Instream River Training mit Flussbaumeister Otmar Grober

Flussbau nach Viktor Schauberger: Ein Blick zurück mit Zukunftsweisungs-Charakter

Spät aber doch haben es meine Aufnahmen aus dem praxisorientierten Seminar „Flussbau nach Viktor Schauberger“ endlich auf die Website geschafft! Ende September 2015 trafen sich in der historischen PKS-Villa in Bad Ischl Interessierte und Experten, um naturnahe Wasserbaukonzepte neu zu denken – begleitet von niemand Geringerem als Flussbaumeister Otmar Grober und Dr.-Ing. Matthias Mend. Ein echtes Highlight des Seminars war die gemeinsame Praxisbegehung des Engleithen Altarms. Im direkten Gespräch mit Otmar Grober bot sich die wertvolle Gelegenheit, die ökologische Dynamik, die Strömungsverhältnisse und das Zukunftspotenzial dieses Gewässerabschnitts vertieft zu analysieren.

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Für mich war der Kurs zum Thema Flussbau und Instream River Training, ein „Heimspiel“. Zu Gast waren wir am 26. September 2015 in der PKS Villa von Jürgen Schauberger in Bad Ischl, direkt oberhalb von Bad Ischl, am Ufer der Traun gelegen.

Heimspiel in der PKS Villa in Bad Ischl

Direkt vor der „Haustür“ vom „Fischereirevier Oberes Salzkammergut“ und in meinen Wirkungsbereich liegend. So viel Kompetenz zur Geschichte von Flussbaumaßnahmen, die auf Viktor Schaubergers Forderung basieren, einen Fluss nicht vom Ufer aus zu regulieren, sondern die Strömung als Ursache für Ufer- und Sohlenerosionen in die Mitte zu lenken. Hierbei kommen bereits bei Niedrigwasserabfluss überströmte Gewässereinbauten zum Einsatz. Daraus wurde auch der neue Wasserbau unter den Begriff „Instream River Training“ (wörtlich übersetzt: Flussbau im Stromstrich) geprägt.

Fliegenfischer und Bewirtschafter und Flussbau

Wer mit der Fliege am Wasser steht, sucht das unverdorbene Naturerlebnis: Einen intakten Flusslauf und makellose, wild gewachsene Fische – keine blassen Zuchtfische mit verkümmerten Flossen. Doch der Wunsch nach gesunden Wildfischbeständen lässt sich heute nicht mehr von der Struktur unserer Gewässer trennen.

Unsere alpinen Fließgewässer leiden unter den Sünden der Vergangenheit: Jahrzehntelanger Raubbau durch harte Uferverbauungen, Begradigungen, Kraftwerke und Schwallbetrieb haben natürliche Lebensräume massiv entwertet. Genau hier setzt für mich die Verantwortung als Gewässerbewirtschafter an.

Weg vom Pflichtbesatz – Hin zur Habitat Qualität

Ein rein gesetzlicher Pflichtbesatz mit Satzfischen greift an vielen Gewässern längst nicht mehr oder ist schlicht unökonomisch und ökologisch unwerksam. Im Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) müssen wir den Fokus auf das Wesentliche richten:

  • Bioenergetik & Habitat Nutzung: Fische benötigen Strömungsschatten und Tiefenvarianz, um Energie zu sparen.
  • Nahrungsangebot & Reproduktion: Nur wenn das Makrozoobenthos (Nährtiere) gedeiht und funktionierende Laichhabitate sowie Zubringer angebunden sind, baut sich ein wilder Bestand nachhaltig auf.

Ein Paradebeispiel – trotz aller Herausforderungen – ist der Engleithen Altarm: Der dort geschaffene Lebensraum bringt eine biologische Eigendynamik und Fischdichte hervor, die mit klassischem Besatz alter Schule niemals zu erreichen gewesen wäre.

