BEWIRTSCHAFTUNG

DER SOHLGURT & DIE TIEFENEROSION

Jede Branche hat ihre Fachbereiche und Subdisziplinen und überall hat sich ein eigenes Vokabular und ein eigener Jargon eingebürgert. Daher ist es auch wichig bei gewässerbaulichen Arbeiten und in den Gesprächen mit den Mitarbeitern vom Gewässerbezirk und der Wildbachverbauung auch die richtigen Fachausdrücke und hydrologischen Begriffe zu kennen.

huberpower-2014-6
Hier sieht man sehr schon, wie man mit einen Sohlgurt die Gewässersohle anheben kann!

Starten möchte ich aus aktuellen Anlass mit dem Sohlgurt oder auch Sohlschwelle genannt, dies ist ein quer zur Strömungsrichtung eines Flusses verlaufendes Regelbauwerk, das ein fortschreiten der Tiefenerosion vermindert soll. Übliche Bauformen sind Steinaufschüttungen, Pfahlreihen oder Betonschwellen. Sohlgurte müssen so gebaut werden, dass sie von Wasserlebewesen überwunden werden können.

huberpower-2014
Hier der untere Sohlgurt beim „Edi Tumpf“, oberhalb der Sulzbachmündung. Künstliche Sohlrampen, wie diese erfüllen diese Funktion. Bei solchen „rauhe Sohlrampen“ finden ausreichend groß dimensionierte Wasserbausteine Verwendung.

Der Sohlgurt

Der Sohlgurt geht quer durch das Flussbett und bei der Ausführung wird dazu von Ufer zu Ufer ein genügend grosser und tiefer Graben ausgehoben, in diesen werden Wasserbausteine, bei uns zumeist „Weißenbacher Kalksteine“, ineinander verkeilt verlegt. Die Wasserbausteine sind tief in den Untergrund hinein zu verankern. Nach dem Setzen der Steine können die Zwischenräume des Grabens mit Kies gefüllt werden. Einzelne Steine der Sohlgurte dürfen auch aus der Sohle herausragen, je nachdem wie Hoch oberhalb des Sohlgurt, das Flussbett angehoben werden soll.

HAH_Expor-44-5
Dem Fließgewässer ausreichend Raum zur eigendynamischen Entwicklung geben! Oberhalb sieht man die Wasserberuhigung.

Querbauten: Sohlgurt
* verhindern Tiefenerosion
* Minderung der Schleppkraft
* wirken stabilisierend auf das Gefälleprofil
* Anhebung der Gewässersohle nach Eintiefung.

Funktion: verteilt Wasser gleichmäßig über die Gewässerbreite, verringert die Fließgeschwindigkeit, glättet die Sohle und verhindert weitere Eintiefung.
Also Sohlenstabilisierung. Für Gewässerorganismen in der Regel kein Wanderhindernis.

huberpower-2014-2
Dieser Sohlgurt befindet sich oberhaln vom „Edi Tumpf“

Die Sohlrampe eine künstlichen Stromschnelle

Bei naturnaher Ausführung sind Sohlrampen mit natürlichen Objekten (z.B.  Stromschnellen) zu vergleichen und sind für alle Gewässerorganismen voll durchgängig. Um bei einer Sohlrampe auch bei Niedrigwasser eine ausreichende Fließtiefe zu gewährleisten, ist es sinnvoll, eine „Niedrig-wasserrinne“ einzubauen, in der sich ein geringer Abfluss konzentriert. Erst bei einem höheren Abfluss wird dann die gesamte Breite beaufschlagt. Dabei sind Becken als Ruhebereiche vorzusehen. Rauhe Sohlrampen wirken sich auch günstig für die Wasser Belüftung aus. Die Energievernichtung findet vor und teilweise schon auf der Rampe selbst statt und sichert oberhalb die Sohle.

HAH__NEF1607_04. November 2012-1
Auch hier sehr deutlich zu sehen, im oberen Bereich die strömungsberuhigende Wirkung.

Die „Schiefe Sohlschwelle“

huberpower-2014-8c

Fischereilich und auch wesentlich natürlicher aussehend sind Sohlschwellen, die nicht nur mit einem Winkel von 90 Grad zur Strömung eingebaut werden, sonder konvex flussaufwärts gekrümmt oder schräg zur Fließrichtung konstruiert eingebaut werden und dadurch zu Strömungslenkung und zur Entwicklung von abwechslungsreichen Strömungsmustern ausgeführt werden.

