Kritische Pegelstände im Nussensee sind alles andere als ein neues Phänomen – sie wiederholen sich verlässlich alle paar Jahre. Während schrumpfende Wasserflächen in Schlagzeilen schnell für Unruhe sorgen, begegnen Einheimische und erfahrene Gewässerbewirtschafter dem Spektakel mit einer gewissen Gelassenheit. Dass der historische Hungerstein eben nicht nur 1995 oder 2006, sondern auch in jüngerer Vergangenheit immer wieder trockenfiel, unterstreicht nur eines: Der Nussensee folgt seit jeher den ganz eigenen, faszinierenden Gesetzen der Karsthydrologie – einem natürlichen Rhythmus aus Rückzug und Wiederkehr. Anstatt in Hektik zu verfallen oder das Phänomen abzutun, nutzt wir die Gelegenheit vom FROSKG die Gegebenheiten, um wertvolle Daten für die Zukunft zu sammeln und im Ernstfall handlungsfähig zu sein.
Der kalte und äußerst schneereiche Winter 2005-2006 bewirkte, dass während dieser Zeit kein Wasser dem See zugeflossen ist. Stetig ist der Wasserspiegel durch den unter Tage liegenden Zu- und Abfluss gesunken. Dieser Umstand tritt in Wintermonaten und Trockenzeiten regelmäßig auf.

März-April 2006
Ein derart starkes Absinken des Wasserspiegels wie im vergangenen Winter ist auch den ältesten Fischerkameraden jedoch nicht bekannt. Die tiefste Stelle im See beträgt bei Normalpegel ca. 20 Meter. Am 12. März 2006 war der See nur mehr 1,6 Meter tief. Aus dem 10 ha großen See ist nur die Fläche eines Fußballfeldes übrig geblieben. Damit hat der Nussensee im März 2006 weniger als 1% seines normalen Wasservolumens erreicht. In der Mitte des Monats April taute die Eisdecke am Nussensee auf Innerhalb etwa 2-3 Wochen ist der See wieder auf seinen Normalspiegel gestiegen.
Am 17. April 2006 wurden von den Vereinsmitgliedern die toten, aufgetriebenen Fische eingesammelt. Es sind etwa 500 kg Fische entsorgt worden. Über die Menge der Fische, die am Boden des Sees liegen geblieben sind kann man nur Spekulationen anstellen. Der Ausfall beträgt etwa 80%. Kleinfischarten sind nach unserer Auffassung weniger betroffen, und im See sichtbar vorhanden.

Der Renken- und Saiblingsbestand ist nach Auffassung von Herr Wolfgang Hauer (Fischmeister der Bundesanstalt für Fischereiwirtschaft Scharfling) und Herr Mag. Siegfried Ortner (Fischereiaufsicht und Biologe) stark dezimiert. Der Wiederaufbau des Bestandes mit den verbunden Besatzmaßnahmen ist für unseren Verein eine große Herausforderung.

Massive Fischkonzentration: Fischereiexperten und der Fischereiverein Ischl beobachteten das Geschehen damals mit großer Sorge. Da der See auf ein Rinnsal zusammenschrumpfte, sammelte sich der überlebende Fischbestand im tiefsten verbliebenen Trichter. Dass damals noch einige Fische überlebten, lag ausschließlich an den eiskalten Wassertemperaturen unter dem Eis, die den Stoffwechsel der Fische auf ein Minimum reduzierten.
Besatzmaßnahmen wurden danach mit folgenden Grundsätzen durchgeführt:
- Reinigung des Gewässers
Die aufgetriebenen Fische wurden eingesammelt und entsorgt. - Prüfung der Wasserqualität
Der Nussensee hat sich in äußerst kurzer Zeit mit frischem Wasser wiederbeflüllt.
Die Wasserqualität ist wieder bestens. - Standortgerechtes und gesundes Besatzmaterial
Besatzmaterial wird aus österreichischen Zuchtgewässern angekauft. - Berücksichtigung des Arten- und Altersspektrums
Die eingesammelten toten Fische sind durchwegs größere Exemplare.
Daher wurden im April und Mai als erste Besatzmaßnahme 400 kg fangfähige Forellen besetzt.
Als weitere Maßnahme ist ein entsprechender Renken Besatz (ca. 400 kg einsömmerig) vorgesehen. Der Aufbau des Karpfenbestandes ist ab Juni mit Besatzfischen (ca. 1 kg) geplant. - Nachhaltige Bewirtschaftung
Pacht seit 1985, eine Verlängerung des Pachtvertrages erfolgte 2004 auf weitere 9 Jahre. - Eine Pachtaufstockung durch den Verpächter könnte den IFC bei seiner Aufbauarbeit wesentlich unterstützen.
Für die Fischerei ist dieses Gewässer ein permanenter Nervenkitzel: Im Sommer ein Traumrevier für Hechte, Seesaiblinge und Forellen, im extremen Winter ein Nadelöhr, bei dem die Natur das Überleben der Fische auf wenigen Quadratmetern entscheidet.

