Traunsee – Artenzusammensetzung und gebietsfremde Arten

Ein Gewässer endet nicht an einer Mündung, und es beginnt nicht erst an seinem Ufer. In einer vollkommen vernetzten aquatischen Welt bilden der Traunsee und sein mächtiger Zufluss, die Obere Traun, ein unzertrennliches Ökosystem. Als direkter „Unterlieger“ prägt der Traunsee die biologischen und dynamischen Prozesse des gesamten Flusssystems weit über seine Uferlinien hinaus. Es ist ein ständiges Geben und Nehmen, ein dynamischer Austausch von Energie, Wasser und Leben.

Diese wechselseitige Abhängigkeit bestimmt maßgeblich das Gesicht unserer heimischen Fischbestände. Der See fungiert dabei nicht nur als ausgleichender Puffer für die Wasserführung der Traun, sondern vor allem als lebenswichtiger Rückzugs-, Nahrungs- und Laichraum. Wandernde Fischarten nutzen die Grenzbereiche und Freiwasserzonen intensiv; gleichzeitig bewegen sich auch Prädatoren flexibel zwischen Fluss und See, was den Druck auf die Bestände auf beiden Seiten dynamisch reguliert.

Seelauben im Laichgeschäft. Foto: Dr. Wolfgang Ladin

Wer den Zustand und die Zukunft der Fischpopulationen im Traunsee verstehen will, darf den Blick nicht auf das Stillgewässer beschränken. Der folgende Bericht beleuchtet die Fischbestände des Traunsees daher bewusst im Kontext dieses lebendigen Netzwerks – als Spiegelbild einer ökologischen Einheit, in der die Obere Traun und ihr See untrennbar miteinander verwoben sind.Der Traunsee liegt auf 423 Metern Seehöhe in der Bioregion der nördlichen Kalkvoralpen, ist mit 191 Metern der tiefste See Österreichs und der zweitgrößte Alpensee des Landes. Die Traun macht über 80 Prozent des oberflächlichen Zuflusses aus und hält die Wassertemperatur auch im Sommer niedrig. Der See gilt fischökologisch als typischer Renkensee: kalt, nährstoffarm, von den Coregonen geprägt.

Der Traunsee im Überblick

Die letzte umfassende Fischartenerhebung stammt aus dem Jahr 2012 (BAW-IGF, Gassner et al. 2013). Damals wurden 17 Fischarten nachgewiesen, davon 12 als ursprünglich und 5 als neu hinzugekommen eingestuft. Der fischökologische Zustand wurde 2012 als mäßig bewertet. Eine vollständige Neuerhebung der Artenzusammensetzung danach liegt öffentlich nicht vor. Was seither dokumentiert ist, sind Bestandsentwicklungen einzelner Arten: Der Fischbestand lag 2012 bei 84 kg/ha, 2018 laut Echolotuntersuchung der Österreichischen Bundesforste und des BAW-IGF im Mittel bei 39,5 kg/ha (±7,7 kg/ha Standardfehler, Ficker et al. 2020) und ist nach der letzten Erhebung von Dr. Josef Wanzenböck (Forschungsinstitut für Limnologie Mondsee) auf 24 kg/ha gesunken.

Rückgang des Fischbestands am Traunsee von 84 kg/ha (2012) über 39,5 kg/ha (2018) auf 24 kg/ha (2024), eine Reduktion um rund 71 Prozent in zwölf Jahren.

Hinweis zur Datenlage: Die folgende Artenliste stützt sich auf die BAW-IGF-Studie 2012, Angaben des Oö. Landesfischereiverbands und die Traunseefischereiordnung. Eine lückenlose, aktuelle Gesamtliste aller 17 nachgewiesenen Arten mit exakter Zuordnung zu den „5 neu hinzugekommenen Arten“ ließ sich aus den frei zugänglichen Quellen nicht vollständig rekonstruieren. Für eine wasserdichte Version wäre der Originalbericht Gassner et al. 2013 heranzuziehen.

Ursprüngliche Fischarten

Die Seelaube ist noch recht häufig anzutreffen und dürfe zu den Fischarten gehören, die sich am Traunsee wohl fühlen, auch wenn die Wassertemperatur wärmer wird.

