INVENTUR – ISCHL BESTANDSAUFNAHME 2021 UND VERGLEICHe 2008 mit 2017 bis 2020

Um potenzielle Auswirkungen durch die an Entleerung der Geschiebesperren im Strobler Weißenbach und dessen Vorfluter (Ischl) vorkommende Fischpopulation zu dokumentieren, werden GZÜV Gewässerzustandsüberwachungsverordnung, BGBI. II Nr. 479 / 2006 i.d.g.F.) konforme Watbefischungen durchgeführt. Dabei wurde in einem fischökologischen Premonitoring mittels Elektrobefischung in den letzten Jahren 2017, 208, 2019, 2020 und auch 2021 der Zustand erhoben.

Der Auftraggeber des Forschungsprojekts „Geschiebemanagement Strobler Weißenbach“ ist der Forsttechnische Dienst für Wildbach- und Lawinenverbauung. Die Durchführung und Projektleitung obliegt Hrn. Univ.-Prof. DI Dr. Helmut Habersack, Institut für Wasserbau, Hydraulik und Fließgewässerforschung (IWA) der Universität für Bodenkultur Wien. Die Elektrobefischung wurde gemeinsam durch BOKU und Büro Blattfisch durchgeführt. (Quelle: BOKU-IWA – Bericht Befischung 2021)

Die Befischungen im Rahmen dieses Premonitorings werden immer zum gleichen Zeitpunkt, Mitte September durchgeführt und somit vor Eintritt der Laichzeit der Bachforelle. Im Jahr 2021 wurde die Befischung am 14. bis 15. September durchgeführt. Bei der ersten und zweiten Befischung wurde der Fischbestand in 5 verschiedenen Teilstrecken (Befischungsstellen) erhoben.

Davon befinden sich vier am Strobler Weißenbach und an drei Bereichen an der Isch. Ab der dritten Befischung wurde zusätzlich zu den bisherigen drei Strecken am Strobler Weißenbach eine vierte Untersuchungsstelle in dessen Mittellauf hinzugefügt. Außerdem wurde 2021 erstmals eine weitere Strecke an der Ischl von der Einmündung des Radaubaches bis zur Straßenbrücke in Pfandl untersucht.

Wollte mich persönlich vom Fischbestand an der Ischl überzeugen und habe an allen 3 Ischl Befischungsstellen als Poolführer mitgearbeitet. So ein Tag Elektrofischen hat es in sich…. Jedoch am Pool bekommt man den besten Überblick über den Fischbestand. Foto: © by Norbert Novak

Befischung nach DeLury und Moran Zippin Methode

Bei der DeLury – Methode wird jede einzelne Strecke in drei aufeinander folgenden Durchgängen befischt. Durch die Abnahme der Fangzahlen in jedem weiteren Durchlauf, lässt sich mithilfe der linearen Regression der Gesamtbestand abschätzen. Wird die Strecke nur zweimal befischt, so kommt die Moran-Zippin-Methode (Seber und Le Cren 1967) zum Einsatz.

Mithilfe eines Netzes wurde vor Beginn der Befischung das flussauf gelegene Ende der Untersuchungsstrecke abgesperrt um die Fische an einer Flucht flussauf zu hindern.

Der obere Bereich der Befischungsstrecke wird mit einen Netz abgesperrt.

Anschließend werde die Strecke mit insgesamt zwei Durchgängen (De Lury Methode) unter Anwendung von Rückenaggregaten mit je einer Polstange abgefischt. Die Anzahl an eingesetzten Polführern richtet sich dabei nach der mittleren benetzten Breite des zu untersuchenden Gewässerabschnittes.

An der Ischl sind wir mit 4 Aggregaten unterwegs um die gesamte Breite abzufischen. Foto: © Norbert Novak

Pro 5 Meter benetzter Gewässerbreite kommt ein Polführer zum Einsatz, wobei laut GZÜV auf bis zu 2,5 Meter aufgerundet werden kann. Zusätzlich wurden je Polführer je ein Kescher Führer sowie je ein Kübelträger zur Verfügung gestellt um die gefangenen Fische so schnell wie möglich zu versorgen. Die Polführer müssen gewährleisten, dass die gesamte Flussbreite vom elektrischen Feld abgedeckt wird. Die Fänge aus den einzelnen Durchgängen müssen separat in getrennten Behältern gehältert werden. Anschließend wird der Fang auf Artniveau bestimmt, vermessen und gewogen.

Andreas Fischer vom Büro Blattfisch mit seinen Team, bei der Aufnahme der Befischungsergebnisse.

