FISCHOTTER KARTIERUNG 2021 – AKTION VOM OÖLFV UND UMSETZUNG IM FROSKG

Die Fischotterkartierungen im Jahr 2021 dienen vorrangig der Feststellung des Fischotterbestandes im Land Oberösterreich nach der Europäischen Standardmethode beziehungsweise der Kontrolle von Brückenstandorten. Zusätzlich sind DNA-Analysen von acht Fließgewässern vorgesehen. Ziel der Fischotterkartierungen ist einen genauen Überblick über den Fischotterbestand und die Verwandtschaftsverhältnisse der Tiere zu erhalten. Der nachfolgende Bericht ist eine Aufzeichnung unserer Kartierung im Fischereirevier Oberes Salzkammergut (FROSKG).

EINFÜHRUNG:

Die Europäische Standardmethode

1977 entwickelten englische Fachleute eine sog. Stichproben-Methode, die von der IUCN/SSC Otter Specialist Group 1984 empfohlen und im Jahr 2000 als Europäischer Standard veröffentlicht wurde. Eine flächendeckende Kontrolle aller Gewässer ist in der Praxis nicht realisierbar. Daher werden sogenannte „Stichprobenorte“ untersucht: Je vier der Stichprobenorte liegen in einem 10 x 10 km Quadrat (je 1 Kontrollpunkt / 5 x 5 km2). In Oberösterreich kommt eine abgewandelte Form dieser Methode zum Einsatz, da diese zu besseren Ergebnissen führt. Hier werden mindestens 4 Brücken je 10 x 10 km Quadrat geprüft. Diese Methode fand auch bei Fischotterkartierung im Jahre 2012 (Kranz & Polednik 2013) Verwendung, wodurch eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse gegeben ist. Da im Sommer deutlich weniger Nachweise gefunden werden, und im Frühjahr häufig Hochwasser die Suche behindert, werden Verbreitungserhebungen vorrangig im Herbst/Winter durchgeführt. Die Stichprobennahme (der Losungen) wird dabei unter Brücken durchgeführt. Unter Brücken, mit breiten, sandigen Uferstreifen, ist die Wahrscheinlichkeit Fischotterspuren zu finden, sehr viel höher als an grasbewachsenen Rohrdurchlässen. Wird an einem Stichprobenort ein Nachweis des Otters gefunden, wird der Stichprobenort als „positiv“ bewertet. Werden unter der Brücke und in unmittelbarer Nähe (100 m) keine Nachweise gefunden, so gilt der Stichprobenort als „negativ“. Der Prozentsatz „positiver“ Stichprobenorte, die in einem bestimmten Gebiet gefunden wurden, erlaubt eine Einschätzung der Verbreitung des Otters und ermöglicht einen Vergleich zwischen Regionen. Die standardisierte Methode ermöglicht die Erstellung digitaler Verbreitungskarten auf internationaler Ebene. Zudem lassen sich auch Flächen darstellen, auf denen nach der beschriebenen Methode gesucht wurde, sich aber keine Nachweise fanden

Was gilt als Nachweis?

Als Nachweis des Vorkommens von Fischottern können für diese Kartierung nur Trittsiegel und/oder der Kot gelten. Beide Hinterlassenschaften sind dem Otter eindeutig zuzuordnen, sofern sie deutlich ausgeprägt und noch nicht zu sehr verwittert sind. Fischotter hinterlassen häufig Spuren, die ihnen nicht eindeutig zugeordnet werden können. Diese nicht eindeutig identifizierbaren Spuren können Wälzplätze und Fraßreste sein. Selbstverständlich sind auch Tot- und Lebendfunde (zum Beispiel Findelkinder) Nachweise, die mit den entsprechenden Daten aufgenommen werden. Sichtbeobachtungen sollten durch Fotos belegt sein, da die Verwechselungsmöglichkeiten mit Nutria, Bisam, Biber und Nerz mitunter recht groß sind. Im Jahre 2012 (Kranz & Polednik 2013) fand bereits eine oberösterreichweite Kartierung von 521 Brückenstandorten statt. Die Ergebnisse sind in nachfolgender Abbildung nach Flusseinzugsgebiet abgebildet dargestellt.