Als ursprünglich gelten jene Arten, die dem historischen Leitbild des Traunsees entsprechen und nicht durch Besatz oder Einschleppung in den See gelangt sind.

Deutscher NameWissenschaftlicher NameStatusBemerkung
Reinanke / RenkeCoregonus sp.ursprünglichWichtigster Berufsfischfisch, „Renkensee“-Charakterart, ein Teil laicht in der Traun, ein Teil pelagisch im See
RiedlingCoregonus danneriursprünglichKleinwüchsige Schwebrenkenform, eigene Lebensraum- und Nahrungsnische, Besonderheit des Traunsees
Maräne / Große BodenreinankeCoregonus sp.ursprünglichDritte Coregonenform des Sees
SeesaiblingSalvelinus umblaursprünglichSchonzeit 16.10.–15.12., Mindestmaß 23 cm laut Traunseefischereiordnung
SeeforelleSalmo trutta lacustrisursprünglichLaichaufstieg u. a. in Ebenseer Traun und Seeausrinn, Bestand stark rückläufig, 2018 mit 1 Individuum im Beifang der EMFF-Netzbefischung bestätigt
PerlfischRutilus meidingeriursprünglichÖsterreichisch-bayerischer Endemit, Rote-Liste-Art, Bestand lange als verschollen gegolten
SeelaubeAlburnus mentoursprünglichNutzt Zubringer fakultativ als Laichhabitat, 2018 mit 20 Individuen im Beifang der EMFF-Netzbefischung bestätigt
HaselLeuciscus leuciscusursprünglichKieslaichend, nutzt Schwemmkegel der Zubringer
AalrutteLota lotaursprünglichEinzige heimische Dorschverwandte im Süßwasser, Schonzeit 16.11.–31.1., Mindestmaß 40 cm, 2018 mit 2 Individuen im Beifang bestätigt
Koppe / GroppeCottus gobioursprünglichGanzjährig geschont laut Traunseefischereiordnung, auf Ausstrahlung aus Zubringern angewiesen, 2018 mit 2 Individuen im Beifang bestätigt
ElritzePhoxinus phoxinusursprünglichGanzjährig geschont laut Traunseefischereiordnung, auf Zubringer-Anbindung angewiesen
RotaugeRutilus rutilusursprünglichUfer- und Flachwasserzone, zeitweises Vorkommen, 2018 mit 2 Individuen im Beifang bestätigt
Bartgrundel / BachschmerleBarbatula barbatulaursprünglichGanzjährig geschont laut Traunseefischereiordnung, bodenorientierte Kleinfischart der Ufer- und Zubringerbereiche
FlussbarschPerca fluviatilisursprünglichLaut Umweltbundesamt für ganz Österreich autochthon, 2018 mit 32 Individuen der auffälligste Beifang der EMFF-Netzbefischung, Vorkommen damit klar bestätigt
Ergänzender Hinweis: Die naturkundliche Betrachtung von Roman Moser nennt neben Seeforelle, Rotauge, Aitel, Schleie, Brasse, Seekarpfen und Hecht auch die Äsche als eine der Arten, denen Sportfischer am Traunsee nachstellten. Die Äsche ist als Leitfischart eindeutig der Traun zwischen Hallstättersee und Traunsee zugeordnet, nicht dem See selbst; ob es sich um ein reguläres Vorkommen im Seebereich nahe der Traunmündungen oder um einzelne, aus dem Fluss abgedriftete Tiere handelt, lässt sich aus der Quelle nicht klären. Für die Artenliste des Sees wird die Äsche daher bewusst nicht aufgenommen, ist aber als Randnotiz festzuhalten.

Gebietsfremde und eingebürgerte Fischarten

Neben den ursprünglichen Arten kommen im Traunsee mehrere Fischarten vor, die entweder gezielt eingesetzt wurden oder sich nach Einbringung dauerhaft etabliert haben. Der Zander und der Aal sind dabei die am besten dokumentierten Fälle: Der Aal wurde bereits 1879 im Salzkammergut-Seengebiet ausgesetzt und ist ursprünglich nur im nördlichen Waldviertel und im Bodenseeraum heimisch.