März 2026
20 Jahre später ein wiederholter Anblick zeigt sich am Nussensee in Bad Ischl: Der sogenannte „Hungerstein“ liegt frei – ein Felsblock, der zuletzt im Jahr 1995 vollständig zu sehen war. Der Grund für den extrem niedrigen Wasserstand ist laut Experten der ausbleibende Schneefall und die fehlende Schneeschmelze. Die Auswirkungen sind unübersehbar, denn der See ist nicht nur ein beliebtes Naherholungsgebiet, sondern auch wichtiger Bestandteil der Wasserversorgung der Stadt.

Ein seltener Anblick zeigt sich derzeit am Nussensee in Bad Ischl: Der sogenannte „Hungerstein“ liegt frei – ein Felsblock, der zuletzt im Jahr 1995 vollständig zu sehen war. Der Grund für den extrem niedrigen Wasserstand ist laut Experten der ausbleibende Schneefall und die fehlende Schneeschmelze. Die Auswirkungen sind unübersehbar, denn der See ist nicht nur ein beliebtes Naherholungsgebiet, sondern auch wichtiger Bestandteil der Wasserversorgung der Stadt.
Einheimische berichten und sehen das gelassen: „Das Thema wird viel zu sehr aufgebauscht. So wie jetzt sieht es hier alle paar Jahre aus und dramatische Auswirkungen auf den Fischbestand oder die Trinkwasserversorgung gab es nie.“ Der Hungerstein ist nicht zuletzt 1995 zu sehen gewesen, sondern auch noch mal viel später.
FROSKG Notabfischplan
Der vorbereitete Notabfischplan des Fischereireviers ist in dieser hochdynamischen Karstumgebung die einzig richtige Lebensversicherung für den Fischbestand. Da sich die Lage je nach Jahreszeit – ob eiskalter Extremwinter mit Eisdecke oder heißer Dürresommer – völlig unterschiedlich darstellt, sichert diese flexible Anpassungsfähigkeit im Ernstfall das Überleben der Saiblinge und Forellen. Mit der kontinuierlichen Beobachtung der Pegelstände und einer klaren Notfallstrategie beweist das Revier vorausschauende Verantwortung für ein einzigartiges, aber extrem sensibles Gewässer des Salzkammerguts.
Quelle
- Bericht von Peter Ellmer (Obmann IFC) vom 13. Juni 2006 an die ÖBF
- Geht dem Nussensee in Bad Ischl das Wasser aus? März 2025
https://www.meinbezirk.at/salzkammergut/c-lokales/geht-dem-nussensee-in-bad-ischl-das-wasser-aus_a7210574 - Nussensee in Bad Ischl auf historischem Tiefstand, März 2025
https://www.tips.at/nachrichten/gmunden/land-leute/678162-nussensee-in-bad-ischl-auf-historischem-tiefstand
Weitere Informationen
Das Eigentliche passiert unter der Oberfläche. Am Gewässer wie beim Naturschutz. Auf www.huberpower.com geht es genau dorthin: zur Arbeit am Wasser, zur Forschung dahinter und zu den Projekten, an denen wir gerade arbeiten.
„Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser, denn Wasser ist alles und ins Wasser kehrt alles zurück.“
Zitat von: Thales von Milet (um 625 v.Chr.), griech. Philosoph

