Während der Klimawandel das Salzkammergut unübersehbar verändert, verlieren unsere einheimischen Bachforellen dramatisch an Lebensraum. Doch engagierte Angler und Bewirtschafter arbeiten im Rahmen des Projekts „Bachforellen Development 2025-2026“ mit Hochdruck daran, sie zu retten. Seit über 30 Jahren durchstreife ich nun die Gewässer im Salzkammergut. Zu jeder Jahreszeit bin ich an unseren Bächen unterwegs, um Bachforellen zu beobachten, Laichplätze zu kartieren und Bestände zu zählen. Was ich in den letzten Jahren sehe, ist alarmierend.

Der Hitzeschock: Wenn der Bach zum Kessel wird
Schon ein kurzfristiger Anstieg der Wassertemperatur kann für die Bachforelle tödlich sein. Ab 20 °C erleiden die Tiere massiven Hitzestress, bei 21 °C stellen sie das Wachstum komplett ein.
Das hat auch drastische Auswirkungen auf die Fischerei: Im Hochsommer ist das Angeln oft nur noch als reine, extrem vorsichtige Catch-and-Release-Maßnahme vertretbar. Doch wärmeres Wasser enthält physikalisch weniger Sauerstoff. Ein Fisch, der in diesem Zustand gedrillt wird, überlebt den Hitzeschock beim Zurücksetzen oft nicht.
Die Konsequenz? Wir müssen flexibel und konsequent reagieren. Wenn das Thermometer im Juni nachmittags bereits die kritische 20-Grad-Marke knackt, bedeutet das: Fischereistopp ab der Mittagszeit. Zum Schutz der Bestände behalten erfahrene Bewirtschafter und Guides die besten Rückzugsräume der Forellen mittlerweile lieber für sich – um den Fischen die nötige Ruhe zum Überleben zu geben.
Situations-Beschreibung
Wirtschaftsfaktor Fliegenfischen: Der Tourismus ist betroffen
Der Schutz der Bachforelle ist im Salzkammergut kein reines Liebhaberthema, sondern eine harte wirtschaftliche Realität. Das Zusammenspiel von ökologischen, emotionalen und ökonomischen Faktoren prägt seit Jahrzehnten die Bemühungen des FROSKG (Fischereirevier Oberes Salzkammergut).
Die Region lebt von einer intakten, weltweit renommierten Fischereikultur. Das Salzkammergut ist ein Mekka für Fliegenfischer. Geführte Touren, spezialisierte Hotels, Angelgeschäfte und die regionale Wertschöpfung hängen direkt an gesunden Gewässern. Bricht die Bachforelle als Leitfisch weg, verliert die Region nicht nur ein Naturjuwel, sondern auch einen enormen touristischen Wirtschaftsfaktor, der jährlich tausende Gäste anzieht und Arbeitsplätze sichert.
Lebensraum-Rettung statt Ausbeutung
Für den FROSKG ist die Wiederherstellung der Lebensräume und der Schutz der Genetik auch eine Wiedergutmachung an den Sünden der Vergangenheit. Jahrzehntelange Verbauungen, Regulierung und die industrielle Ausbeutung der Flüsse haben den Forellen nur noch einen Bruchteil ihres ursprünglichen Territoriums gelassen.
Mit dem „Bachforellen Development 2025-2026“ steuern wir aktiv dagegen. Um Konflikte zwischen Naturschutz und Nutzung gar nicht erst entstehen zu lassen, setzen wir auf Aufklärung, strenge Temperaturlimits beim Fischen und den Aufbau resistenter, donaustämmiger Ur-Bestände. Es geht um nichts Weniger als die Rettung der Fischerei im Salzkammergut.

