{"id":7628,"date":"2017-01-19T16:23:50","date_gmt":"2017-01-19T15:23:50","guid":{"rendered":"http:\/\/huberpower.com\/wordpress\/?p=7628"},"modified":"2024-03-25T14:04:12","modified_gmt":"2024-03-25T13:04:12","slug":"dreckiger-schnee-in-unsere-gewaesser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/huberpower.com\/wordpress\/?p=7628","title":{"rendered":"DRECKIGER SCHNEE IN UNSERE GEWAESSERN"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_7640\" aria-describedby=\"caption-attachment-7640\" style=\"width: 427px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7640 size-medium\" src=\"https:\/\/huberpower.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/20170119_122214B-427x320.jpg\" alt=\"\" width=\"427\" height=\"320\" srcset=\"https:\/\/huberpower.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/20170119_122214B-427x320.jpg 427w, https:\/\/huberpower.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/20170119_122214B-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/huberpower.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/20170119_122214B-200x150.jpg 200w, https:\/\/huberpower.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/20170119_122214B-680x510.jpg 680w, https:\/\/huberpower.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/20170119_122214B.jpg 2016w\" sizes=\"auto, (max-width: 427px) 100vw, 427px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7640\" class=\"wp-caption-text\">Hier bei der Lokalbahnbr\u00fccke &#8211; genau dort wo rechtsufrig die Fische ihr Laichgebiet haben zwischen November und M\u00e4rz! (Foto: Harald Eidinger)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Thematik der R\u00e4umschee-Einbringung in Gew\u00e4sser hat seit l\u00e4ngerem die \u00d6ffentlichkeit erreicht. Zuletzt im schneereichen Winter wurde das Thema kontroversiell diskutiert.<\/p>\n<p>Ein Anrainer berichtet mir dazu seine Beobachtungen&#8230;.<\/p>\n<div><span style=\"color: #00ff00;\"><em>Durch die Unterst\u00fctzung der Stadtgemeinde Bad Ischl\/Bauhof haben die Fische des Rettenbaches ab sofort bei der Zubereitung kein Salz mehr notwendig.&nbsp;Es wird vom gesamten Stadtgebiet der mit Streusalz angereicherte Schnee im Rettenbach entsorgt. Die LKW fahren ab 4 Uhr in der Fr\u00fch den ganzen Tag um Salzschnee&nbsp; abzuliefern.&nbsp;Damit die Fische in der Traun nicht zu kurz kommen wird auch Schneesalz oder Salzschnee in der N\u00e4he des Tennisclubs Bad Ischl dem Traunwasser zugef\u00fchrt.<\/em><\/span><\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div>Mag eventuell auch daran liegen, dass Bad Ischl eine &#8222;Salinen Sadt&#8220; ist. \ud83d\ude42<\/div>\n<p>Verst\u00e4ndlicherweise sind die Standpunkte und Argumente zu diesem Thema sehr unterschiedlich.<\/p>\n<h5>Fl\u00fcsse dienen der Entsorgung!<\/h5>\n<p>Flie\u00dfende Gew\u00e4sser sind leider immer noch f\u00fcr manche Menschen eine ideale Entsorgungsm\u00f6glichkeit. Auch f\u00fcr die \u00f6ffentliche Schneer\u00e4umung -und Entsorgung ist es recht praktisch den Schnee in unsere Gew\u00e4sser zu entsorgen.&nbsp;Beschwerden gegen die gelebte Praxis kommt vor allem von \u00f6kologisch- fischereilicher Seite. Hier besteht die Meinung, dass der \u00fcberm\u00e4\u00dfige Eintrag von R\u00e4umschnee den \u00f6kologischen Zustandes eines Gew\u00e4ssers durch mechanische, chemische und physikalische Belastungen beeintr\u00e4chtigt.