Bestandsrechnung

Die Anwendung der DeLury-Methode oder Moran-Zippin-Methode eignet sich nur für Fischarten die methodisch mithilfe der Elektrobefischung auch quantitativ zu erfassen sind. Den Kieslückenraum bewohnende Kleinarten wie die Koppe sind davon ausgenommen. Eine Schätzung des Gesamtbestandes der Koppe wird daher in weiterer Folge auch nicht durchgeführt. Für jene Arten die durch die Elektrobefischung methodisch einwandfrei zu befischen sind wird hingegen ein gemeinsamer Gesamtbestand berechnet. Anschließend können die (geschätzten) Individuenzahlen einzelner Arten anhand des prozentualen Anteils der jeweiligen Art aus den tatsächlich gefangen Fischen umgerechnet werden.

Kennzahlen Wasser & Temperatur

Kennzahlen, Verortung und abiotische Parameter der einzelnen Befischungsstellen im Jahr 2021.
Bei der Bestandsaufnahme, am 14. September 2021 hatten wir sehr günstige Bedingungen, mit einem Pegel von 163 cm, lt. Pegel Gisela Brücke, an der Messstelle in Bad Ischl. Die Wassertemperatur war 18,0 Grad und es war, wie man auf den nachfolgenden Fotos sieht, ein schöner, sommerlicher Tag.
Wassertemperatur an der Ischl lt. Pegel Giselabrücke – lt. Messung 18,0 Grad

Ergebnisse der Elektrobefischung sind:

2021 wurde erstmals auf Wunsch vom FROSKG eine weitere Strecke BS_6 an der Ischl von der Einmündung des Radaubaches bis zur Straßenbrücke in Pfandl mit untersucht um auch im „Mittelteil“ der Ischl einen Status zu bekommen.
Fangzahlen der einzelnen Durchgänge (ohne der Koppe) in den Befischungsstrecken. BS = Befischungsstrecke; n = Gesamtanzahl der tatsächlichen Fänge; N = geschätzte Individuenzahl in der Befischungsstrecke.

Strobler Weissenbach Befischung

Auf die Ergebnisse der Auswertung der Befischung im Strobler Weissenbach gehe ich nicht im Detail ein. Diese zeigt jedoch wie erwartet eine deutliche Dominanz der Bachforelle (Salmo trutta) innerhalb der Gesamtbiomasse. In den Befischungsstellen 1 bis 2 setzt sich die gefangene Biomasse nahezu vollständig aus Bachforellen zusammen. Ab der Befischungsstelle 2 treten durchgehend Koppen (Cottus gobio) in der Artenzusammensetzung auf, wobei an dieser Stelle erwähnt werden muss, dass diese durch die Elektrobefischung methodisch quantitativ nicht oder nur unzureichend zu erfassen sind. An der weitesten flussab gelegenen Strecke des Strobler Weißenbaches (BS_3) wurde erstmals die Barbe (Barbus barbus) in starker Dominanz nachgewiesen.

Bestandsschätzung der Befischungsstelle 3 (hier mit Koppe); n=Anzahl gefangener Individuen; N=geschätzte Individuenzahl; -pro 100m; -pro Hektar; kg/ha=geschätzte Biomasse pro Hektar. Mit 14,5 Kg/ha wurde hier ein Tiefpunkt erreicht.

Innerhalb der Befischungsstelle 3 (BS_3) wurden die Bachforelle, die Regenbogenforelle, die Koppe, die Äsche und auch die Barbe nachgewiesen. Die einzige Regenbogenforelle wurde mit 310 mm gemessen. Die Gesamtzahl der in BS_3 gefangen Individuen inkl. Koppe beträgt 39.

Befischungstelle BS_4 Ischl – Restwasserstrecke Weinbach

Kurzbeschreibung der Messstelle

Im untersuchten Abschnitt weist die Ischl einen gestreckten Verlauf auf. Am oberen Ende der Untersuchungsstrecke befindet sich eine Sohlrampe aus Blockwurf mit einer Ufermauer. Das Gewässer ist entlang des Ufers mit Blockwurf verbaut, der bereits überwachsen ist. Während die linke Uferböschung mit einem ein- bis mehrreihigen Gehölzstreifen gesäumt wird, wird die rechte Uferböschung von einem einreihigen Gehölzstreifen bestanden. Breiten- und Tiefenvarianz sind mäßig bzw. groß. Die Sohle ist bis auf die Sohlrampe unverbaut und besteht hauptsächlich aus Makro- und Mikrolithal.

Innerhalb der Befischungsstelle 4 (Restwasserstrecke an der Ischl) erhöht sich die Anzahl der nachgewiesenen Arten auf insgesamt 8. Auffallend ist, dass diese Strecke stark von Cypriniden dominiert wird. Am häufigsten kommen der Aitel und die Barbe vor. In Summe wurden 135 Fische innerhalb der BS_4 gefangen wobei 17 davon zur Ordnung der Salmoniden zuzuordnen sind.