Das Fischereirevier Oberes Salzkammergut (FROSKG) ist geografisch ein sehr großes Revier – knapp 625 km2 mit über 50 kleineren und mittleren Zubringerbächen zur Traun. Doch in den letzten Jahren ist uns aufgefallen, dass die Bestände der Bachforelle zurück gehen. Der Rückgang verläuft schleichend und ist in manchen Bächen schwer zu erkennen, aber in den letzten paar Jahren ist es viel deutlicher aufgefallen. Nehmen wir zum Beispiel den Sulzbach in Bad Ischl. Er ist (war) einer unserer besten Aufzuchtbäche für Bachforellen, aber letzten Jahre haben wir dort bei unseren E-Befischungen kaum noch 100 Forellen gezählt. In einem anderen Bach ist der Bestand von zig Hunderten von Forellen in den 1990er Jahren auf einstellige Zahlen gesunken und die Anzahl von laichreifen Fischen mit > 30 cm ist stark gegen Null gesunken. Wenn die Bachforellen im Salzkammergut verschwinden, verschwindet auch etwas menschliches.
Die Bachforelle im Salzkammergut ist eine empfindliche Kaltwasserart, die seit über einem Jahrhundert unter Abholzung, Bebauung, Begradigung, Prädatoren und der Konkurrenz eingeschleppter Arten leidet. Einst in der Region, nach der sie benannt ist, weit verbreitet, hat der Fisch in den letzten 30 Jahren rund 80 Prozent seines Verbreitungsgebiets verloren. Da das Tier so empfindlich auf Umweltverschmutzung und Temperaturschwankungen reagiert, gilt es Biologen als Indikator für den Zustand der Bäche im Salzkammergut. Sie finden ihren rapiden Rückgang alarmierend – nicht nur, weil ihnen das Wohl der Forelle am Herzen liegt, sondern auch, weil Forellen nur in gesunden Gewässern überleben können.
Sinkende Bestände
„Der Klimawandel ist es wie ein Tod durch tausend kleine Schnitte“, und es ist vielleicht nicht ein einziges großes Ereignis, sondern es sind die Verluste, die sich über einen längeren Zeitraum ereignen.
Bachforellen fungieren als „Frühwarnsystem“ für Umweltprobleme.

Trotz ihrer individuellen Gebrechlichkeit hat die Bachforelle als Art immense ökologische Veränderungen überstanden. Der schillernde, olivfarbene, gefleckte und rot bauchige Fisch hat sich über Jahrtausende an die kalten Flüsse der Region angepasst und sich seit der Eiszeit isoliert in den Hochgebirgshabitaten von Gosau bis zum Traunsee und darunter entwickelt. Obwohl sie in der Regel nicht länger als 25 bis 30 Zentimeter werden, sind diese kleinen Raubfische eine Schlüsselart, deren Verschwinden diese Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen würde.

Umweltbedingungen
Das Industriezeitalter hat sich für sie als weitaus größere Herausforderung erwiesen. Massive Abholzung der Uferzonen und Begradigungen nahm den Bächen den Schatten, der sie kühl hält, und führte zu fortschreitender Zerstörung ihres Lebensraums durch Bebauung. Die Einführung größerer, nicht heimischer Forellenarten wie der Regenbogenforellen führte zu Konkurrenz um Nahrung und Lebensraum. Klimabedingte Schwankungen zwischen extremen Regenfällen und langen Trockenmonaten, in denen die Bäche weniger Wasser führen und wärmer sind, bedrohen die Bachforelle.

Klimawandel
Der Klimawandel stellt eine besonders ernste Bedrohung für die Bachforelle dar. Die Fische bevorzugen kalte, schattige Waldbäche und gedeihen am besten in Wasser mit einer Temperatur von maximal 20 Grad Celsius. Sie verbringen ihr gesamtes Leben in der Regel nur wenige hundert Meter von ihrem Geburtsort entfernt, wodurch sie selbst auf geringfügige Veränderungen ihres Lebensraums äußerst anfällig sind.

Wir haben einen in der Zwischenzeit alarmierenden Rückgang der Bachforellenpopulationen. Die Bestände sind in fast allen Bächen in den letzten drei Jahrzehnten um über 50 Prozent eingebrochen. Wer in den 1990er-Jahren noch Hunderte von Bachforellen in einigen Gewässern gesehen hatte, ist schockiert über die heutigen Populationen im einstelligen Bereich. In mehreren Fällen sind die Bachforellen sogar vollständig verschwunden. Wissenschaftler befürchten, dass die Fische, die auf Bundesebene weder als gefährdet noch als bedroht gelten, in ihren ursprünglichen Verbreitungsgebiets durch die Erwärmung der Gewässer verdrängt werden könnten. Ein durchschnittlicher Anstieg der Bachtemperatur um nur 1,5 Grad Celsius könnte weitere 20 Prozent des Lebensraums der Bachforelle verursachen.

Verschärft wird die Bedrohung durch lokale Starkregen, die Überschwemmungen ließen die Bächen über die Ufer treten und spülten tausende Kubikmeter Geröll durch die Gewässer. Die Überflutungen haben die Bachforellen aus ihren angestammten Gewässern vertrieben und den Nachwuchs vernichtet. Durch starke Regulierungen und Querbauwerke ist ein Aufsteigen zur Laichzeit unterbrochen und nur durch gezielte Wiederansiedelungsprogramme ist es möglich über mehrere Jahre hinweg, einen selbst reproduzierenden Bachforellen-Bestand zu entwickeln.