<\/p>\n<p>Hier wird eben sehr oft scharfkantige Rollsplitt, Salz, \u00d6l &#8211; und Reifenabrieb etc. im R\u00e4umschnee in unsere Gew\u00e4sser eingebracht. Gerade in der Laichzeit unserer heimischen Fische, werden hier die nat\u00fcrlichen Fortpflanzungsaktivit\u00e4ten massiv beeintr\u00e4chtigt. Zumeist erfolgt die Schneeentsorgung auch bei Niederwasserperioden, in denen die Auswirkungen noch dramatischere folgen haben als dies zur nat\u00fcrlichen Schneeschmelze in Verbindung mit erh\u00f6hten Wasserst\u00e4nden.<\/p>\n<h5>Kolmatierung der Gew\u00e4ssersohle<\/h5>\n<p>So kann der scharfkantige Splitt Verletzungen bei laichgrubenschlagenden Salmoniden verursachen. Besonders dem mit dem Schnee eingebrachten Streusplitt &nbsp;werden negative Auswirkungen auf die Gew\u00e4ssersohle zugestanden. Der Transportmechanismus des Splitts ist mit jenem von Kies vergleichbar. Allerdings besitzt das scharfkantige Material des Rollsplitts andere Ablagerungseigenschaften. Es ist davon auszugehen, dass sich der Splitt im L\u00fcckensystem (hyporheisches Interstitial) dauerhaft h\u00e4lt. Davon sind sowohl Laichpl\u00e4tze von Fischen als auch Jungfischlarven, die einen Teil ihrer Entwicklung im L\u00fcckensystem der Gew\u00e4ssersohle verbringen, betroffen. Beim Schlagen der Laichgruben k\u00f6nnen sich Fische am scharfkantigen Splitt Haut- und Flossenverletzungen zuf\u00fcgen, was wiederum Pilzerkrankungen f\u00f6rdern kann. Wird das L\u00fcckensystem verstopft, droht eine Unterversorgung der Fischlarven mit Sauerstoff. Auch das Schl\u00fcpfen der Fischlarven ist nicht mehr oder nur mehr erschwert m\u00f6glich.&nbsp;<\/p>\n<h5>Gesetzeslage<\/h5>\n<p>Laut Wasserrechtsgesetz (WRG) 1959 BGBl Nr. 215\/1959 i.d.g.F. \u00a7\u00a7 9, 11, 12, 13, 15, 21, 32, 98, 105, 111 und 117, ist die Einbringung von R\u00e4umschnee in Gew\u00e4sser, wenn sie die Grenze der Geringf\u00fcgigkeit \u00fcberschreitet, bewilligungspflichtig. \u201eBlo\u00df geringf\u00fcgige Einwirkungen, insbesondere der Gemeingebrauch (\u00a78) \u2026 gelten bis zum Beweis des Gegenteils nicht als Beeintr\u00e4chtigung\u201c (WRG \u00a7 32 (1) und sind daher nicht bewilligungspflichtig. Die Definition der Geringf\u00fcgigkeit ist nicht ganz einfach, da das Gesetz nur den Rahmen vorgibt. Erst durch die Auslegung wird das Gesetz konkretisiert. Geringf\u00fcgigkeit kann zum Beispiel vorliegen, wenn die Einbringung h\u00e4ndisch erfolgt&#8230;.<\/p>\n<p>Im Folgenden ein \u00dcberblick \u00fcber \u00f6kologische und wasserbauliche Nebenbestimmungen in verschiedenen Verfahren:<\/p>\n<p>\uf0be &#8230; Einbringung nur an daf\u00fcr vorgesehenen Stellen &#8230;<\/p>\n<p>\uf0be &#8230; Schneeeinbringung nur innerhalb von 48 Stunden &#8230;<\/p>\n<p>\uf0be &#8230; vom benetzten Flie\u00dfquerschnitt d\u00fcrfen max. 50% mit R\u00e4umschnee bedeckt sein &#8230;<\/p>\n<p>\uf0be &#8230; keine augenscheinliche Verunreinigung des R\u00e4umschnees (Splitt und M\u00fcll) &#8211; Verunreinigungen sind im Fr\u00fchling zu entfernen &#8230;<\/p>\n<p>\uf0be &#8230; es sind ein Betriebsbuch und eine Fotodokumentation zu f\u00fchren &#8230;<\/p>\n<p>\uf0be &#8230; zur Verteilung des R\u00e4umschnees im Gew\u00e4sserbett d\u00fcrfen keine Bagger eingesetzt werden &#8230;<\/p>\n<p>\uf0be &#8230; der Schnee ist an den Ufern zu deponieren, eine Einbringung in die flie\u00dfende Welle ist nicht zul\u00e4ssig &#8230;<\/p>\n<p>\uf0be &#8230; ab 1. Mai muss der Schnee am Ufer maschinell verteilt werden, damit er schneller schmilzt ..