Das Seminar „Instream River Training“

Instream River Training (IRT) nutzt naturnahe, oft aus Holz und Steinen gefügte Strukturen, um dem Fluss seine Eigendynamik zurückzugeben, ohne aufwendige, schwere Verbauungen vorzunehmen. Da dieses hochkarätige Seminar direkt vor meiner Haustür stattfand – während viele Teilnehmer eine weite Anreise auf sich nahmen –, war die Teilnahme für mich Ehrensache.

Als Fliegenfischer und Bewirtschafter müssen wir uns mit modernen Flussbaumethoden auseinandersetzen, diese verstehen und im Austausch mit Gleichgesinnten als Meinungsbildner auftreten. Denn nur wer die Sprache des Flusses versteht, kann seinen Fischen eine Zukunft geben.

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Quastenflosser: Solche extrem verstümmelte Besatzfische, die auch in der Gastronomie keine Abnehmer finden, werden teilweise als Besatzfische in unsere Gewässer eingesetzt. Daher bauen unsere Gewässerbetreuungskonzepte auf „Eigenaufkommen“ auf!
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Unsere Aufgabe ist den Fortbestand von heimischen Fischpopulationen zu fördern und dazu gehören intakte Lebensbedingungen mit Schotterbänke und Jungfischhabitaten, wie wir diese im Engleithen Altarm bekommen haben!

Arbeiten mit der Kraft des Wassers

Die bioenergetische Gewässererhaltung versteht sich als essenzielle Ergänzung zur naturnahen Pflege unserer Fließgewässer und Ökosysteme. Der Kerngedanke ist ebenso simpel wie genial: Anstatt dem Fluss mit Beton und reinen Steinwurfwänden Starre aufzuzwingen, nutzen wir die im Gewässer vorhandene Strömungsenergie gezielt für den Ufer- und Hochwasserschutz – und zwar unter Einsatz von vor Ort verfügbaren, gewässereigenen Materialien wie Totholz, Kies und Steinblöcken.

Der fundamentale Unterschied zum konventionellen Wasserbau:

Es wird mit und nicht gegen die Dynamik des Wassers gedacht und gearbeitet.

Durch den gezielten Einbau von Strömungslenkern (wie Raubäumen, Buhnen oder Pendelrampen) entstehen ganz von selbst tiefe Kolke, turbulente Sauerstoffeinträge und strömungsberuhigte Zonen. Das schützt nicht nur das Ufer vor unkontrollierter Ausspülung, sondern schafft zeitgleich genau jene komplexen Unterstände und biologischen Nischen, die unsere heimischen Wildfische und das Makrozoobenthos zum Überleben brauchen.

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Durch das Programm führten uns, vlnr: Jürgen Schauberger, Dr.-Ing. Matthias Mend, Otmar Grober, Ingrid Schauberger

Instream River Trainings: Schaubergers Erbe

Beim modern angewandten Instream River Training (IRT) kommen vorrangig Lenkbuhnen und Pendelrampen zum Einsatz. Beide Konstruktionen werden ausschließlich aus naturnahen Baustoffen gefertigt – allen voran formwilde Blocksteine, die idealerweise mit ingenieurbiologischen Materialien wie Weidenfaschinen oder Totholz kombiniert werden. Während für Pendelrampen mittlerweile präzise Dimensionierungsrichtlinien existieren, geht die Grundidee auf eine faszinierende historische Wurzel zurück.

Schon in den 1920er Jahren setzte der österreichische Förster und Naturforscher Viktor Schauberger (1885–1958) die Grundprinzipien dieser Methodik erstmals in der Praxis um. Bereits 1930 formulierte er die Kernphilosophie, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat:

„Man kann durch kleinere Einbauten dort, wo diese zum Schutze von Kulturgütern unvermeidlich werden, gewisse Verbesserungen schaffen, doch wäre es falsch, eine Regulierung des Flusses von seinen Ufern aus durchführen zu wollen, also nur die Auswirkungen, nicht aber die Ursachen zu bekämpfen.“

Genau dieser Ansatz unterscheidet das Instream River Training von starrer Uferverbauung: Statt Symptome mit schweren Verbauungen zu bekämpfen, nutzen wir punktuelle, lenkende Impulse mitten im Strom, um das Gewässer durch seine eigene Energie gesunden zu lassen.