Deutscher NameWissenschaftlicher NameStatusBemerkung
ZanderSander luciopercagebietsfremd, eingesetztIn Oö. Alpenseen historisch eingebracht, am Traunsee als Angelfisch etabliert, in der Traunseefischereiordnung nicht gesondert geregelt
AalAnguilla anguillagebietsfremd, eingesetztErstbesatz im Salzkammergut-Seengebiet ab 1879, ursprünglich nur im nördlichen Waldviertel und Bodenseeraum heimisch
RegenbogenforelleOncorhynchus mykissgebietsfremd, BesatzfischNordamerikanischer Ursprung, Mindestmaß 30 cm, Schonzeit 1.12.–15.3. laut allgemeiner Oö. Fischereiverordnung
HechtEsox luciuseingebürgert, gefördertSchonzeit 1.4.–15.5., Mindestmaß 50 cm laut Traunseefischereiordnung, jährlich bis zu 10.000 Jung-Hechte durch den Angelverein ausgesetzt, 2018 mit 1 Individuum im Beifang der EMFF-Netzbefischung bestätigt
KarpfenCyprinus carpiogebietsfremd, AngelfischHerkunft in Mitteleuropa fachlich umstritten, in Alpenseen sicher nicht autochthon, Mindestmaß 40 cm
SchleieTinca tincaeingebürgertUfer- und Flachwasserzone, Angelfisch
Brachse / BrasseAbramis bramaeingebürgertSchonzeit 16.5.–15.6., Mindestmaß 30 cm laut Traunseefischereiordnung
KaulbarschGymnocephalus cernuusgebietsfremd, kein SchonmaßIn vergleichbaren Alpenseen (z. B. Bodensee seit 1987) als Neozoon etabliert, frisst Fischlaich und -brut, in der Traunseefischereiordnung ohne Schonzeit und Mindestmaß geführt
Wels / WallerSilurus glanisgebietsfremd, vermutlich eingesetztUrsprünglich Fisch warmer Donau-Unterläufe und Brachsenregion, in einem kalten oligotrophen Alpensee wie dem Traunsee fachlich nicht als autochthon einzustufen, in der Traunseefischereiordnung ohne Schonzeit und Mindestmaß geführt, genaue Besatzgeschichte am Traunsee wäre zu prüfen
Kaulbarsch und Wels sind laut Traunseefischereiordnung ohne Schonzeit und ohne Mindestmaß im Traunsee zu befischen. Der Flussbarsch galt als ungeklärt, ist aber durch den Beifang der EMFF-Netzbefischung 2018 (32 Individuen) eindeutig als vorkommende, autochthone Art bestätigt und wurde entsprechend als Ursprüngliche Fischarten eingeordnet.

Amtliche Schonzeiten und Mindestfangmaße

Die Traunseefischereiordnung (LGBl. Nr. 109/2017, zuletzt geändert durch LGBl. Nr. 86/2020, in Kraft seit 1.10.2020) regelt für den Traunsee vom Trauneinfluss in Ebensee bis zum Traunausfluss in Gmunden abweichend von der allgemeinen OÖ. Fischereiverordnung eigene Schonzeiten und Mindestfangmaße. Sie gilt nicht für das Scherrerfischwasser.

Zur Einordnung: Die Verordnung listet nur jene Arten, für die eine Abweichung von § 17 Abs. 1 der Oö. Fischereiverordnung gilt. Arten wie Zander, Karpfen, Aal, Regenbogenforelle und Schleie fehlen in dieser Liste nicht, weil sie am Traunsee nicht vorkommen, sondern weil für sie die allgemeinen landesweiten Regelungen gelten.

