Eine Weile war es ruhig hier auf www.huberpower.com – so ruhig, dass mich sogar schon einige besorgte Anfragen von Lesern erreicht haben, ob bei mir alles in Ordnung sei. Zuerst einmal ein großes und herzliches Dankeschön für Ihre Nachfrage! Mir geht es trotz der aktuellen globalen Lage sehr gut, und Ihre ehrliche Besorgnis hat mich wirklich sehr berührt.
Es tut mir leid, dass ich in den letzten Wochen weniger Zeit für neue Dokumentationen und Berichte hatte. Hinter den Kulissen war einfach unglaublich viel los. Zum einen wollte ich das traumhafte Herbstwetter natürlich noch für die eine oder andere Angeltour nutzen. Zum anderen haben mich mehrere intensive Projekte stark gefordert – worum es dabei genau geht, werde ich aber schon ganz bald hier verraten!
Es gibt aber auch fantastische Neuigkeiten aus dem Team zu berichten: Wir haben tatkräftige Verstärkung bekommen! Mit Rudi Gams und Peter Oberwimmer ist unser Team aktiv gewachsen. Durch diesen Zuwachs sind wir ab sofort noch flexibler aufgestellt und können noch mehr spannende Projekte und Ideen gleichzeitig für Sie realisieren.

Der Gewässertyp „Seeausrinn“ am Beispiel der Goiserer Traun
Wer an der Goiserer Traun fischt, merkt schnell, dass dieses Gewässer eine ganz besondere Dynamik und Produktivität besitzt. Das liegt an seiner Natur als klassischer Seeausrinn (dem Abfluss des Hallstätter Sees). Doch was macht diesen Gewässertyp eigentlich so speziell und fischreich?
Ein reich gedeckter Tisch: Die Nährstoffsituation
Die Produktivität eines Seeausrinns wird maßgeblich durch den vorgeschalteten See geprägt. Aus dem Hallstätter See werden kontinuierlich gelöste pflanzliche Nährstoffe sowie Plankton (kleinste pflanzliche und tierische Organismen) in die Goiserer Traun eingespült. Für das Fließgewässer wirkt das wie ein ständiger, natürlicher Nährstoffeintrag, der das gesamte Ökosystem extrem produktiv macht.
Spezialisten am Werk: Das Makrozoobenthos
Direkt unterhalb des Seeabflusses findet man eine ganz besondere Lebensgemeinschaft am Gewässergrund (das sogenannte Makrozoobenthos). Hier konzentrieren sich Organismen, die sich „filtrierend“ ernähren – sie filtern also die herantreibende Nahrung aktiv aus der Strömung.
Dadurch entsteht eine faszinierende Mischform: eine spezielle Ausflussgemeinschaft aus Arten, die man sonst entweder nur im Stillwasser des Sees oder im Fließwasser des Baches findet. Sie bilden das perfekte, proteinreiche Fundament der Nahrungskette – und sind der Grund, warum die Fische in der Goiserer Traun so hervorragend abwachsen.

Diese Seeausrinne aus dem Hallstätter See ist ein besonderer Gewässertyp, der stark durch den oberhalb liegenden See geprägt wird, wodurch sich ein eigenständiges Temperatur- und Geschieberegime sowie meist relativ ausgeglichene Abflussverhältnisse ergeben. Die Wassertemperatur eines Sees ist von verschiedensten Faktoren abhängig: Klima der Umgebung des Sees, Jahreszeiten, Strömungen im See, Menge und Temperatur des zugeführten Wassers, Seetiefe, Seefläche und -volumen.