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Am Schwesterfluss der „Oberen Traun“, der Ischl sind im Zuge der Schaffung einer Durchgängigkeit bis hinauf zum Wolfgangsee, auch sehr vorbildlich: Pendelrampen lt. Viktor Schauberger – eingebaut worden und lösen fischunpassierbare Bauwerke ab.

Viktor Schauberger wurde vor allem durch seine Holzschwemmanlagen bekannt, für die er ein halbeiförmiges Querprofil verwendete, auf dem er in den Außenkurven Holzrippen befestigte. Durch die damit induzierten Sekundärströmungen wurde das geschwemmte Holz auch in Kurven stets in der Gerinne Mitte transportiert, Verklausungen und Beschädigungen der Anlage wurden vermieden. In Fließgewässer baute Schauberger unter anderem „Energiekörper“ zur Regulierung des Geschiebetransports ein.

Wiederentdeckung und Perfektionierung durch Otmar Grober

Erst etwa 50 Jahre später wurde die Idee der Strömungsmodifizierung durch das gezielte Induzieren von Sekundärströmungen wieder verstärkt aufgegriffen. Anfang der 1990er Jahre war es Flussbaumeister Otmar Grober (damals bei der Baubezirksleitung Bruck an der Mur), der diese Prinzipien direkt aus der Praxis heraus aufgriff, weiterentwickelte und standardisierte.

Auf ihn geht die moderne Konzeption von Lenkbuhnen und Pendelrampen zurück. Im Vergleich zu konventionellen, harten Flussbauplanungen setzen Grobers Bauweisen auf minimale, aber hochwirksame Eingriffe:

  • Naturnah und dynamisch: Sie imitieren natürliche Flussstrukturen und fügen sich harmonisch in das Gewässerbild ein.
  • Standfest bei Hochwasser: Selbst bei massivem Strömungsangriff und extremen Abflussereignissen bewähren sich diese Konstruktionen, da sie die Energie des Wassers brechen und umlenken, anstatt ihr mit starrer Gewalt entgegenzutreten.

Damit schließt sich der Kreis zu Viktor Schauberger: Aus visionären Beobachtungen der Natur sind praxiserprobte, moderne Werkzeuge geworden, die uns in der heutigen Gewässerbewirtschaftung wertvollste Dienste leisten.

Exkursion an den Engleithen Altarm

Gerade der Engleithen Altarm bot sich für den praktischen Teil des Seminars perfekt an. Er ist ein ideales Praxisbeispiel, um Schwachstellen realistisch zu analysieren und konkrete Lösungsansätze zu diskutieren.

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Hier beim praktisch Teil des Kurses und hier bot sich natürlich für die Teilnehmer des Seminares „Instream River Training“, die Besichtigung des Engleithen Altarm an. Gerade dieser bietet viel Potential zur Analyse von Schwachstellen. Otmar Grober zeigte uns Teilnehmern die Zusammenhänge von Strömung als Ursache für Ufer- und Sohlenerosionen und was durch die Induzierung von Sekundärströmungen modifiziert wird, möglich wäre. Hierbei können auch bei Niedrigwasserabfluss überströmte Gewässereinbauten Altarm mit genügend Wasser beschickt werden. Wir hoffen hier immer noch auf diese Realisierung solcher Maßnahmen um das Trockenlaufen des Engleithen Altarm, bis auf Sondersituationen die ev. 100-Jährige Hochwässer bringen könnten zu stabilisieren. Viel wäre nicht zu tun, um das zu gewährleisten!