Nachweisdichten in den Gewässereinzugsgebieten im Jahre 2012 (Kranz & Polednik 2013).

Um eine Abschätzung über den gegenwärtigen Fischotterbestand zu erhalten und Managementmaßnahmen setzen zu können, sollen diese 521 Brückenstandorte plus einige weitere kontrolliert werden.

Dafür wurden an allen oberösterreichischen Gewässer Kartierungseinheiten gegliedert. Wir im FROSKG haben folgende Beobachtungspunkte dabei, die wir von der Überprüfung her auf drei „Spurensucher“ aufgeteilt haben.

Kartierung im FROSKG

Warum nur vier? Der Formalismus ist recht aufwendig und je mehr Leute darauf eingeschult werden müssen, um so mehr Zeit verlieren wir bei der Kartierung. Daher haben wir uns die Kontrollpunkte im FROSKG auf 4 Personen aufgeteilt.

Es werden die Otter Kartierung im FROSKG, wie auf der Grafik ersichtlich aufgeteilt und durchgeführt.

IDENTIFIKATION von FISCHOTTERNACHWEISEN:

Losungen:

Die Losung (Exkremente, Kot) des Fischotters ist der sicherste und am leichtesten zu führende Nachweis des Fischotters. Es handelt sich dabei in der Regel um recht formlose, rund fingernagelgroße bis mehrere Zentimeter lange Häufchen, welche meist mit Nahrungsresten (Schuppen, Gräten, Wirbeln, Amphibienknochen und Krebsschalen) durchsetzt sind.

Kot (Quelle: Kranz & Polednik 2013)
Sehr deutlich sind im Otterkot die Überreste seiner Beute (z.B. Fischschuppen oder Gräten) erkennbar. (Quelle: otterspotter.de)
Weiters werden durch den Otter auch Fischotteranalsekrete, sogenanntes Jelly, abgeben. Dieses Jelly gilt ebenfalls als Nachweis. (Quelle: otterspotter.de)

Trittsiegel:

Auch Trittsiegel gelten als Nachweis, sind jedoch teils schwer identifizierbar und verwechselbar. Selbst auf optimalem Untergrund ist nur bei rund einem Drittel aller Trittsiegel der Fußabdruck vollständig. Darüber hinaus sind diese auch noch leicht vergänglich.

Trittsiegel des Fischotters mit Größenangabe und Bild (otterspotter.de), rechts, Hinterlauftrittsiegel (aus Reuther et. al. 2000)
Vergleich zwischen Fuchs – Hund – Fischottertrittsiegeln (otterspotter.de)

Sonstige Spuren

(Fraßplätze, Höhlen, Ein- und Ausstiege, Schwimmspuren)

Ansammlungen von Fischschuppen können viele Ursachen haben: Greifvögel, Mink oder auch Bisam fressen an Fischkadavern. Sauber skelettierte Fische weisen eher auf Rattenfraß hin, welcher nicht eindeutig einem Prädator zuzuordnen sind. Bei vom Otter angefressenen Fischen bleibt nur selten etwas vom Skelett übrig. Bei größeren Fischen, können Fischotter als typisches Fraßbild Ausbisse im Kehlbereich verursachen.

Laichreifer Bachforellen Rogner aus der die Eier herausquellen. (Quelle: huberpower, Weissenbachtal)
Vom Otter aufgerissene Regenbogenforelle. (Quelle: Peter, Goiserer Traun)
Zwar nicht ganz erwischt, jedoch zum Sterben verurteilt ….. (Quelle: Peter, Goiserer Traun)
Perlfisch Kadaver beim Fischaufstieg beim Schenner Polster. (Quelle: Günther, Ischl)
Vom Otter attakierte Äsche! Jetzt gehts ans Familiensilber. (Quelle: Peter, Goiserer Traun)
In der Zwischenzeit haben wir einige Wild Kameras aufgehängt, die laufend Otter
Sichtungen Meldungen ….. (Quelle: Manfred, Revier Ischl)

Auch bei angefressenen Fröschen und Schlangen ist nur schwer einschätzbar von welchem Tier diese erbeutet wurden. Fischotter entfernen beim Fressen von Kröten regelmäßig die Krötenhaut, die am Fraßplatz als Hülle liegen bleibt.