Das Phänomen der Temperaturschichtung im See
Wer im Sommer schon einmal in einem tieferen See baden war, kennt den Effekt: An der Oberfläche ist das Wasser herrlich warm, doch lässt man die Beine etwas tiefer sinken, wird es plötzlich spürbar kalt. Dieses Phänomen nennt sich Temperaturschichtung (oder thermische Schichtung) und hat einen großen Einfluss auf das gesamte Leben im See – und auch auf den Ausfluss.
Da kaltes Wasser eine höhere Dichte hat als warmes (sein Dichtemaximum erreicht Wasser bei genau 4 °C), sinkt das schwerere, kalte Wasser nach unten, während das leichtere, von der Sonne erwärmte Wasser oben schwimmt. Dadurch teilt sich der See im Sommer in drei charakteristische Zonen auf:
- Das Epilimnion (Nährschicht / Oberflächenwasser): Die oberste, warme und meist gut durchlichtete Wasserschicht. Sie ist stark durch den Wind bewegt und daher gut mit Sauerstoff versorgt.
- Das Metalimnion (Sprungschicht): Die mittlere Übergangszone. Hier sinkt die Temperatur mit zunehmender Tiefe extrem rasch ab. Sie wirkt im Sommer wie eine unsichtbare Barriere, die den Austausch zwischen der warmen Oberflächenschicht und der kalten Tiefenschicht nahezu komplett verhindert.
- Das Hypolimnion (Zehrschicht / Tiefenwasser): Die unterste, sonnenfernste Schicht. Hier herrschen konstant kalte Temperaturen (oft um die 4 °C).
Was bedeutet das für den Seeausrinn? Je nachdem, aus welcher Tiefe ein Seeausrinn gespeist wird (oberflächennah oder über tiefere Schichten), fließt entweder sehr warmes, planktonreiches Wasser oder kühleres, nährstoffarmes Wasser in das anschließende Fließgewässer. Bei der Goiserer Traun sorgt dieser kontinuierliche Abfluss aus dem Hallstätter See für ganz besonders stabile, temperaturpuffernde Verhältnisse, von denen die Fischwelt profitiert.
Fließgewässer werden im Verlauf kälter
In einem normalen Fließgewässer (wie einem typischen Gebirgs- oder Alpenbach) verhält sich die Temperatur im Längsverlauf meist sehr vorhersehbar: Sie entspringen in schattigen, kühlen Bergregionen. Flussabwärts, wo das Bett breiter wird und das Wasser länger der Sonne ausgesetzt ist, nehmen sowohl die Jahresdurchschnittstemperaturen als auch die Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter (die Amplituden) kontinuierlich zu. Erst im schattigen Unterlauf oder bei der Mündung in größere Ströme flacht diese Erwärmung wieder ab.
Bei einem Seeausrinn ist das genau umgekehrt!
Da ein Seeausrinn wie die Goiserer Traun im Sommer aus der oberen, sonnenaufgewärmten Schicht des Sees (dem Epilimnion) gespeist wird, führt er auf den ersten Kilometern sehr warmes Wasser, das exakt der Oberflächentemperatur des Sees entspricht.
Erst im weiteren Verlauf flussabwärts passiert das Paradoxe:
- Abkühlung im Sommer: Das warme Wasser kühlt sich flussabwärts schrittweise ab – sei es durch den Einfluss kühlerer, schattiger Seitenzuflüsse oder durch den Zustrom von kaltem Grund- und Quellwasser.
- Verzögerung im Winter: Nur im späten Winter und im zeitigen Frühjahr zeigt sich der umgekehrte Effekt. Der große Wasserkörper des Sees speichert die Kälte des Winters sehr lange. In dieser Zeit fließt kälteres Wasser in den Ausrinn, als es dem natürlichen Temperaturgleichgewicht eines normalen, sich durch die Frühlingssonne bereits erwärmenden Alpenflusses entsprechen würde.
Diese thermische Pufferwirkung des Sees sorgt für ein einzigartiges Mikroklima im Fluss, das sowohl die Insektenwelt als auch das Beißverhalten und die Aktivitätsphasen der Salmoniden über das Jahr hinweg maßgeblich beeinflusst.
Veränderungen der Entwässerung

Pegel Oktober 2020
Die Pegel Stellen mit den Wasserständen und den Temperaturwerten sind Flussabwärts aufgelistet. Zuerst die Obere Traun und danach die Ischl. Neu ist, dass ich auch den Hallstätter See dazu genommen habe.
Oberer Traun Pegel im Oktober 2020





Der Ischl Pegel im Oktober 2020


Temperatur Oktober 2020
Die Temperatur in einen Gewässersystem wie der Oberen Traun mit der Ischl und deren Zubringer Bäche zu laufend zu beobachten. Die Temperatur kann sich je nach Fischart positiv oder negativ auf die Entwicklung der Fische auswirken. Im Gewässersystem der Traun und Ischl ist diese sehr schön zu beobachten und auch Beispiele aus der Literatur zeigen, dass sich Gewässerabschnitte mit niederer Temperatur über den Sommer auf Grund der Einbringung von kalten Quellen oder Gletscherwasser, über die Koppen Traun und den Gosaubach, sogenannte „Coldwater Pollution“ negativ auf die Cypriniden und positiv auf die Salmoniden auswirken. Dies ist auch sehr gut an der Oberen Traun vs. der Ischl oder unterhalb der Ischl in die Traun, am Fischbestand und den Fischarten zu beobachten.
Oberer Traun Temperatur im Oktober 2020





Ischl Temperatur im Oktober 2020


Das wars erstmal für heute – bleibt vor allem gesund und haltet durch – 2021 wird ein besseres Jahr, wenn wir alle unseren Teil dazu beitragen!
Weitere Informationen
Das Eigentliche passiert unter der Oberfläche. Am Gewässer wie beim Naturschutz. Auf www.huberpower.com geht es genau dorthin: zur Arbeit am Wasser, zur Forschung dahinter und zu den Projekten, an denen wir gerade arbeiten.
Hydrografischer Dienst des Landes Oberösterreich
Bei einem Seeausrinn ist das genau umgekehrt!
Da ein Seeausrinn wie die Goiserer Traun im Sommer aus der oberen, sonnenaufgewärmten Schicht des Sees (dem Epilimnion) gespeist wird, führt er auf den ersten Kilometern sehr warmes Wasser, das exakt der Oberflächentemperatur des Sees entspricht.
Erst im weiteren Verlauf flussabwärts passiert das Paradoxe:
Abkühlung im Sommer: Das warme Wasser kühlt sich flussabwärts schrittweise ab – sei es durch den Einfluss kühlerer, schattiger Seitenzuflüsse oder durch den Zustrom von kaltem Grund- und Quellwasser.
Verzögerung im Winter: Nur im späten Winter und im zeitigen Frühjahr zeigt sich der umgekehrte Effekt. Der große Wasserkörper des Sees speichert die Kälte des Winters sehr lange. In dieser Zeit fließt kälteres Wasser in den Ausrinn, als es dem natürlichen Temperaturgleichgewicht eines normalen, sich durch die Frühlingssonne bereits erwärmenden Alpenflusses entsprechen würde.
Diese thermische Pufferwirkung des Sees sorgt für ein einzigartiges Mikroklima im Fluss, das sowohl die Insektenwelt als auch das Beißverhalten und die Aktivitätsphasen der Salmoniden über das Jahr hinweg maßgeblich beeinflusst.
„Wer den Fischen eine Stimme gibt, gibt unseren Gewässern eine Zukunft.“
Zitat von: Heimo Huber, Obmann FROSKG