FischartWissenschaftlicher NameSchonzeitMindestfangmaß
AalrutteLota lota16. November – 31. Jänner40 cm
Bartgrundel / BachschmerleBarbatula barbatulaganzjährig geschont
BrachseAbramis brama16. Mai – 15. Juni30 cm
ElritzePhoxinus phoxinusganzjährig geschont
FlussbarschPerca fluviatiliskeinekein
HechtEsox lucius1. April – 15. Mai50 cm
KaulbarschGymnocephalus cernuuskeinekein
Koppe / GroppeCottus gobioganzjährig geschont
MaräneCoregonus spp.16. Oktober – 15. Dezember30 cm
ReinankeCoregonus spp.1. November – 15. Dezember30 cm
RiedlingCoregonus danneri1. November – 15. Dezember15 cm
SeeforelleSalmo trutta lacustris16. Oktober – 15. Dezember50 cm
SeesaiblingSalvelinus umbla16. Oktober – 15. Dezember23 cm
Wels / WallerSilurus glaniskeinekein
Bemerkenswert ist die amtliche Bestätigung von Kaulbarsch, Wels und Bartgrundel als am Traunsee vorkommende und regulierte Fischarten. Alle drei fehlten in der bisherigen, auf die BAW-IGF-Studie 2012 und den OÖ. Landesfischereiverband gestützten Aufstellung. Sie wurden für die aktuelle Artenlisten aufgenommen.

Fischbestandserhebung 2018 (EMFF-Studie)

Im Rahmen des EMFF-Projekts „Methodenentwicklung zur fischereilichen Datenerhebung von Renken- und Seesaiblingsbeständen österreichischer Seen“ befischten die Österreichischen Bundesforste gemeinsam mit dem BAW-IGF den Traunsee im August und November 2018 mit gestaffelten Kiemennetzen und ergänzend mit Echolot (Ficker, Gassner, Müller & Haas, 2020). Es ist die letzte am Traunsee durchgeführte, methodisch belastbare Bestandserhebung.

ArtStichprobe (N)Größen-/AltersbereichZustand laut EMFF-Studie 2018
Reinanke / Renke35 (Ziel 100–150 verfehlt)15,2–33,0 cm, Alter 0+ bis 7+Geringe Bestandsdichte, schmale Altersverteilung, mäßiges Wachstum. Keine Fische über 33 cm gefangen, deutlicher Hinweis auf Überfischung. Jahrgang 2017 (1+) auffallend stark, 0+ Reproduktion 2018 nachgewiesen.
Riedling380 (158 komplett ausgewertet)11,6–28,1 cm, Alter 0+ bis 6+Hohe Bestandsdichte, glockenförmige Altersverteilung, geringes Wachstum arttypisch. Natürliche Reproduktion funktioniert nachweislich ohne Besatz.
Seesaibling4811,2–40,3 cm, Alter 1+ bis 8+Eher geringe Bestandsdichte, gutes Wachstum. Starker Jahrgang 1+, mäßiger Befischungsdruck erst ab dem fünften Jahr feststellbar. 0+ Tiere methodisch bedingt nicht im Fang.

Echolotuntersuchung

Zusätzlich zur Netzbefischung wurde die Gesamtfischbiomasse an drei Terminen im Herbst 2018 mit einem wissenschaftlichen Echolot (Simrad EK60) erfasst:

TerminFischbiomasse
23. Oktober 201843,6 kg/ha
27. November 201838,7 kg/ha
11. Dezember 201836,1 kg/ha
Mittelwert39,5 kg/ha ± 7,7 kg/ha (SE)
Den Hauptanteil der Biomasse bildeten Fische zwischen 20 und 65 cm Totallänge. Im Vergleich zur BAW-IGF-Erhebung von 2012 (84 kg/ha) hatte sich der Bestand bis 2018 damit bereits mehr als halbiert.

Empfehlungen der Studie (Ficker, Gassner, Müller & Haas, 2020)

Die Autoren reihen ihre Empfehlungen nicht nach Ursache, sondern nach Dringlichkeit für die Fischerei am Traunsee:

Die permanente Präsenz der Kormoran entnimmt mehr Fische pro Jahr, als die paar verbliebenen (Hobby-)Berufsfischer ausfangen. Weit haben wir es gebracht, wenn ein im Salzkammergut nicht heimischer Vogel, mehr gesetzlichen Schutz hat, wie unsere vom aussterben bedrohten Fischarten.

1. Ausfangmengen bei Renken für 2 bis 3 Jahre massiv reduzieren, danach Probebefischung zur Erfolgskontrolle.

2. Mindestfangtiefe von 20 m bei der Riedling-Fischerei unbedingt einhalten, um den Renken-Nachwuchs nicht zu gefährden.

3. Ausfangmengen bei Riedlingen können, zeitlich befristet, erhöht werden.

4. Ausfangmengen bei Seesaiblingen können beibehalten werden.

5. Gesamtfangstatistik für Angler und Berufsfischer führen: Anzahl, Länge, nach Möglichkeit Gewicht sowie Anzahl und Größe der eingesetzten Netze.