Kolmatierung
Ich bin mit der Angeln in den örtlichen Gewässern aufgewachsen und glaubte, sie gut zu kennen. Doch verschiedene Bäche haben sich verändert, die sie in den heißen Sommern kühl halten, zusätzlich geschädigt. „[Dadurch] wurden vermehrt Sedimente abgelagert und die Temperaturen stiegen, was wiederum zu weniger fischbaren Gewässern, weniger Fischen und weniger Lebensraum führt“.
Dem Schwund entgegen wirkend
Mit dem Verschwinden der Bachforellen geht der Verlust weit über die Strudel und Gumpen hinaus, in denen sie einst lebten. Bachforellen sind mehr als nur Fische. Sie sind ein kulturelles Symbol, ein Bestandteil unserer Heimat. Klimawandel und der Rückgang unserer Fischbestände bedrohen nicht nur eine Art, sondern auch Identität und Wirtschaft. Allein im Salzkammergut generiert die Forellenfischerei eine große Anzahl an Nächtigungen. Angler kommen von nah und fern in der Hoffnung, Fische zu fangen, und schätzen die Bachforellen, die aufgrund der roten Punkte auf Rücken und Flanken mit der Fliegenrute gefangen wird. Einen dieser scheuen Fische an den Haken zu bekommen, erfordert Geduld und Geschick.

„Die Bachforelle war die erste Forelle, die ich gefangen habe“! Aber „mit einer 20 Zentimeter langen Bachforelle verkauft man keine Angelscheine? Der Schutz der einheimischen Bachforelle ist ehrlich gesagt eine emotionale Angelegenheit. Ich glaube, man muss Fischer sein und man muss von hier sein, und selbst wenn man nicht von hier ist, muss man ein tiefes Verständnis dafür haben, was es bedeutet, diesen Fisch hier zu haben und es tut weh, deren Rückgang zu beobachten.“
Ergebnisse der Bachforellen Zucht 2025-2026
Ergebnisse werden noch ergänzt.
Weitere Informationen
Das Eigentliche passiert unter der Oberfläche. Am Gewässer wie beim Naturschutz. Auf www.huberpower.com geht es genau dorthin: zur Arbeit am Wasser, zur Forschung dahinter und zu den Projekten, an denen wir gerade arbeiten.

Die Frage, ob die wilden, selbst reproduzierenden Bachforellen-Stämme in den Zubringerbächen der Oberen Traun erhalten bleiben, ist angesichts des Klimawandels und anderer anthropogener Einflüsse tatsächlich kritisch.
Die Zukunft der wilden Bachforellen in den Zubringerbächen der Oberen Traun ist ungewiss und steht unter erheblichem Druck durch Umweltveränderungen und historische Eingriffe. Ihr Erhalt hängt maßgeblich von den kontinuierlichen und intensiven Schutz-, Entwicklungs- und Renaturierungsmaßnahmen der Fischereibewirtschafter und Unterstützer ab. Die Zubringerbäche gelten als Biotope der Zukunft für die Bachforelle (Salmo trutta), aber ihr Schutz vor Austrocknung, Erwärmung und Verbauung ist essenziell. Um ihren Bestand bestmöglich zu erhalten, haben wir das „Projekt Leopold“ aufgesetzt.
Besatzmaterial soll nur aus unserem Gewässersystem abstammen.
Die praktische Durchführung unser Wildkultur-Fisch-Entwicklung erfordert eine klare Definition der Begriffe: “autochthon, heimisch und bodenständig”.
Fazit auf unsere Situation in der „Miesenbach Mühle“ – (MBM) : Genau diese Situation hatten wir im Herbst 2023, dass wir durch den extrem warmen September und Oktober hatten, mit einer erhöhten Wassertemperatur. Durch einen kurzzeitigen Wassermangel der Quelle, was lt. Anrainer Aussagen auch noch nie der Fall war, hatten wir im „Aquarium“ wo wir unserer Laichfische zum Abstreifen sammeln, auch noch nie (?) der Fall. Somit hat sich dies Situation verstärkt auf die Bachforellen ausgewirkt und ist vermutlich die Ursache der Laichzeitverschiebung! Daher waren unsere Bachforellen nicht Anfang Dezember laichreif, sondern erst am 1. Jänner 2024 konnte eine erste Charge und in zwei folgenden Abstreifvorgängen, auch noch kurz danach, bis Mitte Jänner, Eimaterial gewonnen werden.
„ Wenn du wissen willst, wer du warst, dann schau, wer du bist.
Wenn du wissen willst, wer du sein wirst, dann schau, was du tust.“.
Zitat: Buddhistische Weisheit“