Schwachstellen erkennen und Potenziale nutzen

Vor Ort demonstrierte Otmar Grober eindrucksvoll die Zusammenhänge zwischen Hauptströmung, Ufer- und Sohlenerosion und zeigte auf, was durch das gezielte Induzieren von Sekundärströmungen möglich ist:

  • Ufer- und Sohlenschutz: Die Strömungsenergie wird vom Ufer weg in die Gewässermitte gelenkt.
  • Wasserversorgung bei Niedrigwasser: Selbst bei geringen Abflüssen können speziell konzipierte, überströmte Einbauten den Altarm kontinuierlich mit ausreichend Wasser beschicken.

Wir hoffen nach wie vor auf die Umsetzung dieser naturnahen Maßnahmen, um den Engleithen Altarm nachhaltig vor dem Trockenlaufen zu bewahren – abgesehen von extremen Ausnahmesituationen wie etwa einem 100-jährigen Hochwasser. Der Aufwand wäre überschaubar, der Gewinn für die biologische Vielfalt und das Ökosystem hingegen enorm!

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Mit Otmar Grober auf Besichtigung der Einlaufsituation „Engleithen Altarm“. Im Vordergrund, Otmar Grober und Heimo Huber.

Gewässer ökologische Wirkung

Im Rahmen von Monitorings wurden Lenkbuhnen und Pendelrampen seit 2005 eingehend untersucht. Es zeigte sich, dass ihr Umfeld durch eine große Strömungsdiversität gekennzeichnet ist, die mit Substratsortierungen und ausgeprägter Tiefenvarianz einhergeht. Dies gilt auch, wenn sie primär zur Stabilisierung umgesetzt wurden. Selbst auf der Rampe besteht, trotz guter stabilisierender Wirkung, eine ausgeprägte Dynamik. Ergänzende fischereibiologische Untersuchungen belegen eine deutliche Zunahme der Individuen- und Artenzahl.

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Hier einen Blick in den strukturierteren Bereich des Engleithen Altarm, im Mittelteil gelegen, bei einer normalen Wasserführung, mit einem Pegel von ca. 200 cm. Leider fällt das Wasser im Altarm in diesen Bereich, bei einem Begel von unter 170 cm trocken und die Fische und die anderen Wassertiere verenden qualvoll.

Daher ist das Thema „naturnaher Wasserbau“ und Instream River Training ein wichtiger Teil, mit dem man sich beschäftigen sollte. Daher besuchte ich auch das Seminar, welches direkt bei uns in Bad Ischl abgehalten wird.

Eine sehr umfangreiche Zusammenfassung über Instream River Training ist in der Diplomarbeit von Simon Albert zusammengefasst. Hier sind auch die weitreichenden Einblicke in den naturnahen Flussbau und die Vermittlung vielseitiger Sichtweisen, von Otmar Grober berücksichtigt und viele Beispiele angeführt.

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Eine weitere, sich sehr positiv auf den Fischbestand auswirkende Maßnahme war auch die Öffnung der Riedler Traun oberhalb von Bad Goisern. In Verbindung mit der Schaffung einer Durchgängigkeit lt. WRRL, werden die Maßnahmen und dieser neue Lebensraum einen wichtigen Beitrag zu einer natürlichen Reproduktion unserer heimischen Salmoniden beitragen.

Quellenhinweis

Die Ergänzung zur verwandtschaftlichen Verbindung stammt von Jörg Schauberger, Sohn des „Ischler” Walter Schauberger und heutiger Besitzer der PKS-Villa in Bad Ischl, in einer persönlichen Mitteilung an die Redaktion.

Weitere Informationen

Das Eigentliche passiert unter der Oberfläche. Am Gewässer wie beim Naturschutz. Auf www.huberpower.com geht es genau dorthin: zur Arbeit am Wasser, zur Forschung dahinter und zu den Projekten, an denen wir gerade arbeiten.

 

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen.

Wer die Gegenwart nicht versteht, kann die Zukunft nicht gestalten.“