Oberer Rassinggraben – Steinkrebs Sichtung

Der Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten geht durch immer noch gängige menschliche Eingriffe verloren. Vor allem das Auftreten von Wasser wird oft als Hindernis für eine effiziente Bewirtschaftung gesehen: Teiche werden zugeschüttet, Bachläufe reguliert und Feuchtflächen trocken gelegt, damit leichter bearbeitbare und zusammenhängende oder neue Flächen für Ackerbau und Viehzucht entstehen. Auch Forststraßen werden oft so planiert, dass Gräben und Lacken verschwinden.
Neben Maßnahmen wie diesen machen eingeschleppte Krankheiten und fremdländische Arten vielen heimischen Tieren zu schaffen, die auf Lebensräume am und im Wasser angewiesen sind: Feuchtwiesen, Bachbette, kleine Feuchtstellen. Einige Tierarten sind so selten geworden, dass sie in ihrem Fortbestand
gefährdet sind. Der Steinkrebs etwa ist vielerorts nahezu ausgestorben. Krebspest und geradlinige Bachläufe ohne Struktur setzen ihm immer mehr zu.

Steinkrebs Sichtung

Aktennotiz über gutes Steinkrebs-Vorkommen im Rassinggraben in Bad Goisern. Informatinen wie diese muss man gleich notieren. Wie mir von einen Fischerkollegen und Jäger aus Bad Gosiern berichtet wird, gibt es im Oberen Beireich vom Rassiggraben, wo dieser mehr im einen Sumpftepich verläuft als in einem Bachbett, noch ein gutes Steinkrebs Vorkommen.

Auf der Suche nach Steinkrebsen, muss man so kleine „Runsen“ absuchen.

Der Rassingbach ist ein linker Zubringer der Traun und mündet beim Gasthaus Rassingmühle, in der Ortschaft Unterjoch, in die Traun. Im Unterlauf ist er ja architektonisch, stark geometrisch, im Stil der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts verbaut. Hier kann man die Kreativität der Wildbachverbauung des vorigen Jahrtausend bewundern. Es mag jedoch sein, dass sich vielleicht gerade deshalb auch im Oberlauf die Steinkrebse so gut halten, da es über den betonierten Auslauf in die Traun, selbst invsiven Krebsarten, wie den Signalkrebs keine erstrebenswerten Lebensbedingungen aufzeigt, hier aufzusteigen.

Lebensraum

Steinkrebse reagieren sehr empfindlich auf Veränderungen in ihrem Heimatgewässer. Sie verschwinden, wenn Schadstoffe aus Industrie, Haushalten und Landwirtschaft eingeleitet werden oder wenn Feinsedimente durch intensiven Ackerbau vermehrt ins Gewässer gelangen. Ausbau, Begradigung und
kanalartige Lenkung des Gewässers verändern das Temperaturklima eines Baches, zerstören die notwendige Vielfalt an Strukturen und Unterständen sowie die Nahrungsgrundlage der Krebse.
Die Zerstückelung von Gewässersystemen durch den Einbau von Rohren, Wehren und Turbinen für Kraftwerke legt dem Steinkrebs unüberwindbare Hindernisse in den Weg. Das hat zur Folge, dass Populationen auf immer kleinere Gewässerabschnitte reduziert werden, sich nicht mehr ausbreiten können und sich dadurch nur mehr isoliert fortpflanzen, falls dies überhaupt noch möglich ist. Über längere Zeit führt die Verinselung zu einer Einschränkung des Genmaterials und damit zu einer
Schwächung der Population.

Schutzmassnahmen

Um den Steinkrebs aktiv zu schützen, braucht es Wissen. Nur wenn man weiß, wo sich die heimischen Krebsarten befinden und ob ihnen eventuell Gefahr durch den Signalkrebs droht, kann man durch gezielte Maßnahmen die Lebensbedingungen des Steinkrebses verbessern oder die Bedrohung entschärfen. Geeignete Lebensräume zeichnen sich durch natürliche Gewässerstrukturen, gute Wasserqualität, wenig Geschiebe und eine Gewässernutzung in verträglichem Ausmaß aus.
Für vom Steinkrebs besiedelte Gewässer gilt:

  • Keine Barrieren schaffen mit steilen Abbrüchen oder dem Einbau von unüberwindbaren Schwellen.
  • Bestehende Hindernisse passierbar machen.
  • Durchlässe bei Straßenquerungen flach und ohne Absturz ausführen. Glatte Rohre verhindern die Durchwanderbarkeit.
  • Bachläufe natürlich belassen und weder Sohle noch Seiten verbauen.
  • Schadstoff- und Feinsedimenteinträge vermeiden.
  • Angrenzende Grundbesitzer über das Vorkommen der Krebse aufklären und um angepasste Bewirtschaftung bitten (keine Düngung bis ins Gewässer etc.).
  • Keine Signalkrebse einbringen.

Weitere Informationen

ÖBF-Initiative: AKTIV FÜR STEINKREBS UND AMPHIBIEN

Ursprünglich in einer Vielzahl von Österreichs Gewässern verbreitet, findet man den heimischen Steinkrebs (Austropotamobius torrentiumheute nur noch sehr selten. Hauptgrund für den Verlust ist unter anderem die Krebspest, eine von einem Eipilz (Aphanomyces astaci) übertragene Krankheit, die für unsere heimischen Flusskrebsarten tödlich verläuft. Die Krankheit wurde bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts ausgehend von Nordamerika vermutlich über Frachtwässer in Europa eingeschleppt, wo sie zu einem ersten dramatischen Rückgang der heimischen Krebsbestände führte.

„Alle wollen zurück zur Natur. Aber keiner zu Fuß.“

Zitat: Werner Mitsch

 

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