<\/p>\n<p>\uf0be &#8230; vor der Einbringung des R\u00e4umschnees in Gew\u00e4sser sind andere Ablagerungs- fl\u00e4chen auszun\u00fctzen &#8230;<\/p>\n<p>\uf0be &#8230; Untersuchung der Auswirkungen der mechanischen Belastung durch Schnee- einbringung auf den Gew\u00e4sserboden &#8230;<\/p>\n<p>\uf0be &#8230; die Ergebnisse der Untersuchungen sind die Grundlage f\u00fcr erforderliche Ersatz- bzw. Ausgleichsma\u00dfnahmen (z.B. Herstellung von Laichhabitaten) &#8230;<\/p>\n<p>Weitere Informationen:<\/p>\n<p>Land Ober\u00f6sterreich &#8211; Naturschutz&nbsp;<\/p>\n<p>Es spielt die Einleitung von nicht oder unzureichend gereinigter Stra\u00dfenw\u00e4sser (Schwermetalle, Reifenabrieb, \u00d6lr\u00fcckst\u00e4nde) eine negative Rolle. Dazu geh\u00f6rt auch durch Splitt, Salz etc. kontaminierter Schnee&nbsp;<\/p>\n<p>In Ober\u00f6sterreich besteht ein generelles Verbot zur Einbringung von R\u00e4umschnee in Gew\u00e4sser. Seitens der Wasserrechtsbeh\u00f6rde wird darauf hingewiesen, dass die Einbringung von R\u00e4umschnee in Gew\u00e4sser bzw. dessen Lagerung am Ufer und im Hochwasserabflussbereich verboten ist u. gem\u00e4\u00df \u00a7 137 WRG 1959 einen Verwaltungsstrafbestand darstellen.<\/p>\n<p>AUFLEGER, M. (2005). R\u00e4umschneeeintrag in Flie\u00dfgew\u00e4sser im Bezirk Kitzb\u00fchel\/ Tirol. Fachwissenschaftliche Stellungnahme im Auftrag des Tiroler Fischereiverbandes (TFV). Beuerberg.<\/p>\n<p>DALLINGER, R. (2005). \u00d6kotoxikologisches Gutachten zum Risikopotential der R\u00e4umschnee-Entsorgung in die Kitzb\u00fcheler Ache und Gro\u00dfache. Im Auftrag des Fischereiverbandes Kitzb\u00fchel. Institut f\u00fcr Zoologie und Limnologie, Innsbruck.<\/p>\n<p>RVS 12.04.12. (17. August 2010). \u00d6sterreichische Forschungsgesellschaft Stra\u00dfe-Schiene-Verkehr. Schneer\u00e4umung und Streuung. Wien.<\/p>\n<p>SCHEIBER, T. (2010): Limnologische Untersuchungen an der Aschauer Ache, der Kitzb\u00fcheler Ache, der Gro\u00dfache und der Fieberbrunner Ache. 2. Teilbericht Winter 2009\/10 im Auftrag des Amtes der Tiroler Landesregierung Abt. Wasserwirtschaft.&nbsp;ITS Scheiber Ziviltechniker, Kematen.<\/p>\n<p>THALER, M. (2006). Diskussion \u00fcber das Rechtsproblem der Stra\u00dfen-SchneeEntsorgung in Kitzb\u00fchel in die \u00f6ffentlichen Gew\u00e4sser. Dissertation am Institut f\u00fcr \u00f6ffentliches Recht Leopold-Franzens-Universit\u00e4t Innsbruck.<\/p>\n<p>THALER, M. (2008). Stra\u00dfenschnee-Entsorgung in die Fischgew\u00e4sser der Kitzb\u00fcheler Ache: \u00d6kotoxologische Folgen und umweltrechtliche Rahmenbedingungen. (Versuch einer interdisziplin\u00e4ren Ann\u00e4herung). Dissertation am Institut f\u00fcr Zoologie der Universit\u00e4t Innsbruck.<\/p>\n<p>Quellen<\/p>\n<p>R\u00e4umschneeeinbringung in <em>Gew\u00e4sser<\/em> &#8211; Leitfaden aus Tirol<\/p>\n<p>Der Tiroler Leitfaden soll Betroffenen (Amtssachverst\u00e4ndigen, Beh\u00f6rden, Antragstellern) als Orientierung dienen und dazu anregen, fachlich fundierte und wenn m\u00f6glich einvernehmliche L\u00f6sungen zur R\u00e4umschneeentsorgung zu finden. Dieser Leitfaden bildet eine recht solide Basis zu diesen Thema und soll Gemeinden dienen, sich daran anzuhalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #99cc00;\">\u201eInmitten der Schwierigkeiten liegt die M\u00f6glichkeit.\u201c<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Zitat von: Albert Einstein<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Thematik der R\u00e4umschee-Einbringung in Gew\u00e4sser hat seit l\u00e4ngerem die \u00d6ffentlichkeit erreicht. Zuletzt im schneereichen Winter wurde das Thema kontroversiell diskutiert. Ein Anrainer berichtet mir dazu seine Beobachtungen&#8230;. 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