Höhlen in der Uferböschung sind nur ein Nachweis falls dort Trittsiegel (oder auch Kot) gefunden werden. (otterspotter.de)

Erfassungsbogen – Anleitung:

Für eine erfolgreiche und ordnungsgemäße Kartierung sind jedenfalls folgende Utensilien notwendig:
Felderhebungsbogen
 Brücken-Lageplan in Maßstab 1:25.000 (wird postalisch gemeinsam mit den Felderhebungsbögen übermittelt)
 Maßband
 Kamera (oder Handy mit guter Kamera)
 Gummistiefel oder Wathose

Ausrüstung für den „Fährtenleser“ (Foto: © by DI Karl Fehrer)

Die Felderhebungsbögen sind vollständig und prinzipiell mit Bleistift leserlich auszufüllen.
Generell ist jeder Brücken-Standort mit mind. einem Foto zu dokumentieren! Die Fotos sind mit der Ref.Nr. (Brücke) abzuspeichern (z.B. Punkt 4 = 4_IMG_20323424) oder auszudrucken. Die Fotonummer ist auf dem Felderhebungsbogen einzutragen.

In den Felderhebungsbogen ist der Name des Kartierers einzutragen. Der Nachname ist zur besseren Lesbarkeit in BLOCKBUCHSTABEN auszufüllen. Für die jeweiligen Kartierungseinheiten werden für die Kartierer Übersichtskarten und Detailpläne im Maßstab 1:25.000 mit Koordinaten zur Verfügung gestellt. Dieser Detailplan ist mit der Brückennummer und der Kartierungseinheit beschriftet und sollte im Anschluss an die Kartierung an den Erhebungsbogen angeheftet werden. In das Feld „Ref.Nr. (Brücke)“ ist die Brückennummer einzutragen. Koordinaten können vom Detailplan übernommen werden, der Gewässername ebenfalls. Die Gewässerbreite ist im Kartierungbogen in einer von drei Kategorien einzutragen, nämlich unter 5 m Breite, 5 – 15 m Breite und über 15 m Breite. Die Breite kann geschätzt werden, zum Beispiel durch Abschreiten der Brücke. Das Messen aus dem Luftbild wäre vorzuziehen. Bei der Wasserführung ist der zum Zeitpunkt der Kartierung vorherrschende
Wasserstand einzutragen. Wenn vorhanden, ist ein Pegel in der Nähe heranzuziehen. Dieser ist unter hydro.ooe.gv.at abrufbar. Im Falle eines Hochwasserereignisses ist die Kartierung einzutragen und kann abgebrochen und an einem anderen Tag nachgeholt werden.

Unter Verbauungsgrad Uferlinie ist der Ausprägung der Strecke (nicht der Brücke!) in einem Umkreis von ca. 200 m anzugeben. Dabei ist zwischen natürlich bis naturnah mit Uferbewuchs, gesichert (mit Wasserbausteinen, lichten Blockwurf etc.) und stark verbaut (begradigt und gesichert) zu unterscheiden. Unter Typnummer Umland ist einzutragen ob es sich um eine Ortsstrecke, also im verbauten Gebieten bzw. Siedlungsgebiet oder eine Freilandstrecke handelt. Als Übergangsstrecken sind Gewässerabschnitte einzutragen, wenn diese nicht eindeutig zuordenbar sind, bzw. mehr oder weniger stark verbaut sind (Ausleitungsstrecken von Kraftwerken, begradigte Strecken etc.).

Ausfüllhilfe: siehe Rückseite
Heimo bei der Arbeit
Artikel ist in Arbeit und wir werden unsere Ergebnisse vom FROSKG mit dokumentieren ….

Wildkameras helfen uns im Revier ….

https://www.otterspotter.de/anleitung-isos-spurensuche

Weitere Informationen:

Die Europäische Standardmethode für die für Verbreitungserhebung von Fischotter

„Wir können den Wind nicht ändern, ab die Segel anders setzen.“

Zitat: Aristoteles

 
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