten.

Im Seeauslauf des Hallstätter See in die Goiserer Traun existiert im Vergleich zu anderen Bereichen der Oberen Traun, zwischen Traunsee und Hallstätter See eine (noch) recht guter Äschen Bestand. Aus dem Hallstätter See kommt jedoch kein Geschiebe um eine Bildung von Schotterbänken und Laichplätze zu bilden. Daher ist es Ziel des Projektes durch eine Schottereinbringung die natürliche Laichsituation für Kieslaicher, wie der Äsche (Thymallus thymallus) wesentlich zu verbessern.
Nahezu alle unsere rheophilen Fische laichen auf Kiessubstrat. Die große Mehrheit dieser Kieslaicher gilt als gefährdet, einige Arten sind bereits vom Aussterben bedroht oder so wie die Bachforelle, an der Oberen Traun verschwunden. In vielen Bereichen gehen die Bestände weiter zurück. Zu den wichtigsten Ursachen dieser Entwicklung zählt eine verminderte Reproduktion aufgrund degradierter Kieslaichplätze. Die Degradierung zeigt sich vor allem durch Verschlammung und Verfestigung der Kiesbänke sowie durch Auswaschung von Kies. Besonders betroffen sind die Laichplätze der Äschen. Sie stellt hohe Anforderungen an ihren Laichplatz und kann als Indikator für die Funktionsfähigkeit von Kieslaichplätzen auch für andere Arten herangezogen werden.
Nachfolgend habe ich ein Gutachten aufgenommen, da es durch eine Bestandsaufnahme sehr schön den Fischbestand an der Goiserer Traun aus dem Jahre 1996 wiedergibt. Auch kann und soll es als Referenz bei derartigen Unfällen dienen. Unfälle mit Erdöl schädigen massiv unsere Ökosysteme. Bis sich betroffene Lebensräume nach einer Katastrophe wieder erholen, kann es viele Jahre und sogar Jahrzehnte dauern. Nachfolgend eine Nachlese zu dieser Katastrophe.
Die Traun bildete ab dem Spätmittelalter das Rückgrat für die wirtschaftliche Entwicklung des Salzkammerguts. Auf ihr transportierten die Schiffer das Salz zu den Absatzmärkten, auf ihren Zubringern gelangte das getriftete Holz zu den Sudhäusern. Im Salzkammergut waren die Bedingungen für die Produktion und den Handel von Salz nicht einfach, da die Holzvorräte stark limitiert und der Transport auf der Traun alles andere als einfach waren.
 

„Nicht der eine große Schlag, sondern die vielen kleinen Baustellen zerstören das Leben im Fluss:

Der Feinsediment-Eintrag erstickt Laich, Nahrung und Fische.“

Zitat von Heimo Huber, FROSKG