RESTWASSERSTRECKE BS_4 Biomasse 2021 = 29,0 kg/ha

Erfreulich, dass in diesen Bereich 15 Äschen gefangen wurden, was zeigt, dass es noch selbstreproduzierende Äschen Bestände gibt und sich die Elterntiere vermutlich bei Entleerungen vom Schlauchwehr, im Schutz des Auslaufes aus den Werkskanal vom Kraftwerk Weinbach zurückziehen konnten. Bei diesen Äschen geht es um einen spezielle Ischl DNA-Stamm, denn wir versuchen werden, durch gezielte Abfischung, Abstreifen und auflegen der Eier im Brut Haus zu erhalten und zu entwickeln.

Nachgewiesene Fischarten in Befischungsstelle 4. n=Anzahl gefangener Individuen. Die für BS_4 errechnete Biomasse
beläuft sich auf 29,0 kg/ha. Erfreulich, dass in diesen Bereich 15 Äschen gefangen wurden, was zeigt, dass es noch ein paar selbstreproduzierende Äschen Bestände gibt.

Im Vergleich – die Biomasse 2008 war 106,1 Kg/ha

Im Bereich der Ausleitungsstrecke des KW Weinbach war im Jahr 2008 mit 2,47 ein gerade noch ein guter Zustand vor, mit deutlicher Tendenz zum mäßigen Zustand. Beide Leitarten (Aitel, Barbe) sind vorhanden und zeigen einen annähernd natürlichen Populationsaufbau. Es sind aber leichte Unterrepräsentanzen bei den Jungfischen und geringe Individuenzahlen bei den größeren Adulten festzustellen. Von den fünf typischen Begleitarten wurden Äsche und Rotauge nachgewiesen. Als Begleitarten treten Bachforelle und Koppe auf.

Abundanz und Biomasse (E-Befischungen), Ischl, Weinbach, 20.08.2008 (Quelle: 2008_GZÜV DB)
Hier ein Blick auf die BS_4, bei der Brücke in Weinbach, im Bereich der beiden Tümpel Pässe.
Entwicklung der Biomasse in Kg/ha in der Restwasserstrecke unterhalb vom Schlauchwehr in Weinbach.

Investitionen in die Ischl

Was man zur Ischl und den Baumaßnahmen die zwischen 2013 bis 2016 gemacht wurden wissen sollte: „Auf der einen Seite wurden viele Millionen in die Durchgängigkeit investiert, auf der anderen Seite wurden auch beim KW Schennerpolster und beim KW Weinbach viel Geld für Fischaufstiege ausgegeben. Wie man aus der Bestandsentwicklung sieht, waren wir mit der Entwicklung der Fischbestände an der Ischl auf den richtigen Weg. Fischbestände brauchen ein paar Jahre, bis sie sich selbstreproduzierend entwickeln. Umso unverständlicher ist die Vorgehensweise der zuständigen Behörde, durch die die beiden Geschiebesperren im Strobler Weissenbach über die Welle entleert wurden und damit zigtausend Tonnen Feinsedimente in die Ischl und in die Traun, bis zum Traunsee entsorgt wurde. Solche Maßnahmen sind nicht zeitgemäß und haben die Fischbestände, wie die Befischungsdaten zeigen massiv und über Jahre geschädigt und auch die durch Steuergelder finanzierten Investitionen verlandet und damit weiter Reparaturarbeiten ausgelöst die wiederholt zu fischschädigende Baumaßnahmen und Wassertrübungen (Kolmatierungen) führt.“

In den Jahren 2013-2015 wurden 4,5 Mio Euro in die Durchgängigkeit der Ischl investiert um lt. WRRL unsere Gewässer in einen „gut ökologischen Zustand“ zu bringen. Die Maßnahmen haben zeitversetzt zu greifen begonnen und es gin die Biomasse auf über 70 Kg/ha hinauf. Die Elektrobefischung wurde auch erst nach dem Sommerhochwasser Ende Juli 2019 durchgeführt, was zeigt, dass natürliche Ereignisse die Fische wegstecken. Mit Ende 2019 begonnen Geschiebesperren Entleerungen wurde jedoch nicht nur die Fischaufstiegshilfen stark geschädigt, sonder durch die permanente Drift von Feinsedimente wurden Generationen an Fischeier- und Fischbrut vernichtet, deren Aufbau Jahre brauchen wird, bis sich dieser wieder auf Bestände, wie wir diese 2008 hatte, entwickeln wird.

Befischungstelle 2 Ischl – Aschau Brücke

Befischungstelle 3 Ischl – Pfadlbrücke

Ergebnisse der Bestandsaufnahme vom 14. September 2021

Werden nach Verfügbarkeit ergänzt.

Heimo bei der Arbeit
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„Inmitten der Schwierigkeiten liegt die Möglichkeit.“

Zitat von: Albert Einstein

 
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