6. Besatzmaßnahmen vorab diskutieren, regelmäßig auf ihren Erfolg prüfen und in einer Besatzstatistik dokumentieren.

7. Bestandserhebungen mit gestaffelten Netzen regelmäßig wiederholen, Echolotuntersuchungen alle drei bis fünf Jahre.

8. Managebare Lösung zur Reduktion der Prädatoren – Kormoran, Gänsesäger und Fischotter.

Gebietsfremde Muscheln

Die größte aktuelle Bedrohung unter den gebietsfremden Wirbellosen ist die Quagga-Muschel. Sie stammt ursprünglich aus Zuflüssen des Schwarzen Meeres und wurde über Schiffs- und Bootsverkehr, sowohl als Aufwuchs am Rumpf als auch über Ballast-, Kühl- und Bilgenwasser, nach Mitteleuropa verschleppt.

Deutscher NameWissenschaftlicher NameStatusBemerkung
Quagga-MuschelDreissena rostriformis bugensisinvasiv, bestätigtIm Traunsee nachgewiesen und in Ausbreitung, verstopft Rohre und Filter, entzieht dem Plankton Algen, Herkunft Schwarzmeerraum, Einschleppung über Boots- und Schiffsverkehr
Die Muschel besiedelt neben Hartsubstrat auch feines Sediment und ist damit anpassungsfähiger als die verwandte Zebramuschel. Sie entzieht dem Wasser Algen, die den Fischen als Nahrungsgrundlage über das Plankton fehlen, und verstopft Rohre und Filter von Wasserversorgungsanlagen. Am Traunsee laufen dazu Instandsetzungsarbeiten, bei denen die Ausbreitung der Muschel regelmäßig sichtbar wird.

Gebietsfremde Krebse

Die heimischen Flusskrebsbestände am Traunsee waren bereits Ende des 19. Jahrhunderts durch die Krebspest weitgehend erloschen. Seither hat sich der aus Nordamerika stammende Signalkrebs in der Region ausgebreitet.

Deutscher NameWissenschaftlicher NameStatusBemerkung
SignalkrebsPacifastacus leniusculusinvasiv, in der Region etabliertNachgewiesen an der Oberen Traun zwischen Hallstättersee und Traunsee, Krebspest-Überträger, verdrängt heimische Arten; ein gesonderter Nachweis direkt im Traunsee liegt derzeit nicht vor und wäre zu prüfen
Der Signalkrebs ist als Träger eines hochvirulenten Krebspest-Stammes selbst gegen die Krankheit resistent und verdrängt die verbliebenen heimischen Arten wie Edelkrebs, Steinkrebs und Dohlenkrebs vollständig aus deren Lebensraum. Ein direkter Fund im Traunsee selbst ist in den ausgewerteten Quellen nicht dokumentiert, bei einer bereits besiedelten Oberen Traun ist ein Vorkommen im See aber naheliegend und sollte gezielt überprüft werden.
Aufnahme eines Signalkrebs im Traunsee, direkt unterhalb vom Traunstein aufgenommen, links davon eine Ansammlung von Quaggamuscheln. Aufgenommen von Dr. Wolfgang Ladin im 50-60 cm tiefen Wasser.
Im Traunsee bekommen wir ein klares Bild von Gewinnern und Verlierern. Auf der einen Seite erleben bestimmte Fischarten, Krebse und Muscheln einen massiven Aufschwung. Sie passen sich den veränderten Bedingungen – wie Nährstoffverschiebungen oder Wassertemperaturen – hervorragend an und besetzen frei werdende oder neue Nischen im Ökosystem. Auf der anderen Seite stehen die ökologischen Verlierer dieser Entwicklung. Einstige Charakterarten des Traunsees geraten zunehmend unter Druck. Allen voran die Seeforelle, der endemische Riedling und der Seesaibling kämpfen mit den veränderten Bedingungen. Seien es ausbleibende Futtergrundlagen, der Verlust spezialisierter Laichplätze im See und in der Oberen Traun oder der steigende Druck durch Prädatoren und konkurrenzstärkere Arten: Die Bestände dieser sensiblen Salmoniden gehen spürbar zurück. Foto: Dr. Wolfgang Ladin