Auf Sand gebaut

huberpower-2014-3
Der im November 2014, aus Schotter aufgeschüttete Sohlschwelle

Dieser „Sohlgurt“ besteht aus aufgeschütteten Schotter. Die Wirkung die mit diesen provisorischen Sohlgurt erreicht wird, ist jedoch enorm und zeigt die Wirkung in diesen Bereich durch die Umlenkung der Strömung von zuvor stark rechtslastig auf eine Verlagerung in den linken Uferbereich, wo die Sandbank, die eine Ablagerung des einmündenen Engleithen Altarm ist, komplett durch die Strömungsumlenkung abgetragen hat. Dahinter hat sich „Harry’s Pool“ gebildet und dadurch hat sich in diesen recht strukturarmen Bereich eine herrlichen Gumpen entwickelt, die den Äschen und Forellen, einen neuen Lebensraum gibt. Wie lange dieser aus Schotter aufgeschüttete umd zum Übersetzen des Bagger gemachte „Sohlgurt“ der Strömung stand halten wird, wird sich zeigen. Was für uns als Fischer und Bewirtschafter interessant daran ist, ist die positive Wirkung die damit erreicht wird. Wir werden dieses Provisorium auf alle Fälle weiter in Beobachtung haben und über die Veränderungen berichten.

huberpower-100
Hier bei der Profilvermessung zur Feststellung der Tiefenerosion

Tiefenerosion

Das Thema „Tiefenerosion“ und in welchen Ausmaß wir diese an der Oberen Traun haben, wurde ja schon im Artikel „Fischer mit Profil“ berichtet. Als Erosion bezeichnet man im geowissenschaftlichen Sinn die Zerstörung bzw. Schaffung von Oberflächenformen durch die Abtragung von mehr oder weniger stark verwitterten Gesteinen einschließlich der Böden. Durch die Hochwässer der letzten Jahre, haben wir eine sehr starke „Tiefenerosion“. In manchen Abschnitten betragen die Eintiefungen bis zu 80 cm. Die Auswirkungen sind, dass auf der einen Seite die Uferbefestigungen abrutschen und die Ufer angerissen werden.

huberpower-2014-7
Hier am Bild ein Abrutschen des Ufer, ausgelöst durch Tiefenerosion.

Tiefenerosion senkt auch den Grundwasserspiegel
Auf der anderen Seite haben wir die Situation in den Bereichen, wo wir starke Flussbegradigung haben, dass sich durch die Fließgeschwindigkeit auch die „Tiefenerosion“ erhöht. Durch die hohe Fließgeschwindigkeit nimmt der Fluss mehr Schotter und Steine aus dem Flussbett mit und trägt diese weiter und verstärkt damit die „Tiefenerosion“. Durch die verstärkte „Tiefenerosion“ senkt sich zusätzlich auch der Grundwasserspiegel. Der Grund: je mehr der Fluss eintieft, desto mehr Schotter wird abgetragen und desto mehr sinkt der Grundwasserspiegel.

huberpower-100-2
Hier sieht man die Tiefenerosion die durch das Hochwasser vom 2. Juni 2013 weiter eingetieft hat.

Kampf der Tiefenerosion mittels Sohlgurt
In Verschienden Flussabschnitten ist es daher Sinnvoll, um einer weiteren Tiefenerosion vorzubeugen, mittels Einbau eines Sohlgurt dieser entgegenzuwirken. Am schönsten ist es natürlich, wenn man im Revier auch gleich positive Beispiele hat, auf deren Basis man die Auswirkungen beobachten kann. So wurde aus beschrieben Grund im Jänner 2014 im Bereich der Rettenbachmündung ein grob strukturierter „Sohlgurt“ eingebaut um ein weiteres Abrutschen der Uferbefestigung zu verhindern. Siehe dazu auch den Bericht „VIS A VIS VOM RETTENBACH„. Hier wurde eine WIN WIN Situation zwischen Hochwasserschutz und struktureller Verbesserung für die Fische geschaffen. Speziell durch den entstanden Rückstau, erfolgt eine ganzjährige „Flutung“ der rechtsufrigen Felsenplatte, in deren rauhen Zwischenräume und Kluften, sich viele Jungfische und Köcherfliegenlarven tummeln, die vor der Schaffung des Sohlgurtes ausgetrockent und in hoher Zahl gestorben sind.

huberpower-100-4

Beispiele

VISAVIS_RB_VORHER_NACHHERhc_085

Krems_2014_Vorher_Nachher_hc_084

AGER_Lenkbuhnen_Weisslbrücke_hc_089

„Ein ingenieurbiologisches Vorhaben wird dann am besten gelingen, wenn wir die Ursachen des Problems und seine Entwicklung verstehen und von da nach Lösungen suchen“

Zitat: (FRÖHLICH)

 

www.pdf24.org    Send article as PDF