Einordnung und Handlungsbedarf

Der Traunsee zeigt ein Muster, das sich in vielen Salzkammergut-Seen wiederholt: Die ursprüngliche Coregonen-dominierte Fischgemeinschaft steht unter Druck durch Prädation, Klimaerwärmung und nun zusätzlich durch invasive Wirbellose. Die Quagga-Muschel entzieht dem Nahrungsnetz Algen und damit indirekt Nahrung für die Fischbrut, der Signalkrebs bedroht die letzten heimischen Krebsreste in den Zubringern.

Quaggamuschel Berge am Grund des Traunsees. Aufgenommen von Dr. Wolfgang Ladin im 50-60 cm tiefen Wasser.

Für die Fischartenzusammensetzung selbst fehlt eine aktuelle, vollständige Neuerhebung. Die letzte belastbare Gesamtzahl von 17 Arten ist 14 Jahre alt, die letzte methodisch fundierte Bestandserhebung (2018) betraf nur die drei Wirtschaftsfischarten. Die eigene Empfehlung der Autoren dieser Studie, den Renkenausfang für 2 bis 3 Jahre massiv zu reduzieren, ist bislang, soweit aus den vorliegenden Quellen ersichtlich, nicht umgesetzt. Eine Wiederholung sowohl der Artenerhebung als auch der Renken-, Riedling- und Seesaiblings-Bestandserhebung würde zeigen, ob sich die Lage seither verändert hat, und wäre die Voraussetzung für jede weitere Diskussion über Prädatoren-Management und Besatzpolitik am See.

Quellenangabe

  • Gassner, H. et al. (2013): Fischökologischer Zustand des Traunsees 2012. BAW-IGF Scharfling.
  • Ficker, H., Gassner, H., Müller, M. & Haas, A. (2020): Teilbericht 3/10 – Traunsee. EMFF-Projekt 2.4.1-03/2017, Pilotstudie 1a – Methodenentwicklung zur fischereilichen Datenerhebung von Renken- und Seesaiblingsbeständen österreichischer Seen. Kooperationsprojekt Österreichische Bundesforste AG und Bundesamt für Wasserwirtschaft, Institut für Gewässerökologie und Fischereiwirtschaft, 26 S.
  • Moser, Roman: Der Traunsee – eine naturkundliche Betrachtung. Landeskunde, S. 55–68 (genaue Zeitschrift und Erscheinungsjahr aus dem vorliegenden Auszug nicht zweifelsfrei feststellbar, Originalscan liegt vor).
  • Huber, H.: DIE TRAUNSEE STORY. huberpower.com, https://huberpower.com/wordpress/?p=37066
  • Huber, H.: SIGNALKREBS IN DER OBEREN TRAUN. huberpower.com, https://huberpower.com/wordpress/?p=5048
  • Huber, H.: QUAGGA MUSCHEL VERBREITUNG VERHINDERN. huberpower.com, https://huberpower.com/wordpress/?p=25952
  • OÖ. Landesfischereiverband: Revier Traunsee. https://www.lfvooe.at/reviere-und-gewaesser/revier_traunsee/
  • Neobiota Austria: Gebietsfremde Arten. https://www.neobiota-austria.at/
  • Land Niederösterreich: Gebietsfremde Krebsarten verdrängen heimische Flusskrebse. https://www.noe.gv.at/
  • Umweltbundesamt: Fischfauna in Österreich – Ökologie, Gefährdung, Bioindikation. https://www.umweltbundesamt.at/
  • Traunseefischereiordnung, LGBl. Nr. 109/2017, zuletzt geändert durch LGBl. Nr. 86/2020, in Kraft seit 1.10.2020.

Weitere Informationen

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Heimo bei der Arbeit
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„Wer den Fischen eine Stimme gibt, gibt unseren Gewässern eine Zukunft.“

Zitat von: Heimo Huber, Obmann FROSKG